Die Seminararbeit entschlüsselt den außergewöhnlichen Verlauf des Filmplots, um der Hauptfigur des Films, Leonard Shelby, näherzukommen. Dabei wird die Verarbeitung der anterograden Amnesie im Kino untersucht, ebenso wie die literarische Grundlage des Films, die Kurzgeschichte "Memento Mori" von Jonathan Nolan, dem Bruder des Regisseurs.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung und Fragestellung der Arbeit
2. Kurzrezension des Plots
3. Die Idee: Jonathan Nolan’s Memento Mori als Filmvorlage und im Vergleich
4. „Everything just fades“: Anterograde Amnesie als Krankheit und als Thema des amerikanischen Hollywoodkinos
5. Leonards Identität im „Wandel“: Desorientierung, Dissoziation, Manipulation
6. Zusammenfassung und Fazit
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Diese Seminararbeit untersucht die komplexe Identitätssuche des Protagonisten Leonard Shelby in Christopher Nolans Film „Memento“. Dabei wird analysiert, wie sich Leonards Identität unter dem Einfluss einer anterograden Amnesie wandelt und inwieweit sein System aus Notizzetteln, Fotografien und Tätowierungen zur Selbstmanipulation beiträgt. Ein besonderer Fokus liegt auf der filmischen Struktur und der Frage, wie diese die Wahrnehmung des Zuschauers sowie das Selbstbild der Figur beeinflusst.
- Analyse der anterograden Amnesie und deren Darstellung im Film
- Vergleich zwischen der literarischen Vorlage „Memento Mori“ und dem Film
- Untersuchung des Spannungsfeldes zwischen Gedächtnisverlust und Identitätskonstruktion
- Psychologische Aspekte: Desorientierung, Dissoziation und bewusste Manipulation
- Die Rolle der filmischen Erzählweise für die Zuschauerrezeption
Auszug aus dem Buch
3. Die Idee: Jonathan Nolan’s Memento Mori als Filmvorlage und im Vergleich
Die literarische Figur des Earl in Jonathan Nolan’s Kurzgeschichte Memento Mori bildet die Grundlage für die Konzipierung des Protagonisten Leonard in Christopher Nolan’s Memento. Earl leidet im Konzept des Bruders des Regisseurs genau wie Leonard an dem Verlust des Kurzzeitgedächtnisses, hervorgerufen durch eine physische Verletzung. Auch seine Frau ist gestorben – nur kann sich Earl nicht daran erinnern. Der Tod von Leonards Frau ist ihm dem gegenüber nur zu deutlich im Gedächtnis geblieben: er ist zugleich ein gravierender Einschnitt in dessen Leben als auch Antrieb, weiterzuleben und sich trotz des Verlustes des Kurzzeitgedächtnisses Ziele im Leben zu setzen. In Memento Mori hingegen ist Earl eindeutig ein mehr oder weniger hilfloser Patient in einem Krankenhaus. Er fertigt nicht wie Leonard eine Ansammlung von Notizzetteln an, ebenso trägt er keine Polaroidkamera mit sich herum. Die Organisation seines Alltags erfolgt mehr oder weniger durch den personalisierten Ich-Erzähler, der sich in einem Brief an Earl wendet und ihm die Umstände seines Lebens im Krankenhaus erklärt. Die Briefsequenzen wechseln sich ab mit Szenen, in denen Earl durch sein mit Klebezetteln präpariertes Krankenhauszimmer wandelt. Deren Aussagen wirken außergewöhnlich zynisch: so hat jemand eine Streichholzschachtel an die Wand geklebt, daneben ein Zettel mit der Bemerkung „Cigarette? Check for lit ones, stupid.“.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung und Fragestellung der Arbeit: Diese Einführung verdeutlicht den Stellenwert der Erinnerung für die Identität und leitet zur zentralen Fragestellung über, wie Leonard Shelby trotz seiner Amnesie sein Leben zu strukturieren versucht.
2. Kurzrezension des Plots: Dieses Kapitel fasst die Ausgangslage des Films zusammen, in der Leonard Shelby nach dem Mord an seiner Frau mithilfe eines akribisch geführten Systems aus Aufzeichnungen versucht, den Täter zu finden.
3. Die Idee: Jonathan Nolan’s Memento Mori als Filmvorlage und im Vergleich: Hier wird der Film mit der literarischen Kurzgeschichte verglichen, wobei insbesondere die Unterschiede in der Alltagsorganisation der jeweiligen Protagonisten hervorgehoben werden.
4. „Everything just fades“: Anterograde Amnesie als Krankheit und als Thema des amerikanischen Hollywoodkinos: Dieses Kapitel liefert einen Exkurs in die Gedächtnispsychologie und beleuchtet die filmische Fiktionalisierung von Gedächtnisverlust.
5. Leonards Identität im „Wandel“: Desorientierung, Dissoziation, Manipulation: Diese Analyse untersucht Leonards verzerrtes Selbstbild, sein gestörtes Vertrauensverhältnis zur Umwelt und die aktive Selbstmanipulation im Zuge seiner Rachepläne.
6. Zusammenfassung und Fazit: Das abschließende Kapitel reflektiert die Identitätskonstruktion des Protagonisten und die bewusste Steuerung der Zuschauerrezeption durch den Regisseur.
Schlüsselwörter
Memento, Christopher Nolan, Leonard Shelby, Identitätssuche, anterograde Amnesie, Gedächtnisverlust, Selbstmanipulation, Filmpsychologie, Erzählstruktur, Erinnerung, Trauma, Charakter-Narrator, Identitätswandel, Memento Mori, Patientenperspektive
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Identitätssuche des an anterograder Amnesie leidenden Protagonisten Leonard Shelby im Spielfilm „Memento“.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Themen umfassen Gedächtnisverlust, Identitätskonstruktion, die Rolle von Erinnerungen und die psychologischen Mechanismen der Selbsttäuschung und Manipulation.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel der Arbeit ist es, zu untersuchen, wie Leonard seine Umgebung reflektiert und welcher Identitätswandel innerhalb der Figur stattfindet, unterstützt durch sein System aus Notizen und Fotos.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es erfolgt eine filmwissenschaftliche und inhaltliche Analyse unter Einbeziehung psychologischer Theorien zum Gedächtnis und dem Vergleich der filmischen Umsetzung mit der literarischen Vorlage.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Plot-Zusammenfassung, dem Vergleich mit der Kurzgeschichte „Memento Mori“, psychologischen Grundlagen der Amnesie sowie einer detaillierten Untersuchung von Leonards Desorientierung und seiner bewussten Manipulation durch sich selbst und andere.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen gehören Memento, Identitätssuche, anterograde Amnesie, Selbstmanipulation und Charakter-Narrator.
Warum spielt die Unterscheidung zwischen „Fakten“ und „Erinnerung“ für Leonard eine so große Rolle?
Da Leonard seinem Gedächtnis nicht trauen kann, versucht er, sein gesamtes Leben auf objektiv erscheinende „Fakten“ (Notizen, Tätowierungen) zu gründen, um eine vermeintliche Wahrheit zu sichern.
Welche Rolle nimmt Teddy in Bezug auf Leonards Suche ein?
Teddy fungiert als ambivalente Figur, die einerseits vorgibt zu helfen, andererseits aber Leonards Zustand aktiv ausnutzt, um eigene Ziele zu verfolgen und Leonard in eine bestimmte Richtung zu lenken.
Wie trägt die filmische Schnitttechnik zur Aussage der Arbeit bei?
Die Schnitttechnik – insbesondere die rückwärts ablaufende Chronologie – zwingt den Zuschauer in eine ähnliche Situation wie den Protagonisten, da auch er sich wie Leonard in einer Welt ohne kontinuierliche Erinnerung zurechtfinden muss.
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- Anonym (Author), 2010, Die Identitätssuche des Leonard Shelby in Christopher Nolans "Memento", Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/206169