„Die Frau hat das Recht, das Schafott zu besteigen. Sie muss gleichermaßen das Recht haben, die Tribüne zu besteigen.“ Lange Zeit beschränkte sich die Vorstellung von der französische Revolutionärin und Schriftstellerin Olympe de Gouges vorwiegend auf den zitierten zehnten Artikel ihrer Erklärung der Rechte der Frau und Bürgerin von 1791, verweist er doch letztlich auf ihr späteres Schicksal. Offiziell eingegangen in die Geschichte der Französischen Revolution ist Olympe de Gouges als Dossier 210 in den Archives Nationales in Paris: „Nom: Aubry (Marie Olympe de Gouges), Profession: femme auteur, Jugement: mort, Date: 12 brumaire an II“. Heute lässt insbesondere der erste Artikel „Die Frau ist frei geboren und bleibt dem Manne gleich in allen Rechten.“ jenes Bild entstehen, dass wir uns mehr als 200 Jahre nach ihrem Auftreten in der Französischen Revolution von ihr machen: Olympe de Gouges als „Ahnfrau des Feminismus“ , deren Deklaration zu den „klassischen Texten der Frauenrechtsbewegung“ zählt. Ihr viertausend Seiten umfassendes politisches und literarisches Œuvre spiegelt jedoch nicht nur die revolutionäre Frauenrechtlerin, sondern auch die engagierte Schriftstellerin wider. So ist Olympe de Gouges heute ganz selbstverständlich in verschiedenen Bereichen der wissenschaftlichen Forschung vertreten, sei es in der Geschichts- und Rechtswissenschaft, der Frauenforschung oder der Literaturwissenschaft.[...]
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Das Bild Olympe de Gouges’ bei Jules Michelet
2. Die Rezeption Olympe de Gouges’ in der deutschen Frauenbewegung um 1900
3. Die Wiederentdeckung der Deklaration 1977
4. Olivier Blancs Biographie der Olympe de Gouges 1981
5. Die Würdigung Olympe de Gouges‘ als Schriftstellerin in der Denkschrift der Madame de Valmont
6. Olympe de Gouges-Rezeption im Rahmen des Bicentenaire
7. Die Darstellung Olympe de Gouges’ in aktuellen Überblicksbänden zur Französischen Revolution
8. Die Darstellung Olympe de Gouges‘ in der Frauenforschung, der Rechtsgeschichte und der Philosophie
9. Ausblick: Olympe de Gouges im Internet
10. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die historische Wahrnehmung und wissenschaftliche Rezeption der französischen Revolutionärin Olympe de Gouges und ihrer "Erklärung der Rechte der Frau und Bürgerin" von 1791 anhand chronologisch ausgewählter Publikationen.
- Die Entwicklung des Olympe de Gouges-Bildes in der Geschichtsschreibung des 19. und 20. Jahrhunderts.
- Die Bedeutung der Deklaration für die frühe und moderne Frauenbewegung.
- Kritische Analyse der Integration von Frauenbiographien in Überblicksdarstellungen zur Französischen Revolution.
- Vergleich der Darstellung Olympe de Gouges' in Frauenforschung, Rechtsgeschichte und Philosophie.
Auszug aus dem Buch
Das Bild Olympe de Gouges’ bei Jules Michelet
Erste biographische Hinweise zu Olympe de Gouges finden sich in den Memoiren ihrer Zeitgenossen, die jedoch meist ein sehr negatives Bild von ihr wiedergeben. Zu nennen sind hier insbesondere der Schriftsteller Restif de la Bretonne, der von ihr als „der Furie de Gouges […] (ein Name der ihr besser zu Gesicht stünde als Olympe)“ zu berichten weiß, sowie der Schauspieler Fleury, Mitglied der Comédie française, bei dem es heißt: „Madame de G*** war eine dieser Schriftstellerinnen, denen man am liebsten ein Rasiermesser schenkte; eine dieser Frauen, denen es unter größten Anstrengungen gelungen ist, so unweiblich wie möglich zu erscheinen.“ Die weitere Rezeption des 19. Jahrhunderts sollte jene Aussagen unkritisch übernehmen.
1854 veröffentlichte der französische Historiker Jules Michelet (1798-1874) seine Schrift Les Femmes de la Révolution als Hommage an die Frauen der Revolutionszeit, die das Frauenbild der Revolution, und somit auch das Bild Olympe de Gouges’, in der Geschichtsschreibung nachhaltig prägen und beeinflussen sollte. So leitet Paule-Marie Duhet 1971 ihr Werk Les Femmes et la Révolution mit einer Würdigung Jules Michelets ein und zitiert ihn in der weiteren Darstellung mehrfach als Quelle. Michelet gilt in Frankreich als Begründer der modernen Geschichtsschreibung, er ist der Verfasser einer neunzehnbändigen Geschichte Frankreichs und einer zehnbändigen Geschichte der französischen Revolution, aus der sein Band über die Frauen der Revolution hervorging.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Vorstellung der Relevanz Olympe de Gouges' als Vorkämpferin für Frauenrechte und Skizzierung des chronologischen Aufbaus der Arbeit.
1. Das Bild Olympe de Gouges’ bei Jules Michelet: Analyse der einseitig negativen Darstellung durch den Historiker Michelet im 19. Jahrhundert.
2. Die Rezeption Olympe de Gouges’ in der deutschen Frauenbewegung um 1900: Untersuchung, wie Vertreterinnen der bürgerlichen und sozialistischen Frauenbewegung Olympe de Gouges als Identifikationsfigur nutzten.
3. Die Wiederentdeckung der Deklaration 1977: Betrachtung der wissenschaftlichen Wiederentdeckung durch Hannelore Schröder und deren Bedeutung für die Frauenforschung.
4. Olivier Blancs Biographie der Olympe de Gouges 1981: Bewertung der ersten wissenschaftlich fundierten Biographie, die ein differenzierteres Bild der Autorin zeichnete.
5. Die Würdigung Olympe de Gouges‘ als Schriftstellerin in der Denkschrift der Madame de Valmont: Fokus auf die literaturwissenschaftliche Untersuchung ihres belletristischen Werks.
6. Olympe de Gouges-Rezeption im Rahmen des Bicentenaire: Analyse der gesteigerten wissenschaftlichen Beschäftigung anlässlich des 200-jährigen Revolutionsjubiläums 1989.
7. Die Darstellung Olympe de Gouges’ in aktuellen Überblicksbänden zur Französischen Revolution: Untersuchung, inwieweit neuere Standardwerke die Rolle der Frauen angemessen integrieren.
8. Die Darstellung Olympe de Gouges‘ in der Frauenforschung, der Rechtsgeschichte und der Philosophie: Vergleich fachspezifischer Perspektiven auf ihre historische Bedeutung.
9. Ausblick: Olympe de Gouges im Internet: Kurze Betrachtung der digitalen Präsenz und Wissensvermittlung über die Autorin.
10. Zusammenfassung: Resümee der Forschungsergebnisse und Fazit zur heutigen Renaissance von Olympe de Gouges.
Schlüsselwörter
Olympe de Gouges, Französische Revolution, Erklärung der Rechte der Frau und Bürgerin, Feminismus, Frauenbewegung, Frauenforschung, Rechtsgeschichte, Geschichtsschreibung, Jules Michelet, Hannelore Schröder, Menschenrechte, Frauenrechte, Ideengeschichte, Emanzipation, Rezeptionsgeschichte
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die historische und wissenschaftliche Rezeption der französischen Revolutionärin Olympe de Gouges, insbesondere wie sich das Bild von ihr und ihrer Deklaration über zwei Jahrhunderte gewandelt hat.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Themenfelder umfassen die Geschichte des Feminismus, die rechtswissenschaftliche Analyse von Frauenrechten, die kritische Historiographie der Französischen Revolution sowie die literaturwissenschaftliche Würdigung von de Gouges' Werken.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Entwicklung der Einordnung von Olympe de Gouges aufzuzeigen – von einer abgelehnten Figur des 19. Jahrhunderts hin zur anerkannten "Ahnfrau des Feminismus" in heutigen wissenschaftlichen Publikationen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine chronologische Analyse der Rezeptionsgeschichte, wobei verschiedene (wissenschaftliche) Publikationen von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart verglichen und kritisch hinterfragt werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert spezifische Etappen der Rezeption: Michelets Sicht, die Rolle in der frühen Frauenbewegung, die Wiederentdeckung durch Hannelore Schröder, die Biographie von Olivier Blanc sowie die Darstellung in modernen Überblicksbänden und verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird primär durch Begriffe wie Olympe de Gouges, Frauenrechte, Feminismus, Rezeptionsgeschichte und Französische Revolution charakterisiert.
Warum wird Michelets Darstellung als "negativ" bewertet?
Michelet betrachtete Olympe de Gouges durch die Brille seiner Zeit und Rousseaus, wobei er sie als "ungebildet" und von einer "nervösen Reizbarkeit" getrieben darstellte, anstatt ihre politischen Forderungen ernsthaft zu analysieren.
Welche Rolle spielte Hannelore Schröder für die moderne Forschung?
Hannelore Schröder gilt als zentrale Figur, die 1977 durch die wissenschaftliche Publikation der "Erklärung der Rechte der Frau und Bürgerin" entscheidende Impulse für die feministische Forschung und die Anerkennung de Gouges' leistete.
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- Pia Bornemann (Author), 2012, Olympe de Gouges und die Erklärung der Rechte der Frau und Bürgerin 1791. Studien zur Darstellung und Rezeption der französischen Revolutionärin und Schriftstellerin, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/210876