David Hume ist einer der bedeutendsten Vertreter der britischen Aufklärung. Er vertritt allgemeine Ziele dieser Epoche und sucht nach “einer angemessenen Form des menschlichen Zusammenlebens in einer Gesellschaft“ unabhängig von den Glaubenssätzen der Kirche. Unter dem Einfluss des veränderten wissenschaftlichen Denkens durch Bacon, Galilei, Descartes und Newton, forschen die Aufklärer nach den Ursachen von Entitäten, um ihre Gesellschaftstheorien empirisch zu stützen.
Humes Argumentation besteht aus der Beobachtung von “menschliche[m] Handeln oder Verhalten“3 ”im täglichen Leben“4. Hierzu gibt der Empirist Beispiele für Alltagssituationen menschlichen Zusammenlebens, die durch ihre Selbstverständlichkeit eine Aussage über die grundlegenden Prinzipien moralischen Handelns treffen sollen.
Im Vergleich zu anderen Aufklärern Großbritanniens wie beispielsweise Hutcheson und Shaftesbury, spricht David Hume dem Gefühl eine besonders große Bedeutung für das moralische Handeln zu. Seine Gefühlsethik beinhaltet die These, dass nicht der Verstand, sondern das Gefühl der Ursprung menschlicher Verhaltensweisen ist.
Weiterhin geht er davon aus, dass der Mensch neben egoistischen Gefühlen auch ein altruistisches Gefühl – das Gefühl der Menschlichkeit – besitzt. Die Menschlichkeit hat nach Hume eine größere Bedeutung als die Selbstliebe.
Mit diesen Hauptthesen distanziert sich David Hume bewusst vom Rationalismus und vom ethischen Egoismus.
Das Gefühl der Menschlichkeit, so Hume, ist in jedem Menschen verankert. Doch wie äußert es sich? Wie ist zu beweisen, dass solch ein allgemeines Gefühl tatsächlich existiert?
Im Folgenden wird Humes Untersuchung der Menschenliebe thematisiert und die Allgemeingültigkeit seiner Thesen diskutiert.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Hauptteil
2.1 Untersuchung über die Prinzipien der Moral
2.2 Das Gefühl der Menschlichkeit
2.3 Abgrenzung zum Egoismus
3. Fazit und Reflexion
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit setzt sich kritisch mit David Humes Analyse des Gefühls der Menschlichkeit im neunten Abschnitt seiner „Untersuchung über die Prinzipien der Moral“ auseinander und untersucht die Wirksamkeit altruistischer versus egoistischer Motive im menschlichen Zusammenleben.
- Analyse der Gefühlsethik von David Hume
- Die Rolle des Gefühls der Menschlichkeit im sozialen Kontext
- Gegenüberstellung von Altruismus und rationalem Egoismus
- Kritische Würdigung der empirischen Begründbarkeit moralischer Handlungen
Auszug aus dem Buch
Das Gefühl der Menschlichkeit: Abschnitt IX in David Humes „Untersuchung über die Prinzipien der Moral“
Die Menschlichkeit ist ein soziales Gefühl, dass dazu führt, dass die Menschen Charaktereigenschaften von Natur aus gleich werten. Auf die Liste der allgemeinen Tugenden setzt Hume Anstand, Freundlichkeit, Fleiß, Menschenkenntnis, gutes Benehmen und „Gelassenheit der Seele“5. Wer möchte bezweifeln, dass diese Eigenschaften ein allgemeines Wohlwollen auslösen?
Bei der Beschreibung der Laster kritisiert David Hume die Kirche mit ihrem „Aberglauben und der falschen Religion“6: „Zölibat, Fasten, Buße, Kasteiung, Selbstverleugnung, Scham, Schweigen, Einsamkeit und das ganze Verzeichnis mönchischer Tugenden“7 kritisiert er als unmenschliche Eigenschaften, die gegen Herz und Verstand des Individuums arbeiten.
Wir wissen aus Humes vorangehender Untersuchung, dass es von ihrem Zweck nützlich oder angenehm für sich oder andere zu sein abhängt, ob diese Eigenschaften als tugendhaft und jene als lasterhaft gewertet werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in David Humes Bedeutung für die Aufklärung ein und stellt die zentrale Fragestellung zur Rolle des Gefühls der Menschlichkeit in seinem moralphilosophischen Werk vor.
2. Hauptteil: Dieser Abschnitt erörtert Humes Ablehnung rein rationaler Begründungen für Moral und untersucht, wie das Gefühl der Menschlichkeit soziale Normen sowie das Urteil über Tugenden und Laster prägt.
3. Fazit und Reflexion: Der Autor resümiert Humes skeptische Haltung gegenüber absoluten moralischen Wahrheiten und hinterfragt kritisch, ob altruistisches Handeln empirisch zweifelsfrei vom Eigeninteresse abgrenzbar ist.
Schlüsselwörter
David Hume, Gefühlsethik, Menschlichkeit, Aufklärung, Moralphilosophie, Altruismus, Egoismus, Tugend, Laster, Empirismus, soziale Normen, Vernunft, Wohlwollen, Charakter, ethische Untersuchung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert David Humes neunten Abschnitt seiner „Untersuchung über die Prinzipien der Moral“ und beleuchtet die Rolle des Gefühls der Menschlichkeit als Basis für moralische Wertungen.
Welches sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen sind die Gefühlsethik, die Abgrenzung moralischen Handelns von reinem Eigeninteresse sowie die soziale Dimension menschlicher Charaktereigenschaften.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, Humes Thesen zu hinterfragen und zu prüfen, ob das „Gefühl der Menschlichkeit“ als universeller Maßstab für moralisches Verhalten in einer Gesellschaft Bestand hat.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine philosophische Textanalyse und verknüpft diese mit einer reflexiven Auseinandersetzung über die empirische Validität von Humes Argumenten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil konzentriert sich auf die Definition von Tugenden und Lastern nach Hume, die Kritik an mönchischen Idealen sowie das Spannungsfeld zwischen altruistischem Wohlwollen und egoistischem Nutzen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit lässt sich am besten mit Begriffen wie Moralphilosophie, Gefühlsethik, Altruismus, Egoismus und Hume beschreiben.
Wie unterscheidet Hume zwischen tugendhaften und lasterhaften Eigenschaften?
Hume bewertet Eigenschaften danach, ob sie für den Besitzer oder für die Gesellschaft nützlich oder unmittelbar angenehm sind.
Inwieweit lässt sich laut der Arbeit moralisches Verhalten von Eigeninteresse abgrenzen?
Dies bleibt schwierig, da die Arbeit aufzeigt, dass der Mensch oft aus einer Mischung von eigenem Nutzen und dem Wunsch nach sozialer Anerkennung handelt, was eine klare empirische Trennung erschwert.
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- Johanna Sailer (Author), 2010, Analyse des Abschnitts IX in David Humes „Untersuchung über die Prinzipien der Moral“., Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/210002