Mögliche Alternativen der Besteuerung des Umsatzes gibt es zahlreiche. Eine grundlegende Einteilung erfolgt durch die Wahl der Bemessungsgrundlage. Die deutsche Umsatzsteuer hat bis heute die beiden grundlegenden Systeme durchlaufen. Fast 50 Jahre basierte die Besteuerung des Umsatzes in Deutschland auf einem Bruttoallphasensystem.1 Seit dem 1.1.1968 erfolgt die Besteuerung nach einem Nettoallphasensystem.2 „Die Umstände ihrer Geburt waren [jedoch] keine Glücklichen.“3 Aufgrund der immensen Kosten des ersten Weltkrieges sah sich das deutsche Kaiserreich nicht mehr finanzierbar und führte zur Deckung ihrer Kosten eine, nach dem damaligen Willen nur vorübergehende, allgemeine Besteuerung des Umsatzes ein.4 Diese als Gesetz über den Warenumsatzstempel vom 26.6.1916 (RGBl 639) erlassene Steuer, gilt allgemein als Vorläufer und Initiator der späteren Umsatzsteuer.5 Der Steuersatz betrug 0,1%.6 Durch das am 26.06.1918 erlassene Umsatzsteuergesetz wurde die Besteuerung des Umsatzes sodann endgültiger Bestandteil des deutschen Steuersystems.7 Der Steuersatz wurde auf 0,5% angehoben.8 Der Einführung einer Umsatzsteuer folgten, um nur die ersten Nachfolger zu nennen, 1919 Italien, 1920 Frankreich und 1921 Belgien.9
Inhaltsverzeichnis
A. Einleitung – Geschichtliche Entwicklung der Umsatzsteuer
B. Hauptteil – Systematik der Umsatzsteuer
I. Wahl der steuerpflichtigen Unternehmungen
1. Allphasenumsatzsteuer
2. Einphasenumsatzsteuer
a) Großhandelsteuer
b) Einzelhandelsteuer
3. Mehrphasenumsatzsteuer
II. Wahl der Bemessungsgrundlage
1. Bruttoumsatzsteuer
2. Nettoumsatzsteuer
III. Wahl des Bemessungszeitpunkts – vereinnahmte / vereinbarte Entgelte
IV. Vermeidung der Kumulationswirkung bei All- (und Mehr-)phasensteuersystemen - Mehrwertsteuersystem
1. Vorumsatzabzugsverfahren
2. Vorsteuerabzugsverfahren
V. Relevante Umsatzsteuersysteme
1. Bruttoallphasenumsatzsteuer ohne Vorsteuerabzug
a) allgemein
b) Berechnungsbeispiele
(1) Steuerbelastung bei 4 Leistungsstufen und 4 Unternehmen
(2) Steuerbelastung bei 4 Leistungsstufen und 1 Unternehmen
(3) Optische Darstellung
2. Indirekte nichtkumulative Nettoallphasenumsatzsteuer mit Vorsteuerabzug
a) allgemein
b) Berechnungsbeispiel
C. Schluss – Zusammenfassung und Vergleich
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert die verschiedenen steuersystematischen Ansätze zur Besteuerung von Umsätzen, um die historische Entwicklung von der Bruttoallphasensteuer hin zur heute gebräuchlichen Nettoallphasenbesteuerung zu verdeutlichen und die Vorzüge der Wettbewerbsneutralität hervorzuheben.
- Historische Entwicklung der deutschen Umsatzsteuer von 1916 bis heute
- Systematische Unterscheidung zwischen Einphasen-, Mehrphasen- und Allphasensteuersystemen
- Methoden der Bemessungsgrundlage (Brutto- vs. Nettoumsatzsteuer)
- Analyse der Kumulationswirkung und deren Vermeidung durch Vorsteuerabzugsverfahren
- Vergleich der Steuerbelastung bei unterschiedlichen Leistungsstufen und Unternehmensstrukturen
Auszug aus dem Buch
1. Allphasenumsatzsteuer
Im System der Allphasenumsatzsteuer wird jede Leistungsphase von der Urproduktion bis hin zur Konsumreife besteuert.19 Auf jeder einzelnen Leistungsphase wird die volle Umsatzsteuer erhoben. Somit nimmt die endgültige Steuerbelastung entsprechend der Anzahl der Wirtschaftsstufen vom Hersteller bis zum Endverbraucher zu. Zudem wird die bereits aus einer vorherigen Produktionsstufe erhobene Umsatzsteuer Bestandteil ihrer eigenen Bemessungsgrundlage.
Zusammenfassung der Kapitel
A. Einleitung – Geschichtliche Entwicklung der Umsatzsteuer: Dieses Kapitel zeichnet den historischen Weg der deutschen Umsatzsteuer nach, ausgehend vom „Gesetz über den Warenumsatzstempel“ von 1916 bis zur Einführung der modernen Mehrwertsteuer im Jahr 1968.
B. Hauptteil – Systematik der Umsatzsteuer: Dieser Hauptteil erläutert die verschiedenen steuersystematischen Differenzierungen wie Einphasen- und Mehrphasensteuern und analysiert die technischen Möglichkeiten zur Besteuerung, insbesondere im Hinblick auf Vorsteuerabzugsverfahren.
C. Schluss – Zusammenfassung und Vergleich: Das Kapitel bewertet die verschiedenen Steuersysteme abschließend und begründet, warum das Nettoallphasensystem mit Vorsteuerabzug aufgrund seiner Wettbewerbsneutralität heute den Standard in der Europäischen Union darstellt.
Schlüsselwörter
Umsatzsteuer, Mehrwertsteuer, Allphasenumsatzsteuer, Einphasenumsatzsteuer, Bruttoumsatzsteuer, Nettoumsatzsteuer, Vorsteuerabzug, Vorumsatzabzug, Wertschöpfung, Steuerbelastung, Wettbewerbsneutralität, Kumulationswirkung, Leistungsstufe, Steuerpolitik, Umsatzbesteuerung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Seminararbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit den verschiedenen Möglichkeiten der Besteuerung des Umsatzes und untersucht systematisch, wie sich unterschiedliche Steuersysteme auf Unternehmen und den Endverbraucher auswirken.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Themen sind die historische Genese der Umsatzsteuer in Deutschland, die Systematik der verschiedenen Umsatzsteuertypen sowie die technischen Details zur Vermeidung von Doppelbelastungen durch Vorsteuerabzüge.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Unterschiede zwischen alten Bruttoallphasensystemen und modernen Nettoallphasensystemen herauszuarbeiten und die Überlegenheit der wettbewerbsneutralen Mehrwertsteuer darzulegen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor nutzt eine systematische Analyse steuerrechtlicher Grundlagen sowie Berechnungsbeispiele, um die Auswirkungen der verschiedenen Steuersysteme auf die Steuerlast entlang der Wertschöpfungskette zu illustrieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Wahl der steuerpflichtigen Unternehmungen, die Festlegung der Bemessungsgrundlage und die Vermeidung von Kumulationswirkungen bei Allphasensystemen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die zentralen Begriffe umfassen Umsatzsteuer, Mehrwertsteuer, Vorsteuerabzug, Wertschöpfung, Kumulationswirkung und Wettbewerbsneutralität.
Warum wird die Bruttoallphasensteuer auch als „Lawinensteuer“ bezeichnet?
Da bei diesem System die Umsatzsteuer auf jeder Stufe erhoben wird und die bereits in den Vorstufen enthaltene Steuer erneut besteuert wird, wächst die Steuerlast wie eine Lawine durch die Wirtschaftsstufen an.
Welcher Vorteil ergibt sich durch das Nettoumsatzsystem mit Vorsteuerabzug?
Das System erzielt eine Wettbewerbsneutralität, da steuerlich nur der tatsächlich auf der jeweiligen Stufe hinzugefügte Mehrwert belastet wird und somit keine Diskriminierung bei mehrstufigen Produktionsprozessen erfolgt.
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- Dd.; LL.M. Tobias Schoener (Author), 2012, Alternative Möglichkeiten der Besteuerung des Umsatzes, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/204674