Das Problem: Was ist das Individuum und wie steht es im Verhältnis zu unserer Gesellschaft? Ist eine Frage mit der sich Wissenschaftler schon seit tausenden von Jahren befassen. Anfangs eine Fragestellung für deren Beantwortung nur eine Art von Gelehrten in Frage kam: Die Philosophen.
So fing etwa Aristoteles an das Thema sehr grundlegend und abstrakt, Stück für Stück in jedem Einzelteil zu untersuchen und zu erklären. Diese grundlegenden Dinge sind das Fundament der heutigen Individuumsdebatte und sind historisch betrachtet ein Meisterwerk.
Jeden Menschen sollte es interessieren wie er als Individuum überhaupt definiert wird oder was ihn als Teil der Gesellschaft, als Gesellschaft ins Leben rufendes Ding, ausmacht und in welchem Verhältnis das Individuum zu der Gesellschaft steht. Gibt es eine Wechselwirkung zwischen der Gesellschaft und dem Individuum? Oder herrscht das Eine über das Andere? Oder hemmt eventuell sogar die Gesellschaft das Individuum in seiner freien Entfaltung und in seinen unentbehrlichen Individualisierungsprozessen, welche heutzutage eine Form von Diversität angenommen hat, welche wir uns selbst im Alltag kaum bewusst sind, obwohl jeder Einzelne von uns in seiner Individualität so verschieden sind und unsere Interessen und Neigungen und alles was uns ausmacht so viele verschiedene kleine Verzweigungen besitzt und dieses Netz von Verknüpfungen uns zu dem einzigartigen Wesen macht, welches wir nun mal sind.
Diese Hausarbeit hat das Vorhaben das soziale Individuum aus einem soziologischen Aspekt zu definieren und besonders das Verhältnis zu dem Individuum und der Gesellschaft zu beleuchten, weil die Gesellschaft maßgeblich auf das Individuum einwirkt und es beeinflusst und im Zuge dieser Hausarbeit soll mit Hilfe von Texten über und von Georg Simmel, einem sehr anerkannten Soziologen der sich mit dem Thema Individuum und dessen Bezug zur Gesellschaft befasst hat, diese Fragen beantwortet werden. Anschließend möchte ich in einem Schlussteil einen philosophischen Exkurs über das Thema anbei stellen der eine abstrakte und andersartige Definition und Erläuterung des Begriffes darstellt und deutlich macht wie fest das vorangestellte Thema schon in der Menschheitsgeschichte behandelt und thematisiert wurde und somit meiner Hausarbeit etwas Nachdruck verleiht.
Inhaltsverzeichnis
1. Eine Einleitung
2. Degele und Dries – Das soziale Individuum bei Simmel
3. Georg Simmel: Das Individuum und die Gesellschaft
4. Exkurs: Das Thema „Individuum“ - aus einem historisch-philosophischem Blickwinkel
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht das komplexe Verhältnis zwischen dem Individuum und der Gesellschaft aus soziologischer Perspektive, wobei insbesondere die Wechselwirkungen sowie die Prozesse der Individualisierung beleuchtet werden. Ziel ist es, unter Einbeziehung soziologischer Theorien – primär durch die Arbeiten von Georg Simmel – zu definieren, was das Individuum in seinem gesellschaftlichen Kontext ausmacht und welche historischen philosophischen Fundamente diesem Begriff zugrunde liegen.
- Analyse des Individualisierungsprozesses und des sozialen Individuums
- Wechselbeziehungen zwischen Individuum und Gesellschaft nach Georg Simmel
- Herausforderungen der „Zweiten Moderne“ und gesellschaftliche Rahmenbedingungen
- Historisch-philosophischer Rückblick auf den Individuumsbegriff bei Aristoteles
Auszug aus dem Buch
Georg Simmel: Das Individuum und die Gesellschaft
Betrachtet man das Individuum aus der Sicht eines renommierten und anerkannten Philosophen und Soziologen der sich der Definition des Individuums angenommen hat und dessen Studien sich auf das 18. und 19. Jahrhundert beziehen liegt eine große Schwierigkeit des Individuums dieser Zeit an der Gegenüberstellung mit der Gesellschaft. (vgl. Simmel 1917, S. 89)
Nach Simmel müsste man in der Problematik zwischen Individuum und Gesellschaft auf die selben nicht zu leugnenden Konflikte stoßen, ganz gleich ob man nun das Leben etwa deduziert, nur dem Individuum, oder induziert, nur der Gesellschaft als ganzes zuschreibt. In erster Linie geschieht dies, da die Existenz des einen durch den jeweils anderen maßgeblich bestimmt wird. Ein weiterer Kampf ergibt sich nicht nur in dem korrelieren zwischen Gesellschaft und Individuum, sondern im Individuum selbst. Menschen sind in sich in Bezug auf das Denken und Handeln keine geschlossene Einheit, sie kämpfen mit den Facetten ihrer Persönlichkeit um den Teil von ihnen der sie am aller stärksten affizieren kann, eine Handlung nach der Abwägung mit ihrer Moral und ihrer Erfahrung und Neigungen, durch zu bringen. (vgl. Ebd.)
Doch die stärkste Form dieses Konfliktes mit sich selbst und der Gesellschaft findet sich in der "allgemeine[n] Form des Einzellebens". (Ebd.)
Die Gesellschaft dieser Zeit ist ein Organismus in der das einzelne Individuum nur ein kleines Glied dessen darstellt, welches ausschließlich dazu bestimmt ist sein ganzes Sein auf den Punkt zu fixieren dem Organismus in höchstmöglichem Maße gefügig zu sein und formbar und seine Funktion, seine Rolle in diesem Organismus, bestmöglich ausfüllen zu können. Dem gegenübergestellt sieht man sich im Angesicht dieser individuumsfeindlichen und dem Wohl der Gesellschaft gierigen Zeit, alleine als Zahnrad der Uhr.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Eine Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problemstellung der Wechselwirkung zwischen Individuum und Gesellschaft ein und skizziert das Vorhaben, das soziale Individuum soziologisch zu definieren.
2. Degele und Dries – Das soziale Individuum bei Simmel: Dieses Kapitel erläutert den Individualisierungsprozess sowie das Prinzip der Differenzierung nach Simmel und diskutiert die Herausforderungen der Moderne.
3. Georg Simmel: Das Individuum und die Gesellschaft: Hier wird der Konflikt zwischen den individuellen Bestrebungen und den Anforderungen der Gesellschaft als Organismus sowie die Rolle der persönlichen Vollendung untersucht.
4. Exkurs: Das Thema „Individuum“ - aus einem historisch-philosophischem Blickwinkel: Der Exkurs widmet sich den antiken philosophischen Wurzeln des Individuumsbegriffs bei Aristoteles, insbesondere den Kategorien der Homonymität, Synonymität und Paronymität.
Schlüsselwörter
Individuum, Gesellschaft, Soziologie, Georg Simmel, Individualisierung, Differenzierung, Moderne, Aristoteles, Soziales Handeln, Identität, Philosophie, Persönlichkeitsbildung, Lebensstil, Autonomie, Wechselwirkung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die soziologische Grundfrage nach dem Verhältnis zwischen dem Individuum und der Gesellschaft und der wechselseitigen Beeinflussung dieser beiden Einheiten.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Arbeit fokussiert sich auf Individualisierungsprozesse, die soziologische Theorie nach Georg Simmel sowie die philosophischen Ursprünge des Begriffs „Individuum“.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, durch eine soziologische Auseinandersetzung mit Simmels Werk und einen historischen Exkurs zu definieren, wie das Individuum in einer Gesellschaft entsteht und existiert.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine theoretisch-analytische Arbeit, die auf soziologischer Literatur (Degele/Dries, Simmel) und philosophischen Quellentexten (Aristoteles) basiert.
Was ist Inhalt des Hauptteils?
Der Hauptteil analysiert die Mechanismen der Individualisierung, die symbiotische und zugleich spannungsreiche Beziehung zwischen Mensch und gesellschaftlichem Organismus sowie die historische Genese der Individuumsdefinition.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Individuum, Gesellschaft, Individualisierung, Differenzierung, Moderne, Autonomie und Identität.
Wie unterscheidet sich die "Erste" von der "Zweiten Moderne" laut Text?
Die "Erste Moderne" war durch Wirtschaftswachstum und eine nivellierte Mittelstandsgesellschaft geprägt, während die "Zweite Moderne" durch gesteigerte Autarkie, Individualisierungsstrudel und neue soziale Risiken gekennzeichnet ist.
Was bedeutet das "Paradoxon der Individualisierung"?
Es beschreibt das Phänomen, dass durch massenhaft verbreitete Lebensstile, Moden und Marken ausgerechnet eine Gleichförmigkeit entsteht, die der angestrebten Einzigartigkeit des Individuums entgegensteht.
- Quote paper
- Marc Huber (Author), 2012, Die Wechselwirkungen zwischen Individuum und Gesellschaft - Was macht ein Individuum aus?, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/203662