Stundenziel
Die Schülerinnen und Schüler (im Folgenden SuS) erkennen die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen der Familie Miller aus dem Drama „Kabale und Liebe“ von Friedrich Schiller und einer zeittypischen bürgerlichen Familie aus dem 18. Jahrhundert, indem sie die Familienmitglieder charakterisieren, miteinander in Beziehung setzen und abschließend mit Hilfe eines Sachtextes begründen, inwieweit die Millers einer zeittypischen bürgerlichen Familie des 18. Jahrhunderts entsprechen.
Teilziele
Die SuS…
• erkennen die Diskrepanz zwischen der Definition einer bürgerlichen Familie des 18. Jahrhunderts und der Familie Miller im Drama, indem sie das Bild der Familie Miller beschreiben, dieses in Verbindung setzen zum Text der Regieanweisung und ihrer zur Stunde behandelten Hausaufgabe und daraus eigenständig die Unterrichtsfrage ableiten.
• erschließen die Charaktereigenschaften der Familienmitglieder der Millers, indem sie arbeitsteilig drei unterschiedliche Kurzcharakterisierungen, basierend auf den vorgegebenen Dramentextpassagen, entwerfen.
• setzen die Familienmitglieder der Familie Miller in Beziehung zu einander, indem sie die Verbindungen zwischen den einzelnen Personen im Tafelbild mit Hilfe von Kreidepfeilen und schriftlichen Ergänzungen kenntlich machen.
• beurteilen, inwiefern es sich bei der Familie Miller um eine zeittypische bürgerliche Familie aus dem 18. Jahrhundert handelt, indem sie das erarbeitete Tafelbild der Familienstruktur mit dem bereits zu Hause gelesenen Text „Die Handwerker- und Bürgerfamilie“ vergleichen und die Gemeinsamkeiten und Unterscheide feststellen.
Inhaltsverzeichnis
1. Thema der Unterrichtsreihe
2. Thema der Unterrichtsstunde
3. Stundenziel
4. Teilziele
5. Einordnung der Stunde in die Unterrichtsreihe
6. Zentrale didaktisch-methodische Begründungen
7. Text und Arbeitsauftrag der Hausaufgabe: Die Handwerker- und Bürgerfamilie
8. Einstieg: Die Millers
9. Arbeitsaufträge der Erarbeitungsphase
10. Auswertungsbogen der Erarbeitungsphase
11. Textgrundlage für die Erarbeitungsphase
12. Angestrebtes Tafelbild
13. Arbeitsblatt zum Abschreiben des Tafelbildes
14. Text der didaktischen Reserve/ der Hausaufgabe zur nächsten Stunde: Über den Hausvater (1781)
Zielsetzung & Themen
Das primäre Ziel der Unterrichtsstunde ist es, die Diskrepanz zwischen dem zeitgenössischen Ideal einer bürgerlichen Familie des 18. Jahrhunderts und der realen Darstellung der Familie Miller in Schillers Drama „Kabale und Liebe“ kritisch zu untersuchen und zu bewerten.
- Analyse von Familienstrukturen und Rollenbildern im 18. Jahrhundert
- Charakterisierung der Familienmitglieder Miller mittels Dramentextanalyse
- Vergleich zwischen historischem Idealbild und literarischer Ausgestaltung
- Entwicklung von Sozial- und Sachkompetenz durch kooperative Lernformen
Auszug aus dem Buch
Die Handwerker- und Bürgerfamilie
Über die Handwerker und Bürgerfamilie des 18. Jahrhunderts wissen wir aufgrund der Quellenlage recht gut Bescheid. Bei Christian Fr. Sintenis lesen wir in „Das größere Buch der Familien“ Bd. 2, 1807 über den „Hausvater“: „Wacker, der Mann und Hausvater, stellt das wirklich vor, was er von Natur ist – das Haupt der Familie, den Herrn in seinem Haus. […] Er teilt die sämtlichen häuslichen Geschäfte ein, gibt Acht, ob jeder sein Pensum verrichte, und hält mit Ernst darauf, dass es geschehe. Er ist deshalb soviel seine Welt- und Berufslage ihm verstattet, gern zu Hause, um das häusliche Ganze immer vollkommen zu übersehen und zu leiten oder auch da, wo es fehlt, nachhelfen zu können. Alle Hausgenossen übertrifft er an Pflichteifer und unzuermüdender Geschäftigkeit.“
In der gleichen Quelle heißt es von der Hausmutter: „Sie vermeidet jeden unnützen Aufwand, sie mag über Stand weder wohnen noch sich kleiden und findet Modesucht so verächtlich wie lächerlich!“
Beim Hausvater ist von Mode nicht die Rede, er trägt wohl sein ganzes Leben lang ein und denselben Bürgerrock, sofern die Qualität des Stoffes dies zulässt. Natürlich kommt dem Hausvater ein (häufiger) Wechsel der Kleidung auch nicht in den Sinn, da dies gegen das bürgerliche Prinzip der Sparsamkeit verstoßen würde. Dem weiblichen Geschlecht, das – wie man behauptet – von Natur aus putzsüchtig und gefallsüchtig ist, muss die Verachtung der Mode besonders ins Stammbuch geschrieben werden.
Zusammenfassung der Kapitel
Thema der Unterrichtsreihe: Einführung in Schillers „Kabale und Liebe“ mit Fokus auf die Frage nach der Gattungszugehörigkeit zum Sturm und Drang.
Thema der Unterrichtsstunde: Untersuchung der familiären Strukturen bei den Millers im Kontrast zum bürgerlichen Familienideal des 18. Jahrhunderts.
Einordnung der Stunde in die Unterrichtsreihe: Übersicht über den geplanten Unterrichtsverlauf bis zu den Weihnachtsferien inklusive inhaltlicher Schwerpunkte.
Zentrale didaktisch-methodische Begründungen: Erläuterung der Legitimation der Reihe durch Lehrpläne und didaktische Entscheidung für die Gruppenarbeit.
Text und Arbeitsauftrag der Hausaufgabe: Die Handwerker- und Bürgerfamilie: Bereitstellung von Quellentexten zur historischen Einordnung des Familienlebens.
Arbeitsaufträge der Erarbeitungsphase: Detaillierte Anweisungen zur arbeitsteiligen Charakterisierung der Miller-Familienmitglieder.
Schlüsselwörter
Friedrich Schiller, Kabale und Liebe, 18. Jahrhundert, Bürgerliche Familie, Aufklärung, Familienstruktur, Hausvater, Hausmutter, Luise Miller, Sturm und Drang, Sozialgeschichte, Dramenanalyse, Rollenbilder, Unterrichtsentwurf, Didaktik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Unterrichtseinheit grundsätzlich?
Die Arbeit fokussiert sich auf die Familie Miller aus Friedrich Schillers Drama „Kabale und Liebe“ und prüft deren Darstellung im Kontext bürgerlicher Lebensentwürfe des 18. Jahrhunderts.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind die historische Definition der bürgerlichen Kleinfamilie, die Rollenverteilung zwischen Vater und Mutter sowie die Diskrepanz zwischen Idealen und der literarischen Realität bei Schiller.
Was ist das primäre Ziel der Unterrichtsstunde?
Das Ziel ist die kritische Analyse der Miller-Familienmitglieder und deren Abgleich mit dem historischen Idealbild, um zu beurteilen, inwiefern die Millers als zeittypisch gelten können.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Stunde verwendet?
Es wird eine arbeitsteilige Dramenanalyse angewandt, die durch Gruppenarbeit und den Vergleich mit einem Sachtext zur Sozialgeschichte ergänzt wird.
Was wird im Hauptteil des Unterrichts behandelt?
Im Hauptteil werden die Familienmitglieder individuell charakterisiert, in einem gemeinsamen Tafelbild in Beziehung zueinander gesetzt und schließlich gegen Sachtexte zur bürgerlichen Familie reflektiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren das Dokument?
Die wichtigsten Schlagworte sind Kabale und Liebe, Bürgerliche Familie, 18. Jahrhundert, Rollenbilder und Sozialgeschichte.
Inwiefern spielt der „Hausvater“ eine Rolle für das Verständnis von Herrn Miller?
Das Bild des Hausvaters als „Herr im Haus“ mit priesterlicher Autorität dient als Kontrastfolie, um zu prüfen, ob Herr Miller diesem autoritären Ideal entspricht oder davon abweicht.
Warum wird die „Hausmutter“ als Kontrast zur modernen Auffassung dargestellt?
Die historische Hausmutter wird als tüchtig, aber ungebildet definiert, was den historischen Wandel und die soziale Stellung des Bürgertums im 18. Jahrhundert verdeutlicht.
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- Ina Hartmann (Author), 2012, Examensstunde: Die Millers – eine zeittypische bürgerliche Familie des 18. Jahrhunderts? , Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/207343