Im Kunstunterricht an deutschen Schulen wird heutzutage zum Teil nur oberflächli-ches Wissen über die Kunstgeschichte vermittelt. Oftmals spielt vielmehr die Praxis-arbeit eine entscheidende Rolle im Kunstunterricht. Die Schüler sind froh, außerhalb des Leistungsdrucks von bis zu zehn Unterrichtsstunden pro Tag einen Moment der kreativen Entspannung zu erfahren. Sie genießen es, sich kreativ ausleben zu können und einmal abzuschalten.
Doch durch diesen praxisorientierten Unterricht kommen heute kunsttheoretische und kunsthistorische Aspekte zu kurz. Diesem Defizit soll die hier vorliegende Fach-arbeit ein Stück weit entgegenwirken. So stelle ich den Künstler Max Ernst vor, der die Kunst des 20. Jahrhunderts entscheidend geprägt hat. Max Ernst hat viele Druck-techniken angewandt, von denen ich eine - die sogenannte Decalcomanie – vertieft aufgreifen werde.
Im Folgenden soll darüber hinaus deutlich werden, wie die Decalcomanie in aktuelle niedersächsische Lehrpläne passt und anhand eines praktischen Versuches mit einer Grundschülerin und einer Gymnasiastin untersuche ich, inwiefern die Decalcomanie für Kinder eines bestimmten Alters geeignet ist – mit dem Ziel von der Anwendungs-fähigkeit in der Kunstpädagogik zu überzeugen, mit der eine vertiefte Weitergabe von geschichtlichen und theoretischen Hintergründen einhergehen kann. So findet sich auch im Anhang ein Vorschlag zur Gestaltung einer Unterrichtseinheit mit dem Themenkomplex Decalcomanie.
Inhaltsverzeichnis
1. Vorwort
2. Max Ernst – Wer grüßt denn da?
2.1 Leben und Werk von Max Ernst
2.2 Surrealistische und dadaistische Elemente im Werk Max Ernsts
2.3 Der Einsatz druckgrafischer Techniken bei Max Ernst
3. Die Technik der Decalcomanie
3.1 Die Ursprünge des Verfahrens der Decalcomanie
3.2 Die Weiterentwicklung des Verfahrens durch Max Ernst und weitere Variationen
4. Das Verfahren der Decalcomanie in der Kunstpädagogik
4.1 Einordnung in aktuelle niedersächsische Lehrpläne
4.1.1 Kerncurriculum für die Grundschule
4.1.2 Lehrpläne für Gymnasien
4.2 Praktische Versuche und Erfahrungen
4.2.1 „Abklatsch“ als Versuch
4.2.2 Decalcomanie, „reif für‘s Lehrbuch“
4.2.3 Auswertung der praktisch-künstlerischen Arbeit
5. Die Eignung des Verfahrens der Decalcomanie in pädagogischen Prozessen (Fazit)
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Anwendungsfähigkeit des surrealistischen Druckverfahrens der Decalcomanie im schulischen Kunstunterricht. Ziel ist es, das Potential dieser Technik für die Vermittlung von Kunstgeschichte und die Förderung kreativer Prozesse zu evaluieren, wobei insbesondere die didaktische Einordnung in aktuelle Lehrpläne sowie die praktische Erprobung mit Schülern unterschiedlicher Altersstufen im Zentrum steht.
- Historische Einordnung von Max Ernst und dem Surrealismus
- Methodische Grundlagen und Variationen der Decalcomanie
- Didaktische Analyse der Lehrpläne für Grundschule und Gymnasium
- Praktische Fallstudien zur Durchführung des Verfahrens
- Eignung des Druckverfahrens für pädagogische Prozesse
Auszug aus dem Buch
3.1 Die Ursprünge des Verfahrens der Decalcomanie
Das französische Wort Decalcomanie beschreibt im Allgemeinen eine Form des Abklatschverfahrens. Die Technik selbst wurde 1935 von dem spanischen Surrealisten Óscar Domínguez erfunden, weshalb auch der Ursprung des Wortes im Spanischen liegt. De la calcomania heißt ins Deutsche übersetzt das Abziehbild, welches durch die Technik der Decalcomanie erzeugt wird.
Domínguez verteilte dazu schwarze Farbe, meist Gouache, auf einem Blatt Papier, auf welches er daraufhin ein zweites Blatt Papier presste und wieder abtrennte. Dabei entstanden zufällige Strukturen, weshalb die Decalcomanie als ein „Aleatorische[s] Verfahren“ bezeichnet wird. Die aleatorischen Ergebnisse ließ Domínguez unverändert und wollte dem Betrachter die Möglichkeit zur freien Deutung geben. Die Zeitgenossen Domínguez‘ waren von der Decalcomanie beeindruckt, beschrieben sie aber als sehr simpel.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Vorwort: Die Einleitung beleuchtet das Defizit an kunsthistorischem Wissen im praxisorientierten Kunstunterricht und führt das Ziel der Arbeit ein, die Technik der Decalcomanie als Brücke zwischen Theorie und kreativer Praxis zu nutzen.
2. Max Ernst – Wer grüßt denn da?: Dieses Kapitel bietet einen Abriss über Leben und Wirken von Max Ernst, ordnet ihn in den Surrealismus ein und beschreibt seine innovative Nutzung aleatorischer Drucktechniken.
3. Die Technik der Decalcomanie: Es werden die Ursprünge des Verfahrens durch Óscar Domínguez erläutert und die spezifische Weiterentwicklung durch Max Ernst dargestellt, der die Zufallsstrukturen durch bewusste malerische Eingriffe konkretisierte.
4. Das Verfahren der Decalcomanie in der Kunstpädagogik: Das Kapitel analysiert die Passung des Verfahrens zu niedersächsischen Lehrplänen und dokumentiert praktische Versuche mit einer Grundschülerin und einer Gymnasiastin.
5. Die Eignung des Verfahrens der Decalcomanie in pädagogischen Prozessen (Fazit): Abschließend wird evaluiert, dass die Decalcomanie eine wertvolle, wenn auch unterrepräsentierte Technik darstellt, die sich besonders für die Sekundarstufe I eignet, während sie in der Grundschule eine engere Begleitung durch Lehrkräfte erfordert.
Schlüsselwörter
Decalcomanie, Max Ernst, Surrealismus, Kunstpädagogik, Aleatorik, Abklatschverfahren, Kunstdidaktik, Druckgrafik, Kreativität, Kunstunterricht, Bildnerisches Gestalten, Óscar Domínguez, Assoziation, Lehrplan, Experiment.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Facharbeit grundlegend?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den Einsatzmöglichkeiten des surrealistischen Abklatschverfahrens der Decalcomanie im Rahmen des schulischen Kunstunterrichts.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Neben der historischen Einordnung von Max Ernst und der surrealistischen Bewegung liegt der Fokus auf der methodischen Durchführung der Decalcomanie sowie ihrer pädagogischen Relevanz.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die didaktische Anwendbarkeit der Decalcomanie zu belegen und zu zeigen, wie eine Brücke zwischen theoretischem Kunstverständnis und praktischem Tun geschlagen werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit kombiniert eine theoretische Analyse von Fachliteratur und Lehrplänen mit einer empirischen Beobachtung in Form praktischer Versuche mit zwei Probandinnen unterschiedlichen Alters.
Was bildet den inhaltlichen Schwerpunkt des Hauptteils?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Entstehungsgeschichte der Decalcomanie, die Abgrenzung der Arbeitsweisen von Domínguez und Ernst sowie die praktische Erprobung in zwei Fallbeispielen.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Decalcomanie, Surrealismus, Kunstpädagogik, Aleatorik und das kreative Experiment definiert.
Warum eignet sich die Decalcomanie besonders für ältere Schüler ab der 5. Klasse?
Da für die vertiefende malerische Ausarbeitung der Abklatsch-Ergebnisse eine gewisse handwerkliche Grundlage und Ausdauer erforderlich ist, sind Schüler dieser Altersstufe besser in der Lage, das volle Potential der Technik auszuschöpfen.
Welche Herausforderungen zeigten sich bei der Arbeit mit Grundschülern?
Es zeigte sich, dass jüngere Kinder mehr Unterstützung bei der Dosierung der Farben benötigen und ihnen teilweise noch die körperlichen Kapazitäten für die Handhabung der Druckmaterialien fehlen.
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- Tim Fischer (Author), 2011, Max Ernst lässt grüßen - Einsatzmöglichkeiten des Druckverfahrens der Decalcomanie in der Kunstpädagogik, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/202540