Im Sinne einer an den intermedialen Verhältnissen interessierten Fragestellung geht es darum, die Besonderheiten der Übertragung des Tristan-Stoffs auf und in das Musikdrama Wagners zu untersuchen. Warum Wagner seinen Tristan gestaltet wie er ihn gestaltet, welche Qualität der Stoff dabei letzten Endes hat – was verändert wurde, was im Vergleich mit Gottfried erhalten blieb – soll im Folgenden in Form eines kurzen Ab-risses genauer betrachtet werden. Neben einem kurzen Überblick zur Entstehungsgeschichte und stofflicher Herkunft des Musikdramas werden anhand des Minneideals und des Todesmotivs Veränderungen zwischen Gottfrieds Tristan und Wagners Tristan analysiert um abschließend Aussagen treffen zu können über die Art und Weise der „Veroperung“ des Tristan-Stoffs.
Inhaltsverzeichnis
1. Die Faszination für das Werk Wagners und das Ausblenden von Bezügen zwischen dem Stoff und der musikalisch-dramatischen Form
2. Zur Entstehung und stofflicher Herkunft von Richard Wagners Oper Tristan und Isolde
3. Das theoretische Liebesideal im Tristan-Roman Gottfrieds von Straßburg und in Richard Wagners Oper Tristan und Isolde
4. Zur Rolle der musikalischen Gestaltung am Beispiel des Todesmotivs
5. Das Wagner‘sche Gesamtkunstwerk – Kein Platz für intermediale Bezüge?
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Diese Arbeit untersucht die intermedialen Beziehungen zwischen Gottfried von Straßburgs Tristan-Roman und Richard Wagners Oper „Tristan und Isolde“, mit dem Ziel, die künstlerische Transformation des Stoffes und die spezifische „Veroperung“ durch Wagner kritisch zu analysieren.
- Analyse der Entstehungsgeschichte und stofflichen Herkunft von Wagners Oper.
- Vergleich der Liebesideale bei Gottfried von Straßburg und Richard Wagner.
- Untersuchung der musikalischen Gestaltung, insbesondere des Todesmotivs.
- Diskussion über das Wagner’sche Gesamtkunstwerk im Kontext von Intermedialität.
Auszug aus dem Buch
3. Das theoretische Liebesideal im Tristan-Roman Gottfrieds von Straßburg und in Richard Wagners Oper Tristan und Isolde
Das Liebesideal in Gottfrieds Tristan ist unter anderem besonders vom „Minnesang der Reinmar’schen Prägung bestimmt“. Gottfried orientiert sich also an einer literarischen Tradition die im 11. Jahrhundert erstmals zum Zentralthema der Literatur wird. Wie die Liebe in der höfischen Literatur behandelt wird, war sie der Antike nicht bekannt; und auch im 11. Jahrhundert gibt es Unterschiede im Verständnis des Minnesangs in den verschiedenen Sprachen. Bei Gottfried sich Formalitäten, die im Minnesang französischer Prägung wichtig sind, nicht vorhanden. Minne ist bei Walther „zweier herzen wünne“, und Gottfried spinnt diese Deutung noch fort, wenn beide Liebenden nicht nur „ausschließlich weltlichen Freuden nachjag[en] sondern das Leben als gemeinsame Plattform für Freude und Leid akzeptier[en]“. Schlüsselelement bei Gottfried ist also die Verbindung von Freud und Leid, eine grundsätzlich paradoxe Situation. Nur durch die Bereitschaft dazu kommt es zur „Gemeinschaft der edelen herzen“ und somit zur Existenz von Liebe. Einen Kardinalswert macht Rosenband sogar in den Versen selbst aus: „liebe ist ein also saelic dinc, ein also saeleclic gerinc, daz nieman an eire lere noch tugende hat noch ere. (187ff.). Zur persönlichen Erfahrung von Liebe kommt – bei echter Liebe – Tugend und Ere hinzu.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Die Faszination für das Werk Wagners und das Ausblenden von Bezügen zwischen dem Stoff und der musikalisch-dramatischen Form: Dieses Kapitel thematisiert die bisherige Forschungslage zu Wagners Tristan und weist auf ein Defizit in der Untersuchung der intermedialen Bezüge zum mittelalterlichen Ausgangsstoff hin.
2. Zur Entstehung und stofflicher Herkunft von Richard Wagners Oper Tristan und Isolde: Der Autor beleuchtet Wagners Quellenarbeit, seine philosophischen Einflüsse wie Schopenhauer und die persönliche Situation während der Konzeption der Oper im Zürcher Exil.
3. Das theoretische Liebesideal im Tristan-Roman Gottfrieds von Straßburg und in Richard Wagners Oper Tristan und Isolde: Hier werden die unterschiedlichen Konzepte von Liebe, Tugend und Leid bei Gottfried im Vergleich zur gefühlszentrierten „Innerlichkeit“ und Todessehnsucht bei Wagner gegenübergestellt.
4. Zur Rolle der musikalischen Gestaltung am Beispiel des Todesmotivs: Dieses Kapitel analysiert die musikalische Struktur des Tristan-Akkords und zeigt auf, wie Wagner durch Leitmotive und Harmonik die Handlung sowie psychologische Zustände der Figuren in Noten übersetzt.
5. Das Wagner‘sche Gesamtkunstwerk – Kein Platz für intermediale Bezüge?: Der Autor zieht ein Fazit zur Frage der Intermedialität und kommt zu dem Schluss, dass Wagners Werk eher eine eigenständige Medienkombination darstellt, die den Stoff Gottfrieds transformiert, statt direkt auf ihn zu rekurrieren.
Schlüsselwörter
Richard Wagner, Tristan und Isolde, Gottfried von Straßburg, Minnesang, Intermedialität, Musikdrama, Gesamtkunstwerk, Todesmotiv, Tristan-Akkord, Stoffgeschichte, Arthur Schopenhauer, Musikästhetik, Liebesideal, Medientransformation, Literaturwissenschaft.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der kritischen Untersuchung der Übertragung des mittelalterlichen Tristan-Stoffes von Gottfried von Straßburg in das Musikdrama von Richard Wagner.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die stoffliche Herkunft, der Vergleich der Liebesideale, die Rolle der musikalischen Gestaltung sowie die Frage nach der Intermedialität im Wagner’schen Gesamtkunstwerk.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, zu analysieren, wie und warum Wagner den Stoff verändert hat und inwiefern von einer intermedialen Bezugnahme gesprochen werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine literatur- und musikwissenschaftliche Analyse angewandt, die auf dem Vergleich von Primärtexten und einschlägiger Sekundärliteratur basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Entstehungsgeschichte, vergleicht das Liebesverständnis der Epochen und untersucht die musikalische Versinnbildlichung der Todessehnsucht.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Tristan und Isolde, Intermedialität, Gesamtkunstwerk, Musikdrama und Liebesideal charakterisiert.
Welche Rolle spielt die Philosophie für Wagners Tristan?
Besonders Arthur Schopenhauers „Welt als Wille und Vorstellung“ hatte einen massiven Einfluss auf die Konzeption der Oper und die Ausgestaltung der Liebes- und Todesphilosophie.
Was schlussfolgert der Autor bezüglich der Intermedialität?
Der Autor kommt zu der Einschätzung, dass es sich bei Wagners Oper nicht um eine klassische intermediale Bezugnahme handelt, sondern um eine eigenständige, neue mediale Schöpfung.
- Arbeit zitieren
- Maximilian Frisch (Autor:in), 2011, Die intermedialen Bezüge zwischen Gottfried von Straßburgs Tristan-Stoff und der musikalischen Umsetzung von Richard Wagner, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/205411