In medienwissenschaftlichen Werken schient die Trennung von Unterhaltung und Information Tradition zu sein. Besonders deutlich zeigt sich dies bei Literatur zum Thema „Fernsehen“. Laut McQuail (1983) beispielsweise erfüllt das Fernsehen zwei Bedürfnisse: das Bedürfnis nach Unterhaltung, die die Flucht vor der Wirklichkeit, Erholung vom Alltag und eine Befreiung von negativen Emotionen ermöglichen soll. Dem gegenüber steht das Informationsbedürfnis. Das Fernsehen soll dem Rezipienten dabei helfen, sich zu orientieren; es soll Rat geben und, nicht zuletzt, einen Rahmen schaffen, in dem er sich weiterbilden kann. McQuail geht also von einer Kontradiktion aus.
Aber ist diese Informations-Unterhaltungs-Dichotomie überhaupt noch zeitgemäß?
Dehm und Storll (2005) sprechen sich klar gegen eine Trennung der beiden Elemente aus. Ihrer Ansicht nach unterscheiden Zuschauer nicht zwischen Information und Unterhaltung. Im Gegenteil: Sie empfinden viele Punkte, die in wissenschaftlichen Kreisen der Information zugesprochen werden, als grundlegend für gute und befriedigende Erfahrungen mit dem Medium Fernsehen.
Auch andere Forscher sind zu dem Schluss gekommen, dass aufgrund der mannigfaltigen Erlebnisdimensionen zwei Kategorien nicht genügen, um die Vielzahl an Fernsehformaten zu beschreiben (Klaus, 2008). Stattdessen muss davon ausgegangen werden, dass auch Hybridformen existieren.
Eine dieser Hybridformen ist das Infotainment, welches in der vorliegenden Seminararbeit genauer untersucht werden soll. Betrachtet wird hier die Vermittlung von Wissen in der Sitcom The Big Bang Theory. Dieses Thema ist besonders interessant, da Sitcoms im Vergleich zu anderen Programmen immer noch eher als seicht und weniger wertvoll gelten; nur dazu da, den Menschen etwas Abwechslung zu bieten (Mills, 2009, S.2). Außer Acht gelassen wird hierbei allerdings, dass sich Sitcoms weiterentwickelt haben und zum Teil neue Formen entstanden sind. Es erscheint als lohnend, Sitcoms bezüglich ihres Informationsgehaltes noch einmal genauer zu betrachten.
Anhand von The Big Bang Theory soll in dieser Seminararbeit geklärt werden, ob die These, Sitcoms seien zu reinen Unterhaltungszwecken gedacht, gehalten werden kann, oder ob man durch sie tatsächlich etwas lernt.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Infotainment
2.1 Definition
2.2 Entstehung
3 The Big Bang Theory – eine typische Sitcom?
4 The Big Bang Theory und Infotainment
4.1 Vermittlung von Information
4.2 Wahrheitsgehalt der Informationen
4.3 The Big Bang Theory vs. House of Lies – ein Vergleich der Ästhetik
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Phänomen Infotainment am Beispiel der US-amerikanischen Sitcom „The Big Bang Theory“, um zu klären, ob und wie diese Serie trotz ihres Unterhaltungscharakters Wissen vermittelt und welche Wechselwirkungen zwischen Information und Unterhaltung bestehen.
- Definition und Entstehung des Infotainment-Konzepts
- Analyse von „The Big Bang Theory“ als typische Sitcom
- Methoden der Wissensvermittlung innerhalb der Serie
- Validität und Qualität der vermittelten wissenschaftlichen Informationen
- Vergleichende Betrachtung der Ästhetik (The Big Bang Theory vs. House of Lies)
Auszug aus dem Buch
4.1 Vermittlung von Information
Schon die Titel der englischen Episoden weisen darauf hin, dass es sich bei The Big Bang Theory nicht um ein reines Unterhaltungsprogramm handelt und die Sitcom der Gruppe der Infotainmentsendungen zugeordnet werden kann. Jeder Titel der bisher 135 Episoden ähnelt dem Namen eines wissenschaftlichen Prinzips, wie man z. B. bei The Hofstadter Isotope oder The Skank Reflex Analysis erkennen kann.
Auch das Intro, welches aus einer Folge von schnell nacheinander erscheinenden frames besteht, deutet in diese Richtung, da man unter anderem die Evolution des Menschen, Zellmitose und Albert Einstein ausmachen kann.
Wie bereits erwähnt, liegt der Fokus bei Sitcoms jedoch auf den Dialogen, weshalb sie in diesem Abschnitt im Vordergrund stehen. Im Folgenden wird sich näher damit befasst, wie durch sie Informationen vermittelt werden.
Zunächst sei angemerkt, dass es kein festes dramaturgisches Muster für die Informationsdarbietung gibt. Weder findet sie sich hauptsächlich im teaser oder der Einleitung, noch im Hauptteil: Die Akte und Szenen, in denen sie auftritt, unterscheiden sich in jeder Episode. Es entsteht dennoch der Eindruck, dass die Informationen gezielt eingesetzt werden, worauf später noch genauer eingegangen wird.
Darüber hinaus ist die Vermittlung der Informationen unspektakulär – jedenfalls was den ästhetischen Aspekt betrifft. Computeranimierte Visualisierungen, wie sie bei den CSI Serien oder Dr. House verwendet werden, sucht man bei The Big Bang Theory vergeblich. Auch auf andere Stilmittel, wie beispielsweise das freeze frame, das bei House of Lies regelmäßig zum Einsatz kommt, wird verzichtet. Stattdessen wird mit einfachen Mitteln gearbeitet, hauptsächlich mit einer Veränderung der Einstellungsgröße oder der Kamerabewegung, da die Information immer durch ein Gespräch zwischen den Figuren unterbreitet wird.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung hinterfragt die klassische Dichotomie zwischen Unterhaltung und Information und führt das Konzept des Infotainment als Hybridform ein, um das Erkenntnisziel der Arbeit zu skizzieren.
2 Infotainment: Dieses Kapitel erläutert den Begriff des Infotainment in seiner theoretischen Vielfalt und beschreibt die Entstehung des Phänomens als Reaktion auf veränderte ökonomische Bedingungen im amerikanischen Fernsehen.
3 The Big Bang Theory – eine typische Sitcom?: Der Abschnitt untersucht, inwieweit „The Big Bang Theory“ den dramaturgischen Regeln und strukturellen Merkmalen einer klassischen Sitcom entspricht, trotz subtiler Weiterentwicklungen.
4 The Big Bang Theory und Infotainment: Hier wird analysiert, wie die Serie wissenschaftliche Inhalte vermittelt, welche Rolle der wissenschaftliche Berater spielt und wie die ästhetische Umsetzung im Vergleich zu anderen Serien erfolgt.
5 Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die Trennung von Information und Unterhaltung überholt ist und zeigt auf, wie „The Big Bang Theory“ erfolgreich komplexe Themen in ein unterhaltsames Format integriert.
Schlüsselwörter
Infotainment, The Big Bang Theory, Sitcom, Medienwissenschaft, Informationsvermittlung, Fernsehforschung, Wissensvermittlung, Unterhaltungsfernsehen, Dramaturgie, Wissenschaftskommunikation, Medienkritik, Hybridformen, Fernsehanalyse.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Zusammenwirken von Information und Unterhaltung im modernen Fernsehen am Beispiel der Sitcom „The Big Bang Theory“.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Themen umfassen die Definition von Infotainment, die Strukturen des Sitcom-Genres und die spezifische Art der Wissensvermittlung in „The Big Bang Theory“.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?
Das Ziel ist zu klären, ob die Serie über reine Unterhaltung hinaus auch einen informativen Lerneffekt für den Zuschauer bietet.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine medienwissenschaftliche Analyse unter Heranziehung von Fachliteratur sowie eine inhaltliche Untersuchung von Episodenbeispielen und produktionstechnischen Aspekten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert die dramaturgischen Strukturen der Serie, die Art und Weise der Informationsvermittlung durch Dialoge und den Wahrheitsgehalt der dargebotenen wissenschaftlichen Inhalte.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Infotainment, Sitcom, Medienwissenschaft, Informationsvermittlung und Wissensvermittlung.
Warum fungiert gerade Sheldon Cooper als Hauptvermittler von Wissen?
Aufgrund seiner Charakterisierung als hochintelligenter theoretischer Physiker, der sein Leben der geistigen Betätigung widmet, ist er prädestiniert, komplexe Themen in den Dialogen zu erklären.
Wie unterscheidet sich die ästhetische Vermittlung von „The Big Bang Theory“ im Vergleich zu „House of Lies“?
Während „The Big Bang Theory“ auf einfache Kameraeinstellungen setzt und die Information in natürliche Dialoge einbettet, nutzt „House of Lies“ Stilmittel wie freeze frames, um den Zuschauer direkt in das Geschehen einzubeziehen.
- Quote paper
- Isabelle Fischer (Author), 2013, Infotainment in "The Big Bang Theory", Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/209942