Im Zentrum der vorliegenden Arbeit steht die Mensch-Umwelt-Beziehung. Diese soll anhand aktueller Erkenntnisse aus diversen Disziplinen in einen möglichst breiten Kontext gesetzt werden. Die Beziehung des Menschen zu seiner Umwelt scheint sich im Wandel zu befinden, da unsere Gesellschaft sich zunehmend von einer Dienstleistungs- zu einer Erlebnisgesellschaft, bzw. die Wirtschaft sich zu einer Erlebnis- Ökonomie, hin entwickelt. “Das Zeitalter der Unwiderstehlichkeit” (Mikunda) ist angebrochen.
Erlebnis-Raum-Design ist dabei ein Ansatz die Mensch-Umwelt-Beziehung, Raumkognition, Symbole und Dramaturgie als Informationsquelle, sowie Identität und Inszenierung in einen Kontext zu bringen und dabei den Mensch und seine (evolutionär gewachsenen) Bedürfnisse und Handlungsmuster in den Mittelpunkt zu stellen. Dies scheint eine notwendige Entwicklung als Reaktion auf die Erlebnisgesellschaft zu sein. Ergebnisse in der Anwendung des Erlebnis-Raum-Design sollen demnach entspannte Erlebnisse mit hoher Orientierungs- und Serviceleistung, unter optimalem Einbezug von natürlichem und künstlichem Raum sein.
Abschließend versucht der Autor eigene Modelle und Überlegungen für Marken und Marketing abzuleiten, die eine neue, ganzheitliche Sicht auf dieses Thema darstellen.
Inhaltsverzeichnis
1. Psychologische Grundlagen
1.1 Die Kognitive Psychologie
1.1.1 Entwicklung der Kognitiven Psychologie
1.1.2 Der Aufbau des Gehirns
1.1.3 Die Filtertheorie
1.1.4 Verbale und visuelle Vorstellungen
1.1.5 Kognitive Landkarten
1.1.6 Propositionale und semantische Netzwerke
1.1.7 Elaborative Verarbeitung
1.2 Die Feldtheorie
1.3 Behavior-Setting-Konzept
1.4 Drei-Ebenen-Konzept
2. Architekturpsychologie
2.1 Natur in gebauter Umwelt
2.2 Ortsidentität und Ortsbindung
2.2.1 Ortsbezogenheit, Ortsbindung und Heimatbindung
2.2.2 Ortsidentität und Soziale Identität
2.2.3 Person-environment fit
2.3 Territorien und Privatheit
2.3.1 Persönlicher Raum
2.3.2 Privatsphäre
2.4 Aneignung von Raum
2.4.1 Der orientierte Raum und der gestimmte Raum
2.4.2 Erkundung und Aneignung
2.4.3 Zwischenräume
3. Raumkognition
3.1 Strategie und Informationsverarbeitung
3.1.1 Räumliche Fähigkeit
3.1.2 Place Learning
3.2 Kognitive Karten
3.2.1 Vorgang der Wegsuche
3.2.2 Kognitives Kartieren
3.2.3 Räumliche Umwelt verstehen und lesen
3.3 Kommunikation und Raumorientierung
3.4 Geschlechterunterschied
4. Raumsymbolik
4.1 Dimensionen und Erstellung von Symbolen
4.2 Denotation und Konnotation
4.3 Symbole in Kultur und Gesellschaft
4.3.1 Mythen und sakrale Architektur
5. Strategische Dramaturgie
5.1 Brain Scripts
5.2 Inferential Beliefs
5.3 Cognitive Maps
5.4 Time Line
5.5 Antizipation
5.6 Sentence Frames
5.7 Media Literacy
5.8 Dramturgie
5.8.1 Der verbotene Ort
5.8.2 Der dramaturgische Event
5.8.3 Placement
5.8.4 Leadership-Design
5.8.5 Image-Verschiebung
5.8.6 Spuren der Vergangenheit
5.8.7 Das Prinzip des “Ride”
5.8.8 Red Herring
5.8.9 Der Spannungsbogen
5.8.10 Blickwinkel
5.8.11 Alles an seinem Platz
5.8.12 Stationen einer Reise
5.8.13 Die gute Adresse
5.8.14 Territorium
5.8.15 Thematisierung
5.8.16 Frames
5.8.17 Ensemble
5.8.18 Who am I
5.8.19 Das Gleichnis
5.8.20 Der Vergleich
5.8.21 Denkmodelle
5.8.22 Seeing is Believing
5.8.23 Klassifizieren
5.8.24 Der Ratschlag
5.9 Systeme
5.10 Exkurs implizites Marketing
6. Theorie des Erlebnis-Raum-Design
6.1 Die Erlebnisökonomie
6.2 Was ist Raum?
6.3 Archetypen und Storytelling
6.4 Wandern im (designten) Erlebnisraum
6.4.1 Theming
6.4.2 Erlebnisdramaturgie
6.4.3 Inszenierung
6.4.4 Regionale Verankerung
6.5 Exkurs Wertemarketing
6.5.1 Das Zeitalter der Mitwirkung
6.5.2 Das Zeitalter des Globalisierungsparadox
6.5.3 Das Zeitalter der Kreativgesellschaft
6.5.4 Das 3i-Modell
7. Zusammenfassung und Schlussfolgerungen
7.1 Systeme und Interaktionen
7.2 Identität, Territorien und Marken
7.3 Marke, Erlebnis und Storytelling
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit untersucht die Mensch-Umwelt-Beziehung im Zeitalter der Erlebnisökonomie und analysiert, wie psychologische Erkenntnisse sowie strategische Dramaturgie zur Gestaltung von Erlebnisräumen genutzt werden können. Ziel ist es, ein Verständnis dafür zu entwickeln, wie durch architekturpsychologische Prinzipien und gezielte Inszenierungen komplexe Umwelten für den Menschen orientierbar und erlebbar gemacht werden.
- Kognitive Psychologie als Basis der Mensch-Umwelt-Interaktion
- Architekturpsychologische Aspekte wie Raumaneignung und Identität
- Raumkognition und die Rolle kognitiver Karten
- Einsatz von Symbolen in Architektur und Gesellschaft
- Strategische Dramaturgie im Marketing zur Optimierung von Erlebnissen
Auszug aus dem Buch
Die Kognitive Psychologie
Oft wird davon gesprochen, dass die Intelligenz dafur verantwortlich ist, dass der Mensch sich von den Tieren unterscheidet. Dies entspricht auch der wissenschaftlichen Auffassung seit vielen Jahren. Dass diese Intelligenz und unser Geist aber in Zusammenhang mit unserem Gehirn stehen, war nicht immer bekannt. Der griechische Philosoph Aristoteles ging z.B. davon aus, dass das Gehirn lediglich der Kuhlung des Blutes dient, der menschliche Geist aber seinen Sitz im Herz hat. (vgl. J. Anderson et al., 2007, S. 1)
Die Kognitive Psychologie ist die Wissenschaft, die untersucht, wie der Geist und die Psyche organisiert sind und intelligentes Denken hervorbringen und wie die Prozesse des Denkens im Gehirn sichtbar werden. (J. Anderson et al., 2007, S. 1)
Dieses Wissen uber die Steuerungsprozesse des menschlichen Denkens bildet auch Grundlagen fur das Verst¨andnis des Verhaltens des Menschen, welches wiederum fundamental fur andere Wissenschaften ist. Es wird klar, dass die Kognitive Psychologie enormen Einfluss auf viele Wissenschaften ausubt und in weiterer Folge auch ein Anstoß fur interdisziplinäre Forschung war und ist.
So stellt auch das Verfassen dieser Arbeit eine kognitive Leistung dar, und unter diesem Gesichtspunkt wird deutlich, dass die Erkenntnisse der Kognitiven Psychologie und ihre Leistungen im Verstehen der Komplexität des Menschen, sowie der Beziehung zwischen dem Mensch und seiner Umwelt fur uns alle allgegenwärtig sind.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Psychologische Grundlagen: Dieses Kapitel erläutert die Ursprünge der kognitiven Psychologie und wichtige Konzepte wie Feldtheorie und Behavior-Settings, um das Verständnis für die Mensch-Umwelt-Beziehung zu legen.
2. Architekturpsychologie: Hier wird der Fokus auf die psychologische Wirkung der gebauten Umwelt gelegt, wobei Themen wie Ortsidentität, Territorien und Privatsphäre im Zentrum stehen.
3. Raumkognition: Das Kapitel behandelt die mentalen Mechanismen, mit denen Menschen Räume explorieren, kartieren und sich darin orientieren, inklusive der Bedeutung von Landmarken.
4. Raumsymbolik: Es wird analysiert, wie Symbole als „Sprache“ der Umwelt fungieren und wie Denotation und Konnotation dazu beitragen, Orte zu interpretieren.
5. Strategische Dramaturgie: Dieses Kapitel stellt Werkzeuge vor, mit denen Erkenntnisse der Psychologie gezielt im Marketing eingesetzt werden, um Erlebnisse zu inszenieren.
6. Theorie des Erlebnis-Raum-Design: Zusammenführung der Konzepte zur Konstruktion ganzheitlicher Erlebnisräume, unter Einbeziehung von Storytelling und Markenmanagement.
7. Zusammenfassung und Schlussfolgerungen: Synthese der Arbeit, die die Bedeutung der dialektischen Mensch-Umwelt-Beziehung unterstreicht und künftige Herausforderungen für Marketing und Raumgestaltung aufzeigt.
Schlüsselwörter
Kognitive Psychologie, Architekturpsychologie, Raumkognition, Strategische Dramaturgie, Erlebnisökonomie, Ortsbindung, Storytelling, Markenidentität, Behavior-Setting, Raumaneignung, Wahrnehmungspsychologie, Kundenbindung, Erlebnisraum, Implizites Marketing, Mensch-Umwelt-Beziehung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Master Thesis grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Mensch-Umwelt-Beziehung und untersucht, wie Erkenntnisse aus der Kognitions- und Architekturpsychologie genutzt werden können, um Räume und Markenerlebnisse strategisch zu gestalten.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Zu den Kernbereichen gehören die kognitive Wahrnehmung von Räumen, die Bedeutung von Symbolen und Identität für Orte sowie die praktische Anwendung dramaturgischer Prinzipien im Marketing.
Was ist das primäre Ziel der Forschung?
Ziel ist es, ein fundiertes Verständnis dafür zu schaffen, wie Architektur und Marketing psychologische Mechanismen nutzen können, um für den Menschen orientierbare, identitätsstiftende und erfüllende Erlebnisräume zu erschaffen.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit stützt sich primär auf eine fundierte Literatur- und Theorieanalyse psychologischer und soziologischer Konzepte, die in einen interdisziplinären Kontext gesetzt werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die psychologischen und architekturpsychologischen Grundlagen, die Mechanismen der Raumkognition und Symbolik sowie die strategische Anwendung dieser Erkenntnisse durch Dramaturgie und Storytelling im Kontext des Erlebnis-Raum-Designs.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind unter anderem Erlebnisökonomie, Raumkognition, Kognitive Karten, Strategische Dramaturgie, Identität, Storytelling und Mensch-Umwelt-Interaktion.
Welche Rolle spielen Marken in der Mensch-Umwelt-Beziehung?
Marken fungieren als Anker im komplexen Umfeld; sie bieten Orientierung und stiften Identität, indem sie durch ihre „Geschichte“ und ihre Werte mit den Bedürfnissen der Menschen korrespondieren.
Warum ist das Verständnis von "Raum" für Marketingstrategien wichtig?
Raum ist nicht nur physisch, sondern auch psychologisch besetzt. Ein Verständnis der „Raumkognition“ erlaubt es Anbietern, Umwelten zu schaffen, in denen sich Konsumenten orientieren können und die eine emotionale Resonanz erzeugen.
- Quote paper
- MBA Ralph Scherzer (Author), 2012, Die Mensch-Umwelt-Beziehung im Zeitalter der Erlebnisökonomie, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/203117