Sei es die Sorge um den Arbeitsplatz oder die Angst vor Terrorismus. Die Deutschen fürchten sich vor vielen Dingen. Und das in einer Weise, die im internationalen Vergleich besonders stark ausgeprägt zu sein scheint. Allenthalben wird deshalb sogar von der „German-Angst“ gesprochen.
Was viele Deutsche gegenwärtig (wieder) besonders beunruhigt ist die Sorge vor Inflation. Laut einer Studie des Meinungsforschungsinstituts TNS infratest, die im Auftrag der Allianz Bank durchgeführt wurde, teilen fast die Hälfte der Befragten die Furcht vor dem Wertverlust ihres Vermögens. Wer allerdings glaubt, dass dieser Befund neu ist, der irrt.
Die Angst der Deutschen vor Inflation reicht weit in die Geschichte zurück und hat ihre Wurzeln insbesondere in der Hyperinflation von 1923. Während dieser Zeit kam es zu einer drastischen Geldentwertung, die besonders für Sparer sehr schmerzhaft war. Die hohe Inflation führte schließlich zu einem Einbruch der Wirtschaftsleistung und zu einem starken Anstieg der Arbeitslosenzahl.
Gegenwärtig hat die Inflationsangst der Menschen in Deutschland aber auch in anderen Ländern der Eurozone insbesondere durch die „Euro-Krise“ und die expansive Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) neue Nahrung bekommen (Vgl. Kapitel 2.2).
Als Reaktion auf die hohe Staatsverschuldung im Euro-Raum senkte die EZB den Leitzins auf ein historisches Tief von derzeit 0,75 Prozent. Als weitere Maßnahme hat die oberste Zentralbank in der Europäischen Union Staatsanleihen von hochverschuldeten Ländern im Euroraum (z.B. Griechenland) aufgekauft. Die Befürworter dieser expansiven Geldpolitik sehen darin einen wichtigen Schritt zur Ankurbelung der Wirtschaft im Euroraum. Die Gegner hingegen warnen vor einer inflationären Entwicklung im Euroraum und sehen die Stabilität und den Bestand der Europäischen Währungsunion im Zuge der „Euro-Krise“ in Gefahr. Als Indiz dafür wird nicht zuletzt die sinkende Kursentwicklung des Euro im Vergleich zum amerikanischen Dollar und anderen wichtigen Währungen gesehen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Zielsetzung
1.3 Aufbau
2.Theoretische Grundlagen zu den Themenfeldern „Inflation“ und „Euro-Krise“
2.1 Inflation
2.1.1 Begriffliche Einordnung
2.1.2 Messung des Preisniveaus
2.1.3 Ursachen der Inflation
2.1.3.1 Nachfragebedingte Inflation
2.1.3.2 Angebotsbedingte Inflation
2.1.3.3 Importierte Inflation
2.2 Die „Euro-Krise“
2.2.1 Begriffliche Einordnung der „Euro-Krise“
2.2.2 Ursachen und Hintergründe der hohen Staatsverschuldung in der Eurozone
2.2.2.1 Die Finanzkrise 2007
2.2.2.2 Leistungsbilanzungleichgewichte im Euroraum
2.2.3 Die hohe Staatsverschuldung im Euroraum und ihre Folgen
2.2.3.1 Europäische Gemeinschaftswährung verliert an Wert
2.2.3.2 Hohe Arbeitslosenzahl in den Eurostaaten
2.2.3.3 Herabstufung der Kreditwürdigkeit
2.2.4 Lösungsansätze zur Bewältigung der „Euro-Krise“
2.2.4.1 Maßnahmen der europäischen Regierungen
2.2.4.1.1 „Euro-Rettungspakete“
2.2.4.1.2 Fiskalpakt
2.2.4.2 Maßnahmen der Europäischen Zentralbank
2.2.4.2.1 Aufkauf von Staatsanleihen
2.2.4.1.2 Vergabe von Krediten
3. Die zukünftige inflationäre Entwicklung in der Eurozone
3.1 Die Einschätzung der Wirtschafts- und Finanzexperten
3.1.1 Die optimistische Position zur zukünftigen inflationären Entwicklung im Euroraum
3.1.2 Die pessimistische Position zur zukünftigen inflationären Entwicklung im Euroraum
3.2 Auswirkungen einer Inflation
3.2.1 Schuldner
3.2.2 Sparer
3.2.3 Verbraucher
3.2.4 Unternehmen
3.2.5 Inflation und Europäische Währungsunion
3.2.5.1 Die Europäische Währungsunion
3.2.5.2 Auswirkungen einer inflationären Entwicklung auf die Europäische Währungsunion
3.3 Die Position des Verfassers zur zukünftigen inflationären Entwicklung im Kontext der „Euro Krise“
3.3.1 Expansive Geldpolitik der EZB und Inflation
3.3.2 Schuldenabbau durch Inflation
3.3.3 Leistungsbilanzungleichgewichte und Inflation
3.3.4 Kritische Anmerkungen zur Entwicklung des Euro
4. Zusammenfassende Schlussbetrachtung und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert kritisch die aktuelle Diskussion zur zukünftigen inflationären Entwicklung im Kontext der „Euro-Krise“ und beleuchtet dabei, inwieweit die expansive Geldpolitik der EZB sowie verschiedene ökonomische Faktoren das Inflationsrisiko beeinflussen und welche unterschiedlichen Auswirkungen Inflation auf verschiedene Wirtschaftssubjekte hat.
- Zusammenhang zwischen „Euro-Krise“ und Inflationserwartungen
- Expansive Geldpolitik der EZB und ihre Auswirkungen
- Unterscheidung zwischen „Gewinnern“ und „Verlierern“ einer Inflation
- Angleichung der Leistungsbilanzen in der Eurozone
- Kritische Reflexion der ökonomischen Expertendebatte
Auszug aus dem Buch
3.2.2 Sparer
Konträr zu der Situation der Schuldner verschlechtert sich durch eine inflationäre Entwicklung die Lage der Sparer (Investoren). Der gleiche Wirkmechanismus (Kaufkraftverlust des Geldes) hat bei den Eigentümern von Geldvermögen zur Folge, dass sich der Wert ihrer Spareinlagen (z.B. Sparbücher, festverzinsliche Wertpapiere) verringert (Vgl. Schott/Sand, 2012, S. 24). Die Inflation ist vergleichbar mit einer Besteuerung auf nominale Geldbestände (Vgl. Cezanne, 1999, S. 444). Fälschlicherweise wird jedoch häufig angenommen, dass das Geld auch in 30 Jahren noch genauso viel Wert hat, wie der Betrag, der auf dem Geldschein aufgedruckt ist (Vgl. Eckert/Zähpitsch, 2007).
Was vielfach bei der Geldentwertung auch übersehen wird, ist der Zinseszinseffekt. Dieser kann selbst bei moderaten Inflationsraten von unter vier Prozent zu hohen Geldverlusten führen (Vgl. Schott/ Sand, 2012, S. 24). Das folgende Beispiel soll diesen Zusammenhang veranschaulichen (Vgl. Schott/ Sand, 2012, S. 25ff.).
Nehmen wir an Anleger (oder Investor) A legt 1000 Euro bei Schuldner B als festverzinsliche Wertpapiere an. Damit wird A zum Gläubiger von B. Als Gegenleistung dafür, dass Anleger A für die Laufzeit des Kredits nicht mehr direkt über sein Geldvermögen verfügen kann, erhält er Zinszahlungen. Weiterhin wird angenommen, dass der Zinssatz zum Zeitpunkt der Geldanlage netto 2,2 Prozent (drei Prozent abzüglich Steuer) betragen soll. Die Inflationsrate wird mit drei Prozent angesetzt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Thematik der Inflationssorgen in Deutschland im Kontext der Euro-Krise und Definition der Zielsetzung der Arbeit.
2.Theoretische Grundlagen zu den Themenfeldern „Inflation“ und „Euro-Krise“: Definition grundlegender Begriffe wie Inflation, Ursachenanalyse und Darstellung der Entstehung und Problematik der Euro-Krise.
3. Die zukünftige inflationäre Entwicklung in der Eurozone: Analyse der Expertenmeinungen, der Folgen von Inflation für verschiedene Akteure sowie die persönliche Positionierung des Verfassers zu den aktuellen geldpolitischen Maßnahmen.
4. Zusammenfassende Schlussbetrachtung und Ausblick: Fazit der erarbeiteten Ergebnisse und kritische Reflexion zur Stabilität der Europäischen Währungsunion.
Schlüsselwörter
Inflation, Euro-Krise, EZB, Preisstabilität, Leitzins, Kaufkraftverlust, Staatsverschuldung, Geldmenge, Leistungsbilanz, Schuldner, Sparer, Fiskalpakt, Preis-Lohn-Spirale, Eurozone, Geldpolitik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Sorgen vor einer Inflation im Euroraum vor dem Hintergrund der aktuellen Euro-Krise und der expansiven Geldpolitik der Europäischen Zentralbank.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die theoretischen Grundlagen von Inflation, die Ursachen der Staatsverschuldung, die Auswirkungen von Geldentwertung auf verschiedene Wirtschaftssubjekte sowie die Einschätzungen zur zukünftigen Preisentwicklung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die aktuelle Inflationsdebatte kritisch zu beleuchten und zu hinterfragen, ob die Inflationssorgen berechtigt sind oder ob die Geldpolitik der EZB notwendig zur Stabilisierung der Währungsunion ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, dem Vergleich konträrer Expertenmeinungen und einer kritischen Reflexion wirtschaftlicher Zusammenhänge.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die theoretischen Grundlagen, die Ursachen der Euro-Krise, die unterschiedlichen Auswirkungen einer Inflation auf Schuldner, Sparer, Verbraucher und Unternehmen sowie die Position des Verfassers.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Inflation, Euro-Krise, EZB, Kaufkraftverlust, Geldpolitik, Preisstabilität und Staatsverschuldung.
Warum ist das Vertrauen in die EZB laut Autor so wichtig?
Das Vertrauen ist essenziell, da die EZB über den Leitzins das Instrument zur Preisstabilität hält und dieses Vertrauen die Stabilität der gesamten Währungsunion stützt.
Welche Rolle spielt der Fiskalpakt bei der Bewältigung der Krise?
Der Fiskalpakt dient als Instrument zur verbindlichen Schuldenbegrenzung, um das Vertrauen auf den internationalen Kapitalmärkten durch die Reduzierung von Haushaltsdefiziten zu stärken.
- Quote paper
- Ulrich Müller (Author), 2012, Die aktuelle Diskussion zur zukünftigen inflationären Entwicklung und ihre Auswirkungen im Kontext der „Euro-Krise“, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/202763