Das Helena-Motiv gehörte schon zur Faust-Sage der Volksbücher. Dort ist Helena eine herbeigezauberte Gestalt, eine Schöpfung des Teufels. Bei Goethe hingegen wird sie als erhabene Gestalt, als Heldin dargestellt. Um 1800 begann sich Goethe eingehender mit der Helena-Figur zu befassen. Es entstand ein Fragment von 265 Versen, das bereits die Auftrittsszene und das Gespräch mit Phorkyas enthält. Als Beispiel seien die Verse 8707 – 8718 in Faust II erwähnt.1 Darin trifft Helena noch nicht mit Faust zusammen. Die Weiterführung des Helena-Faust-Themas musste warten. Andere Werke, wie die Wahlverwandtschaften, Farbenlehre, die erste Fassung der Wanderjahre waren vorrangig. Erst im Alter, in der Schaffensperiode von 1825 bis 1831 arbeitete Goethe an seinem Faust II weiter. In seinem Tagebuch bezeichnete er nun die Arbeit am „Faust“ als „Hauptgeschäft.“ In einem Brief äußert er sich ironisch: „Wie ich im Stillen langmütig einhergehe, werden Sie an der dreitausendjährigen „Helena“ sehen, der ich nun auch schon sechzig Jahre nachschleiche, um ihr einigermaßen etwas abzugewinnen…
Inhaltsverzeichnis
1. Entstehungsgeschichte
2. Gestaltwerdung der Helena-Figur – Hinführung zu Helena
3. Der Helena-Akt
4. Vor dem Palast des Menelas zu Sparta
5. Die Vereinigung von Faust und Helena
6. Euphorions Erscheinen
7. Ausklang
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedeutung der Helena-Figur in Goethes „Faust II“. Dabei wird insbesondere die Verbindung zwischen der antiken Mythologie und der mittelalterlichen sowie romantischen Kultur analysiert, um die künstlerischen Strategien hinter dieser zentralen Begegnung und deren dramaturgische Umsetzung aufzuzeigen.
- Entstehungsgeschichte des Helena-Motivs bei Goethe
- Die Funktion der Mütter-Episode und Fausts Weg zur Helena
- Strukturelle Analyse des Helena-Aktes und seiner Szenen
- Die Synthese von klassischer und romantischer Kulturauffassung
- Der symbolische Gehalt von Euphorions Erscheinen und Absturz
Auszug aus dem Buch
3. Der „Helena-Akt“
Die Handlung des dritten Aktes ist in drei Szenen gegliedert. Der dreiteilige Aufbau entspricht sowohl den drei Phasen der kulturgeschichtlichen Konzeption, als auch dem sich ändernden poetischen Duktus.
Szenen bzw. Schauplätze sind:
a. Die Burg bzw. der Palast des Menelas ( Goethe verwendet statt des griechischen Menelaos die französische Form Menelas ) zu Sparta mit dem Erscheinen der antiken, literarisierten Helena.
b. Die mittlere Szene, „innerer Burghof,“ von Goethe als „Achse“, um die sich alles dreht, bezeichnet, bringt einen Höhepunkt des 5. Aktes, in dem sich Faust mit Helena verbindet.
c. Die dritte Szene mit der Regieanweisung „Der Schauplatz verwandelt sich durchaus“ bringt einen Wechsel von Fausts Burg in eine arkadische Landschaft. Damit einher geht der Zeitenwechsel von der klassischen zur romantischen Epoche.
Die Zeitensprünge, beginnend mit dem Übergang von der Antike zu Spätmittelalter und Renaissance, hin zur klassisch-romantischen Phase, werden durch verschiedene Kunstgriffe, wie Nebelbildung oder den Schlaf handelnder Personen, eingeleitet. Manche Übergänge erfolgen fließend.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Entstehungsgeschichte: Das Kapitel erläutert die literarische Herkunft des Helena-Motivs und Goethes langjährigen Schaffensprozess an diesem zentralen Teil seines Faust-Dramas.
2. Gestaltwerdung der Helena-Figur – Hinführung zu Helena: Hier wird Fausts Weg zu den Müttern und die Vorbereitung seiner Begegnung mit der antiken Gestalt im Rahmen der „Klassischen Walpurgisnacht“ dargestellt.
3. Der Helena-Akt: Dieses Kapitel beschreibt die dreiteilige Struktur des dritten Aktes und deren kulturgeschichtliche Bedeutung.
4. Vor dem Palast des Menelas zu Sparta: Der Fokus liegt auf Helenas Auftrittsmonolog, ihrer Verunsicherung durch Phorkyas-Mephisto und der Begegnung mit dem Chor.
5. Die Vereinigung von Faust und Helena: Die Analyse konzentriert sich auf die formale und inhaltliche Symbolik der Begegnung zwischen Faust und Helena im inneren Burghof.
6. Euphorions Erscheinen: Die Figur des Euphorion wird als Verkörperung der romantischen Dichtung und als tragischer Exzentriker interpretiert.
7. Ausklang: Das Kapitel behandelt das Ende des dritten Aktes, die Verwandlung der Chormädchen in Naturelemente und den Rückzug der klassischen Kultur.
Schlüsselwörter
Goethe, Faust II, Helena, Phorkyas, Mephistopheles, Klassik, Romantik, Euphorion, Mythen, Symbolik, Literaturwissenschaft, Dramentheorie, Arkadien, Antike, Gedächtniskultur
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die zentrale Begegnung zwischen Faust und Helena in Goethes „Faust II“ und deren literarische sowie kulturgeschichtliche Einbettung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die Entstehungsgeschichte der Helena-Figur, ihre dramaturgische Funktion, die Verbindung von Antike und Mittelalter sowie der Übergang zur Romantik.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die künstlerischen Strategien und die symbolische Bedeutung dieser Begegnung im Kontext von Goethes Werkentwicklung aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine textanalytische Vorgehensweise, gestützt auf literaturwissenschaftliche Quellen, um die Dramaturgie und die symbolischen Verweise im Text zu erschließen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich entlang des dritten Aktes und beleuchtet die Szenen von Helenas Ankunft über die Verbindung mit Faust bis hin zum Erscheinen und Absturz des Euphorion.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Goethe, Faust II, Helena, Klassik, Romantik, Symbolik und literarische Mythen.
Warum ist die Mütter-Episode für Faust so bedeutsam?
Die Mütter-Episode markiert den Übergang in ein mythisches Unterbewusstsein, welches für Faust notwendig ist, um die antike Helena überhaupt erst in die reale Welt zu berufen.
Welche Rolle spielt Phorkyas in der Erzählung?
Phorkyas fungiert als Mephisto in weiblicher Maskerade, der durch Verunsicherung und Intrigen die Weichen für das Handeln der Helena-Figur stellt.
Wie deutet die Autorin das Erscheinen von Euphorion?
Euphorion wird primär als eine allegorische Verkörperung der romantischen Dichtung interpretiert, deren Streben nach Unendlichkeit zwangsläufig zum tragischen Scheitern führt.
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- Gisela Unterberger (Author), 2011, Die Begegnung von Faust und Helena in "Faust II", Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/207134