Was treibt Tuchmacher in einer Kleinstadt wie Wittstock/Dosse im ausgehenden 19. Jahrhundert dazu, freiwillig ihre Innungsurkunden zu verbrennen? Das ist doch verrückt! Oder etwa nicht?
Vielleicht war es ja doch keine aufkommende zunftinterne Geisteskrankheit, sondern eher ein Ausbruch von Protest, nur ein seltsam anmutendes Ereignis in einer Stadtgeschichte voll von Konflikten und Krieg? Das wird sich zeigen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die geografische und historische Lage von Wittstock
3. Konfliktpotentiale und äußere Bedrohungen
4. Innerstädtische Spannungsfelder und Katastrophen
5. Strukturwandel und industrielle Transformation
6. Fazit und historische Einordnung
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die städtische Gesellschaft von Wittstock/Dosse unter dem Fokus, ob sie primär als Konsens- oder Konfliktgemeinschaft zu verstehen ist, wobei insbesondere historische Krisenmomente als Indikatoren dienen.
- Die Rolle von Wittstock als umkämpfter Grenzort in der Mark Brandenburg.
- Auswirkungen von Krieg, Belagerungen und Hungersnöten auf die städtische Sozialstruktur.
- Konfliktlinien zwischen Obrigkeit, Bürgertum und wirtschaftlichen Akteuren.
- Der Einfluss von Katastrophen, wie Stadtbränden, auf städtebauliche und soziale Regelungen.
- Der Transformationsprozess der Tuchmacherei von der zünftigen Organisation zur Fabrikproduktion.
Auszug aus dem Buch
Eintracht und Zwietracht im frühneuzeitlichen Wittstock. Die städtische Gesellschaft als Konsens- oder Konfliktgemeinschaft.
Was treibt Tuchmacher in einer Kleinstadt wie Wittstock/Dosse im ausgehenden 19. Jahrhundert dazu, freiwillig ihre Innungsurkunden zu verbrennen? Das ist doch verrückt! Oder etwa nicht?
Vielleicht war es ja doch keine aufkommende zunftinterne Geisteskrankheit, sondern eher ein Ausbruch von Protest, nur ein seltsam anmutendes Ereignis in einer Stadtgeschichte voll von Konflikten und Krieg? Das wird sich zeigen.
Wittstock gehört zu den ältesten Orten der Mark Brandenburg. Es entstand aus einer slawischen Siedlung an einer alten Handelsstraße, dem „Hellweg“, und wurde 946 oder 948 erstmals schriftlich erwähnt. Seit seiner Gründung ist der Ort ein Grenzort. Da er im Norden an Mecklenburg-Vorpommern grenzt, fallen hier Stadt-, Kreis-, und Landesgrenzen zusammen. So sicherte denn auch die Wittstocker Burg den nordöstlichen Grenzbereich zunächst gegen die Slawen, später gegen die mecklenburgischen Herzöge. Die Auseinandersetzungen zwischen der Prignitz und ihren nördlichen Nachbarn währte über 400 Jahre und wurde 1442 mit dem Frieden zu Wittstock endlich beigelegt. Hier zeichnet sich schon ab, dass Wittstock eine recht konfliktträchtige Geschichte haben könnte, aber uns interessiert gerade ein anderer Zeitraum, lange nachdem sich Wittstock und Mecklenburg ständig kriegerisch auseinandersetzten und sich nun wieder gut verstanden. Zu gut um genau zu sein. Denn trotz – oder gerade wegen – eines Hauptzollamtes in Wittstock und eines Nebenzollamtes in Alt-Daber, fing der gemeinsame Schmuggel an zu florieren. Noch heute stößt man, wenn man Wittstock in nördlicher Richtung verlässt, an den abgelegendsten Ecken auf Schilder, die diesen Bereich als die „Schmugglerheide“ ausweisen. Dieses doch recht lukrative Geschäft führte zu den verschiedendsten Auseinandersetzungen: Zwischen Schmugglern und Magistrat, Schmugglern und Bürgern, anderen Bürgern und Magistrat, Bürgern untereinander und so weiter.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die historische Problematik der Stadt Wittstock ein und stellt die zentrale Frage nach dem Konfliktpotential der Stadtgesellschaft anhand des Beispiels der Innungsverbrennung.
2. Die geografische und historische Lage von Wittstock: Dieses Kapitel beleuchtet die Entstehung Wittstocks als slawische Siedlung und seine exponierte Lage als Grenzort in der Mark Brandenburg.
3. Konfliktpotentiale und äußere Bedrohungen: Hier werden die Auswirkungen des Dreißigjährigen Krieges sowie die kriegerischen Auseinandersetzungen mit Schweden thematisiert, die zu massiven Bevölkerungsverlusten führten.
4. Innerstädtische Spannungsfelder und Katastrophen: Das Kapitel behandelt die Konflikte zwischen städtischen Akteuren wie Apothekern und dem Magistrat sowie die verheerenden Folgen des großen Stadtbrandes von 1716.
5. Strukturwandel und industrielle Transformation: Der Abschnitt beschreibt den Übergang der traditionellen Tuchmacherei hin zur industriellen Fabrikproduktion und die damit verbundenen sozialen Verwerfungen.
6. Fazit und historische Einordnung: Das abschließende Kapitel ordnet das Ereignis der Innungsverbrennung von 1898 in den Kontext der langen historischen Konfliktlinie der Stadt ein.
Schlüsselwörter
Wittstock, Mark Brandenburg, Stadtgeschichte, Dreißigjähriger Krieg, Tuchmacherei, Innung, Stadtbrand, Magistrat, Konfliktgemeinschaft, Grenzort, Industrialisierung, Frühe Neuzeit, Sozialgeschichte, Schmuggler, Bevölkerungsentwicklung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die historische Entwicklung der Stadt Wittstock/Dosse unter der Perspektive, inwieweit die dortige städtische Gesellschaft eher durch einen dauerhaften Konsens oder durch stetige Konflikte geprägt war.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Schwerpunkte liegen auf der geographischen Bedeutung als Grenzort, der Belastung durch kriegerische Konflikte, der städtischen Katastrophenbewältigung sowie dem wirtschaftlichen Strukturwandel im Handwerk.
Welches Ziel verfolgt die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, die "Konfliktgemeinschaft" Wittstock anhand ausgewählter historischer Ereignisse – vom Dreißigjährigen Krieg bis zum Ende des Zunftwesens – kritisch zu hinterfragen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?
Es handelt sich um eine historische Analyse, die auf der Auswertung stadtgeschichtlicher Überlieferungen und relevanter Literatur zur regionalen Geschichte der Mark Brandenburg basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung äußerer Bedrohungen wie Kriege, die Auswirkungen innerstädtischer Krisen wie Stadtbrände und die ökonomische Transformation durch die Fabrikalisierung der Tuchmacherei.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Zentrale Begriffe sind neben Wittstock insbesondere Stadtgeschichte, Tuchmacherei, Konfliktgemeinschaft, Grenzort und Frühe Neuzeit.
Warum war der Stadtbrand von 1716 ein so einschneidendes Ereignis für die Entwicklung?
Der Brand vernichtete weite Teile der Stadt und zwang den Magistrat zu einer Neuordnung des städtischen Bauwesens, was wiederum zu dem bis heute sichtbaren Stadtbild führte.
Welche Rolle spielte der Schmuggel für die städtische Gesellschaft?
Der Schmuggel diente als lukrative Nebeneinkommensquelle, erzeugte jedoch gleichzeitig fortwährende soziale Spannungen und Auseinandersetzungen zwischen verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen sowie dem Magistrat.
- Quote paper
- Svenja Gerbendorf (Author), 2011, Eintracht und Zwietracht im frühneuzeitlichen Wittstock, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/208569