soll der archäologisch fassbare Bestand vorrangig zielgerichtet auf dessen Interpretation hin betrachtet werden. Die Basis hierfür bildet in erster Linie die Vita des Augustus, welche den Quellen zu entnehmen ist. Sie ist die Grundlage für das Verständnis des Mausoleums in seiner architektonischen Form und beabsichtigten Wirkung. Ebenso wird sich auch die Datierung des Baues aus der Vita seines Bauherren erschließen lassen. Im gleichen Zuge lassen sich Rückschlüsse von der gestalterischen Ausprägung und architektonischen Besonderheiten des Mausoleum her auf das Selbstverständnis des Augustus ziehen. Bauherr und Bau sind somit nicht zu trennen. Die Frage nach den architektonischen Leitbildern und Traditionen der Sepulkralarchitektur, die an diesem Bau zum Tragen kommen, lässt sich nur durch den Vergleich mit hellenistischen wie italischen Bauten beantworten. Hinsichtlich der Außenwirkung und des Sinngehaltes der Grablege sowie hinsichtlich des Denkens seines Auftraggebers wohnt dieser Frage eine beträchtliche Relevanz inne.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Zur Vita des Bauherrn
2.1 Die „wilden Jahre“ des jungen Caesar
2.2 Augustus – der Erhabene
2.3 Der erste Princeps wird zu Grabe getragen
3. Das Mausoleum des Augustus
3.1 Zur Beschreibung des archäologisch fassbaren Baubestandes
3.2 Zur Beschreibung des archäologisch fassbaren Baudekors
3.3 Zur Rekonstruktion an Hand des archäologisch fassbaren Befundes
3.4 Zur Rekonstruktion an Hand der Quellen
3.5 Zum baulichen Umfeld und der Gesamtanlage
4. Vorbilder und Traditionslinien des Augustusmausoleum
4.1 Zur Ableitung aus der italischen Sepulkralarchitektur
4.2 Zur Ableitung aus hellenistischen Vorbildern
5. Datierung und Interpretation des Augustusmausoleums
5.1 Zur Problematik der Datierung
5.2 Das Mausoleum im Kontext der augusteischen Baupolitik
5.3 Das Mausoleum im Kontext des Konfliktes mit der hellenistischen Welt
6. Schlusswort
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Augustusmausoleum als architektonisches Monument und Ausdruck kaiserlichen Herrschaftsverständnisses. Dabei wird der archäologisch fassbare Bestand mit literarischen Quellen in Beziehung gesetzt, um die Funktionen des Baus im Kontext der römischen Baupolitik und der Auseinandersetzung mit hellenistischen Traditionen zu beleuchten.
- Vita des Augustus und dessen Einfluss auf das Bauprojekt
- Architektonische Analyse und Rekonstruktion des Mausoleums
- Italische Traditionen vs. hellenistische Vorbilder
- Das Mausoleum als Propaganda- und Siegesmonument
- Einbettung des Mausoleums in das städtebauliche Gefüge des Marsfeldes
Auszug aus dem Buch
3.3 Zur Rekonstruktion an Hand des archäologisch fassbaren Befundes
Dass es sich bei diesem Bau zweifellos einstmals um ein mehrgeschossiges, architektonisches Gebilde von imponierender Höhe gehandelt haben muss, lässt sich nicht nur über die Fragmente des Baudekors feststellen, sondern vornehmlich auch über die stark divergierenden Mauerstärken sowie die Besonderheiten in der Disposition der Mauerringkonstruktionen. So ist die Mauerstärke des inneren Zylinders besonders massiv. Der Mauerring R2 weist hierbei beispielsweise gar eine Stärke von 5,7 m auf und der Durchmesser des Innenpfeilers beträgt fast das Doppelte. Fast zwangsläufig wird dies als Grundfläche eines mehrstöckigen Aufbaues gedient haben. Wohingegen die inneren Mauern R1 und vor allem R2 das Gewicht des Obergeschosses trugen und dabei durch die Tonnengewölbe entlastet wurden, übernahm der äußere Zylinder mit den Ringen R3 bis R5 die Funktion eines den Bau statisch stabilisierenden 'Korsetts'. Mittelst der zahlreichen Verstrebungen und Zwischenkammern war dieser Bereich darauf ausgelegt, enormen von innen nach außen wirkenden Druckkräften zu widerstehen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die historische Bedeutung des Augustusmausoleums im Rahmen der antiken Herrschergräber und formuliert die zentralen Fragestellungen der Arbeit.
2. Zur Vita des Bauherrn: Dieses Kapitel analysiert die zwei Lebensphasen des Augustus und deren Bedeutung für die Architektur und Interpretation des Mausoleums.
3. Das Mausoleum des Augustus: Dieser Hauptteil beschreibt den baulichen Befund, die Rekonstruktionsansätze sowie das städtebauliche Umfeld auf dem Marsfeld.
4. Vorbilder und Traditionslinien des Augustusmausoleum: Das Kapitel untersucht die Einordnung des Baus zwischen italischen Tumulus-Traditionen und hellenistischen Einflüssen.
5. Datierung und Interpretation des Augustusmausoleums: Hier werden datierungstechnische Probleme diskutiert und das Mausoleum als Ausdruck augusteischer Baupolitik und als Antwort auf den Konflikt mit der hellenistischen Welt gedeutet.
6. Schlusswort: Das Schlusswort fasst die Bedeutung des Mausoleums als erstes Monument der römischen Kaiserzeit und als Sinnbild für den Wandel zur neuen Ordnung zusammen.
Schlüsselwörter
Augustusmausoleum, Augustus, Principat, Marsfeld, römische Baupolitik, Tumulusgrab, antike Sepulkralarchitektur, hellenistische Welt, Rekonstruktion, baulicher Befund, Herrschergräber, Propaganda, Machtdarstellung, Kaisertum, Roms Architektur.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit dem Mausoleum des Augustus in Rom, wobei der Fokus auf der architektonischen Rekonstruktion und der historischen Deutung dieses bedeutenden Monumentalbaus liegt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Vita des Bauherrn Augustus, die architektonische Gestaltung, die Ableitung aus italischen und hellenistischen Traditionen sowie die Funktion als politisches Monument.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, den archäologisch fassbaren Befund des Mausoleums zu interpretieren und Rückschlüsse auf das Selbstverständnis des Augustus und seine Baupolitik zu ziehen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt einen archäologisch-historischen Ansatz, bei dem archäologische Grabungsbefunde, Bauornamentik und Inschriften mit antiken Quellen (z.B. Strabon, Sueton) und moderner Forschungsliteratur abgeglichen werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil widmet sich der detaillierten Beschreibung der Baustruktur, den Rekonstruktionsvorschlägen anhand der Quellen sowie der Einbettung des Baus in das städtebauliche Ambiente des Marsfeldes.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Augustusmausoleum, Herrschaftsverständnis, Tumulusgrab, antike Sepulkralarchitektur, Propaganda und augusteische Baupolitik.
Warum wurde das Mausoleum bewusst vom Marsfeld zum Tiber hin ausgerichtet?
Diese Positionierung diente dazu, dem Bau eine besonders exponierte Lage im nördlichen Marsfeld zu verleihen, die ihn von anderen Ehrengräbern abhob und ihn als architektonischen Höhepunkt inszenierte.
Welche Rolle spielte der Konflikt mit der hellenistischen Welt für den Bau?
Der Bau spiegelt die Spannung zwischen der Bewunderung für die hellenistische Welt und dem Konkurrenzdenken Roms wider; er ist ein Ausdruck der Überlegenheit Roms durch eine architektonische Leistung, die hellenistische Monumente wie das Mausoleum von Halikarnassos übertreffen sollte.
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- Hendrik A. Wagner (Author), 2011, Das Augustusmausoleum, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/203641