2008 und 2009 erschütterte die weltweite Finanzkrise die globale Wirtschaft. Ausgehend vom zusammenbrechenden US-Immobilienmarkt weiteten sich die Krisenmeldungen und Hiobsbotschaften schnell und umfassend aus. Die Bilanz der Krise ist erschreckend: Banken stehen vor enormen Problemen der Refinanzierung aber auch viele private Anleger, die ihr Geld in vermeintlich sichere Anlagearten optimal investiert sahen, mussten enorme Verluste hinnehmen. Sehr schwer trifft die Krise aber vor allem die Automobilhersteller und damit auch ihre Zulieferer. Ihnen werden nur noch unter strengen Auflagen und mit hohen Aufschlägen Kredite gewährleistet. So hat auch die XXX als führender Technologielieferant für die weltweite Nutzfahrzeugindustrie schwer mit den kurzfristigen Bedarfrückgängen der Hersteller zu kämpfen. Zu den Folgen bei XXX gehören ins Besondere enorme Material-Überbestände. Damit gewinnt das Bestandsmanagement zunehmend an Bedeutung. Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich entsprechend mit der Finanzkrise und ihren Bestandsfolgen bei XXX, veranschaulicht am Elektronikbereich.
Im ersten, theorielastigen Teil soll der Leser ein generelles Verständnis zum Bestandsmanagement erhalten. Dazu wird als Ausgangspunkt ein Überblick über die Supply Chain vermittelt. Zudem wird auf die Eigenschaften des Lagerbestands Bezug genommen, um anschließend das Ziel der Bestandsreduktion zu erläutern. Zu diesem Zwecke werden die drei Methoden Just-In-Time, KANBAN und Konsignationslager vorgestellt. Auch sollen die Schwierigkeiten, die mit der Bestandsreduktion zusammenhängen, charakterisiert werden.
Im zweiten Teil der Arbeit soll ein praktischer Bezug des Themas stattfinden. Dazu beinhaltet dieser Teil zunächst eine Darstellung der Subprimekrise, um einen Einblick über die umfassenden Ereignisse am Kapitalmarkt zu erhalten. Im Anschluss werden die Auswirkungen der Krise auf das Bestandsmanagement der XXX und des Center of Excellence Electronic(CE-E) veranschaulicht und an dem konkreten Beispiel des Kunden YYY demonstriert.
Zuletzt soll die Arbeit die Lösungsansätze der XXX zum vorangegangenen Beispiel der YYY-Problematik zusammenfassen aber auch neue Lösungsansätze zu dem Thema sowie zu der Optimierung des Bestandsmanagements der XXX und besonders des CE-E liefern.
Inhaltsverzeichnis
1 Einführung
2 Bestandsmanagement in Supply Chains
2.1 Grundmerkmale der Supply Chain
2.2 Die Bedeutung des Lagerbestands für eine Unternehmung
2.3 Maßnahmen zur effektiven Bestandsreduktion
2.3.1 Das Just-In-Time-Konzept (JIT)
2.3.2 Das KANBAN-Prinzip
2.3.3 Das Konsignationslager
2.4 Grundlegende Problemfelder der Bestandsreduktion
3 Die Einflüsse der aktuellen Finanzkrise auf das Bestandsmanagement des Center of Excellence Electronic der XXX
3.1 Die Subprimekrise und ihre Ausweitung zur weltweiten Finanzkrise
3.2 Die Auswirkungen der Finanzkrise auf die XXX und die Supply Chain des ...Center of Excellence Electronic
3.3 Konkretisierung am Beispiel des Kunden YYY
4 Bewertung des Ist-Zustandes und Verbesserungsoptionen
4.1 Nutzen der Vorgehensweise bei XXX
4.2 Verbesserungsvorschläge und Realisierungschancen
5 Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit analysiert die Auswirkungen der weltweiten Finanzkrise 2008/2009 auf das Bestandsmanagement eines führenden Technologielieferanten (Firma XXX) im Elektronikbereich. Ziel ist es, basierend auf einer theoretischen Fundierung der Supply-Chain-Konzepte und einer praktischen Untersuchung der Problematik beim Kunden YYY, Lösungsansätze zur Bestandsoptimierung in Krisenzeiten aufzuzeigen.
- Grundlagen des Bestandsmanagements und der Supply Chain
- Methoden der Bestandsreduktion: JIT, KANBAN und Konsignationslager
- Wirtschaftliche Implikationen der Subprimekrise
- Ursachen und Auswirkungen von Überbeständen bei kundenspezifischen Bauteilen
- Optimierungsstrategien durch Lean Management und Prozessanpassungen
Auszug aus dem Buch
3.1 Die Subprimekrise und ihre Ausweitung zur weltweiten Finanzkrise
Als Ursprung der Subprimekrise können der Zusammenbruch des IT-Marktes zu Beginn des neuen Jahrtausends und die Anschläge vom 11. September 2001 betrachtet werden. Beides veranlasste die amerikanische Notenbank Federal Reserve System, kurz Fed, dazu den US Leitzins mehrfach kräftig zu senken, um so die Konjunktur zu stimulieren.49
Bedeutend ist aber auch die Tatsache, dass das Weltfinanzvermögen im Jahr 2005 dreimal so hoch war wie im Jahr 1992. Es stand folglich eine weitaus höhere Summe für Investitionen zur Verfügung. Diese sollte schließlich möglichst rentabel angelegt werden. Als Investitionsmöglichkeit bot sich an dieser Stelle der Bereich der Hypothekendarlehen mit variablen Zinssätzen. Die sogenannten Adjustable Rate Mortgage (ARM) waren als relativ sichere Investitionsmöglichkeit bekannt und wiesen zudem eine attraktive Verzinsung auf. Die Nachfrage nach solchen ARMs stieg ab 2002 zunächst aktiv an. Allerdings erhöhte die Fed ab Ende 2004 den Leitzins wieder sukzessiv, um der steigenden Inflationsgefahr entgegenzuwirken. Folge war ein drohender Absatzeinbruch auf dem Hypothekenmarkt. Aus diesem Grunde kamen die sogenannten „Subprime Mortgages“ (minderwertige Hypotheken) neben der bereits bestehenden „Prime Mortgages“ (sichere Hypotheken) auf dem Markt. Diese wurden an Verbraucher vergeben, deren Kreditwürdigkeit eher gering war. In diesem Zeitraum entstand eine spekulative Imobilienblase.50 Die Nachfrage nach Hypotheken und damit auch die Immobilienpreise stiegen rasant an. So kam es nun zur Einführung der sogenannten „NiNa Darlehen“ (NiNa = No income, No asset), bei denen weder Einkommen noch Bonität der Kreditnehmer geprüft wurde.51 Der Ausfall der Subprime-Kredite war von den beteiligten Banken bereits einkalkuliert und über die damit finanzierten, an Wert gewonnenen Immobilien gesichert.52 Dies wurde zugespitzt durch die relativ guten Bonitäts-Ratings der Rating Agenturen.53
Zunächst schienen sich die eingegangenen Risiken auszuzahlen, denn durch die hohen Immobilienpreise erlitten die jeweiligen Banken keinerlei Wertverlust bei ausfallenden Krediten. Allerdings erhöhten sich die Raten der ARMs ebenso, was zum Platzen der Immobilienblase führte: Zahlreiche Schuldner waren nicht mehr in der Lage die Raten zu begleichen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einführung: Die Arbeit beleuchtet die wirtschaftlichen Folgen der Finanzkrise 2008/2009 für die Firma XXX und definiert das Ziel, das Bestandsmanagement im Elektronikbereich zu analysieren und zu optimieren.
2 Bestandsmanagement in Supply Chains: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Grundlagen der Supply Chain und stellt Instrumente wie JIT, KANBAN sowie Konsignationslager als Mittel zur Bestandsreduktion vor.
3 Die Einflüsse der aktuellen Finanzkrise auf das Bestandsmanagement des Center of Excellence Electronic der XXX: Der praktische Teil beschreibt die Entstehung der Subprimekrise und zeigt deren Auswirkungen auf die Supply Chain von XXX am konkreten Fallbeispiel des Kunden YYY auf.
4 Bewertung des Ist-Zustandes und Verbesserungsoptionen: Es werden Lösungsansätze wie Lean Management, Insourcing und strategische Lieferantenanpassungen bewertet, um künftige Überbestände zu vermeiden.
5 Fazit und Ausblick: Die Arbeit resümiert, dass moderne Bestandsstrategien in der Krise an Grenzen stoßen und empfiehlt einen stärkeren Fokus auf Flexibilität und Prozessoptimierung.
Schlüsselwörter
Finanzkrise, Bestandsmanagement, Supply Chain, Just-in-Time, KANBAN, Konsignationslager, Subprimekrise, XXX, YYY, Leiterplatten, Kapitalbindung, Lean Management, Insourcing, Automobilzulieferer, Bestandsreduktion
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit untersucht, wie sich die globale Finanzkrise 2008/2009 auf das Bestandsmanagement bei einem spezialisierten Technologielieferanten auswirkt und welche operativen Herausforderungen dabei entstehen.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Schwerpunkte liegen auf dem Bestandsmanagement in Wertschöpfungsnetzwerken, den Auswirkungen von Nachfrageschwankungen auf die Logistik sowie der Optimierung von Lieferantenbeziehungen unter Krisenbedingungen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Hauptziel ist die Identifikation von Schwachstellen in den bisherigen Bestandsstrategien der Firma XXX und die Erarbeitung von Lösungsvorschlägen, um die Kapitalbindung trotz massiver Auftragsrückgänge zu senken.
Welche wissenschaftlichen Methoden kommen zum Einsatz?
Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Aufarbeitung bestehender Logistikkonzepte kombiniert mit einer praxisorientierten Fallstudienanalyse (Beispiel Kunde YYY) und der Auswertung interner Unternehmensdaten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung in Supply-Chain-Methoden und eine detaillierte Analyse der konkreten Bestandsproblematik beim Center of Excellence Electronic (CE-E) der Firma XXX.
Welche Schlagworte charakterisieren diese Analyse?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Bestandsmanagement, Supply Chain, Finanzkrise, Just-in-Time, Konsignationslager und Lean Management.
Warum ist das Beispiel des Kunden YYY für die Arbeit so wichtig?
Der Fall YYY dient als konkretes Praxisbeispiel, um zu verdeutlichen, wie lange Durchlaufzeiten und kundenspezifische Bauteile in Kombination mit einem plötzlichen Nachfrageeinbruch zu massiven, schwer abbaubaren Restbeständen führen.
Welche Rolle spielen Leiterplatten in der Bestandsstrategie?
Leiterplatten stellen im CE-E den kritischen Kostenfaktor dar. Da sie als kundenspezifische Bauteile nach der Fertigung nicht anderweitig verwendet werden können, binden sie bei sinkender Nachfrage in erheblichem Maße Kapital.
Wie trägt Lean Management zur Lösung der Problematik bei?
Lean Management wird bei XXX eingeführt, um durch flachere Hierarchien und flexiblere Steuerungsprozesse die Effizienz zu steigern und eine schnellere Anpassung an schwankende Bedarfe zu ermöglichen.
Wie wird das Konsignationslager in dieser Arbeit bewertet?
Das Konsignationslager wird zwar als Instrument zur Prozessoptimierung vorgestellt, aber kritisch betrachtet, da es das Bestandsproblem im Wesentlichen nur auf die Lieferantenebene verschiebt, anstatt die gebundenen Kosten gänzlich zu eliminieren.
- Arbeit zitieren
- Laura Parlabene (Autor:in), 2009, Bestandsproblematik als Folge der Finanzkrise 2008/2009 am Beispiel des Center of Excellence Electronic der Firma XXX, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/204386