Was ist eine Wissenschaft? Was bedeutet überhaupt wissenschaftliches Forschen und Arbeiten? Und wie sieht dieses Arbeiten speziell in der Sprachwissenschaft aus? Über diese Fragen gibt der vorliegende Vortrag einen ersten, allgemeinen Überblick.
Inhaltsverzeichnis
1. Allgemeine Definition: Wissenschaft
2. Kennzeichen einer Wissenschaft
3. Kennzeichen wissenschaftlicher Forschung
4. Kriterien für Wissenschaftlichkeit
5. Wie denkt man wissenschaftlich?
6. Wissenschaftssprache
7. Definitionen: Hypothese – Theorie – Methode
8. Leistung von Theorien
9. Teiltätigkeiten und Arbeitsschritte des Sprachwissenschaftlers
10. Modellfall zur Illustration der sprachwissenschaftlichen Arbeitsweise
11. Erkenntnisgewinnung mittels Falsifikation
12. Exkurs in die historische Sprachwissenschaft: Das Unerklärliche erklären
13. Schlusswort
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit vermittelt Studierenden der Romanistik die grundlegenden Methoden des sprachwissenschaftlichen Arbeitens. Ziel ist es, ein Verständnis für das wissenschaftliche Vorgehen, die Bedeutung von Terminologie, Theoriebildung und empirischer Forschung zu entwickeln sowie die Anwendung von Methoden in der Praxis zu illustrieren.
- Grundlagen und Definitionen von Wissenschaft und wissenschaftlicher Forschung.
- Bedeutung der Wissenschaftssprache und Präzision in der linguistischen Arbeit.
- Zusammenhang von Hypothesen, Theorien und empirischen Methoden.
- Arbeitsschritte der linguistischen Analyse anhand praktischer Beispiele.
- Erkenntnisgewinnung durch Falsifikation und Umgang mit unerklärlichen Befunden.
Auszug aus dem Buch
1. Allgemeine Definition: Wissenschaft
Ein geläufiges deutsches Wörterbuch definiert den Begriff „Wissenschaft“ als „geordnetes, folgerichtig aufgebautes, zusammenhängendes Gebiet von Erkenntnissen“. Diese Definition enthält schon drei Merkmale, die verdeutlichen, dass Wissenschaft unter verschiedenen Aspekten etwas Systematisches an sich hat.
Wenden wir uns einer ausführlicheren Definition des Begriffs zu: Die Wissenschaftstheorie ist ein Teilgebiet der Philosophie; aus diesem Grund ist es ratsam, ein geeignetes philosophisches Nachschlagewerk heranzuziehen. Im „Handbuch wissenschaftstheoretischer Begriffe“ erscheint Wissenschaft nicht als Ergebnis einer Tätigkeit, sondern als etwas Prozesshaftes mit verschiedenen Teilschritten und Zielen.
„Wissenschaft ist jede intersubjektiv überprüfbare Untersuchung von Tatbeständen und die auf ihr beruhende, systematische Beschreibung und – wenn möglich – Erklärung der untersuchten Tatbestände.“
Speziell die „exakten“ Naturwissenschaften gelten als Vorbild wissenschaftlichen Arbeitens; daher abschließend eine Definition aus Sicht eines Naturwissenschaftlers. Man beachte, welch große Bedeutung hier den Methoden bei der Gewinnung von Erkenntnissen zugemessen wird:
„Science is not merely a collection of facts, concepts, and useful ideas about nature, or even the systematic investigation of nature, although both are common definitions of science. Science is a method of investigating nature--a way of knowing about nature--that discovers reliable knowledge about it. […] Reliable knowledge is knowledge that has a high probablility of being true because its veracity has been justified by a reliable method.“ (Hervorhebungen: S. D. S.)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Allgemeine Definition: Wissenschaft: Definiert Wissenschaft als prozesshaftes, systematisches Unterfangen zur Erkenntnisgewinnung durch intersubjektiv überprüfbare Methoden.
2. Kennzeichen einer Wissenschaft: Beschreibt die drei Grundpfeiler: einen spezifischen Forschungsgegenstand, charakteristische Methoden zur objektiven Beobachtung und eine präzise Wissenschaftssprache.
3. Kennzeichen wissenschaftlicher Forschung: Erläutert die notwendigen Kriterien Exaktheit, Systematik und Objektivität und verdeutlicht deren Anwendung anhand linguistischer Beispiele.
4. Kriterien für Wissenschaftlichkeit: Vertieft die Anforderungen an eine wissenschaftliche Arbeit, insbesondere die logische Widerspruchsfreiheit, theoretische Fruchtbarkeit und prognostische Relevanz.
5. Wie denkt man wissenschaftlich?: Diskutiert das Zusammenspiel von Empirismus und Rationalismus sowie die Bedeutung einer skeptischen Grundhaltung gegenüber eigenen und fremden Ergebnissen.
6. Wissenschaftssprache: Erörtert die Funktion der Fachsprache als Metasprache und ihre Notwendigkeit zur Eindeutigkeit, trotz ihrer Komplexität für Laien.
7. Definitionen: Hypothese – Theorie – Methode: Klärt die zentralen Begriffe und deren wechselseitige Abhängigkeit als Fundament für wissenschaftliches Arbeiten.
8. Leistung von Theorien: Listet sieben zentrale Leistungen auf, die Theorien zur Welterklärung erbringen, von der Selektion bis hin zur Prognose.
9. Teiltätigkeiten und Arbeitsschritte des Sprachwissenschaftlers: Veranschaulicht den Kreislauf von empirischen und theoretischen Tätigkeiten, die zum Erkenntnisgewinn über Sprache führen.
10. Modellfall zur Illustration der sprachwissenschaftlichen Arbeitsweise: Führt ein praxisnahes, fiktives Beispiel zur Satzstellung ein, um induktive und deduktive Forschungsschritte zu demonstrieren.
11. Erkenntnisgewinnung mittels Falsifikation: Erklärt das Prinzip der Falsifikation nach Popper als Methode, um Theorien durch konsequente Überprüfung vorläufig zu bestätigen oder zu widerlegen.
12. Exkurs in die historische Sprachwissenschaft: Das Unerklärliche erklären: Zeigt Wege auf, wie mit empirisch schwer greifbaren Befunden umgegangen werden kann, etwa durch Ad-hoc-Hypothesen oder Analogiebildungen.
13. Schlusswort: Betont, dass neben der Kenntnis methodischer Regeln die praktische Erfahrung und die bewusste Reflexion der eigenen Arbeitsweise unverzichtbar sind.
Schlüsselwörter
Wissenschaftstheorie, Linguistik, Empirismus, Rationalismus, Hypothese, Theorie, Methode, Falsifikation, Objektivität, Fachsprache, Sprachwissenschaft, Forschungsprozess, Induktion, Deduktion, Analyse
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit bietet eine Einführung in die Grundlagen des wissenschaftlichen Arbeitens, speziell zugeschnitten auf Studierende der Sprachwissenschaft.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Kernbereichen zählen die Definition von Wissenschaftlichkeit, die Funktion von Theorien und Hypothesen, die Bedeutung linguistischer Fachsprache sowie methodische Arbeitsabläufe.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, den Studierenden das theoretische Rüstzeug und ein Verständnis für die systematische Arbeitsweise zu vermitteln, um wissenschaftliche Erkenntnisse in der Linguistik fundiert gewinnen und kommunizieren zu können.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit stellt den Wechsel zwischen induktivem Vorgehen (vom Einzelfall zur Regel) und deduktivem Vorgehen (von der Regel zum Einzelfall) sowie das Prinzip der Falsifikation als zentrales Element der Wahrheitsprüfung vor.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil umfasst Kriterien für Wissenschaftlichkeit, eine Definition von Kernbegriffen, die Leistungen von Theorien, praktische Arbeitsschritte in der Sprachwissenschaft sowie einen Exkurs zur historischen Sprachwissenschaft.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Wissenschaftstheorie, Falsifikation, Empirismus, Theoriebildung, linguistische Methodik und Objektivität.
Was versteht der Autor unter dem „Modellfall“?
Der Modellfall dient als konkretes, illustratives Beispiel anhand einer fiktiven Sprache, an dem Schritt für Schritt gezeigt wird, wie Sätze gesammelt, klassifiziert und Hypothesen zur Satzstellung aufgestellt und geprüft werden.
Wie geht die historische Sprachwissenschaft mit unerklärlichen Phänomenen um?
Wenn empirische Daten nicht direkt in Hypothesen münden, nutzt man Hilfsmittel wie Ad-hoc-Hypothesen, Analogien zu anderen Sprachformen oder untersucht die Entstehung einer Form in Kontexten, in denen die betreffende Lautregel bereits keine Gültigkeit mehr besaß.
- Arbeit zitieren
- Mark Möst (Autor:in), 2009, Methoden des sprachwissenschaftlichen Arbeitens, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/210168