Ein Blick in die Geschichte zeigt, dass Mauern seit jeher auf allen Teilen der Welt gebaut wurden. So wurde mit dem Bau der Chinesischen Mauer vermutlich bereits im 7. Jahrhundert v. Chr. begonnen. Doch auch in der näheren Vergangenheit lassen sich Beispiele für derartige (geschichtsträchtige) Bauwerke finden. Auch wenn Größe und Aussehen der neuzeitlichen Mauerwerke deutlich von den antiken Vertretern abweichen, weisen sie doch in ihrer ursächlichen Funktion erhebliche Parallelitäten auf. So dienen sie ebenso dem Schutz vor vermeidlich fremden Menschen sowie deren Ideen und Weltanschauungen. Letzteres trifft vor allem für ein weiteres "prominentes" Beispiel zu, dass in diesem "Kanon der Mauern" gewissermaßen eine Sonderstellung einnimmt: die Berliner Mauer.
Sowohl ihr Bau am 13. August 1961 als auch ihr Fall am 9. November 1989 sind entscheidende Zäsuren der deutschen Geschichte. Doch auch aus internationalem Blickwinkel gibt es kaum ein Bauwerk, dass die Welt so nachhaltig prägte wie der Berliner Grenzwall. Schließlich war die Berliner Mauer "Ausdruck der Spaltung der Welt, [denn] "eine solche globale Konfrontation zweier verfeindeter politischer, wirtschaftlicher und ideologischer Machtblöcke hat[te] es in diesem Ausmaß nie zuvor gegeben" . Unstrittig ist deshalb die Einschätzung der Mauer als nationaler -ja sogar globaler - Erinnerungsort.
Ziel dieser Arbeit ist es, die Geschichte der Berliner Mauer zu beschreiben und dabei ihren "Wert" als Erinnerungs- bzw. Gedächtnisort nachzuvollziehen. Somit soll erörtert werden, woran genau erinnert bzw. wie dies umgesetzt wird? Zunächst wird dabei noch einmal auf den 13. August 1961 sowie die Ereignisse unmittelbar zuvor Bezug genommen. Im Anschluss soll auf die viel diskutierte "Mauer in den Köpfen" näher beleuchtet werden. Die in der Mauererinnerung einen besonderen Platz einnehmenden sogenannten "Maueropfer" sind Thema des darauffolgenden Abschnitts. Anschließend wird auf die Gegebenheiten des Mauerfalls im Herbst 1989 eingegangen sowie der Umgang mit der Mauer nach ihrem Fall beschrieben; bevor im sechsten Gliederungspunkt die Diskussionen um die verschiedenen Gedenkstätten, die schließlich in das "Gesamtkonzept Berliner Mauer" mündeten, thematisiert werden. Hierbei soll neben den gesellschaftlichen Aspekten auch die politische Instrumentalisierung, die im Jahre 2001 ihren Höhepunkt fand, angesprochen werden.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung: Die Mauern der Welt
2 Berlin und der 13. August 1961
3 Der "antifaschistische Schutzwall"
4 Ansichten aus West und Ost
5 Von Mauerspringern und Maueropfern
6 Der Mauerfall und die "Mauer in den Köpfen"
7 Mauerrelikte und Gedenkstätten
8 Schluss: Mauern sind nicht für ewig gebaut
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Berliner Mauer als nationalen und globalen Erinnerungsort und analysiert, wie sich das Gedenken an dieses Bauwerk in der deutschen Erinnerungskultur zwischen historischer Aufarbeitung und politischer Instrumentalisierung entwickelt hat.
- Die Geschichte der Berliner Mauer als Zäsur der deutschen Teilung
- Die Rolle der Maueropfer im kollektiven Gedächtnis
- Die Entwicklung der "Mauer in den Köpfen" nach dem Mauerfall
- Debatten um Gedenkstätten und das "Gesamtkonzept Berliner Mauer"
- Der Wandel der politischen Deutung von der "Schandmauer" zum Freiheitssymbol
Auszug aus dem Buch
1 Einleitung: Die Mauern der Welt
Ein Blick in die Geschichte zeigt, dass Mauern seit jeher auf allen Teilen der Welt gebaut wurden. So wurde mit dem Bau der Chinesischen Mauer vermutlich bereits im 7. Jahrhundert v. Chr. begonnen, der im heutigen Schottland liegende Hadrianswall entstand am Anfang des 2. Jahrhunderts n. Chr. In beiden Fällen hatte die Errichtung den Zweck das eigene Territorium vor feindlichen Stämmen zu schützen. Doch auch in der näheren Vergangenheit lassen sich Beispiele für derartige (geschichtsträchtige) Bauwerke finden. Beispielsweise hält die US-Regierung an ihrem Kongressbeschluss des Jahres 1994 und der darin fixierten Grenzbefestigung zu Mexiko fest, die stetig weiter ausgebaut wird und sich von einer einfachen Blechmauer mehr und mehr zum Hochsicherheitssystem wandelt. Ähnlich radikal verläuft die Grenzziehung zwischen Nord- und Südkorea. Obwohl hier von einer "Mauer" im eigentlichen Sinne nicht gesprochen werden kann, erstrecken sich bis zum heutigen Datum rund 250 km lange Stacheldrahtzäune auf beiden Landesterritorien, die durch einen dazwischenliegenden Grenzstreifen, dem sogenannten "No Man's Land", voneinander getrennt werden.
Ein mittlerweile "aufgeweichtes" Mauersystem ist die "Belfast Peace Line", die einst gebaut wurde, um protestantische und katholische Viertel der Stadt voneinander zu trennen. Auch wenn Größe und Aussehen der neuzeitlichen Mauerwerke deutlich von den antiken Vertretern abweichen, weisen sie doch in ihrer ursächlichen Funktion erhebliche Parallelitäten auf. So dienen sie ebenso dem Schutz vor vermeidlich fremden Menschen sowie deren Ideen und Weltanschauungen. Letzteres trifft vor allem für ein weiteres "prominentes" Beispiel zu, dass in diesem "Kanon der Mauern" gewissermaßen eine Sonderstellung einnimmt: die Berliner Mauer.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Mauern der Welt: Die Einleitung verortet die Berliner Mauer im historischen Kontext weltweiter Grenzbefestigungen und erläutert die Zielsetzung der Arbeit, den Erinnerungswert des Bauwerks zu untersuchen.
2 Berlin und der 13. August 1961: Dieses Kapitel behandelt die politischen Hintergründe und die Eskalation, die zum Bau der Mauer als systemtrennende Grenze führten.
3 Der "antifaschistische Schutzwall": Es wird dargelegt, wie die DDR-Propaganda den Mauerbau legitimierte und wie das Bild des Bauwerks in der deutschen Erinnerungskultur mit NS-Vergleichen aufgeladen wurde.
4 Ansichten aus West und Ost: Der Fokus liegt auf dem Wandel der Wahrnehmung im Westen sowie der schleichenden Gewöhnung an die Existenz der Mauer über die Jahrzehnte.
5 Von Mauerspringern und Maueropfern: Dieses Kapitel analysiert das Gedenken an die Mauertoten und wie mediale Bilder von Fluchtversuchen das Mauergedächtnis prägten.
6 Der Mauerfall und die "Mauer in den Köpfen": Der Abschnitt schildert die Ereignisse um den 9. November 1989 und die Herausforderung, die psychologische Spaltung nach dem Abriss der physischen Grenze zu überwinden.
7 Mauerrelikte und Gedenkstätten: Es wird die Debatte um den Umgang mit den baulichen Resten sowie die Entwicklung des "Gesamtkonzepts Berliner Mauer" beschrieben.
8 Schluss: Mauern sind nicht für ewig gebaut: Das Fazit fasst zusammen, dass die Mauer trotz ihres physischen Verschwindens als politische Ikone und Metapher im kulturellen Gedächtnis fortbesteht.
Schlüsselwörter
Berliner Mauer, Erinnerungskultur, Mauerbau, Mauerfall, Gedenkstätten, Geschichtspolitik, DDR, Teilung, Kalter Krieg, Maueropfer, Flucht, Gesamtkonzept Berliner Mauer, Deutschland, Wiedervereinigung, Erinnerungsort.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Berliner Mauer als einen zentralen deutschen Erinnerungsort und untersucht, wie sich die Wahrnehmung und das Gedenken an dieses Bauwerk von seinem Bau 1961 bis in die Zeit nach der Wiedervereinigung gewandelt haben.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Schwerpunkten gehören die politische Geschichte der deutschen Teilung, die Rolle von Maueropfern, die mediale Inszenierung von Fluchtgeschichten sowie die museale und gedenkpolitische Auseinandersetzung nach 1989.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, den "Wert" der Berliner Mauer als Gedächtnisort nachzuvollziehen und zu erörtern, woran genau erinnert wird und wie dieser Prozess durch politische und gesellschaftliche Narrative beeinflusst wurde.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine geschichtswissenschaftliche Analyse, basierend auf einer Auswertung von Literatur, Quellen, Gedenkkonzepten und der Untersuchung der medialen Rezeption des Mauerbaus und Mauerfalls.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die politische Genese des Mauerbaus, die Propaganda-Begriffe wie "antifaschistischer Schutzwall", das Gedenken an Maueropfer, die Wahrnehmung im Ost-West-Vergleich und die Entwicklung von Gedenkkonzepten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Schlagworte sind Erinnerungskultur, Berliner Mauer, Geschichtspolitik, Gedenkstätten, Teilung und Maueropfer.
Welche Bedeutung kommt der "Mauer in den Köpfen" zu?
Die Arbeit zeigt, dass die psychologische Grenze auch nach dem physischen Mauerfall bestehen blieb und eine große Herausforderung für eine gemeinsame deutsche Erinnerungskultur darstellte.
Wie wurde das "Gesamtkonzept Berliner Mauer" begründet?
Das Konzept entstand aus der Notwendigkeit, eine wissenschaftlich fundierte und dezentrale Erinnerungslandschaft zu schaffen, die über die bloße Skandalisierung oder touristische Vermarktung hinausgeht.
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- C. Zierold (Author), 2012, Die Berliner Mauer in der deutschen Erinnerungskultur, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/207447