Soziale Online-Netzwerke wie Facebook sind häufiges Thema in den Medien. Besonders zum aktuellen Zeitpunkt erregen groß angelegte Facebook-Aktionen die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit. Ob das Nutzen der Seite als öffentliche Plattform zur Mobilmachung gegen Menschenrechtsverletzungen („Kony2012“) oder den Protesten von Tierschützern gegen die anstehende Europameisterschaft 2012 in der Ukraine und Polen – verschiedene Interessengruppen versuchen mithilfe des sozialen Netzwerkes im Internet, gesellschaftliche und politische Veränderungen herbeizuführen.
Diese Arbeit ist phänomenologisch aufgebaut und beginnt mit dem Beispiel einer Facebook-Gruppe (Kapitel 2), die sich mit dem Ziel gegründet hat, Widerstand gegen die Guerilla-Organisation FARC zu leisten.
Im dritten Kapitel wird die zentrale Fragestellung dieser Arbeit erörtert und die These aufgestellt, dass Facebook einen öffentlichen Raum darstellt, in dem Politik stattfindet.
Der Hauptteil der vorliegenden Arbeit gliedert sich in drei große Themenblöcke: Soziale Netzwerke, Facebook und Macht.
Im Themenblock der sozialen Netzwerke (Kapitel 4) wird zunächst eine Definition von sozialen Netzwerken gegeben, bei der auch auf das „Small World“-Phänomen sowie die Stärke schwacher Bindungen und das durch Netzwerkarbeit entstehende Sozialkapital behandelt wird.
Im Folgenden wird näher auf die virtuellen Communities sowie auf Social Network Sites eingegangen.
Der nächste große Themenblock ist Facebook gewidmet (Kapitel 5), wobei zunächst auf Daten und Fakten eingegangen wird und darauffolgend die Nutzerstruktur sowie die Funktionen dargestellt werden. Abschließend stellt das Kapitel Facebook und Macht (Kapitel 5.3) eine Überleitung zum letzten großen Themenblock der Macht dar (Kapitel 6).
Das sechste Kapitel nähert sich zunächst dem amorphen Begriff der Macht. Darauf aufbauend werden die zwei Sichtweisen von Macht beschrieben, nämlich power to und power over, woran sich im folgenden Punkt der Begriff des Empowerment anschließt. Die anthropologischen Grundlagen der Macht nach Popitz sind Thema des nächsten Kapitels. Nachfolgend wird die Organisationsmacht dargestellt. Arendts Begriff der Macht ist der letzte Teil dieses Themenkomplexes.
Das siebte Kapitel bildet eine Zusammenfassung der genannten Theorien in Bezug auf das eingangs beschriebene Beispiel der Facebook-Gruppe.
Das abschließende Kapitel 8 beschäftigt sich mit den Erkenntnissen und möglichen Folgen für die Soziale Arbeit.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 „One Million Voices Against FARC“ - Macht sozialer Netzwerke im Internet
3 Ziel der vorliegenden Arbeit
4 Netzwerke
4.1 Soziales Netzwerk
4.1.1 „Small World“-Phänomen
4.1.2 Stärke schwacher Bindungen
4.1.3 Sozialkapital und soziale Online-Netzwerke
4.2 Virtual Community
4.2.1 Merkmale virtueller Communities
4.2.2 Kritik an Virtual Communities
4.3 Social Network Sites (SNS)
4.3.1 Funktionsweise und Verbreitung von SNS
4.3.2 Nutzertypologien von SNS
5 Facebook – Daten und Fakten
5.1 Nutzerstruktur von Facebook
5.2 Funktionen von Facebook
5.3 Facebook und Macht
6 Macht
6.1 „Power to“ und „power over“
6.2 Empowerment
6.3 Anthropologische Grundlagen der Macht nach Popitz
6.4 Machtquelle Organisationsmacht
6.5 Machttheorie bei Hannah Arendt
6.5.1 Kritik an Arendts Abgrenzung von Macht und Gewalt
6.5.2 Hannah Arendts Begriff der Macht in Bezug auf Facebook
7 Fazit der bisherigen Theorien im Hinblick auf „One Million Voices Against FARC“
8 Erkenntnisse für die Soziale Arbeit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, inwiefern Facebook als Medium der Ermächtigung dienen kann, indem sie den Fall der „One Million Voices Against FARC“-Bewegung analysiert und theoretisch auf Basis von Machtbegriffen (Arendt, Popitz) sowie dem Konzept des Empowerments reflektiert.
- Soziale Netzwerke und Online-Gemeinschaften
- Die Funktion von Facebook als öffentlicher Raum für politisches Handeln
- Machttheoretische Perspektiven auf digitale Mobilisierung
- Empowerment als Methode der Sozialen Arbeit in virtuellen Räumen
- Analyse des Protests als Beispiel für vernetzte soziale Bewegungen
Auszug aus dem Buch
4.1.2 Stärke schwacher Bindungen
Die Beziehungen der einzelnen Menschen in einem Netzwerk können in Anlehnung an Granovetter (1973) in schwache und starke Beziehungen (strong ties und weak ties) aufgeteilt werden.
Kennzeichen starker Beziehungen (strong ties) sind häufige Kontaktaufnahme, Intimität, Stabilität und emotional intensive Verbindung (Döring, 2003, S. 407). Diese Personengruppe ist uns in der Regel ähnlich und kennt sich meist auch untereinander (Schilliger, 2010, S. 17). Schwache Beziehungen (weak ties) beschränken sich meist auf gemeinsame Interessen oder Aktivitäten und sind weniger emotional und intim (ebd.). Bei weak ties sollte das Prinzip des Gebens und Nehmens rasch ausgeglichen werden, „da ein Fortbestand der Beziehung unsicher ist (z.B. würde man guten Freunden eher größere Geldsummen leihen als Urlaubsbekanntschaften)“ (Döring, 2003, S. 407).
In Granovetters Studie (1973) zur Suche eines Arbeitsplatzes im System der Erwerbstätigkeit, wurden diejenigen befragt, die über informelle Kontakte zu ihrem neuen Job kamen (Bögenhold & Marschall, 2007, S. 18). Es stellte sich dabei heraus, dass der Kontakt zum neuen Arbeitgeber oft über Personen lief, „die nicht zum engeren Kreis des Befragten gehörten“ (ebd.). Granovetter erklärt dies folgendermaßen:
„Those to whom we are weakly tied are more likely to move in circles different from our own and will thus have access to information different from that which we receive“ (Granovetter, 1973, S. 1371).
Weak ties sind deswegen von großer Bedeutung, weil sie für den Einzelnen eine „Brückenfunktion“ übernehmen (Müller & Gronau, 2010, S. 5). Diese schwachen Bindungen können „Informationen und Ressourcen außerhalb des eigenen sozialen Kreises“ (ebd.) generieren und sind vor allem dann vorteilhaft, wenn dabei „besonders unterschiedliche soziale Bereiche verb[unden]“ (ebd.) werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Einführung in das Thema der sozialen Online-Netzwerke anhand aktueller Beispiele sowie Erläuterung der phänomenologischen Struktur der Arbeit.
2 „One Million Voices Against FARC“ - Macht sozialer Netzwerke im Internet: Darstellung der Anti-FARC-Protestbewegung als Fallbeispiel für die mobilisierende Kraft von Facebook.
3 Ziel der vorliegenden Arbeit: Definition der Forschungsfrage, ob Facebook als öffentlicher Raum fungieren kann, in dem Politik stattfindet.
4 Netzwerke: Theoretische Grundlagen sozialer Netzwerke, inklusive Virtual Communities und Social Network Sites, unter Berücksichtigung von Sozialkapital und Bindungsstärken.
5 Facebook – Daten und Fakten: Übersicht über die Entstehung, Verbreitung, Nutzerstruktur und Funktionen des Netzwerks sowie erste Einblicke in seine Machtaspekte.
6 Macht: Umfassende theoretische Auseinandersetzung mit Machtbegriffen, Empowerment sowie den Theorien von Popitz und Arendt.
7 Fazit der bisherigen Theorien im Hinblick auf „One Million Voices Against FARC“: Zusammenführende Analyse des Fallbeispiels unter Einbezug der erörterten Machttheorien.
8 Erkenntnisse für die Soziale Arbeit und Ausblick: Diskussion der Implikationen für die Soziale Arbeit und Bewertung des Potenzials von Facebook als politisches Ermächtigungsinstrument.
Schlüsselwörter
Facebook, Macht, soziale Netzwerke, Empowerment, Soziale Arbeit, Internet, politische Partizipation, Sozialkapital, Virtual Community, FARC, digitale Bewegung, Vernetzung, öffentliche Kommunikation, Handlungsfähigkeit, zivilgesellschaftliche Mobilisierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Rolle sozialer Online-Netzwerke, insbesondere Facebook, als Medium zur politischen Ermächtigung von Menschen und der Bildung sozialer Bewegungen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Felder sind die soziologische Netzwerktheorie, die Konzepte von Macht und Empowerment sowie deren Anwendung auf digitale Kommunikationsplattformen und politisches Engagement.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Arbeit geht der Frage nach, ob und inwieweit Facebook einen öffentlichen Raum darstellt, der es Nutzern ermöglicht, sich für gemeinsame politische Interessen zu organisieren und Macht auszuüben.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit ist phänomenologisch aufgebaut und stützt sich auf eine theoretische Analyse sowie eine Fallstudie zu einer spezifischen Protestbewegung.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in drei Blöcke: Die theoretische Fundierung von Netzwerken, eine detaillierte Analyse von Facebook als Plattform sowie eine theoretische Einordnung von Macht (nach Arendt und Popitz) und Empowerment.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen gehören insbesondere Facebook, Macht, soziale Netzwerke, Empowerment und Soziale Arbeit.
Wie wird Empowerment im Kontext der Sozialen Arbeit definiert?
Empowerment beschreibt Prozesse der Selbstbemächtigung, bei denen Menschen durch die Entdeckung ihrer Stärken und die kollektive Vernetzung in die Lage versetzt werden, ihre Lebensbedingungen aktiv und selbstbestimmt zu gestalten.
Welche Rolle spielt die „One Million Voices Against FARC“-Bewegung im Dokument?
Sie dient als exemplarisches Fallbeispiel, um die Theorie der mobilisierenden Macht von sozialen Netzwerken zu belegen und zu zeigen, wie eine rein virtuelle Gruppe zur realen Protestbewegung werden kann.
- Quote paper
- Martin Sopko (Author), 2012, Facebook als Medium des Protests, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/206056