„Just do it“ – dieser griffige Werbeslogan eines großen amerikanischen Sportartikelherstellers brachte es bereits vor über 20 Jahren auf den Punkt: „Dann mach halt einfach!“. Der Slogan ist bis heute ein in der Werbung gebrauchter Inhalt und eine Botschaft zugleich. Kauf, dann bist du dabei! Er entfaltet seine „lebensökonomische“ Funktion und Wirkung im Hinblick auf Lebensentwürfe Jugendlicher in Zeiten globalisierter und pluralisierter gesellschaftlicher Bedingungen bis heute und mehr denn je.
Die vorliegende Arbeit fragt aus der Lehrendenperspektive in der Sozialpädagogik im Kontext sozialpädagogischer Ausbildungsberufe nach dem Beitrag, den außerschulische Jugendarbeit verstanden als Bildungsarbeit leisten kann, um Jugendlichen ein zukunftsgerechtes Handeln im Sinne ihres Wohlergehens und in ihren Rollen als Konsument_innen zu ermöglichen.
In dieser Perspektive tritt die vorliegende Arbeit vorrangig an, um einen erweiterten Blickwinkel abseits der Mainstreamdiskussion um nachhaltigen Konsum im Horizont des Begriffes des Konsumismus auszuloten und bezogen auf das Thema außerschulische Jugendarbeit zu beleuchten. Dies geschieht in der Intention, insbesondere die Begrifflichkeiten Bildung und außerschulische Jugendarbeit als Teil Sozialer Arbeit aus einer machtanalytischen Perspektive heraus zu beschreiben und im Anschluss daran auf Ermöglichungsbedingungen eines „kritischen“ Jugendkonsumverhaltens zu reflektieren. Was „Kritik“ im Kontext Sozialer Arbeit dabei genau meint, wird überdies ausblickend dargestellt. Insofern geht es hier auch um die vornehmlich theoretische und didaktische Grundlegung eines weiter auszuarbeitenden Bildungsarrangements für die außerschulische Jugendarbeit und weniger um die Diskussion aktueller Problemlagen der außerschulischen Jugendarbeit, die aber dennoch in aller gebotenen Kürze mit eingearbeitet wurden.
Inhaltsverzeichnis
1. Bildung, Macht, Zukunft
2. Jugendarbeit, Macht, Bildung
3. Jugend, Konsum, Konsumismus
4. Ausblick
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht aus der Lehrendenperspektive in der Sozialpädagogik, welchen Beitrag außerschulische Jugendarbeit leisten kann, um Jugendlichen zukunftsgerechtes Handeln zu ermöglichen und sie in ihren Rollen als Konsumenten zu stärken. Dabei wird insbesondere das Spannungsfeld zwischen machtanalytischen Bildungskonzepten und den Anforderungen einer kommerzialisierten Konsumgesellschaft beleuchtet.
- Verhältnis von Bildung, Macht und gesellschaftlicher Subjektivierung
- Strukturbedingungen und Legitimationsdruck der außerschulischen Jugendarbeit
- Theorie des Konsumismus und dessen Einfluss auf Jugendkulturen
- Kritische Reflexion von Konsummustern in der sozialpädagogischen Praxis
- Befähigung zur Selbstregulation in einer konsumorientierten Welt
Auszug aus dem Buch
3. Jugend, Konsum, Konsumismus
In einem weiteren Argumentationsschritt werden im Folgenden einige Aspekte der Begriffe Konsum und Konsumismus in der Perspektive Jugend diskutiert, um diese für eine Betrachtung in der außerschulischen Jugendarbeit zugänglich zu machen. Da das Thema Konsum einer komplexen theoretischen Unterfütterung bedarf, um die Beziehung des handelnden Subjekts mit Konsum als Machtform, die sich im Begriff des Konsumismus manifestiert, darzustellen, wird das Hauptaugenmerk hierauf gelegt. Im Anschluss folgt eine kurze, für die Praxis außerschulischer Jugendarbeit dienliche, Konkretisierung.
Der Begriff des Konsums lässt sich mit Franz Hochstrasser fassen als das Phänomen, dass:
„Alle Menschen konsumieren. Sie verbrauchen Nahrungsmittel und Lebensmittel im weiteren Sinne wie Kleidung, Wohnraum, Energie. Dieser Konsum ist lebensnotwendig. Er ist die vermittelnde Tätigkeit, das individuelle Leben täglich zu reproduzieren. Der Konsum ist solchermassen eine gesellschaftlich erweiterte Form des Stoffwechsels, der jegliche Lebewesen charakterisiert.“ (Hochstrasser 2008: 42)
Die des Konsums gegenüberliegende Seite, ist die der Produktion. Diese steht in widersprüchlicher Verschränkung und Abhängigkeit zu ihr, weil Konsum Produktion in einer Art der „schöpferischen Zerstörung“ (Jackson 2012: 113) vernichtet. Zugleich sind Hochstrasser folgend Produktion und Konsum aber einander vorausgesetzt. „Ohne zu konsumieren kann niemand produzieren, und ohne Produktion kann es keinen Konsum geben.“ (ebd.) In der Kulturgeschichte der Menschheit entgrenzen sich Konsumtion und Produktion seit der neolithischen Revolution, in der die produzierende Wirtschaftsweise durch Ackerbau und Viehzucht möglich wurde, durch zunehmende Autonomie und Unabhängigkeit voneinander und werden damit von unabhängigen Gruppen (Produzenten/ Konsumenten) reguliert und strukturiert (vgl. Bauman 2009: 38). Bauman spricht in der Folge dieser Entgrenzung von der „konsumistischen Revolution“ (ebd.), in der sich „Konsumismus“ als kulturhistorisch-soziologische Figuration darstellt (vgl. ebd: 39) und sich nach Hochstrasser definieren lässt, als eine Kultur, in welcher der Konsum der Menschen in ihrem alltäglichen Leben eine dominierende Stellung einnimmt und solcherart selbst ein charakteristischer Bestandteil der Kultur wird (vgl. Hochstrasser 2008: 42).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Bildung, Macht, Zukunft: Dieses Kapitel verknüpft den klassischen Bildungsbegriff mit einer machtanalytischen Perspektive und hinterfragt die Rolle von Bildung als Instrument der Subjektivierung in einer globalisierten Welt.
2. Jugendarbeit, Macht, Bildung: Der Abschnitt diskutiert die Rolle der außerschulischen Jugendarbeit als gesetzlich verankertes Bildungsangebot und beleuchtet deren Ambivalenz zwischen Freiwilligkeit und institutionellem Legitimationsdruck.
3. Jugend, Konsum, Konsumismus: Hier werden die theoretischen Grundlagen des Konsumismus erarbeitet und aufgezeigt, wie konsumistische Logiken die Identitätsbildung und das soziale Verhalten von Jugendlichen beeinflussen.
4. Ausblick: Das abschließende Kapitel fasst die Bedeutung für die sozialpädagogische Praxis zusammen und fordert die Etablierung eines Bewusstseins für konsumkritische Bildungsarrangements in der Jugendarbeit.
Schlüsselwörter
Außerschulische Jugendarbeit, Bildung, Konsumismus, Macht, Soziale Arbeit, Subjektivierung, Identitätsbildung, Aufklärung, Konsumgesellschaft, Lebensführung, Partizipation, Sozialpädagogik, Freiheit, Kritische Bildung, Selbstbestimmung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem Einfluss des Konsumismus auf das Aufwachsen von Jugendlichen und analysiert, welchen Beitrag die außerschulische Jugendarbeit zur kritischen Auseinandersetzung mit diesem Thema leisten kann.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf den Machtaspekten von Bildung, den strukturellen Rahmenbedingungen der Jugendarbeit, den soziologischen Definitionen von Konsumismus und der Rolle von Sozialpädagogen als Multiplikatoren.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, einen erweiterten Blickwinkel abseits der Mainstream-Diskussion zum Thema Konsum zu entwickeln und eine theoretische Grundlegung für Bildungsarrangements in der Jugendarbeit zu schaffen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich primär auf eine theoretisch-analytische Auseinandersetzung mit erziehungswissenschaftlichen Diskursen, insbesondere unter Einbezug machtkritischer Ansätze wie denen von Michel Foucault.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine machttheoretische Fundierung des Bildungsbegriffs, eine Analyse des gesetzlichen Auftrags der Jugendarbeit und eine differenzierte Untersuchung des Konsumismus als kulturelle Figuration.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen zählen neben Konsumismus vor allem Subjektivierung, außerschulische Bildung, soziale Teilhabe und die pädagogische Reflexion von Machtstrukturen.
Warum spielt das Konzept der "Gendersensibilität" eine Rolle?
Die Arbeit nutzt den Unterstrich als Schreibweise, um geschlechtliche Vielfalt zu symbolisieren und sich von dualen, hierarchischen Vorannahmen im Sinne eines modernen Gender-Denkens zu distanzieren.
Wie bewertet der Autor die Rolle der Jugendarbeit gegenüber der Schule?
Die Arbeit thematisiert kritisch die zunehmende "Ganztagsbildung" und warnt vor einer funktionalen Vereinnahmung der Jugendarbeit als bloßer "Nothelfer" für schulische Defizite.
Welche Herausforderung sieht der Autor in Bezug auf Konsumkritik?
Es wird betont, dass eine rein moralisch wertende Konsumkritik der Lebenswirklichkeit Jugendlicher nicht gerecht wird und daher ein Ansatz der Sensibilisierung statt einer bloßen Verurteilung notwendig ist.
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- Ole Norhausen (Author), 2012, Bildung, Subjekt und Konsumismus in Außerschulischer Jugendarbeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/209172