In der Vorlesung wurde die Frage wie der Begriff der Skulptur heute fassbar wäre bzw. was Skulptur heute sei öfters aufgegriffen. Als Antwort wurde natürlich keine strenge Definition sondern vielmehr eine Bandbreite von Grenzgängen, und Schnittstellenpositionen vorgestellt. In zeitgenössischen Werkbeschreibungen finden sich heute häufig Formulierungen wie z.B.: 'Die Künstlerin verortet ihre Arbeit an der Schnittstelle von Kunst und Design.' Diese und ähnliche Positionen sind meist sehr spezifisch. Die Grenzen sind zwar offen aber keineswegs unwichtig. Auch Abgrenzungen zu bestimmten anderen Bereichen werden besonders deutlich hervorgehoben.
Da ich mich vor dieser Vorlesung wenig mit Skulptur auseinandergesetzt habe möchte ich diese Arbeit nutzen um die allgemeine Frage nach den Grenzen des Skulpturbegriffes noch einmal zu erarbeiten und mich dem Medium und seinen Inhalten so weiter anzunähern. Welches sind also die dem Medium Skulptur anhaftenden historischen Grenzen, an denen sich KünstlerInnen abarbeiten?
Inhaltsverzeichnis
Grenze zwischen Kunst und Alltags- bzw. Massenkultur
Grenze zwischen reiner Ästhetik und Zweckmäßigkeit
Die Skulptur löst sich vom Sockel
Schwerkraft und Vertikaltität
Autonomie der Skulptur
Prozesshaftigkeit und Orts- bzw. Zeitgebundenheit versus Anspruch auf Ewigkeit
Räumliche Erfahrung: Die BetrachterInnen rücken in den Mittelpunkt
Das Komplexe wird (wieder) möglich
Beispiel:
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die historische Transformation des Skulpturbegriffs von der Moderne bis zur Postmoderne und analysiert dabei kritisch die von Künstlerinnen und Künstlern verhandelten Grenzen und Traditionen. Im Fokus steht die Hinterfragung klassischer Konventionen wie Sockel, Dauerhaftigkeit und der repräsentativen Funktion der Skulptur.
- Historische Herleitung des Skulpturbegriffs (Krauss & Buchloh)
- Die Überwindung des Sockels und der Verlust des Ortes
- Grenzen zwischen Kunst, Architektur und Landschaft
- Schnittstellen von Kunst, Design und Funktionalität
- Die veränderte Rolle der Betrachterinnen und Betrachter
Auszug aus dem Buch
Beispiel:
Zum Abschluss möchte ich ein Beispiel für eine Installation bringen, in die sich das Spiel mit den Grenzen und Konventionen der Skulptur besonders gut hineinlesen lässt: Ree Mortons Arbeit „To Each Concrete Man“ entstand 1974 für das Whitney Museum of American Art und war von 12.12.08 bis 1.3.09 in der Generaly Foundation in Wien zu sehen. In einem Begleittext der Generaly Foundation findet sich ein Zitat der damaligen Kuratorin des Whitney Museums Marcia Tucher, demzufolge das Interesse Mortons „in der Auseinandersetzung mit Negativformen und - gestalten und mit der Unterwanderung überkommener Anliegen der Plastik, dem Sockel und dem Licht“ lag. Der Titel bezieht sich laut den Aussagen der Künstlerin (dokumentiert im Video eines Interviews in der Ausstellung) darauf, dass man die Installation am besten alleine betritt. Tut man das so findet man sich in einer Bühnensituation zwischen einer Tribüne und dem vermeintlichen Zuschauerraum wieder. Morton nimmt Bezug auf das Theater. Der Zuschauerraum besteht aus mehreren Baumstammobjekten: Baumstammsegmente wurden mit Haut überspannt und ruhen auf wackelig anmutenden Beinchen, die zum Teil in der Luft hängen. Diese Beinchen stehen im Kontrast zu den massiven Baumstammkörpern, die sie tragen, was den Objekten eine besondere optische Leichtigkeit und Dynamik verleiht. Morton spielt mit dem Bezug zur Funktionalität. Knapp über jedem Baumstammobjekt hängen Lampenschirme, die ebenfalls mit Haut bespannt sind. In der Gesamtansicht der Installation wirken die Baumstammobjekte wie die Tischchen des Zuschauerraumes. Mit dem warmen Licht der Lampen darüber erinnert das Setting etwa an ein Varieté. Die Baumstammobjekte könnten aber auch Sockel für die Lampenobjekte sein. Umgekehrt könnten die Lampen Beleuchtung für die Baumstammobjekte sein.
Zusammenfassung der Kapitel
Grenze zwischen Kunst und Alltags- bzw. Massenkultur: Analyse der konstruktivistischen Bestrebungen, die Trennung zwischen Kunstwerk und Alltagsobjekt aufzuheben, und deren spätere Instrumentalisierung.
Grenze zwischen reiner Ästhetik und Zweckmäßigkeit: Untersuchung der historischen und zeitgenössischen Spannungsfelder zwischen dem reinen Kunstwerk und dem Gebrauchsgegenstand.
Die Skulptur löst sich vom Sockel: Beschreibung der Loslösung der Skulptur von ihrer traditionellen Basis und der damit einhergehenden Ortslosigkeit.
Schwerkraft und Vertikaltität: Betrachtung, wie moderne Skulpturen durch das Spiel mit der Schwerkraft die traditionelle aufrechte Positionierung infrage stellen.
Autonomie der Skulptur: Diskussion über die materielle Autonomie der Skulptur in Abhängigkeit von Betrachtern und Ausstellungskontext.
Prozesshaftigkeit und Orts- bzw. Zeitgebundenheit versus Anspruch auf Ewigkeit: Darstellung der Abkehr zeitgenössischer Kunst vom Ideal der materiellen Dauerhaftigkeit.
Räumliche Erfahrung: Die BetrachterInnen rücken in den Mittelpunkt: Analyse der Verschiebung des Fokus hin zur räumlichen und zeitlichen Interaktion des Betrachters mit dem Werk.
Das Komplexe wird (wieder) möglich: Anwendung der Krauss’schen Systematik des erweiterten Feldes zur Kategorisierung postmoderner Arbeiten.
Beispiel: Praktische Anwendung der theoretischen Überlegungen anhand der Installationskunst von Ree Morton.
Schlüsselwörter
Skulptur, Moderne, Postmoderne, Rosalind E. Krauss, Benjamin H.D. Buchloh, Sockel, Orts-Konstruktion, Konstruktivismus, Autonomie, Raum, Betrachter, Installation, Ree Morton, Konvention, Grenzüberschreitung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die historischen und theoretischen Verschiebungen des Skulpturbegriffs, insbesondere den Prozess, wie sich die Kunst von starren Konventionen wie dem Sockel und dem Anspruch auf Ewigkeit gelöst hat.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Themen sind das Verhältnis von Skulptur zu Architektur und Landschaft, die Bedeutung des Ausstellungsortes, die Rolle des Betrachters sowie die Schnittstelle zwischen Kunst und Alltagskultur.
Was ist die Forschungsfrage der Arbeit?
Die Autorin untersucht, welche spezifischen Grenzen und Traditionen, die dem Medium Skulptur historisch anhaften, von Künstlern in der Moderne und Postmoderne verhandelt und infrage gestellt werden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine kunsttheoretische Analyse, basierend auf den Schriften von Rosalind E. Krauss („Skulptur im erweiterten Feld“) und Benjamin H.D. Buchloh, um die Transformation des Skulpturbegriffs zu systematisieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden die einzelnen Parameter der Skulptur – wie Schwerkraft, Sockel, Autonomie und Zeitgebundenheit – analysiert und durch theoretische Konzepte der Moderne und Postmoderne erläutert.
Welche Schlüsselbegriffe prägen die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind die „Orts-Konstruktion“, das „erweiterte Feld“, die „Negativform“, die „Konvention“ sowie die „Prozesshaftigkeit“ künstlerischer Arbeiten.
Wie illustriert die Arbeit die theoretischen Konzepte an einem praktischen Beispiel?
Die Arbeit wählt Ree Mortons Installation „To Each Concrete Man“ aus, um zu zeigen, wie eine Künstlerin bewusst mit der Unterwanderung von traditionellen Skulptur-Konventionen wie dem Sockel und dem Licht spielt.
Welche Bedeutung hat das „erweiterte Feld“ in diesem Text?
Es fungiert als ein System, mit dem postmoderne Arbeiten verortet werden können, die sich nicht mehr eindeutig einer Kategorie wie „Skulptur“ zuordnen lassen, sondern komplexe Überschneidungen mit Architektur und Landschaft aufweisen.
- Quote paper
- Cornelia Hauer (Author), 2009, Die Grenzen und Grenzüberschreitungen der Skulptur, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/203123