Diese Arbeit ist im Rahmen des Projektes „Täterprofil von Brandstiftern“ des LKA Brandenburg entstanden, das es seit September 2000 gibt und an dem sich bis jetzt Studenten der Polizeien der Länder Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg Vorpommern beteiligt haben.
Ziel dieses Projektes ist es, auf Grundlage von Analysedaten aus Strafakten, sowie in der zweiten Phase mit Befragungen von aussagebereiten bereits verurteilten Brandstiftern und Brandermittlern allgemeine und spezielle Merkmale für Brandstraftäter und ihre Taten zu erstellen.
Es soll den im Dienst aktiven Brandermittlern ein praxisnahes Hilfsmittel gegeben werden, mit dem diese neue Anregungen für ihre Ermittlungen bekommen. So soll die Ermittlungsarbeit bei Branddelikten effektiver gestaltet werden.
Eine der interessantesten Fragen im Rahmen des Forschungsprojektes ist, ob durch die kriminalistische Tatortarbeit und damit verbunden dem Ermitteln der Brandstiftungsart, konkret der Art und Weise der Brandlegung, Rückschlüsse auf die Täterpersönlichkeit gezogen werden können, die bei der Versionsbildung hilfreich sein könnten. Auf Grundlage von Auswertungen von Daten aus dem System „BIAS“ des Landes Brandenburg soll in dieser Arbeit versucht werden, einen Bezug zwischen der Täterpersönlichkeit und der Brandstiftungsart zu knüpfen. Die gewonnenen Erkenntnisse könnten den in Brandfällen ermittelnden Beamten eine Anregung sein und ihnen in ihrer täglichen Arbeit helfen neue Ansätze zu finden.
Es soll im Rahmen dieser Arbeit geprüft werden, ob man wirklich einen Bezug zwischen der Begehungsweise der Brandlegung und der Motivation der Täter und somit auch möglicher Tatverdächtiger herstellen kann und dadurch eventuelle Verbesserungen in der Vorgehensweise, z. B. Anregungen für die Versionsbildung bzw. die Ausstattung bei Brandermittlungen möglich wären, welche die Arbeit der Brandermittler erleichtern könnten. Dazu wird sich zum einen auf den eigentlichen Akt der Brandlegung bezogen und zum anderen auf die Motivation des Täters.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Definitionen
2.1 Brandstiftung
2.2 Brandausbruchsstelle / Brandausbruchsbereich
3. Theorien
3.1 Einleitung
3.2 Erkenntnisse der polizeilichen Kriminalstatistik
3.3 Untersuchungsansatz nach Eschenbach
3.4 Untersuchungsansatz des NCAVC
3.5 Untersuchungsansatz nach Jäkel
4. Methodenbeschreibung und –kritik
4.1 Methodenbeschreibung
4.1.1 Kriterien für die Datenrecherche in BIAS
4.1.2 Ausgangsmaterial
4.1.3 Datengrundlagen und Dokumentenanalyse
4.1.4 Datenerfassung
4.1.5 Datenspeicherung
4.1.6 Datenauswertung
4.1.7 Datenanalyse
4.2 Methodenkritik
4.2.1 Datengrundlage
4.2.1.1 Datenerfassung in den Fragebögen
4.2.1.2 Datenerfassung in BIAS
4.2.2 Datenspeicherung
4.2.3 Datenauswertung
4.2.4 Datenanalyse
4.3 Zusammenfassung
5. Auswertung
5.1 Allgemeine Erkenntnisse
5.1.1 Täter nach Geschlecht
5.1.2 Täterverteilung innerhalb der Motivgruppen
5.2 Spezielle Auswertung
i. Besonderes Vorbereiten der Brandausbruchsstelle
5.2.1.1 Bezug zwischen Gesamttäterzahl und Tätern, welche die BASt besonders vorbereitet haben
5.2.1.2 Bezug zwischen den einzelnen Motivgruppen
ii. Verwendung Brandvorrichtung / -beschleuniger
5.2.2.1 Bezug der Täter pro Motivgruppe zu Gesamttätern
5.2.2.2 Betrachtung der Motivgruppen untereinander
5.2.2 Betrachtungen zur verwendeten Zündquelle
5.2.3.1 „Offene Flamme“ als Zündquelle
5.2.3.2 „Nachglimmender Stoff“ als Zündquelle
5.2.3.3 „Stoffliche Funken“ als Zündquelle
5.2.3.4 Andere Zündquellen
5.2.3.5 Abschließende Betrachtungen
5.2.4 Verwendung einer Brandvorrichtung / eines Brandbeschleunigers
5.2.4.1 Gesamtzahl der Täter, die mittels Brandvorrichtung / -beschleunigers arbeiteten
5.2.4.2 Vergleich der Motivgruppen innerhalb der Frage untereinander
6. Zusammenfassung der Ergebnisse
6.1 Allgemein
6.2 Besonderes Herrichten / Vorbereiten der Brandausbruchsstelle
6.3 Brandlegung durch Gebäudeöffnung / Verwendung „Molotow-Cocktail“
6.4 Zündquelle
6.5 Brandbeschleuniger
7. Abschlussbetrachtungen
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Arbeit ist es, auf Basis der Datenbank BIAS des LKA Brandenburg einen Zusammenhang zwischen der Täterpersönlichkeit (insbesondere der Motivation) und der gewählten Brandstiftungsart sowie der Vorgehensweise bei der Brandlegung zu identifizieren, um Brandermittlern wertvolle Anhaltspunkte für die operative Fallanalyse zu liefern.
- Erstellung eines Täterprofils von Brandstiftern
- Analyse des Modus Operandi (z.B. Zündquellen, Vorbereitung der Brandstelle)
- Klassifikation von Täter-Motivgruppen
- Untersuchung geschlechtsspezifischer Unterschiede bei Branddelikten
- Evaluierung der Anwendbarkeit empirischer Daten für die polizeiliche Ermittlungsarbeit
Auszug aus dem Buch
3.1 Einleitung
Oft wird in der Fachliteratur die Ermittlung und Aufklärung von vorsätzlichen Brandstiftungen „als die hohe Schule der Kriminalistik bezeichnet“11. Dies hat zum einen seine Ursache darin, dass es gerade bei Brandstiftungen darum geht zunächst auf einem hohen naturwissenschaftlich-technischen Niveau die Brandursache zu klären und zum anderen in der Natur von Bränden. Denn in den meisten Fällen werden durch das Feuer viele, wenn nicht sogar alle, personenbezogenen Spuren am Tatort vernichtet. Somit fehlen oft objektive Beweismittel zur Überführung des Täters und der Ermittler muss mit einem Minimum von ihnen oder ganz ohne sie auskommen. Dies birgt natürlich erhebliche Probleme bei der Ermittlungsarbeit, sind doch gerade objektive Beweismittel die aussagekräftigsten in einem strafrechtlichen Verfahren.
Oft gibt es keine vordeliktische Beziehung zwischen Tatobjekt und Täter, so dass auch der Geschädigte oft keine Angaben zu möglichen Tatverdächtigen machen kann. Außerdem ist die Brandstiftung in ihrer eigentlichen Tathandlung in einer Vielzahl der Fälle nicht öffentlich, was im Umkehrschluss bedeutet, dass oft keine Zeugen für die Tat gefunden werden.
Die Problematik bei Brandstiftungsdelikten besteht also neben der Klärung der Brandursache darin, herauszufinden, ob der Täter evtl. eine Verbindung zum Tatobjekt hat bzw. ob es vom Tatobjekt und der Art der Brandstiftung nicht möglich ist Rückschlüsse auf den Täter zu ziehen. Besonders wichtig ist hierbei die Herausarbeitung des Motivs, da es oft für die Unterscheidung von fahrlässigen und vorsätzlichen Brandstiftungen wichtig ist. Die Motivation des Täters ist dabei oft das einzige Mittel diese Unterscheidung zu ermöglichen, da, wie schon erwähnt, meist sämtliche täterbezogene Spuren durch das Feuer vernichtet wurden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik der Brandursachenermittlung ein und erläutert die Zielsetzung der Arbeit, ein praxisnahes Hilfsmittel für Brandermittler basierend auf der BIAS-Datenbank zu entwickeln.
2. Definitionen: Hier werden die zentralen Begriffe Brandstiftung und Brandausbruchsstelle sowie deren Bedeutung innerhalb der Untersuchung definiert und vom rein juristischen Kontext abgegrenzt.
3. Theorien: Dieses Kapitel beleuchtet verschiedene theoretische Untersuchungsansätze zur Täterpersönlichkeit von Brandstiftern und stellt die polizeiliche Kriminalstatistik gegenüber.
4. Methodenbeschreibung und –kritik: Es wird detailliert erläutert, wie Daten aus Strafakten erhoben, in BIAS erfasst und ausgewertet wurden, wobei kritisch auf Fehlerquellen der Datengrundlage eingegangen wird.
5. Auswertung: Im Hauptteil werden die gesammelten Daten analysiert, um Zusammenhänge zwischen Tätermerkmalen, Motivgruppen und der konkreten Begehungsweise (Zündmittel, Vorbereitung) aufzuzeigen.
6. Zusammenfassung der Ergebnisse: Dieses Kapitel fasst die wesentlichen Erkenntnisse zusammen, insbesondere zur geschlechtsspezifischen Verteilung und zum bevorzugten Einsatz von Zündmitteln in Abhängigkeit von den Motivgruppen.
7. Abschlussbetrachtungen: Die Arbeit schließt mit dem Fazit ab, dass zwar keine mathematischen Gesetzmäßigkeiten ableitbar sind, aber statistische Tendenzen die polizeiliche Versionsbildung bei Brandermittlungen effektiv unterstützen können.
Schlüsselwörter
Brandstiftung, Täterprofil, Brandermittlung, BIAS, Motivgruppen, Brandbeschleuniger, Zündquelle, Fallanalyse, Kriminalistik, Modus Operandi, Brandstraftäter, Brandursachenermittlung, objektiver Tatbefund, subjektiver Tatbefund, Ermittlungsansätze.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen der Persönlichkeit eines Brandstifters – insbesondere seiner Motivation – und der Art und Weise, wie er ein Feuer legt, um Ermittlern bei ungeklärten Brandfällen zu unterstützen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die zentralen Themen sind die Erstellung von Täterprofilen bei Brandstiftungen, die empirische Analyse der BIAS-Datenbank, die Einteilung von Tätern in verschiedene Motivgruppen und die kriminalistische Bewertung von Brandlegungsmethoden.
Welches primäre Ziel verfolgt die Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, auf Basis der Auswertung von 719 Einzelfällen Tendenzen aufzuzeigen, die Polizisten bei der Versionsbildung und der Identifizierung von Tatverdächtigen unterstützen können, insbesondere wenn am Tatort kaum objektive Spuren vorhanden sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Sekundär-Analyse empirischer Daten, die aus staatsanwaltschaftlichen Akten in die Datenbank BIAS übertragen und mittels statistischer Auswertung im Hinblick auf den Modus Operandi untersucht wurden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert spezifische Begehungsweisen wie die Vorbereitung der Brandausbruchsstelle, die Verwendung von Brandbeschleunigern oder Molotow-Cocktails und die Nutzung unterschiedlicher Zündquellen, immer in Bezug auf die Hauptmotive der Täter.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wesentlichen Schlagworte sind Brandstiftung, Täterprofil, Modus Operandi, Brandermittlung, Motivgruppen, BIAS-Datenbank und statistische Fallanalyse.
Gibt es geschlechtsspezifische Unterschiede bei Brandstiftern?
Ja, die Arbeit stellt fest, dass der überwiegende Teil der Brandstifter (92%) männlich ist und dass Frauen bei bestimmten Begehungsweisen wie der Nutzung von Brandbeschleunigern statistisch stark unterrepräsentiert sind.
Welche Bedeutung haben "Kurzschlusshandlungen" in dieser Studie?
Kurzschlusshandlungen machen laut der Untersuchung etwa 63% aller Brandstiftungen aus. Sie sind als erlebnis-beeinflusste Motive ein zentraler Faktor, den Ermittler bei der Täteridentifizierung besonders beachten sollten.
Warum ist die Unterscheidung zwischen vorsätzlicher und fahrlässiger Brandstiftung bei bestimmten Zündquellen schwierig?
Bei Zündquellen wie "nachglimmendem Stoff" oder "stofflichen Funken" ist die Abgrenzung zur Fahrlässigkeit komplex, da der Täter oft eine vorsätzliche Tat im Rahmen der Ermittlungen als Versehen darstellt, um ein geringeres Strafmaß zu erreichen.
- Quote paper
- Martin Awe (Author), 2006, Brandstiftungsarten in Abhängigkeit von der Täterpersönlichkeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/209473