Die große Mehrheit der Unternehmen fällt ihre strategischen IS-Entscheidungen entweder sehr gefühlsorientiert oder benutzt Methoden, die nur sehr eingeschränkt zu den Entscheidungssituationen passen.
Zentrale Begriffe wie „Geschäftswert der IS/IT“ oder „strategischer Wert eines Informationssystems“ sind nur sehr unscharf definiert. Dies widerum führt zu großen Schwierigkeiten bei der Bewertung, Kontrolle und Steuerung der Informationssysteme.
Obwohl im Gebiet der betriebswirtschaftlichen Strategieforschung zahlreiche Strategietheorien existieren, werden diese Theorien nur in sehr geringem Umfang im Gebiet des IS-Managements angewandt. Dies gilt für die Forschung als auch für die unternehmerische Praxis.
Ziel dieser Arbeit ist ein Modell, welches eine strategietheoretisch fundierte Bewertung von Informationssystemen ermöglicht.
Zu diesem Zweck wird auf Basis der Ressourcentheorie der Begriff „strategischer Wert eines Informationssystems“ definiert und in einem zweiten Schritt durch konkrete Kennzahlen operationalisiert. Hierzu greift das Bewertungsmodell konsequent auf Begriffe und Kennzahlen der de-facto-Standards ITIL und Cobit zurück. Auf diesem Wege wird sichergestellt, daß auch Praktiker das Modell schnell verstehen, akzeptieren und anwenden können. Der praktische Nutzen des Bewertungsmodells wurde durch Experteninterviews validiert.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Situation und Problemstellung
1.2 Motivation
1.3 Zielsetzung und Vorgehensweise
1.4 Wissenschaftstheoretischer Losungsansatz
2 Terminologische und konzeptionelle Grundlagen
2.1 Umfang und Notwendigkeit
2.2 Strategie und Strategisches Management
2.2.1 Das Wesen der Strategie
2.2.2 Inhaltlichen Strukturierung der Theorien des strategischen Managements
2.3 Technologie, Informationstechnologie
2.4 Informationssystem
2.5 IT Service
2.6 Wert und Wertbestimmung
2.6.1 Wert
2.6.2 Wert von Informationssystemen
2.6.3 Bewertung von Informationssystemen
2.7 IT Governance als konzeptioneller Rahmen fur das IS-Management
2.7.1 Inhaltliche Beschreibung des Begriffs
2.7.2 Control Objectives for IT and related Technology (Cobit)
2.7.3 Information Technology Infrastructure Library (ITIL)
2.8 Zusammenfassung
3 Modelle zur strategischen Bewertung von Informationssystemen
3.1 Zielsetzung und Vorgehensweise
3.2 Typologie zur Modellklassifikation
3.3 Inhalt-fokussierte Modelle
3.3.1 Klassische Kosten-Nutzen-Analysen
3.3.2 Optionstheoretische Modelle
3.3.3 Multikriterielle Bewertungsmodelle und lineare Programmierung
3.3.4 Portfolio-Modelle
3.4 Prozess-fokussierte Modelle
3.4.1 Total Economic Impact
3.4.2 Rapid Economic Justification
3.4.3 Total Value of Opportunity
3.5 Kontext-fokussierte Modelle
3.5.1 Metamodelle
3.5.2 Wirkungskettenanalyse und Methode der Kritischen Erfolgsfaktoren
3.5.3 Kontinuierliche Anpassung: Vier-Zyklen-Modell von Salmela und Spil
3.6 Analyse der Bewertungsmodelle
3.6.1 Kontextanalyse
3.6.2 Vergleichende Betrachtung der Bewertungsmodelle
3.6.3 Kritische Wurdigung der vorhandenen Modelle
3.7 Zusammenfassung der Analyse
4 Konzeption eines ressourcentheoretischen Bewertungsmodells
4.1 Zielsetzung und Vorgehensweise
4.2 Anforderungen an das Bewertungsmodell
4.2.1 Bewertungsziele: Inhaltliche Anforderungen an das Bewertungsmodell
4.2.2 Strukturale Anforderungen an das Bewertungsmodell
4.3 Auswahl der passenden Strategietheorie
4.4 Theorien zur Beschreibung des strategisch "idealen Informationssystems"
4.4.1 Ressourcenbasierte Strategietheorie als Fundament der strategischen Bewertung
4.4.2 Dynamische Fahigkeiten als Fortschreibung der Ressourcenbasierten Strategietheorie
4.5 Strategische Risiken aus Sicht der Ressourcentheorie
4.5.1 Risiko "keine Gewinne"
4.5.2 Risiko "Kundenverlust"
4.5.3 Risikotreiber "hohe Spezifitat"
4.5.4 Risikotreiber "Starrheit"
4.5.5 Risikotreiber "Komplexitat"
4.6 Operationalisierung ressourcentheoretischer Begriffe fur die IT Governance
4.6.1 Ziel und Vorgehensweise
4.6.2 Strategischer Wert eines Informationssystems
4.6.3 IS-Ressourcen
4.6.4 Funktionale IS-Fahigkeiten
4.6.5 Dynamische IS-Fahigkeiten (Fortschrittsfahigkeit)
4.6.6 Zwischenfazit zur vorgenommenen Begriffsoperationalisierung
4.7 Rollen und Perspektiven in der Bewertung
4.7.1 Uberbetriebliche Rollen: Kunde, Dienstleister
4.7.2 Innerbetriebliche Rollen: Bewertungstrager
4.8 Bewertungskriterien
4.8.1 Grundgedanken zu den Bewertungskriterien
4.8.2 Vorgehensweise: Goal-Question-Metric
4.8.3 Nachhaltigkeit
4.8.4 Fortschrittsfahigkeit
4.8.5 Bewertungskriterien fur strategische Risiken
4.9 Zusammenfassung der Erkenntnisse
5 Vorgehensmodell zur ressourcentheoretischen Bewertung von Informationssystemen
5.1 Zielsetzung und Vorgehensweise
5.2 Uberblick
5.3 Kennzahlen auswahlen und erfassen
5.4 Effektivitat bewerten
5.5 Nachhaltigkeit bewerten
5.6 Fortschrittsfahigkeit bewerten
5.7 Risiken bewerten
5.8 Ergebnisse ganzheitlich darstellen
5.8.1 Grundgedanken
5.8.2 Visualisierung der Ergebnisse
5.8.3 Alternative Formen der Visualisierung
5.9 Zusammenfassung
6 Konzeption eines minimalen Prototyps fur ein Bewertungswerkzeug
6.1 Zielsetzung und Vorgehensweise
6.2 Ausgangslage
6.3 Fuzzy-Logik zur formalen Abbildung des Bewertungsmodells
6.3.1 Motivation
6.3.2 Grundlagen der Fuzzy-Logik
6.3.3 Definition linguistischer Variablen
6.3.4 Verarbeitungsregeln
6.4 Technische Realisierung
6.5 Zusammenfassung
7 Praktische Validierung des Bewertungsmodells
7.1 Zielsetzung und Vorgehensweise
7.2 Grundlagen des Experteninterviews
7.2.1 Allgemeines
7.2.2 Vorgehensweise
7.3 Validierung durch Experteninterviews
7.3.1 Inhaltliche und organisatorische Vorbereitung
7.3.2 Durchfuhrung der Interviews
7.3.3 Qualitative Auswertung
7.3.4 Zusammenfassung der Experteninterviews
7.4 Zusammenfassung der Erkenntnisse
8 Schlußbetrachtung und Ausblick
8.1 Schlußbetrachtung
8.2 Ausblick fur die Managementpraxis
8.3 Ausblick fur die Forschung
A Cobit
B Beispielhafte Kennzahlen fur eine strategische Bewertung
C Definition der linguistischen Variablen
C.1 Basiskennzahlen
C.2 Aggregierte Kennzahlen
D Verknupfungsregeln fur die linguistischen Variablen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Dissertation zielt auf die Entwicklung eines methodischen Konzepts zur strategischen Bewertung von Informationssystemen ab. Die Arbeit adressiert die Diskrepanz zwischen theoretischen Ansätzen des strategischen Managements und der praktischen Anwendung bei der Bewertung von IT-Investitionen, wobei die zentrale Forschungsfrage lautet, wie Informationssysteme in einer dynamischen Umwelt unter strategischen Aspekten bewertet werden können.
- Ressourcentheoretische Bewertung von Informationssystemen (Resource-Based View).
- Analyse und Operationalisierung dynamischer Fähigkeiten (Dynamic Capabilities).
- IT Governance als konzeptioneller Rahmen für das Informationssystem-Management.
- Entwicklung eines Vorgehensmodells mittels Fuzzy-Logik zur Handhabung von Komplexität und Unsicherheit.
- Validierung des Modells durch Experteninterviews in der Managementpraxis.
Auszug aus dem Buch
3.3.2 Optionstheoretische Modelle
Das theoretische Konstrukt der Realoption orientiert sich dabei stark am Begriff der Finanzoption. Eine Option bezeichnet in der Finanzwirtschaft eine Vereinbarung, die dem Optionshalter das Recht, nicht jedoch die Pflicht einräumt, eine bestimmte Menge an zugrundeliegenden Vermögensgegenständen zu einem bestimmten Zeitpunkt (europäische Option) oder innerhalb eines bestimmten Zeitraums (amerikanische Option) zu einem festgelegten Preis zu kaufen (call) bzw. zu verkaufen (put) (Buckley u. a., 2000, S. 735).
Eine Option konstituiert sich anhand von drei Merkmalen (vgl. Hommel und Pritsch, 1999b, S. 123):
1. Flexibilität: Mit einer Option verbindet sich das Recht und nicht die Verpflichtung, eine bestimmte Transaktion auszuüben.
2. Unsicherheit: Die Option wird nur dann ausgeübt, wenn es unter dem zukünftigen Umweltzustand wirtschaftlich attraktiv ist.
3. Irreversibilität: Das Optionsrecht wird durch die Ausübung aufgehoben. Ein etwaig verbleibender Zeitwert wird ebenfalls vernichtet. Es entstehen beim Optionshalter sogenannte versunkene Kosten.
Während sich Finanzoptionen auf an Finanzmärkten gehandelte Vermögensgegenstände beziehen, stellen sog. Realoptionen ein Bündel aus Handlungsspielräumen und Investitionsmöglichkeiten für ein Unternehmen dar (Hommel und Pritsch, 1999b, S. 123). Die o.g. konstituierenden Merkmale gelten auch für Realoptionen. Aufgrund der ausgeprägten Analogie zwischen Finanz- und Realoption (vgl. Tab. 3.1) lassen sich die vielfältigen aus der Finanzmathematik bekannten Optionspreismodelle übertragen, so daß theoretisch eine quantitative Wertbestimmung von Realoptionen möglich ist.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung beschreibt die praktischen Probleme bei der strategischen Bewertung von Informationssystemen und leitet daraus die zentrale Forschungsfrage ab.
2 Terminologische und konzeptionelle Grundlagen: In diesem Kapitel werden grundlegende Begriffe wie Strategie, IT Governance, Informationssystem und Wert diskutiert und festgelegt.
3 Modelle zur strategischen Bewertung von Informationssystemen: Das Kapitel gibt einen Überblick über bestehende Bewertungsmodelle aus Wissenschaft und Praxis und untersucht deren Eignung.
4 Konzeption eines ressourcentheoretischen Bewertungsmodells: Hier werden die theoretischen Grundlagen auf Basis der Ressourcentheorie und dynamischer Fähigkeiten für das neue Modell erarbeitet.
5 Vorgehensmodell zur ressourcentheoretischen Bewertung von Informationssystemen: Es werden die konkreten Schritte des Bewertungsprozesses beschrieben und an Beispielen illustriert.
6 Konzeption eines minimalen Prototyps fur ein Bewertungswerkzeug: Dieses Kapitel zeigt die technische Umsetzbarkeit des Bewertungsmodells durch einen Prototypen mittels Fuzzy-Logik.
7 Praktische Validierung des Bewertungsmodells: Die Relevanz des Modells wird hier durch Experteninterviews mit Vertretern der Praxis validiert.
8 Schlußbetrachtung und Ausblick: Die Arbeit schließt mit einer Zusammenfassung der Ergebnisse sowie Ausblicken für die Managementpraxis und die Forschung.
Schlüsselwörter
Strategische Bewertung, Informationssysteme, Ressourcentheorie, IT Governance, Dynamische Fähigkeiten, Wirtschaftsinformatik, Wertorientierung, Investitionsrechnung, Fuzzy-Logik, Business Value of IT, Strategisches Management, Nutzwertanalyse, Innovationsmanagement, Prozessrationalität, Entscheidungsprozesse.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Dissertation?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Entwicklung eines theoretisch fundierten Modells zur Bewertung von Informationssystemen auf strategischer Ebene, um die Lücke zwischen betriebswirtschaftlichen Strategietheorien und der IT-Praxis zu schließen.
Welche Themenfelder werden zentral behandelt?
Die zentralen Themen umfassen die Ressourcentheorie (Resource-Based View), das Konzept der IT Governance, die Theorie dynamischer Fähigkeiten sowie diverse Bewertungsmodelle aus der Informationstechnologie.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel ist es, ein Modell zu schaffen, das eine theoretisch fundierte Bewertung von IT-Investitionen ermöglicht und Entscheider dabei unterstützt, den strategischen Wert ihrer Informationssysteme messbar und nachvollziehbar zu machen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine sachlich-analytische Vorgehensweise gewählt. Zur Abbildung der komplexen und unsicheren Bewertungsfaktoren wird zudem die Fuzzy-Logik eingesetzt, und die praktische Relevanz wird durch Experteninterviews validiert.
Welche Aspekte stehen im Hauptteil im Fokus?
Im Hauptteil liegt der Fokus auf der Analyse bestehender Bewertungsmodelle, der Konzeption eines ressourcentheoretischen Bewertungsmodells sowie der Erarbeitung konkreter Vorgehensmodelle und Kennzahlensysteme.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit beschreiben?
Die Arbeit lässt sich primär über Begriffe wie Strategische Bewertung, IT Governance, Ressourcenbasierte Strategietheorie und Dynamische Fähigkeiten definieren.
Warum wird Fuzzy-Logik für das Bewertungswerkzeug genutzt?
Fuzzy-Logik wird verwendet, da sie es erlaubt, qualitative Annahmen und widersprüchliche Faktoren aus der Ressourcentheorie formal korrekt und dennoch für Anwender verständlich in einem Bewertungswerkzeug abzubilden.
Welche Rolle spielen Experteninterviews bei der Validierung?
Die Experteninterviews dienen dazu, die theoretischen Annahmen des Modells an der Realität der Managementpraxis zu messen, die Akzeptanz der gewählten Kennzahlen zu prüfen und wertvolle Hinweise für die praktische Anwendbarkeit der Visualisierungsmethoden zu gewinnen.
- Quote paper
- Matthias Stübner (Author), 2012, Ein ressourcentheoretischer Ansatz zur strategischen Bewertung von Informationssystemen, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/206864