"Man kann nicht nicht kommunizieren, denn jede Kommunikation (nicht nur mit Worten) ist Verhalten und genauso wie man sich nicht nicht verhalten kann, kann man nicht nicht kommunizieren." (WATZLAWICK o.J.)
Dieses Zitat des berühmten Kommunikationswissenschaftlers PAUL WATZLAWICK drückt den Stellenwert der Kommunikation in unserem menschlichen Dasein aus. Um menschliche Beziehungen zu verstehen, muss man deren Kommunikation verstehen. Die Kommunikation ist ein komplexer Vorgang aus vielen einzelnen Schritten und Aspekten. Solange die Kommunikation „glatt“ läuft, ist dies nicht gleich ersichtlich, doch sobald es zu einem Missverständnis kommt, fragt sich wohl jeder Beteiligte, was da jetzt „schief gelaufen“ ist und spürt, dass da „etwas nicht stimmt“.
Inhaltsverzeichnis
1 „SO WAR DAS DOCH GAR NICHT GEMEINT”
2 DAS VIER-OHREN-MODELL
2.1 Die Sachebene
2.2 Die Selbstoffenbarung
2.3 Die Beziehungsebene
2.4 Der Appell
3 WAS IST KULTUR?
4 SCHWIERIGKEITEN IN DER INTERKULTURELLEN KOMMUNIKATION
5 RESÜMEE
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die grundlegenden Mechanismen der zwischenmenschlichen Kommunikation anhand des Vier-Ohren-Modells von Friedemann Schulz von Thun und analysiert, wie unterschiedliche kulturelle Prägungen zu spezifischen Schwierigkeiten und Missverständnissen in der Kommunikation führen.
- Grundlagen und Struktur des Vier-Ohren-Modells
- Die vier Ebenen einer Nachricht: Sachebene, Selbstoffenbarung, Beziehungsebene und Appell
- Definition von Kultur und Einfluss des Eisberg-Modells
- Interkulturelle Kommunikation und der Kontrast zwischen expliziten und impliziten Botschaften
- Fallbeispiele zur Verdeutlichung kommunikativer Komplikationen im interkulturellen Kontext
Auszug aus dem Buch
4 Schwierigkeiten in der interkulturellen Kommunikation
An dieser Stelle soll nun anhand eines Fallbeispiels untersucht werden, wo es zu Schwierigkeiten im interkulturellen Kontext kommen kann. Generell lässt sich sagen, dass die Schwierigkeiten meist durch das „wie“ entstehen, also wie die jeweilige Botschaft vermittelt wird. Dieses wie haben wir normalerweise so verinnerlicht, da seit Kindheit trainiert, dass es uns wie das einzig „richtige“, logische oder auch machbare erscheint. Es sind die „Spielregeln“, nach denen wir kommunizieren, und es erscheint uns „falsch“, wenn jemand nach anderen Regeln mit uns kommuniziert.
Botschaften lassen sich explizit oder implizit vermitteln. Explizite Botschaften sind solche, die ausdrücklich formuliert sind, während in impliziten Botschaften die Aussage nicht direkt gesagt wird, jedoch trotzdem „herausgelesen“ werden kann. SCHULZ VON THUN nennt als Beispiel auf der Sachebene die Aussage Ich komme aus Hamburg. Sie lässt sich explizit vermitteln durch die Aussage „Ich bin aus Hamburg“ oder auch implizit z.B. durch meinen Hamburger Dialekt. Auch auf der Beziehungsebene lässt sich z.B. Abneigung dadurch ausdrücken, dass man dem anderen sagt, was man von ihm hält, oder es z.B. durch herablassenden, abweisenden Tonfall ausdrücken. „Erna, das Bier ist alle“ ist die implizite Variante des Appells „Erna, hol Bier“ (=explizit) (SCHULZ VON THUN 2010: 33).
Nun unterscheidet sich in verschiedenen Kulturen z.B. wann wir explizite und implizite Botschaften senden. Im deutschen Sprachraum sind wir es eher gewohnt, auf der Sachebene explizit zu kommunizieren (siehe Karikatur Titelbild). Für uns macht es die Kommunikation „klarer“ und „einfacherer“. Im asiatischen Raum beispielsweise werden auch auf der Sachebene eher implizite Botschaften gesendet. Das folgende Fallbeispiel soll diesen Unterschied klar machen. In einem Restaurant kommt die Kellnerin zum Gast und fragt, ob es ihm geschmeckt hat. Der deutsche Gast wird antworten: „Ja, allerdings war das Fleisch ein bisschen zu stark angebraten“.
Zusammenfassung der Kapitel
1 „SO WAR DAS DOCH GAR NICHT GEMEINT”: Dieses Kapitel führt in die grundlegende Bedeutung von Kommunikation ein und stellt die theoretische Basis des Vier-Ohren-Modells als Werkzeug zum Verständnis von Missverständnissen vor.
2 DAS VIER-OHREN-MODELL: Hier wird das von Friedemann Schulz von Thun entworfene Modell detailliert erläutert, wobei die vier Dimensionen einer Nachricht – Sachebene, Selbstoffenbarung, Beziehungsebene und Appell – einzeln definiert werden.
3 WAS IST KULTUR?: Dieses Kapitel beleuchtet den Kulturbegriff und verdeutlicht mittels des Eisberg-Modells, wie sichtbare und unsichtbare kulturelle Prägungen unser Verhalten maßgeblich beeinflussen.
4 SCHWIERIGKEITEN IN DER INTERKULTURELLEN KOMMUNIKATION: Anhand eines Restaurant-Fallbeispiels wird aufgezeigt, wie unterschiedliche Kommunikationsstile in Bezug auf explizite und implizite Botschaften zu interkulturellen Missverständnissen führen können.
5 RESÜMEE: Das abschließende Kapitel fasst die Erkenntnisse zusammen und betont die Notwendigkeit, sich der verschiedenen Ebenen der Kommunikation bewusst zu werden, um Missverständnisse im intra- sowie interkulturellen Kontext zu reduzieren.
Schlüsselwörter
Kommunikation, Vier-Ohren-Modell, Friedemann Schulz von Thun, interkulturelle Kommunikation, Missverständnisse, Sachebene, Selbstoffenbarung, Beziehungsebene, Appell, Kultur, Eisberg-Modell, explizite Botschaften, implizite Botschaften, Sozialisation, Kommunikationstheorie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den theoretischen Grundlagen der Kommunikation und untersucht, wie interkulturelle Unterschiede zu Missverständnissen im Alltag führen können.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die zentralen Themen sind das Kommunikationsquadrat nach Schulz von Thun, die Definition von Kultur und der Vergleich zwischen direkten (expliziten) und indirekten (impliziten) Kommunikationsstilen.
Welches Ziel verfolgt die Arbeit?
Das primäre Ziel ist es, durch die Anwendung des Vier-Ohren-Modells aufzuzeigen, wie unterschiedliche kulturelle „Spielregeln“ beim Senden und Empfangen von Nachrichten zu Schwierigkeiten führen können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine theoretische Aufarbeitung kommunikationspsychologischer Konzepte und illustriert diese durch die Analyse eines konkreten Fallbeispiels aus dem Restaurantkontext.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung des Modells von Schulz von Thun, eine Reflexion über den Kulturbegriff und eine detaillierte Gegenüberstellung verschiedener kultureller Kommunikationsgewohnheiten.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Kommunikationsmodell, interkulturelle Kompetenz, Sprachbarrieren, Missverständnisse und der Kontrast zwischen Sach- und Beziehungsebene.
Warum entstehen laut der Arbeit Schwierigkeiten bei der Kommunikation?
Schwierigkeiten entstehen meist durch das „Wie“ der Nachrichtenübermittlung, da Individuen durch ihre jeweilige Kultur unterschiedliche Arten der Kommunikation als „logisch“ oder „richtig“ verinnerlicht haben.
Welche Rolle spielt die implizite Botschaft im interkulturellen Vergleich?
Während im deutschen Kulturraum oft explizit kommuniziert wird, ist die Nutzung impliziter Botschaften – etwa zur Gesichtswahrung oder aus Höflichkeit – in anderen Kulturen, wie dem asiatischen Raum, deutlich verbreiteter, was bei fehlender Kenntnis zu Fehlinterpretationen führt.
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- Judith Bernet (Author), 2012, Das Modell der „vier Ohren“ und besondere Schwierigkeiten in der interkulturellen Kommunikation, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/209173