Diese Seminararbeit entstand im Rahmen des Hauptseminars „Literarische Übersetzung“, das
im Sommersemester 2004 an der Universität Augsburg im Fach Angewandte Sprachwissenschaft
(Romanistik) angeboten wurde.
Ziel des Seminars war nicht nur die Vermittlung verschiedener Übersetzungstheorien, sondern
darüber hinaus die eigenständige Übersetzung eines Textabschnitts mit den Übersetzungstheorien
als Hintergrund. Die vorliegende Arbeit ist also Teil eines „Experiments“, dessen Ziel es
war, im Rahmen eines konkreten Übersetzungsauftrags sensibel gemacht zu werden für
verschiedene Denkansätze bezüglich einer literarischen Übersetzung, die sich deutlich
unterscheidet von den Übersetzungen, die im Rahmen anderer Kurse (wie etwa den sprachpraktischen
Kursen) zustande kommen und eher technischer Natur sind.
Inhaltsverzeichnis
1.1 Literaturwissenschaftliche Erläuterungen zu „Lazarillo de Tormes“
1.1.1 Entstehungszeit des „Lazarillo de Tormes“
1.1.2 Frage nach der Autorschaft
1.1.3 Der „Lazarillo“ als Musterbeispiel für den Schelmenroman
1.2 Verwendete Ausgaben / Hilfsmittel
1.2.1 Der Ausgangstext
1.2.2 Die verwendete deutsche Übersetzung
1.2.3 Hilfsmittel
1.3 Die Übersetzung
1.3.1 Methodik / Überlegungen
1.3.2 Die Übersetzung des Titels
2.1 Das abenteuerliche Leben des Lazarillo de Tormes
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, im Rahmen eines Übersetzungsexperiments eine neuhochdeutsche Fassung eines Abschnitts aus dem „Lazarillo de Tormes“ anzufertigen, wobei der Fokus auf der Vermittlung von sozialkritischen Aspekten und der Gewitztheit des Protagonisten unter Berücksichtigung theoretischer Übersetzungsansätze liegt.
- Literaturwissenschaftliche Einordnung des Lazarillo de Tormes und der Novela Picaresca.
- Analyse und Auswahl geeigneter Hilfsmittel und Textgrundlagen für die literarische Übersetzung.
- Diskussion von Übersetzungstheorien, insbesondere der Skopostheorie und Hermeneutik.
- Praktische Umsetzung einer neuhochdeutschen Übersetzung mit begleitenden Erläuterungen.
Auszug aus dem Buch
2.1 Das abenteuerliche Leben des Lazarillo de Tormes
Zu allererst sollten Sie wissen, dass man mich Lázaro de Tormes nennt. Ich bin der Sohn von Tomé González und Antona Pérez, einfachen Leuten aus Tejares, einem Ort bei Salamanca. Weil meine Geburt auf dem Fluss Tormes geschah, habe ich diesen Nachnamen. Die Geburt geschah so: Mein Vater kümmerte sich um eine Wassermühle am Ufer des Flusses, in der er über fünfzehn Jahre Müller war. Als meine schwangere Mutter nun eines nachts in der Mühle war, begann die Geburt und ich kam dort zur Welt. Ich kann also wirklich sagen, ich wurde auf dem Fluss geboren.
Als ich ein Junge von acht Jahren war, wurde meinem Vater vorgeworfen, er würde von dem Mehl, das er für die Kunden mahlte, stehlen. Er wurde verhaftet, bekannte und leugnete nicht. In dieser Zeit bestritt man Kämpfe gegen die Mauren, bei denen auch mein Vater kämpfte, der damals wegen dem Desaster, von dem ich gesprochen habe, verbannt wurde, um dort einem Ritter als Lastträger zu dienen; und als treuer Diener starb er mit seinem Herrn.
Zusammenfassung der Kapitel
1.1 Literaturwissenschaftliche Erläuterungen zu „Lazarillo de Tormes“: Dieses Kapitel behandelt die Entstehungsgeschichte, die ungelöste Frage der Autorschaft und charakterisiert das Werk als grundlegendes Beispiel des Schelmenromans.
1.2 Verwendete Ausgaben / Hilfsmittel: Hier werden die für die Arbeit gewählte Cátedra-Ausgabe als Ausgangstext sowie ergänzende Hilfsmittel und historische Übersetzungen als Vergleichsgrundlage vorgestellt.
1.3 Die Übersetzung: Dieses Kapitel erläutert die methodischen Überlegungen zur Übersetzung, die Auseinandersetzung mit der Skopostheorie sowie die Entscheidungsfindung für den gewählten Buchtitel.
2.1 Das abenteuerliche Leben des Lazarillo de Tormes: Dies stellt den praktischen Teil der Arbeit dar, in dem eine neuhochdeutsche Übersetzung des Originaltextes inklusive Fußnoten präsentiert wird.
Schlüsselwörter
Lazarillo de Tormes, Schelmenroman, Novela Picaresca, Literarische Übersetzung, Skopostheorie, Hermeneutik, Spanische Literatur, 16. Jahrhundert, Antiheld, Übersetzungspraxis, Textanalyse, Sozialkritik, Lázaro, Übersetzungstheorie, Sprachgeschichte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der literarischen Übersetzung eines Abschnitts des spanischen Schelmenromans „Lazarillo de Tormes“ ins Neuhochdeutsche.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der literaturwissenschaftlichen Analyse des Werkes, der Diskussion verschiedener Übersetzungstheorien und der praktischen Anwendung bei der Übertragung in eine moderne deutsche Sprache.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist ein Übersetzungsexperiment, das den Text für den heutigen Leser zugänglich macht, ohne dabei die Ironie und die sozialkritischen Aspekte des Originals zu verlieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor nutzt Ansätze der Skopostheorie und der Hermeneutik, um Entscheidungen beim Übersetzungsprozess zu rechtfertigen und den historischen Kontext zu berücksichtigen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in einen theoretischen Teil A, der Grundlagen vermittelt, und einen praktischen Teil B, der die konkrete Übersetzung inklusive erläuternder Fußnoten enthält.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Schelmenroman, Novela Picaresca, Skopostheorie, literarische Übersetzung und Lazarillo de Tormes.
Warum wurde eine neue Übersetzung angestrebt, obwohl es historische Fassungen gibt?
Der Autor argumentiert, dass antiquierte Sprachformen heutige Leser eher abschrecken oder unfreiwillig komisch wirken lassen, weshalb eine moderne, leicht lesbare Übersetzung notwendig war.
Welchen Stellenwert haben die Fußnoten in der Übersetzung?
Die Fußnoten dienen dazu, historische Einzelheiten, kulturelle Zusammenhänge und die Beweggründe für spezifische Übersetzungsentscheidungen zu erläutern, um das Verständnis zu sichern.
- Arbeit zitieren
- M.A. Joachim Flickinger (Autor:in), 2004, Der "Lazarillo de Tormes" - Eine teilweise Übersetzung ins Neuhochdeutsche, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/203762