Zwischenmenschliche Konflikte und daraus resultierende Handlungen
gegenüber anderen Personen existieren wohl bereits schon so lange,
wie es eben die Menschheit an sich gibt. Dies ist folglich ebenso gültig
für den Bereich des Arbeitslebens, in dem Menschen unterschiedlichster
Charaktere und Persönlichkeiten zusammenarbeiten (müssen).
Seit nunmehr geraumer Zeit hört man jedoch in diesem Zusammenhang
immer wieder den Begriff des Mobbings. Dieses Phänomen, so scheint
es zumindest, ist heutzutage allgegenwärtig vertreten. Insbesondere im
Arbeitsleben wird dieser Terminus vorrangig zur Beschreibung
persönlichen Konfliktverhaltens benutzt. Zum Thema Mobbing an sich
gibt es nun mittlerweile unzählige Abhandlungen, die das Problem von
sozialwissenschaftlichen Gesichtspunkten aus betrachten und
dementsprechend auch Lösungen in diesem Bereich ergründen.
Um jene soll es im Rahmen dieser Arbeit jedoch nicht gehen. Vielmehr
ist es das Ziel dieser Arbeit, Mobbing in Bezug auf dessen juristische
Problematik und dessen Folgen für den arbeitsrechtlichen Bereich zu
erörtern. Besonderes Augenmerk soll dabei zunächst auf die
schadensersatzrechtliche Dimension gelegt werden, welche, wie später
aufgezeigt wird, in den unterschiedlichsten Konstellationen am
Arbeitsplatz vorliegen kann. In diesem Zusammenhang sind
selbstverständlich auch die arbeitsrechtlichen Handlungsmöglichkeiten
und Einschränkungen innerhalb des Betriebs zu betrachten. Ebenso
sind weitere aktuelle Entwicklungen und Herangehensweisen zur
Bewältigung der Mobbingproblematik zu untersuchen.
Ausgehend von den nicht immer einheitlichen Sichtweisen und
Beurteilungen der Rechtsprechnung zum vorliegenden Thema, wird
anschließend aufgezeigt, wie auf Grund der aktuellen Rechtslage mit
dem Phänomen Mobbing am Arbeitsplatz umgegangen werden könnte,
um die fehlende Rechtssicherheit zumindest im Ansatz zu beseitigen.
Dass das Thema einer rechtlichen Würdigung bedarf, sieht man schon
daran, dass im Rahmen einer Umfrage der TNS Emnid im Jahr 2006
bereits 15% der Berufstätigen angaben, selbst Mobbing am Arbeitsplatz
erlebt zu haben. Diese Zahl mag auf den ersten Blick nicht dramatisch
hoch erscheinen, sieht man diese jedoch in Relation zu den momentan
durchschnittlich 41 Millionen Erwerbstätigen in Deutschland und geht
man davon aus, dass Mobbing in den letzten Jahren eher noch an
Bedeutung zugenommen hat, so betrifft das Problem in absoluten
Zahlen gerechnet knapp über sechs Millionen Arbeitnehmer.
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung
2. Begriffsbestimmung Mobbing und Abgrenzung
3. Fragen des Schadensersatzes bei Mobbinghandlungen
3.1 Ansprüche gegenüber dem mobbenden Kollegen
3.2 Ansprüche gegenüber dem Arbeitgeber
3.2.1 Mobbing durch den Arbeitgeber
3.2.2 Mobbing durch andere Arbeitnehmer im Betrieb
3.2.3 Anspruch aus arbeitsschutzrechtlichen Gesichtspunkten
3.3 Ansprüche des Arbeitgebers gegenüber dem Mobbingtäter
4. Arbeitsrechtliche Handlungsmöglichkeiten
4.1 Möglichkeiten des Gemobbten
4.1.1 Zurückbehaltung der Arbeitsleistung
4.1.2 Unzumutbarkeit der Arbeitsleistung
4.1.3 Eigenkündigung
4.2 Handlungsmöglichkeiten des Arbeitgebers
4.2.1 Ermahnung und Abmahnung des Mobbingtäters
4.2.2 Kündigung des mobbenden Arbeitnehmers
4.3 Einwirkungsmöglichkeiten des gemobbten Arbeitnehmers
4.3.1 Verlangen der Kündigung des Mobbingtäters
4.3.2 Möglichkeit der Druckkündigung
5. Betrachtung neuerer Ansätze zum Umgang mit Mobbing
5.1 Die sozialrechtliche Sichtweise
5.2 Straining als Weiterentwicklung des Mobbingbegriffs
5.3 Mobbing und das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz
6. Mobbingprävention durch das kollektive Arbeitsrecht
6.1 Mitbestimmung des Betriebsrats bei Mobbingsachverhalten
6.2 Betriebsvereinbarung zur Mobbingprävention
7. Fazit
Zielsetzung und Themen
Diese Arbeit untersucht die arbeitsrechtliche Problematik von Mobbing am Arbeitsplatz, insbesondere die Möglichkeiten und Grenzen des Schadensersatzes sowie die Handlungsspielräume für Arbeitnehmer und Arbeitgeber innerhalb der geltenden Rechtsordnung.
- Juristische Einordnung und Abgrenzung des Mobbingbegriffs
- Schadensersatzansprüche bei arbeitsrechtlichen Mobbinghandlungen
- Individualrechtliche Handlungsmöglichkeiten des Arbeitnehmers
- Disziplinarische Instrumente des Arbeitgebers gegenüber Mobbern
- Präventionsansätze durch kollektivrechtliche Betriebsvereinbarungen
Auszug aus dem Buch
3. Fragen des Schadensersatzes bei Mobbinghandlungen
Betrachtet man die Fälle, mit denen sich die Rechtsprechung in der letzten Dekade beschäftigte hatte, so lässt sagen, dass in nahezu allen die Richter über Schadensersatz- und Schmerzensgeldfragen zu entscheiden hatten. Es empfiehlt sich daher, die Problematik des Mobbings zunächst von dieser Seite aus zu betrachten. Dabei ist zu unterscheiden, wer gegenüber wem entsprechende Ansprüche geltend machen möchte, da es diesbezüglich erhebliche Unterschiede hinsichtlich der rechtlichen Möglichkeiten gibt.
3.1 Ansprüche gegenüber dem mobbenden Kollegen
Die wohl häufigste Konstellation dürfte Mobbingverhalten von Arbeitnehmern gegenüber Arbeitnehmern desselben Betriebs darstellen. Wenngleich dies auch die wahrscheinlichste Variante im täglichen Arbeitsleben darstellt, so handelt es sich auch um die schwierigste im Hinblick auf die Durchsetzbarkeit der Ansprüche des Gemobbten.
Problematisch ist zunächst, dass einzelne Arbeitnehmer zwar auf Grund ihres Arbeitsvertrages in einer entsprechenden Vertragsbeziehung zu ihrem Arbeitgeber stehen, zueinander als Arbeitnehmer jedoch nicht.
Eine denkbare Schadensersatzforderung wegen einer vertraglichen Pflichtverletzung gem. § 280 Abs. 1 BGB ist also nicht möglich, da kein Schuldverhältnis, d.h. kein Vertrag besteht.
Allerdings soll an dieser Stelle nicht vorenthalten werden, dass es auch eine Mindermeinung gibt, welche eine vertragliche Haftung von Kollegen untereinander über § 311 Abs. 2 Nr. 3 BGB herleiten möchte. Vertreten wird hier die Ansicht, dass diese Norm, welche "ähnliche geschäftliche Kontakte" als Teil eines Schuldverhältnisses mit Pflichten nach § 241 Abs. 2 BGB ansieht, auch auf das Verhältnis von Arbeitnehmern untereinander anzuwenden sei, da diese eben in solch einem geschäftlichen Verhältnis stünden. Diese Auffassung ist jedoch zurecht umstritten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung: Die Einleitung beleuchtet die arbeitsrechtliche Relevanz von Mobbing und definiert das Ziel der Arbeit, die juristische Problematik sowie Lösungsansätze zu untersuchen.
2. Begriffsbestimmung Mobbing und Abgrenzung: Dieses Kapitel widmet sich der Definition von Mobbing in der Literatur und Rechtsprechung sowie der notwendigen Abgrenzung zu rechtlich zulässiger Kritik.
3. Fragen des Schadensersatzes bei Mobbinghandlungen: Es werden die verschiedenen zivilrechtlichen Haftungsgrundlagen analysiert, um Schadensersatzansprüche gegen Kollegen oder Arbeitgeber geltend zu machen.
4. Arbeitsrechtliche Handlungsmöglichkeiten: Hier werden die konkreten Reaktionsmöglichkeiten der Betroffenen (z.B. Leistungsverweigerung) sowie des Arbeitgebers (z.B. Abmahnung, Kündigung) detailliert erörtert.
5. Betrachtung neuerer Ansätze zum Umgang mit Mobbing: Die Untersuchung alternativer rechtlicher Ansätze wie die sozialrechtliche Einordnung, das Konzept des "Straining" und die Anwendung des AGG steht im Fokus dieses Kapitels.
6. Mobbingprävention durch das kollektive Arbeitsrecht: Dieses Kapitel prüft die Möglichkeiten der betrieblichen Mitbestimmung und den Nutzen von Betriebsvereinbarungen zur wirksamen Mobbingprävention.
7. Fazit: Die Arbeit schließt mit einer zusammenfassenden Bewertung der rechtlichen Möglichkeiten und einem Ausblick auf zukünftige Entwicklungen im Arbeitsrecht.
Schlüsselwörter
Mobbing, Arbeitsrecht, Schadensersatz, Schmerzensgeld, Persönlichkeitsrecht, Arbeitgeberfürsorge, Abmahnung, Kündigung, Straining, AGG, Betriebsrat, Betriebsvereinbarung, Arbeitsvertrag, Pflichtverletzung, Prävention
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die arbeitsrechtliche Problematik von Mobbing am Arbeitsplatz, analysiert die rechtliche Einordnung des Phänomens und erarbeitet Möglichkeiten zur Bewältigung.
Welche zentralen Themenfelder stehen im Mittelpunkt?
Zentrale Felder sind die zivilrechtlichen Schadensersatzansprüche, die arbeitsrechtlichen Sanktionsmöglichkeiten des Arbeitgebers, individuelle Reaktionsweisen der Betroffenen und präventive kollektivrechtliche Ansätze.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die juristische Problematik von Mobbing im Arbeitsverhältnis aufzuzeigen und zu erörtern, wie Betroffene und Arbeitgeber die aktuelle Rechtslage nutzen können, um gegen Mobbing vorzugehen.
Welche wissenschaftliche Methodik wird verwendet?
Es handelt sich um eine rechtswissenschaftliche Untersuchung, die auf einer umfassenden Analyse von Fachliteratur, Kommentaren und einschlägiger Rechtsprechung der Arbeitsgerichte basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Prüfung von Schadensersatzansprüchen, Handlungsmöglichkeiten des Arbeitnehmers und Arbeitgebers, neuere Konzepte wie das "Straining" sowie Möglichkeiten der betrieblichen Mitbestimmung.
Welche Schlüsselbegriffe sind charakteristisch?
Neben dem zentralen Begriff "Mobbing" sind Begriffe wie "Schadensersatz", "Fürsorgepflicht", "Abmahnung", "Straining" und "Betriebsvereinbarung" prägend für die Arbeit.
Wie bewertet die Arbeit die Anwendung des AGG auf Mobbingfälle?
Die Arbeit thematisiert kritisch, dass Mobbing oft keinen Diskriminierungsgrund im Sinne des AGG erfüllt, diskutiert jedoch Ansätze einer analogen Anwendung zur Stärkung der Rechtsposition des Betroffenen.
Welche Bedeutung kommt dem Betriebsrat laut der Untersuchung zu?
Der Betriebsrat kann eine maßgebliche Rolle bei der Prävention spielen, indem er Betriebsvereinbarungen initiiert, die verbindliche Beschwerdeverfahren und Verhaltensregeln im Betrieb festlegen.
- Quote paper
- Gerd Dörfler (Author), 2012, Mobbing am Arbeitsplatz - Rechtliche Handlungsmöglichkeiten, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/206777