Ein religiöser Kult entspricht nicht der Norm (in Ausmaßen und ekstatischen Wesen) und sprengt den Rahmen der Gesellschaft. Die Regierung ist im Zugzwang diese (religiösen) Auswüchse als gefährdend zu identifizieren. Ein Kult wird zur Gefährdung der Staatssicherheit und dies verlangt nach Kontrolle und Überwachung.
Diese Arbeit untersucht den Kult der Gottheit Bacchus anhand seiner Herkunft, Verbreitung und Verfolgung in Rom. Hinführend zur Thematik – der Verfolgung und des Verbotes des Bacchus-Kultes – werden die Verbindungen von Bacchus und den Gottheiten Dionysos und Liber untersucht. Dabei wird die Ikongraphie von Dionysos und Bacchus auf Gemeinsamkeiten sowie wesentliche Unterschiede hin betrachtet und nachfolgend die Mythologie des Dionysos in Bezug zu Bacchus und ihrem verehrenden Gefolge gesetzt.
Der Hauptbestandteil dieser Arbeit liegt in der kritischen Auseinandersetzung mit den überlieferten Quellen des Titus Livus und einem Senatsbeschluss aus dem Jahr 186 vor Christus. Im Zentrum der Untersuchung steht die Überlegung nach der Radikalität des Kultes und der Regierung. Gleichfalls soll untersucht werden, ob die Negation der Bacchanalien berechtigt und ‚maßvoll’ vollzogen wurde oder ob der Bacchanalienskandal eine staatliche Verschwörung darstellte und folglich eine (religiöse) Säuberung von diesem fremden Kult implizierte.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitende Worte
2. Bacchus: Gottheit und Kult
2.1 Bacchischer Geheimkult: Herkunft und Praxis.
2.2 Ikonographie: Bacchus und Dionysos
2.3 Dionysos: eine Verbindung zum Bacchus-Kult
3. Bacchus: (s)ein Kult in Rom
3.1 Die (Schreib-) Haltung des Titus Livius bezüglich des Bacchus-Kultes
3.1.1 Der Bacchanalienskandal nach Titus Livius
3.2 Die Reaktion des Staates: Senatus consultum de Bacchanalibus
3.2.1 Der Senatsbeschluss: Analyse und Folgen
3.2.2 Das Überleben des Bacchus-Kultes
4. Resümee: ein bacchantischer Sturm
5. Bibliographie
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den Bacchus-Kult in Rom, insbesondere die Ereignisse rund um den Bacchanalienskandal von 186 v. Chr., um die Radikalität der staatlichen Gegenmaßnahmen und deren Hintergründe zu analysieren. Dabei wird hinterfragt, ob die Unterdrückung des Kultes eine berechtigte Reaktion auf eine tatsächliche Bedrohung darstellte oder ob sie als politisches Instrument zur Machtstabilisierung des römischen Staates diente.
- Ursprung und Transformation des Bacchus-Kultes
- Ikonographische Vergleichsanalyse von Bacchus und Dionysos
- Kritische Quellenanalyse der Berichte von Titus Livius
- Reaktion des römischen Senats (Senatus consultum de Bacchanalibus)
- Staatliche Machtpolitik und religiöse Kontrolle
Auszug aus dem Buch
3.1.1 Der Bacchanalienskandal nach Titus Livius
“The most significant aspect of this is the year of the Bacchanalia crisis, the most important incursion of foreign rites into Italy in Livy’s whole surviving narrative […].”
Die Enthüllung der bacchischen Machenschaften beschreibt Livius sehr detailliert, die Liebe einer freigelassenen Sklavin verhinderte ein Familiendrama. Die „bekannte Dirne“ namens Fecenia Hispala rettete somit ihren Geliebten Publius Äbutius vor dem tödlichen Anschlag seiner Mutter Duronia und seines Stiefvaters Titus Sempronius Rutilus. Seine Tante, bei der Publius Äbutius Zuflucht suchte, veranlasste die Aufklärung dieses Falles durch den Konsul Spurius Postumius Albinus des Jahres 186 vor Christus.
Publius Äbutius’ Mutter wollte ihn dem Bacchus weihen, um dadurch seinen Tod herbei zu führen und sich folglich des Erbes seines verstorbenen Vaters zu bevollmächtigen: „Als er krank war, habe sie für ihn gelobt, sobald er gesund geworden sei, werde sie ihn in die Bacchusmysterien einweihen lassen, und da sie durch die Güte der Götter zur Erfüllung des Gelübdes verpflichtet sei, wolle sie es einlösen. Zehntägige Enthaltsamkeit sei notwenig; wenn er am zehnten Tag gegessen und sich mit klarem Wasser gewaschen habe, werde sie ihn zu der Kultstätte führen.“
Exemplarisch zeigt Livius die Geschehnisse anhand eines Familiendramas auf und erzeugt durch eine spannungsreiche und mitleiderregende Dramaturgie des Berichtes eine abneigende Haltung des Rezipienten gegen die Bacchanalien. Die negative Haltung des Livius beeinflusst die Berichterstattung maßgeblich und wirft konstant die Frage nach einer maßvollen Einschätzung der Geschehnisse auf. Diesen Bericht als Fabel, Erzählung oder Fiktion zu bezeichnen, ist möglich und eine wohl realistische Einschätzung des formulierten Wahrheitsgehaltes. Jedoch ist die Essenz der Erzählung als wahr anzusehen, die rahmende Biografiestruktur fungiert dabei als literarische und dramatische Erzählform des Stoffes.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitende Worte: Die Einleitung skizziert die Problematik von Kulten, die staatliche Normen sprengen, und erläutert die Forschungsfrage hinsichtlich der Radikalität des Bacchanalienskandals.
2. Bacchus: Gottheit und Kult: Dieses Kapitel behandelt die Identifikation von Bacchus mit Dionysos sowie die Rolle der altitalischen Gottheit Liber und deren Verschmelzung.
2.1 Bacchischer Geheimkult: Herkunft und Praxis.: Hier werden die Ursprünge des Kultes, die Rolle des Geheimkults und die ekstatischen, oft frauenzentrierten Praktiken beschrieben.
2.2 Ikonographie: Bacchus und Dionysos: Der Abschnitt vergleicht die künstlerische Darstellung der beiden Götter und zeigt Gemeinsamkeiten sowie Unterschiede in ihren Attributen auf.
2.3 Dionysos: eine Verbindung zum Bacchus-Kult: Dieses Kapitel beleuchtet die mythologischen Hintergründe von Dionysos, insbesondere seine zweifache Geburt und seine Rolle als Gott der Ekstase.
3. Bacchus: (s)ein Kult in Rom: Hier wird der griechische Einfluss auf die römische Religion thematisiert und der Konflikt zwischen ausländischen Bräuchen und staatlicher Sicherheit eingeleitet.
3.1 Die (Schreib-) Haltung des Titus Livius bezüglich des Bacchus-Kultes: Dieses Kapitel analysiert die subjektive Perspektive des Historikers Livius auf den Kult und dessen vermeintliche Gefahr für die römische Ordnung.
3.1.1 Der Bacchanalienskandal nach Titus Livius: Dieser Teil untersucht die konkrete Darstellung des Skandals anhand der Erzählung über Publius Äbutius.
3.2 Die Reaktion des Staates: Senatus consultum de Bacchanalibus: Fokus auf das historische Dokument des Senatsbeschlusses als legislatives Kontrollinstrument gegen den Kult.
3.2.1 Der Senatsbeschluss: Analyse und Folgen: Analyse der im Beschluss festgelegten Verbote und der daraus resultierenden strafrechtlichen Konsequenzen.
3.2.2 Das Überleben des Bacchus-Kultes: Untersuchung archäologischer Funde und Inschriften, die belegen, dass der Kult trotz staatlicher Repression weiterbestand.
4. Resümee: ein bacchantischer Sturm: Das Fazit fasst zusammen, dass der Skandal als politisches Instrument zur Machtdemonstration des Senats diente.
5. Bibliographie: Auflistung der verwendeten Primär- und Sekundärliteratur.
Schlüsselwörter
Bacchus, Dionysos, Bacchanalienskandal, Titus Livius, Senatus consultum de Bacchanalibus, Römische Religion, Geheimkult, Ekstase, Senat, Machtpolitik, Liber, Unterdrückung, Kultgeschichte, Antike, Transformation
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit analysiert den Bacchus-Kult im antiken Rom, insbesondere den sogenannten Bacchanalienskandal des Jahres 186 v. Chr. und die Reaktionen des römischen Staates darauf.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen umfassen die religiöse Transformation von Gottheiten, die staatliche Kontrolle von Kultpraktiken, die kritische Quellenanalyse historischer Berichte sowie die Verbindung zwischen Religion und Machtpolitik.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist zu untersuchen, ob die radikale Verfolgung des Kultes eine notwendige Reaktion auf eine tatsächliche Bedrohung der Staatssicherheit war oder ob der Skandal instrumentalisiert wurde, um Macht und Ordnung zu stabilisieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin verwendet eine methodische Kombination aus historischer Quellenanalyse, ikonographischem Vergleich und der Untersuchung legislativer Dokumente (wie dem Senatus consultum).
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die mythologischen Grundlagen (Bacchus/Dionysos/Liber), die Analyse der Berichte des Titus Livius über den Skandal und die Untersuchung des Senatsbeschlusses als Kontrollinstrument.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Bacchanalienskandal, Machtpolitik, römischer Senat, ekstatische Kulte, Livius, Senatsbeschluss und religiöse Transformation.
Welche Rolle spielt Titus Livius für die Untersuchung?
Titus Livius liefert die primären literarischen Berichte über den Skandal. Die Arbeit zeigt jedoch auf, dass seine Schilderungen stark von seiner subjektiven, römisch-zentrierten Weltsicht geprägt sind.
Was sagt die Arbeit über das tatsächliche Überleben des Bacchus-Kultes aus?
Durch archäologische Inschriften belegt die Arbeit, dass der Kult trotz staatlicher Verbote und Verfolgung nicht vollständig ausgerottet wurde, sondern in modifizierter Form weiter existierte.
- Arbeit zitieren
- Kerstin Schmitt (Autor:in), 2010, Bacchus-Kult (Bacchanalienskandal: 186 v. Chr.), München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/207319