Die EU ist heute mit seinen 27 Mitgliedstaaten und knapp 500 Millionen Einwohnern eine der größten Wirtschaftsräume der Erde. Dennoch gibt es immer noch eklatante Unterschiede zwischen den einzelnen Regionen dieses Binnenmarktes, ganz gleich ob in ökonomischer, infrastruktureller, ökologischer oder kultureller Hinsicht. So werden 43 % der Wirtschaftsleistung und 75 % der Investitionen in Forschung und Innovation auf lediglich 14 % der Gesamtfläche der EU erbracht (LAISSY 2008, S. 4).
Um eine dauerhafte und nachhaltig ökonomische und soziale Entwicklung in allen Regionen zu gewährleisten und um nicht zuletzt auch die innereuropäische Solidarität zwischen den Menschen und den einzelnen Staaten zu stärken, wurde die gemeinsame EU-Regionalpolitik ins Leben gerufen. Um die Zusammenhänge und Entwicklung besser verstehen zu können, ist es notwendig einen Blick auf die historische Entstehung der EU allgemein und ihrer Regionalpolitik zu werfen.
Diese Arbeit soll einen Einblick in die verschiedenen Mechanismen und Instrumente der EU-Regionalpolitik im Allgemeinen, und einen Überblick über die Maßnahmen, die die Europäische Kommission in Kooperation mit den jeweiligen Mitgliedstaaten im Speziellen auf regionaler Ebene einleitet, bieten. Letzteres wird an dem Beispiel der INTERREG IV A Region „Syddanmark – Schleswig-Holstein K.E.R.N.“ anhand zwei konkreter Projekte verdeutlicht. Ein besonderes Augenmerk wird auf die „Europäische Territoriale Zusammenarbeit“ gelegt und welche Ziele sie auf Ebene der Grenzregionen verfolgt.
Im Fazit werden dann noch einmal die Argumente für und gegen eine EURegionalpolitik aufgegriffen und kontrovers diskutiert.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Die EU-Regionalpolitik
3 Europäischer Fonds für Regionalentwicklung
3.1 Konvergenz
3.2 Regionale Wettbewerbsfähigkeit und Beschäftigung
3.3 Europäische Territoriale Zusammenarbeit
4 Grenzregionen
4.1 Problematik von Grenzregionen
4.2 INTERREG IV A „Syddanmark – Schleswig-Holstein K.E.R.N.“
4.3 Deutsch-Dänische Hochtechnologie-Plattform für Innovative Krankheitsforschung
4.4 Live – Paralleles Lernen im Grenzland
5 Fazit
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Diese Hausarbeit untersucht die Mechanismen und Instrumente der EU-Regionalpolitik mit einem spezifischen Fokus auf die Förderung von Grenzregionen. Die zentrale Forschungsfrage beschäftigt sich damit, wie die Europäische Territoriale Zusammenarbeit, insbesondere durch das Programm INTERREG, dazu beiträgt, regionale Disparitäten abzubauen und grenzüberschreitende Kooperationen zu stärken.
- Historische Entwicklung und Ziele der EU-Regionalpolitik
- Die Rolle des Europäischen Fonds für Regionalentwicklung (EFRE)
- Herausforderungen und Problematiken in Grenzregionen
- Analyse des INTERREG IV A Programms am Beispiel „Syddanmark – Schleswig-Holstein K.E.R.N.“
- Praktische Anwendungsbeispiele für grenzüberschreitende Zusammenarbeit
Auszug aus dem Buch
4.1 Problematik von Grenzregionen
Ursprünglich waren die sog. Grenzregionen der einzelnen Mitgliedstaaten am Rande einer alleinstehenden Volkswirtschaft gelegen, aus räumlicher Perspektive also peripher. Sie waren infrastrukturell schlechter ausgestattet als andere Regionen und hatten mit großen wirtschaftlichen Problemen zu kämpfen. Außerdem war aufgrund der räumlichen Distanz die Handels- und Dienstleistungsstruktur weniger gut ausgeprägt, was auch eine hohe Abwanderungsrate zur Folge hatte (MIOSGA 1999, S. 59).
Durch den Beitritt zur EU haben sich die Probleme der Grenzregionen verlagert. Waren sie ursprünglich noch Grenzregionen im nationalstaatlichen Sinne, sind aus ihnen teilweise Binnengrenzregionen geworden, die nun vor neuen Herausforderungen stehen.
Sie befinden sich am Rande anderer eigenständiger Volkswirtschaften mit anderen Normen, moralischen Werten, Kulturen, Sprachen, Rechts- und Politiksystemen. Das von der EU auferlegte Binnenmarktprogramm beinhaltet den Abbau von Grenzen und Grenzkontrollen und führt gleichzeitig die sog. „vier Freiheiten“ ein (freier Waren-, Kapital- und Dienstleistungsverkehr als auch die Reise- und Niederlassungsfreiheit der Arbeitnehmer). Die Sozial- und Rechtssysteme bleiben jedoch bestehen, die Kostenstrukturen bleiben auf nationaler Ebene also weiterhin dieselben (bspw. Unternehmenssteuer / Körperschaftssteuer). Durch die nun neu gegebene Mobilität der Produktionsfaktoren, können die teilweise sehr unterschiedlichen Kostenstrukturen ausgenutzt werden, was zu einem Gefälle unter den Grenzregionen führen kann (MIOSGA 1999, S. 12 f).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung erläutert die wirtschaftlichen Disparitäten innerhalb der EU und führt in die Notwendigkeit der EU-Regionalpolitik als Instrument zur Förderung der Kohäsion ein.
2 Die EU-Regionalpolitik: Dieses Kapitel zeichnet die historische Entwicklung der europäischen Regionalpolitik seit den 1950er Jahren nach und beleuchtet die Rolle des EFRE bei der Minderung regionaler Ungleichgewichte.
3 Europäischer Fonds für Regionalentwicklung: Es werden die drei zentralen Ziele des EFRE – Konvergenz, Regionale Wettbewerbsfähigkeit und Europäische Territoriale Zusammenarbeit – detailliert erläutert.
4 Grenzregionen: Dieses Kapitel analysiert die spezifischen strukturellen Probleme von Grenzregionen und präsentiert konkrete Praxisbeispiele wie das Programm INTERREG IV A.
5 Fazit: Das Fazit bewertet den Erfolg der EU-Regionalpolitik kritisch und kommt zu dem Schluss, dass die positiven Effekte der grenzüberschreitenden Kooperation die negativen Aspekte überwiegen.
Schlüsselwörter
EU-Regionalpolitik, EFRE, Grenzregionen, INTERREG, Europäische Territoriale Zusammenarbeit, Strukturfonds, Syddanmark, Schleswig-Holstein, Wirtschaftsentwicklung, Kohäsionspolitik, Binnengrenzen, Wissensaustausch, Infrastruktur, Wettbewerbsfähigkeit, Regionale Disparitäten
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Struktur und den Instrumenten der europäischen Regionalpolitik, um die wirtschaftliche Entwicklung in den Mitgliedstaaten zu harmonisieren.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die thematischen Schwerpunkte liegen auf dem EFRE, der Definition von Grenzregionen sowie der praktischen Umsetzung von INTERREG-Programmen zur Förderung der Zusammenarbeit.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage untersucht, wie die EU-Regionalpolitik durch gezielte Instrumente wie INTERREG zur Überwindung wirtschaftlicher und sozialer Barrieren in Grenzregionen beiträgt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine fachliche Analyse auf Basis von Sekundärliteratur, EU-Richtlinien und Dokumentationen zu spezifischen Regionalförderprojekten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung der EU-Regionalpolitik, die Darstellung der Förderziele des EFRE und die fallbezogene Untersuchung der INTERREG-Region „Syddanmark – Schleswig-Holstein“.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen EU-Regionalpolitik, EFRE, Grenzregionen, INTERREG und Europäische Territoriale Zusammenarbeit.
Wie definiert die EU eine Grenzregion in diesem Kontext?
Grenzregionen werden als Gebiete nach NUTS III-Ebene definiert, die unmittelbar an einer Binnengrenze der EU liegen und aufgrund ihrer peripheren Lage mit spezifischen strukturellen Nachteilen konfrontiert sind.
Welche Bedeutung hat das Beispiel „Syddanmark – Schleswig-Holstein“?
Dieses Beispiel verdeutlicht die praktische Anwendung der INTERREG-Förderung, etwa durch Projekte zur Hochtechnologie-Kooperation oder virtueller Vernetzung von Bildungseinrichtungen, um sprachliche und strukturelle Barrieren abzubauen.
- Quote paper
- Tjark Liedtke (Author), 2010, Die Förderung von Grenzregionen durch die EU-Regionalpolitik, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/204074