Am 18. März dieses Jahres jährte sich zum 50. Mal die Unterzeichnung der Verträge von Évian. Trotz seines erheblichen Einsatzes an Material und Soldaten verliert Frankreich nach mehr als siebenjährigem Ringen den Krieg und entlässt Algerien am 5. Juli 1962 nach 132 Jahren Besatzung in die Unabhängigkeit.
Die vorliegende Seminararbeit betrachtet den Algerienkrieg und geht der Frage nach, ob dieser als ein verspäteter Höhepunkt des Imperialismus betrachtet werden kann. Im zweiten Kapitel soll für das allgemeine Verständnis und die Heranführung an die Fragestellung zunächst auf die Begriffe Kolonialismus und Imperialismus eingegangen werden, um schließlich anhand der Definitionen das
Ergebnis der Arbeit erläutern zu können. Im dritten Kapitel wird die algerische Geschichte von den ersten Überlieferungen bis zur französischen Besatzung dargestellt. Dies ist bei einer geschichtswissenschaftlichen Arbeit unumgänglich, auch um besonders bei der algerischen Geschichte auf die nahezu dauerhafte Fremdherrschaft hinzuweisen. Da hier mit großen Zeitsprüngen gearbeitet wird, werden viele Jahreszahlen kurz und überblickend hintereinander
genannt. Das vierte Kapitel schließlich behandelt den Algerienkrieg der Vierten Republik, während das fünfte Kapitel den Algerienkrieg unter Charles de Gaulle betrachtet. In diesen beiden Kapiteln sollen politische Aspekte im Vordergrund stehen. Um das Handeln der französischen Regierung näher beleuchten und um damit besser auf den Imperialismus eingehen zu können wird
überblickweise auch Bezug auf das Militär genommen. Das letzte Kapitel schließlich fasst die Ergebnisse zusammen und soll ein Fazit liefern.
Die Betrachtungen sollen sich auf territorial – herrschaftliche Strukturen beschränken. Aufgrund der Begrenztheit der Arbeit werden kulturelle und soziale Entwicklungen, sowie die Bedeutung einzelner Personen, die Stimmen gegen den Krieg oder auch die Innenpolitik ausgeklammert.
Entwicklungen in anderen Kolonien werden nicht erläutert.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung und Methodik
2 Begriffsklärung
2.1 Kolonialismus
2.2 Imperialismus
3 Die Algerische Geschichte bis zum Unabhängigkeitskrieg
3.1 Die Geschichte Algeriens vor Christus Geburt
3.2 Germanen, Römer, Araber, Spanier, Osmanen
3.3 Die französische Invasion
3.4 Die Kolonie
3.5 Zusammenfassung
4 Der Algerienkrieg der Vierten Republik
4.1 Erste Entwicklungen
4.2 Der Widerstand wächst
4.3 Radikalisierung auf beiden Seiten
4.4 Das Ende der Vierten Republik
5 Der Algerienkrieg unter de Gaulle
5.1 Wende in der Algerienpolitik
5.2 Erste Verhandlungen
5.3 Die Verträge von Évian
6 Der Algerienkrieg als Höhepunkt des Imperialismus?
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Seminararbeit untersucht den Algerienkrieg mit dem Ziel zu klären, ob dieser als ein verspäteter Höhepunkt des Imperialismus verstanden werden kann, wobei die politische Entwicklung und das militärische Handeln Frankreichs im Zentrum stehen.
- Historische Einordnung der Begriffe Kolonialismus und Imperialismus.
- Die algerische Geschichte unter wechselnden Fremdherrschaften.
- Die französische Repressionspolitik während der Vierten Republik.
- Die politische Wende unter Charles de Gaulle und der Weg zur Unabhängigkeit.
- Analyse der Anwendbarkeit imperialistischer Kategorien auf den Konflikt.
Auszug aus dem Buch
3.2 Germanen, Römer, Araber, Spanier, Osmanen
Die Vandalen, ein ostgermanisches Volk, beherrschten Das Gebiet des heutigen Algeriens von 429 bis 534 nach Christus. Es gelang nun dem oströmischen Kaiser Justinian I. die verlorengegangenen Gebiete in Nordafrika teilweise zurück zu erobern. Doch nach dem Niedergang der römischen Macht wurden die Berberstämme wieder selbstständig. Auch diesmal ließen fremde Eroberer nicht auf sich warten. Etwa 120 Jahre später dehnten die Araber ihr Reich auf Kosten Afrikas und der Berber aus, und gelangten in der ersten Hälfte des achten Jahrhunderts sogar bis nach Spanien.
Vom 11. bis zum 13. Jahrhundert entstanden in Nordostafrika verschiedene Berberreiche, unabhängige Fürstentümer und Königreiche, die sich gegenseitig ablösten. Danach setzten sich hier Piraten und Janitscharen fest, sie gründeten eine militärische Republik. Spanien, das bis 1491 die arabische Herrschaft im Zuge seiner Reconquista von der Halbinsel vertreiben konnte, begann damit, nordafrikanische Städte zu erobern, besonders die im heutigen Algerien liegenden Städte Oran, Algier, Bugia und Bona zählten dazu. Mithilfe der Osmanen konnten die europäischen Eindringlinge bis 1708 wieder vertrieben werden, anschließend übernahmen die Osmanen die Kontrolle über das Gebiet. Deren Herrschaft konnte sich aber aufgrund der geografischen Ferne zur Hauptstadt Konstantinopel und der Kriege des Osmanischen Reiches nur unzureichend in Algerien durchsetzen, weswegen die Deis spätestens ab 1710 als faktisch unabhängig betrachtet werden können, wobei es hierzu allerdings unterschiedliche Meinungen gibt.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung und Methodik: Der Autor erläutert die Zielsetzung der Arbeit, den Algerienkrieg auf seine imperialistischen Züge zu prüfen und skizziert das methodische Vorgehen sowie die thematischen Begrenzungen.
2 Begriffsklärung: Hier werden die theoretischen Grundlagen durch eine Definition von Kolonialismus und Imperialismus gelegt, um das Analysewerkzeug für die Untersuchung zu schaffen.
3 Die Algerische Geschichte bis zum Unabhängigkeitskrieg: Dieses Kapitel gibt einen historischen Abriss über die wechselvolle Geschichte Algeriens von der Antike bis zur französischen Besatzung.
4 Der Algerienkrieg der Vierten Republik: Die Untersuchung konzentriert sich auf die Eskalation des Konflikts und die harte, auf Repression basierende Haltung der französischen Regierung unter der Vierten Republik.
5 Der Algerienkrieg unter de Gaulle: Beleuchtung der politischen Zäsur durch de Gaulle, die von einer anfänglichen Fortsetzung der Härte bis hin zu ersten Kompromissen und schließlich den Verhandlungen von Évian reicht.
6 Der Algerienkrieg als Höhepunkt des Imperialismus?: Synthese der Ergebnisse, in der das Fazit gezogen wird, dass besonders das Handeln der Vierten Republik als verspäteter Imperialismus interpretiert werden kann, während de Gaulles Politik eine Abkehr davon darstellt.
Schlüsselwörter
Algerienkrieg, Imperialismus, Kolonialismus, Frankreich, Vierte Republik, Charles de Gaulle, FLN, ALN, Unabhängigkeit, Verträge von Évian, Repressionspolitik, Dekolonialisierung, Nordafrika, Sahara, Siedlungspolitik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert den algerischen Unabhängigkeitskrieg unter Berücksichtigung der Frage, inwiefern dieses historische Ereignis als Ausprägung des Imperialismus charakterisiert werden kann.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Arbeit untersucht das französische Handeln in Algerien, die historische Vorgeschichte der Fremdherrschaften, die militärischen Auseinandersetzungen und die politische Transformation während der Vierten und Fünften Republik.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, anhand der historischen Fakten zu erörtern, ob der Algerienkrieg als verspäteter Höhepunkt des Imperialismus betrachtet werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit basiert auf einer geschichtswissenschaftlichen Untersuchung, die sich auf territorial-herrschaftliche Strukturen konzentriert und verschiedene historische Quellen und Definitionen heranzieht.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die Begriffe definiert, dann die algerische Vorgeschichte erläutert, gefolgt von einer detaillierten Betrachtung des Krieges unter der Vierten Republik und der Politik unter Charles de Gaulle.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Publikation?
Zentrale Begriffe sind Imperialismus, Algerienkrieg, Entkolonialisierung, FLN, Siedlungspolitik und die Verträge von Évian.
Welche Rolle spielt die Sahara bei den Verhandlungen von Évian?
Die Sahara war aufgrund entdeckter Erdölvorkommen und der Existenz von Atombombentestgeländen ein Streitpunkt, den de Gaulle erst nach zähen Verhandlungen als algerisches Territorium anerkannte.
Warum unterscheidet der Autor zwischen der Vierten und der Fünften Republik?
Der Autor unterscheidet diese Phasen, da die Politik unter der Vierten Republik eine brutale, auf den Erhalt des Kolonialreichs ausgerichtete Repression darstellte, während de Gaulle unter der Fünften Republik eine politische Wende einleitete, die schließlich in die Unabhängigkeit führte.
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- Florian Kistner (Author), 2012, Die Betrachtung des Algerienkrieges und die Anwendbarkeit des Imperialismus – Begriffs auf denselben, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/205955