Die vorliegende Arbeit untersucht die Darstellung des nationalen Arminius/Hermann Mythos in Denkmälern zu Anfang des 19. Jahrhunderts im
Rahmen des Nationsbildungsprozesses.
Der Schwerpunkt der Arbeit liegt bei der Symbolik und der Ikonografie, d.h. sie fragt einerseits, was symbolisiert Hermann für die Angehörigen der Nationalbewegung, und andererseits, wie wird er dargestellt.
Dieser Zeitraum wurde ausgesucht, weil er den Anfang des deutschen
Nationalbewusstseins und des Nationsbildungsprozesses darstellt. Für die Analyse der Ikonografie in Denkmälern werden folgende Beispiele herangezogen: das Detmolder Hermannsdenkmal und die Darstellung der Arminiusschlacht im
nördlichen Giebelfeld der Walhalla.
Dabei muss man zunächst auf die Frage eingehen, was nationale Mythen sind und
welche Rolle sie in der Nationalbewegung zu Beginn des 19. Jahrhunderts spielen. Es wird der aktuelle Forschungsstand zum Mythos anhand von Autoren wie Miroslav Hroch, Monika Flacke, Etienne François, Hagen Schulze und Hans Ulrich Wehler berücksichtigt.
Danach stellt die Arbeit die Geschichte des Arminius vor und beschreibt, wie er zum Mythos und am Anfang des 19. Jahrhunderts ein Teil des nationalen
Selbstbewusstseins wurde. Sie zeigt auch, wie Hermann Anfang des 19. Jahrhunderts durch die Vertreter der Nationalbewegung in der Literatur dargestellt wurde. Die Symbolik wird anhand verschiedener Gedichte aus der Zeit der Napoleonischen Kriege und der Revolution von 1848 analysiert, um die Bedeutung des Mythos zu diesem Zeitpunkt zu zeigen. Da in der Lyrik die Emotionen am deutlichsten gezeigt werden, werden daraus die Beispiele für die Bedeutung des Hermannsmythos herangezogen. [...]
Diese Arbeit soll an die Rolle der Mythen und insbesondere an den Hermannsmythos im Nationsbildungsprozess der Zeit erinnern, als das Nationskonzept nach und nach entstand und durch gemeinsame Vergangenheit, Werte, Kultur und Symbolfiguren, z. B. Nationalhelden, legitimiert werden musste. Sie wurden als Nationsväter identifiziert, und ihre Tugenden, z. B. ihre Intelligenz, Listigkeit oder Tapferkeit gegen die „Unterdrücker“ und Feinde des Vaterlands, egal ob Römer oder Franzosen, dienten als Verhaltensmuster.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Die nationalen Mythen
2.1 Das „emotionale Fundament“ der Nation
2.2 Die Funktionen des Mythos
2.3 Wirksamkeit
3 Der Hermannsmythos
3.1 Der Ursprung: Arminius‘ Geschichte
3.2 Von Arminius zu Hermann
3.3 Hermann als Symbolfigur
3.3.1 Symbolik in der Lyrik
4 Darstellung des Hermannsmythos in Denkmälern
4.1 Denkmäler zur Nationsbildung
4.2 Beispielsdenkmäler
4.2.1 Das Detmolder Hermannsdenkmal
4.2.2 Die Arminiusschlacht in der Walhalla bei Donaustauf
5 Schluss: Zeit für supranationalen Mythen?
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Darstellung des nationalen Arminius/Hermann-Mythos im frühen 19. Jahrhundert und analysiert, wie diese Figur durch Denkmäler und Literatur als identitätsstiftendes Symbol in den Prozess der Nationsbildung integriert wurde. Dabei wird der Frage nachgegangen, wie historische Ereignisse konstruiert und instrumentalisiert wurden, um ein kollektives Bewusstsein zu schaffen.
- Die Rolle nationaler Mythen im Prozess der Nationsbildung.
- Die Transformation der historischen Arminius-Figur zum Nationalhelden Hermann.
- Die Analyse literarischer Texte im Kontext der Befreiungskriege.
- Die ikonografische Bedeutung und Symbolik von Denkmälern wie dem Hermannsdenkmal und der Walhalla.
Auszug aus dem Buch
Die Funktionen des Mythos
Mythen haben verschiedene Funktionen bei der Nationsbildung, die bei Hroch besonders gut dargestellt sind. Zunächst geben sie eine Grundlage zur „Selbstdefinition einer nationalen Gruppe“: die Nationalbewegung will die Charakteristika ihrer vergangenen Nationalhelden in den Charakteristiken der Nation sehen. Wenn die Nationalgemeinschaft etwa auf Freiheit hofft, so wird aus Arminius-Hermann ein Freiheitskämpfer. Mythen tragen zur „Kommunikation unter den Gruppenangehörigen“ bei, indem sie Gemeinsamkeiten innerhalb der Gruppe kreieren und somit eine Abgrenzung von den Anderen schaffen. Diese vereinfachte Kommunikation ist eine wichtige Voraussetzung für die Nationsbildung, wenn man betrachtet, dass eine Nation eine „‚Gemeinschaft, komplementärer sozialer Kommunikation‘, also eine Gruppe, deren Angehörige untereinander leichter, komplexer und intensiver kommunizieren können als mit Angehörigen anderer Gruppen“ (Karl Deutsch zit. nach Wehler, 2001: 21), sein soll. Außerdem bewirkt der Glaube an Mythen eine „konsensuale Rezeption bestimmter Werte“; Mythen haben also eine „orientierende Funktion“ (Münkler, 2009: 26), indem sie als „Religionsersatz“ (Wehler 2001: 67) einen „Code“ liefern, an den man sich halten kann. Zuletzt stiften sie Solidarität innerhalb der Gruppe, und so motivieren sie beispielsweise Soldaten, begeistert ihr Leben für das Wohl der Nation zu opfern.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Arbeit führt in die Untersuchung des Arminius/Hermann-Mythos in der deutschen Nationsbildung des frühen 19. Jahrhunderts ein.
2 Die nationalen Mythen: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Grundlagen nationaler Mythen, deren Entstehung, Funktionen und deren Wirksamkeit im historischen Kontext.
3 Der Hermannsmythos: Hier wird die historische Figur des Arminius analysiert und aufgezeigt, wie diese durch Literatur und ideologische Vereinnahmung zum Hermann-Mythos stilisiert wurde.
4 Darstellung des Hermannsmythos in Denkmälern: Das Kapitel befasst sich mit der ikonografischen Umsetzung des Mythos in Denkmälern am Beispiel des Detmolder Hermannsdenkmals und der Walhalla.
5 Schluss: Zeit für supranationalen Mythen?: Das Fazit reflektiert über den Wandel nationaler Mythen und stellt die Frage nach der Möglichkeit einer europäischen, supranationalen Identitätsstiftung.
Schlüsselwörter
Hermannsmythos, Arminius, Nationsbildung, Nationalismus, Denkmäler, Ikonografie, Kollektives Gedächtnis, Identitätsstiftung, Befreiungskriege, Symbolfigur, Deutsche Geschichte, Hermannsdenkmal, Walhalla, Nationalbewegung, Geschichtskonstruktion
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, wie die Figur des Arminius bzw. Hermann im 19. Jahrhundert als nationaler Mythos konstruiert wurde, um die deutsche Nationsbildung ideologisch zu unterstützen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die Theorie nationaler Mythen, die literarische Rezeption des Hermann-Stoffes sowie die symbolische und ikonografische Gestaltung von Nationaldenkmälern.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie der Mythos als Instrument der Abgrenzung gegenüber dem „Anderen“ und zur Legitimierung nationaler Einheit in der Kunst und Architektur eingesetzt wurde.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt einen kulturwissenschaftlichen Ansatz, der literarische Quellen und die Ikonografie monumentaler Denkmäler in den theoretischen Kontext der Nationsbildung einbettet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Definition von Mythen, die historische Herleitung des Arminius-Mythos und die detaillierte Untersuchung der Denkmäler in Detmold und Donaustauf.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich primär über die Begriffe Nationsbildung, Hermannsmythos, Nationaldenkmäler und Identitätsstiftung charakterisieren.
Welche Rolle spielt das Detmolder Hermannsdenkmal im Vergleich zur Walhalla?
Beide Denkmäler dienen als monumentale Symbole der Nation, wobei das Hermannsdenkmal eher eine „von unten“ initiierte Volksehrung darstellt, während die Walhalla ein staatlich beauftragtes Weihedenkmal unter Ludwig I. ist.
Warum wird der Begriff "erträumte Vergangenheit" in der Arbeit verwendet?
Dieser Begriff verweist darauf, dass Mythen historische Fakten oft modifizieren oder neu interpretieren, um sie den gegenwärtigen politischen Bedürfnissen und Vorstellungen einer Nation anzupassen.
- Arbeit zitieren
- Laura Torres (Autor:in), 2012, Das Hermannsdenkmal bei Detmold und die Arminiusschlacht in der Walhalla bei Donaustauf. Zur Symbolik des Hermannsmythos, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/210226