In dieser Hausarbeit soll Husserls Lebenswelt-Konzept vorgestellt und untersucht werden. Dazu wird zuerst das Prinzip der Phänomenologie knapp umrissen, um deutlich zu machen, aus welchem Grund der Begriff der Lebenswelt für Husserl zentral wird. Danach soll der Versuch unternommen werden, den Lebensweltbegriff nach Husserl zu definieren. Insbesondere wird daraufhin erläutert, weshalb Husserl die moderne Wissenschaft kritisiert und welche Rolle dabei die Lebenswelt spielt. Als letztes soll die Frage beantwortet werden, ob nach Husserl alle Menschen dieselbe Lebenswelt teilen, bzw. was Husserl unter der „Intersubjektivität der Lebenswelt“ versteht.Diese Frage scheint vor allem deshalb interessant, da in diesem Zusammengang auch die Sozialwissenschaften den Begriff der Lebenswelt aufgenommen haben, wodurch die Lebenswelt bis heute eine große Rolle spielt.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Lebensweltbegriff - Bedeutung für Husserls Phänomenologie
2.1 Definition des Husserlschen Lebensweltbegriffs
2.2 Wissenschaftskritik
2.3 Intersubjektivität der Lebenswelt – haben wir alle die gleiche Lebenswelt?
3 Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht das Konzept der „Lebenswelt“ nach Edmund Husserl, um dessen Bedeutung für seine phänomenologische Philosophie zu verdeutlichen. Dabei liegt der Fokus insbesondere auf der Frage, ob eine intersubjektive Teilhabe an der Lebenswelt möglich ist und wie sich dieser Begriff zu Husserls Kritik an der modernen, rein objektiv-logischen Wissenschaft verhält.
- Grundlagen und Definition des Lebensweltbegriffs bei Husserl
- Kritik an der Trennung von subjektiver Erfahrung und objektiver Wissenschaft
- Die Rolle der Leiblichkeit bei der Wahrnehmung der Lebenswelt
- Analyse der transzendentalen Intersubjektivität und der Teilhabe an Lebenswelten
Auszug aus dem Buch
2.1 Definition des Husserlschen Lebensweltbegriffs
Husserl thematisiert den Begriff der „Lebenswelt“ ausführlich 1936 in seiner Krisis-Schrift. Doch auch in anderen Texten, wie z.B. „Erfahrung und Urteil“, wird die „Lebenswelt“ immer wieder aufgegriffen. Da Husserl das Wesen der „Lebenswelt“ nie genau bestimmt hat, kann man nur aus verschiedenen Texten zusammentragen, was die „Lebenswelt“ nach Husserl ausmacht. Es stellt sich zuerst die Frage, warum Husserl diesen Begriff überhaupt einführt. Man müsste an sich davon ausgehen, dass es einen Unterschied für ihn gibt zwischen den Begriffen „Welt“ und „Lebenswelt“, sonst hätte er es vermutlich nicht für nötig befunden, einen neuen Begriff zu verwenden.
Nach Christian Bermes kann man allerdings sagen, dass Husserl es ablehnt von verschiedenen Welten zu sprechen, für ihn gebe es demnach nur eine Welt. Vielmehr kritisiere Husserl, dass das Phänomen der unterschiedlichen Weltanschauungen oft mit der Existenz vieler verschiedener Welten verwechselt werde. Dementsprechend gehe Husserl auch davon aus, dass es eine objektiv-wahre Welt geben müsse und stellt sich die Frage, was die Bedingungen dafür seien. Über die Jahre fand er Antworten darauf.
Bermes meint, Husserl sehe die Welt mit der Zeit immer weniger als festes Konzept wahrer Aussagen oder als Horizont, sondern sie „konstituiert sich nun in einem zeitlichen, subjektiv-intersubjektiven Prozeß der Einstimmigkeitsbewährung und -gewinnung; dieser Vorgang kann sich sowohl in Passivität als auch in Aktivität vollziehen“.
Husserl führt in diesem Sinne dann den Begriff der Lebenswelt ein, als der „»einzig wahre[n] Welt«, »die als die eine wirklich seiende im Wandel ihrer Relativitäten und Jeweiligkeiten zur Geltung kommt«“. Das heißt, er will mit diesem neuen Begriff wohl unter anderem genau diese stetige Veränderungen ausdrücken, während „Welt“ für etwas statisches stand. Der Zugriff auf die „Lebenswelt“ sei aber nicht auf direktem Wege möglich, sondern könne nur zugänglich werden als Horizont eines personalen Erfahrungsaktes. Das heißt nichts anderes als dass sie eben nur aus der subjektiven Wahrnehmung des Menschen heraus erfahren werden kann.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Dieses Kapitel führt in Edmund Husserls Phänomenologie ein und skizziert die Fragestellung zur Rolle der Lebenswelt sowie deren Relevanz für moderne Wissenschaften.
2 Lebensweltbegriff - Bedeutung für Husserls Phänomenologie: Hier wird der Grundgedanke der Lebenswelt als Basis aller Erkenntnis und Erfahrung erarbeitet, wobei Husserls Philosophie als Ausgangspunkt dient.
2.1 Definition des Husserlschen Lebensweltbegriffs: Dieses Kapitel beleuchtet, warum Husserl den Begriff einführt und wie er die Lebenswelt als den wandelbaren, subjektiv-relativen Horizont menschlicher Erfahrung bestimmt.
2.2 Wissenschaftskritik: Husserls Kritik an der modernen Naturwissenschaft wird hier analysiert, da diese die Lebenswelt als fundamentales Substrat der Erkenntnis ignoriere.
2.3 Intersubjektivität der Lebenswelt – haben wir alle die gleiche Lebenswelt?: Dieses Kapitel untersucht, inwiefern Menschen trotz subjektiver Zugänge eine geteilte Lebenswelt besitzen und ob transzendentale Intersubjektivität dies begründen kann.
3 Fazit: Das abschließende Kapitel fasst zusammen, dass Husserls Begriff der Lebenswelt trotz fehlender exakter Definition essenziell bleibt, und verdeutlicht die Grenzen der Intersubjektivität durch den Einfluss von Milieu und Sozialisation.
Schlüsselwörter
Lebenswelt, Phänomenologie, Edmund Husserl, Intersubjektivität, Erfahrung, Erkenntnistheorie, Wissenschaftskritik, Subjektivität, Weltglauben, Leiblichkeit, Transzendentalphilosophie, Sozialisation, Kulturkreis, Weltwahrnehmung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den Lebensweltbegriff bei Edmund Husserl, dessen Bedeutung für die Phänomenologie und die damit verbundene Frage nach der zwischenmenschlichen Teilhabe an der Welt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen Husserls Wissenschaftskritik, das Verhältnis von subjektiver Wahrnehmung und objektiver Erkenntnis sowie das Problem der intersubjektiven Konstitution einer gemeinsamen Lebenswelt.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Hauptziel ist es, Husserls Konzept der Lebenswelt zu rekonstruieren und zu prüfen, ob Menschen nach Husserl tatsächlich dieselbe Lebenswelt teilen oder ob die „Intersubjektivität der Lebenswelt“ hier nur begrenzt greift.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine geisteswissenschaftliche Arbeit, die Husserls primäre Schriften sowie interpretative Sekundärliteratur (insbesondere von Christian Bermes und Karl Mertens) analysiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Definition der Lebenswelt, die methodische Abgrenzung Husserls gegenüber einer rein idealisierten, mathematisch-naturwissenschaftlichen Weltauffassung und diskutiert die Möglichkeiten transzendentaler Intersubjektivität.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Lebenswelt, Phänomenologie, Intersubjektivität, Erfahrung, Wissenschaftskritik und Subjektivität charakterisiert.
Warum kritisiert Husserl die moderne Wissenschaft?
Husserl kritisiert, dass moderne Wissenschaften die lebensweltliche Erfahrung als Basis jeglichen Handelns und Denkens ignorieren und sich einseitig auf eine abstrakt-mathematische „Ideenwelt“ stützen, die den Kontakt zur ursprünglichen Wirklichkeit verliert.
Kommt die Verfasserin zu dem Schluss, dass wir alle die gleiche Lebenswelt teilen?
Die Verfasserin kommt zu dem Ergebnis, dass eine tatsächliche Intersubjektivität im Sinne einer identischen Lebenswelt für alle nicht haltbar ist; stattdessen spielen individuelle Sozialisation, Milieu und Kulturkreise eine entscheidende Rolle, die den Weltzugang einschränken.
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- Katrin Nowka (Author), 2012, Teilen wir alle dieselbe Lebenswelt?, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/204387