Projekte und deren Management sind aus dem heutigen wirtschaftlichen Alltag nicht mehr wegzudenken. Doch die Bedeutung und die Komplexität des Projektmanagements, insbesondere des IT-Projektmanagements nimmt stetig zu. Die zugesprochene höhere Bedeutung ist durch die wachsende Komplexität der Aufgaben in Unternehmen zu begründen. Um dieser Komplexität entgegen zu wirken, herrschen in der Literatur und Praxis unterschiedliche Ansätze. Neben dem klassischen Projektmanagement gibt es das in letzter Zeit verstärkt diskutierte systemische und das agile Projektmanagement.
Der in regelmäßigen Abständen erscheinende CHAOS Report der STANDISH GROUP untersucht die Erfolgsquote von Softwareentwicklungsprojekten. Im Jahr 1994 waren 31% der Projekte gescheitert und 53% entweder verspätet oder mit einer Budgetüberschreitung verbunden. 2009 lagen die Zahlen bei 24% für gescheiterte Projekte und 44% für teilweise erfolgreiche Projekte. Die Summe an erfolgreichen Projekten lag bei 16% (1994), 28% (2000) und 32% (2009).
Die Studien zeigen, dass zwischen 1994 und 2009 die Summe der gescheiterten und nur teilweise erfolgreichen Projekte stetig gesunken ist. Der CHAOS Report wird in der Literatur kontrovers diskutiert, sodass sich Zweifel gegenüber der Methodik und den Ergebnissen nicht ausräumen lassen und somit kritisch zu hinterfragen sind. Dennoch kann festgehalten werden, dass IT-Projekte auch heute noch signifikant häufig scheitern.
Bedenkt man, dass die ersten agilen Methoden wie eXtreme Programming oder Crystal im Jahr 2003 veröffentlicht wurden, so liegt der Verdacht nahe, dass die Reduzierung der Summe an überschrittenen Projekten zwischen 2004 und 2009, sowie die Steigerung der Erfolgsquote durch agile Methoden bewirkt wurde. Diese These wird durch die OOSE Studie (2008), welche in Kooperation mit dem PROJECT MANAGEMENT INSTITUTE (PMI) und der DEUTSCHEN GESELLSCHAFT FÜR PROJEKTMANAGEMENT (GPM) 212 Projektleiter nach den Erfolg ihrer Projekte befragt hat, untermauert. Die Studie zeigt, dass agile Projektmethoden zu 59,2%, währenddessen klassische Projektmethoden zu 40,8% erfolgreich sind.
Inhaltsverzeichnis
1. ZENTRALE PROBLEMSTELLUNG UND VORGEHEN
1.1 MOTIVATION
1.2 ZIELE UND FORSCHUNGSFRAGEN
1.3 VORGEHENSWEISE
2. PROJEKTMANAGEMENT – KLASSISCH
2.1 PROJEKT
2.2 MANAGEMENT
2.3 KLASSISCHES PROJEKTMANAGEMENT
2.4 WELTBILD – KLASSISCH
2.5 DAS WASSERFALLMODELL ALS KLASSISCHER VERTRETER
3. PROJEKTMANAGEMENT – AGIL UND LEAN
3.1 AGILITÄT
3.2 AGILES MANIFEST
3.3 LEAN
3.4 WELTBILD – AGIL UND LEAN
3.5 KANBAN IN DER IT
3.5.1 Grundlagen
3.5.2 Visualisierung des Workflows
3.5.3 WiP-Begrenzung
3.5.4 Pull statt Push
3.5.5 Kaizen
3.5.6 Workflow managen
3.5.7 Meetings und Rhythmus
3.5.8 Kritische Betrachtung
4. SYSTEMTHEORIE
4.1 GRUNDLAGEN DER SYSTEMTHEORIE
4.2 SYSTEMBEGRIFF
4.3 SOZIALE SYSTEME UND KOMMUNIKATION
4.4 KRITISCHE BETRACHTUNG
5. PROJEKTMANAGEMENT IN KOOPERATION – AGIL UND SYSTEMISCH
5.1 GRUNDLAGEN
5.2 WERTE
5.3 PRINZIPIEN
5.4 WELTBILD – AGIL UND SYSTEMISCH
5.5 REPOSITORY
5.5.1 Rollen
5.5.2 Vorgehen und Artefakte
5.5.3 Praktiken
5.6 KRITISCHE BETRACHTUNG
6. ERWEITERUNG VON PIK-AS
6.1 EIGNUNG VON KANBAN
6.2 VORGEHENSWEISE DER ERWEITERUNG
6.3 WERTE
6.4 PRINZIPIEN
6.5 WELTBILD – AGIL, LEAN UND SYSTEMISCH
6.6 REPOSITORY
6.6.1 Vorgehen und Artefakte
6.6.2 Rollen
6.6.3 Praktiken
6.7 KRITISCHE BETRACHTUNG
7. VALIDIERUNG
7.1 GRUNDLAGEN UND VORGEHEN
7.2 AUSWAHL DER INTERVIEWPARTNER
7.3 ERGEBNISSE
8. FAZIT UND AUSBLICK
9. ANHANG
9.1 ANHANG A: PIK-AS PRINZIPIEN
9.2 ANHANG B: PIK-AS PRAKTIKEN
9.3 ANHANG C: PIK-AS VALIDIERUNG
9.4 ANHANG D: INTERVIEWVORBEMERKUNG
9.5 ANHANG F: INTERVIEWS MIT DEN EXPERTEN
9.5.1 Interview mit einem wissenschaftlichen Mitarbeiter
9.5.2 Interview mit zwei Unternehmensberatern
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Arbeit untersucht, inwiefern die Methode PiK-AS (Projektmanagement in Kooperation – Agil und Systemisch) durch leane Faktoren aus Kanban sinnvoll erweitert werden kann. Ziel ist es, durch eine wissenschaftliche Analyse und Validierung mittels Experteninterviews einen Mehrwert für das Projektmanagement zu identifizieren und die Praxistauglichkeit der erweiterten Methode (PiK-AS+K) zu bewerten.
- Klassisches versus agil-leanes Projektmanagement
- Grundlagen der Systemtheorie nach Luhmann
- Analyse und Integration von Kanban-Prinzipien
- Validierung der erweiterten Methode PiK-AS+K
Auszug aus dem Buch
3.5.4 Pull statt Push
In diesem Abschnitt wird das Pull-Prinzip in Kanban erläutert. Der Kerngedanke des Pull-Prinzips aus der leanen Produktion wird auch in der Softwareentwicklung unter Berücksichtigung des WiP-Limits beibehalten (vgl. Kap. 3.3). Die Teams übernehmen eigenständig Aufgaben vom Kanbanboard und bearbeiten nur so viele Tickets, wie es das WiP-Limit erlaubt. Im Folgenden wird das Pull-Prinzip anhand von zwei Ticket Pulls an dem bereits vorgestellten Kanbanboard erläutert (vgl. Abbildung 6).
Bei einem ersten Pull wird das Ticket F aus der Input-Warteschlange in die Analysephase gezogen (vgl. Abbildung 9). Da die Analysephase ein WiP-Limit von drei Tickets hat und sich zurzeit nur zwei Tickets in der Phase befinden, ist dies ein legitimer Pull.
Bei einem zweiten Pull wird das Ticket F von der Analysephase in die Entwicklungsphase gezogen (vgl. Abbildung 10). Das WiP-Limit der Entwicklungsphase ist fünf, sodass dieser Pull illegitim ist.
Zusammenfassung der Kapitel
1. ZENTRALE PROBLEMSTELLUNG UND VORGEHEN: Einführung in die Motivation der Arbeit, Darstellung der Forschungsfragen sowie Erläuterung des methodischen Vorgehens.
2. PROJEKTMANAGEMENT – KLASSISCH: Definition zentraler Begriffe wie Projekt und Management im klassischen Kontext sowie Analyse des Wasserfallmodells als Beispielmodell.
3. PROJEKTMANAGEMENT – AGIL UND LEAN: Abgrenzung agiler und leaner Ansätze sowie detaillierte Untersuchung von Kanban als Steuerungsmethode in der Softwareentwicklung.
4. SYSTEMTHEORIE: theoretische Fundierung durch die Systemtheorie nach Luhmann, insbesondere mit Fokus auf soziale Systeme und Kommunikation.
5. PROJEKTMANAGEMENT IN KOOPERATION – AGIL UND SYSTEMISCH: Vorstellung der agil-systemischen Methode PiK-AS, deren Bestandteile und systemische Begründung.
6. ERWEITERUNG VON PIK-AS: Prüfung der Eignung von Kanban und methodische Erweiterung der PiK-AS Methode zu PiK-AS+K.
7. VALIDIERUNG: Durchführung und Auswertung von Experteninterviews zur Überprüfung der Praxistauglichkeit des erweiterten Ansatzes.
8. FAZIT UND AUSBLICK: Zusammenfassung der gewonnenen Erkenntnisse und Identifikation weiterer Forschungspotenziale.
Schlüsselwörter
Projektmanagement, Agilität, Lean, Systemtheorie, Kanban, PiK-AS, Softwareentwicklung, Kommunikation, Autopoiesis, KVP, WiP-Begrenzung, Pull-Prinzip, Experteninterviews, Projektsteuerung, Change Management.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Optimierung des agil-systemischen Projektmanagements durch die Integration von leanen Faktoren aus der Kanban-Methode.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Die Arbeit verbindet klassische Managementansätze mit agilen Prinzipien, leanen Methoden und systemtheoretischen Grundlagen nach Niklas Luhmann.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die zentrale Frage ist, ob Kanban ein geeigneter Kandidat für die Erweiterung von PiK-AS ist und ob diese Erweiterung einen messbaren Mehrwert erzeugt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Neben einer theoretischen Literaturanalyse wird eine qualitative Validierung durch Experteninterviews mit wissenschaftlichen Mitarbeitern und Unternehmensberatern durchgeführt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst Grundlagen des klassischen, agilen und leanen Projektmanagements sowie der Systemtheorie erarbeitet. Darauf aufbauend wird die Methode PiK-AS vorgestellt und anschließend um spezifische Kanban-Elemente zur Methode PiK-AS+K erweitert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Fachbegriffe sind Agilität, Lean-Management, Systemtheorie, Kanban, PiK-AS und kontinuierlicher Verbesserungsprozess (KVP).
Was ist der spezifische Mehrwert von PiK-AS+K laut der Arbeit?
Die erweiterte Methode bietet eine höhere Flexibilität, einen stärkeren Fokus auf den Menschen als Erfolgsfaktor und eine verbesserte Wahrscheinlichkeit für effektive Kommunikation durch Transparenz.
Welche kritischen Aspekte werden bei der Validierung durch Experten genannt?
Experten kritisierten unter anderem die Abhängigkeit von hochqualifizierten Mitarbeitern, die fehlende Berücksichtigung juristischer/finanzieller Aspekte und die Herausforderungen bei der Umsetzung der Kaizen-Kultur in westlichen Unternehmen.
- Quote paper
- Fahim Halamzie (Author), 2012, Projektmanagement - klassisch, agil, lean und systemisch, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/208353