Am 19. März 1452, einem Rosensonntag, wurde Friedrich III. von Papst Nikolaus V. zum Kaiser gekrönt – es war die letzte Kaiserkrönung, die jemals in Rom stattfand. Im Anschluss daran erteilte der Habsburger mehreren hundert Männern den Ritterschlag auf einer Brücke am Tiberufer, die wegen ihrer Lage an der römischen Engelsburg und ihrer Verzierung durch Engelsstatuen Engelsbrücke genannt wird. In der vorliegenden Arbeit geht es nun um zwei Fragen: Was bedeutete Friedrichs III. Ritterschlag auf der Engelsbrücke für die damalige Zeit? Und was bedeutet er für die heutige Forschung?
Der gesamte Romzug des Habsburgers ist eines der bestbezeugtesten Ereignisse in der mittelalterlichen Geschichte. In der Forschung wurde das Thema und vor allem der Ritterschlag auf der Engelsbrücke bis jetzt aber nur sehr nebensächlich behandelt: Es gibt eine einzige Monographie von Johannes Martens aus 1900 über die Krönung, und speziell zum Ritterschlag nur einen Aufsatz von Achim T. Hack (2004). Die meisten Erkenntnisse lassen sich also aus den zahlreichen Quellen und den Sekundärwerken über die Quellen gewinnen.
Sowohl die Darstellung durch Augenzeugen, als auch die meist negative Rezeption in der späteren Forschung geben Auskunft über die Bedeutung des Ritterschlags und werden deshalb im ersten Teil dieser Arbeit ausführlich behandelt Da die Ereignnisse auf der Engelsbrücke Ausdruck des Herrscherzeremoniells von Friedrich III. waren, gehe ich außerdem der Frage nach, ob der Ritterschlag ein Ritual oder eine Zeremonie war.
Im zweiten Teil der Arbeit geht es dann darum zu zeigen, welche Auswirkungen Friedrichs Ritterschlag hatte. Angefangen von der naheliegendsten, nämlich neuen Rittern, bis hin zum erstmaligen Aufkommen von Ritterschlagslisten, werden eine Vielzahl von Folgen der Ritterpromotion Friedrichs III. vorgestellt. Ein eigener Punkt ist außerdem der zeitgenössischen Kritik gewidmet.
Bevor die Bedeutung und die einzelnen Auswirkungen ausführlich behandelt werden, ist der Arbeit ein kurzer historischer Abriss über die Geschichte der Rittererhebung und ein Überblick über den Ablauf der Ereignisse des 19. März 1452 vorangestellt. Im Schlussteil fasse ich dann die in der Arbeit vorgestellten Erkenntnisse zusammen, um sie gesammelt zu interpretieren.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Geschichte der Rittererhebung: Von der Schwertleite bis zur Massenpromotion
3. Der Ritterschlag auf der Engelsbrücke: Ablauf
4. Die Bedeutung des Ritterschlags
a. Darstellung durch Augenzeugen
i. Eneas Silvius Piccolomini
ii. Andreas von Lappitz
iii. Anonymer Romzugsbericht (Ps-Enenkel)
b. Darstellung in der Forschungsliteratur
c. Der Ritterschlag auf der Engelsbrücke: Ritual oder Zeremonie?
5. Die Auswirkungen des Ritterschlags
a. Neue Ritter
b. Prestige
c. Ritterschlagslisten
d. Weiterentwicklung zum normativen Text
e. Zeitgenössische Kritik
i. Unwürdigkeit der Teilnehmer
ii. Karlsfrömmigkeit
f. Unfreiwillige Erhebung
6. Zusammenfassung und Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die historische Bedeutung und die Auswirkungen des Ritterschlags, den Kaiser Friedrich III. am 19. März 1452 nach seiner Kaiserkrönung auf der Engelsbrücke in Rom vollzog. Dabei wird insbesondere der Frage nachgegangen, wie dieses Ereignis zeitgenössisch rezipiert wurde und welche Erkenntnisse sich daraus für die moderne historische Forschung gewinnen lassen.
- Analyse der zeitgenössischen Wahrnehmung durch verschiedene Augenzeugenberichte.
- Unterscheidung zwischen Ritual und Zeremonie in Bezug auf die kaiserliche Massenpromotion.
- Untersuchung der politischen und sozialen Auswirkungen auf die Teilnehmer und den Ritterstand.
- Bedeutung der Ritterschlagslisten als frühe Dokumentationsform und politisches Instrument.
- Kritische Auseinandersetzung mit der zeitgenössischen Kritik an der Unwürdigkeit der Teilnehmer und der Karlsfrömmigkeit.
Auszug aus dem Buch
3. Der Ritterschlag auf der Engelsbrücke: Ablauf
„Vnd also mitten vff der teifer prugg hielt da des hailigen Reichs paner vnd sant Iörigen venlin, vnd schl_g da der Römisch kaiser Ritter, / Fürsten, graufen, h[er]rn vnd edel le_t wol bey dreyhundert, / als sy dann all mit namen beschriben sind. Vnd da die Ritter nun all geschlagen wurden mit dem hailigen des kaiser Carls swert, das der Engel gotz […] von himel hatt pracht, das In auch allen besunder genad von got, Ere vnd lob vor den menschen ist. Da m_sten sy all nider knyegen, vnd ward In da ordenlichen nach notdurft erzelt ritterliche ordnung. Darnach raitt der kaiser mit allem seinem volck durch die Statt zu Rom bis zu sant Iohanns Latron in aller seiner kaiserlichen wirdikait, mit der costlichen Cron vff dem haubt, vnd f_rt die guldin Rosen, die Im der Babst hett geschenckt, in der gerechten hannd. “17
Am 19. März 1452 wurde Friedrich III. in der Peterskirche in Rom von Papst Nikolaus V. zum Kaiser gekrönt. Dank der vielen bis heute erhaltenen Berichte und Chroniken lässt sich der Ablauf des Tages sehr gut rekonstruieren:18 Nach der Krönung kehrte ein Teil der anwesenden Gäste gemeinsam mit Kaiserin Eleonore in ihre Unterkünfte zurück. Auch der neugekrönte Kaiser und der Papst verließen den Dom und der Papst bestieg sein Pferd. Bevor auch Friedrich III. auf sein Pferd stieg, leistete er den traditionellen Stratordienst, indem er Nikolaus’ V. Pferd einige Schritte lang am Zügel führte. Anschließend ritten die beiden – Friedrich III. immer noch in vollem Ornat und mit großem Gefolge – zur Kirche Santa Maria in Traspontina.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in das Thema des Ritterschlags von Friedrich III. auf der Engelsbrücke ein und formuliert die zentralen Forschungsfragen zur damaligen und heutigen Bedeutung des Ereignisses.
2. Die Geschichte der Rittererhebung: Von der Schwertleite bis zur Massenpromotion: Das Kapitel bietet einen historischen Abriss über die Entwicklung der Rittererhebung von der germanischen Schwertleite bis hin zur spätmittelalterlichen Massenpromotion.
3. Der Ritterschlag auf der Engelsbrücke: Ablauf: Hier wird der konkrete Ablauf des Krönungstages und der anschließenden Ritterpromotion anhand zeitgenössischer Berichte detailliert rekonstruiert.
4. Die Bedeutung des Ritterschlags: In diesem Kapitel werden die unterschiedlichen Sichtweisen von Augenzeugen und Historikern gegenübergestellt sowie die begriffliche Einordnung als Zeremonie vorgenommen.
5. Die Auswirkungen des Ritterschlags: Dieses Kapitel untersucht die direkten Folgen, wie die Erhöhung des Sozialprestiges, die Entstehung von Ritterschlagslisten, zeitgenössische Kritik und das Phänomen unfreiwilliger Erhebungen.
6. Zusammenfassung und Fazit: Das abschließende Kapitel fasst die Ergebnisse zusammen und hebt die Bedeutung des Ereignisses für die Geschichtsschreibung und die Forschung hervor.
Schlüsselwörter
Friedrich III., Ritterschlag, Engelsbrücke, Romzug, Kaiserkrönung, Massenpromotion, Ritterschlagslisten, Eneas Silvius Piccolomini, Andreas von Lappitz, Zeremonialpolitik, Rittertum, Mittelalter, Karlsfrömmigkeit, historische Quellen, Herrscherzeremoniell.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert den massenhaften Ritterschlag, den Kaiser Friedrich III. anlässlich seiner Kaiserkrönung 1452 in Rom vollzog, und bewertet dessen historische Funktion sowie Nachwirkung.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen sind das spätmittelalterliche Herrscherzeremoniell, der Wandel des Rittertums, die Auswertung von Zeitzeugnissen sowie die Anfänge historisch-kritischer Geschichtsschreibung.
Welches primäre Ziel verfolgt die Autorin?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, dass der Ritterschlag keineswegs eine bedeutungslose Handlung war, sondern ein wirkmächtiges Instrument monarchischer Repräsentation mit vielfältigen politischen und sozialen Folgen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit stützt sich auf eine quellenkritische Analyse von Chroniken, Augenzeugenberichten und offiziellen Listen sowie auf den Vergleich mit existierender Forschungsliteratur.
Welche Inhalte werden im Hauptteil schwerpunktmäßig behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Rekonstruktion des Ablaufs, die biographische und inhaltliche Analyse der Zeitzeugen sowie die Untersuchung der soziologischen Auswirkungen und der zeitgenössischen Kritik.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind die Engelsbrücke, Friedrich III., Ritterschlagslisten, Zeremonie, Massenpromotion und die zeitgenössische Wahrnehmung der Ereignisse.
Warum spielt die Person des Eneas Silvius Piccolomini eine besondere Rolle?
Piccolomini fungiert als bedeutender Zeitzeuge und Humanist, dessen kritische Auseinandersetzung mit dem Zeremoniell und den Herrschaftsinsignien eine neue Ebene der Geschichtsschreibung einläutete.
Welche Funktion hatten die Ritterschlagslisten?
Die Ritterschlagslisten dokumentierten die Zeremonie, dienten als politischer Beweis für die Loyalität der Gefolgsleute und markieren einen Übergang zu normativen, listenartigen Aufzeichnungen in der Verwaltung.
Wie wurde die Kritik an der „Unwürdigkeit“ der Teilnehmer geäußert?
Kritiker wie Andreas von Lappitz und Eneas Silvius Piccolomini bemängelten, dass der Ritterschlag zunehmend an bürgerliche Teilnehmer verliehen wurde, was aus ihrer Sicht den elitären Charakter des Ritterstandes verwässerte.
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- Lilly Maier (Author), 2012, Auswirkungen der Zeremonialpolitik von Friedrich III., Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/204034