Sie sprechen aber gut Deutsch“ - Wie häufig diese Worte doch fallen! Nicht nur DaFSprecherInnen dürfte auf Grund ihres fremdsprachlichen Akzents dieser Ausspruch sehr geläufig sein. Auch Deutsch-Muttersprachler, die Xenismen anderer, nicht-sprachlicher Art produzieren, etwa durch eine dunkle Hautfarbe, durch krauses Haar oder durch ein Kopftuch, werden vermutlich nicht selten mit diesen Worten konfrontiert. Doch was genau meint man hier mit „gut“? Kann wie in unserem Beispiel einem Fremdsprachen-Sprecher und einem Muttersprachler dasselbe sprachliche Kompetenzniveau – nämlich
„gut“ – zugeschrieben werden? Und wie würde man die Sprachkompetenz von jemandem einschätzen, dessen Deutsch kaum zu verstehen ist, etwa als „nicht gut“, „miserabel“ oder „grottenschlecht“?
Im Alltag erscheinen meiner Erfahrung nach jenseits der Bewertung „gut Deutsch sprechen“, „nicht so gut Deutsch sprechen“ und „schlecht Deutsch sprechen“ kaum andere, präzisere Beschreibungen des Sprachstandes eines Fremdsprachen-Sprechers. Doch wenn es darum geht, L2-Sprecher auf ihr Sprachniveau hin zu prüfen und ihnen hierfür Zertifikate auszustellen, reichen solch einfache Bewertungen nicht
aus. Hier gilt es, exakte, ausführliche Sprachstandsbeschreibungen heranzuziehen. Wenn nun ein DaF-Sprecher aus seinem Heimatland nach Deutschland kommt, um etwa als Au-pair zu arbeiten, wird es allerdings vermutlich nicht genügen, über hervorragende Deutschkenntnisse zu verfügen, um einen reibungslosen Aufenthalt bei
der Gastfamilie zu garantieren. Hierfür müssen interkulturelle Kompetenzen eingesetzt werden, um mögliche kulturell bedingte Konflikte mit der Gastfamilie zu minimieren. In dieser Arbeit soll eine Übersicht über die verschiedenen Kompetenz-Stufen bei Fremdsprachen-SprecherInnen gegeben werden, wobei hier nicht nur der Schwerpunkt auf rein sprachliche Kompetenzen gelegt wird, sondern auch auf interkulturelle (kommunikative) Kompetenzen.
Im Fazit der Hausarbeit wird diskutiert, inwiefern sprachliche und interkulturelle Kompetenzen theoretisch miteinander zusammenhängen
und wie man eine Verknüpfung der beiden praktisch umsetzen könnte.
1. Einleitung
2. Kompetenz-Stufen
2.1 Sprachstandsbeschreibungen
2.1.1 Das Dreieck der Europäischen Sprachenpolitik
2.1.1.1 Der Gemeinsame europäische Referenzrahmen für Sprachen
2.1.1.2 Das europäische Sprachenportfolio
2.1.1.3 Profile Deutsch
2.1.2 Sprachtests
2.1.2.1 DSH
2.1.2.2 TestDaF
2.1.3 Beispiel einer Sprachstandsbeschreibung: „M. Liedke – Eindruck und Diskurs“
2.2 Konzepte interkultureller Handlungskompetenz
2.2.1 Definitionen interkultureller Kompetenz
2.2.2 Listen- und Komponentenmodelle interkultureller Kompetenz
2.2.3 Entwicklungsmodelle interkultureller Kompetenz
3. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die verschiedenen Methoden zur Beschreibung von Kompetenz-Stufen bei Fremdsprachenlernenden. Dabei steht nicht nur die rein linguistische Erfassung der Sprachkompetenz im Fokus, sondern auch die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der interkulturellen (kommunikativen) Handlungskompetenz und deren theoretische sowie praktische Verankerung in verschiedenen Referenzsystemen.
- Analyse des Gemeinsamen europäischen Referenzrahmens für Sprachen (GER) und seiner Instrumente.
- Vergleich gängiger Sprachtests wie DSH und TestDaF hinsichtlich ihrer Kompetenzniveaus.
- Untersuchung von Ansätzen zur Bestimmung interkultureller Kompetenz.
- Diskussion über die Integration interkultureller Aspekte in bestehende Sprachstandsbeschreibungen.
- Evaluation von Entwicklungsmodellen interkultureller Kompetenz.
Auszug aus dem Buch
2. Kompetenz-Stufen
In jeder Disziplin, in der Kompetenzen erfasst bzw. bewertet werden müssen, erscheint es sinnvoll, verschiedene Kompetenz-Stufen zu entwickeln, die gestaffelt sind und jeweils über eine präzise Beschreibung der entsprechenden Kompetenzen verfügen. Denn nur durch solche Kompetenzbeschreibungen kann der Lernende seine eigenen Fähigkeiten selbst einschätzen und auf Grundlage dessen sich gezielter für seine gewünschten Erfolge vorbereiten. Doch auch für Lehrende und Prüfende ist die Entwicklung solcher Niveau-Stufen unabdingbar, denn ohne diese kann eine faire, einheitliche Beurteilung von Leistungen kaum bzw. gar nicht gewährleistet werden, geschweige denn international nachvollzogen und anerkannt werden. In dieser Arbeit wird zum einen der Fokus auf die Beschreibung von Sprachkompetenzen gelegt, zum anderen werden einige Konzepte vorgestellt, in denen interkulturelle (kommunikative) Kompetenzen beschrieben werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Alltäglichkeit und Problematik der Bewertung von Sprachkompetenz sowie die Notwendigkeit exakter Sprachstandsbeschreibungen für den Erfolg von Fremdsprachenlernenden.
2. Kompetenz-Stufen: Dieses Kapitel widmet sich detailliert der Erfassung von Sprachkompetenzen durch den GER, Sprachtests und empirische Beispiele sowie den verschiedenen Konzepten zur Beschreibung interkultureller Handlungskompetenz.
3. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse der Arbeit zusammen und plädiert für eine stärkere Integration interkultureller Kompetenz in zukünftige Sprachreferenzrahmen und Testverfahren.
Schlüsselwörter
Sprachstandsbeschreibung, Kompetenz-Stufen, Gemeinsamer europäischer Referenzrahmen (GER), Fremdsprachenlernen, Interkulturelle Handlungskompetenz, Sprachtests, DSH, TestDaF, Sprachportfolio, Profile Deutsch, Kommunikative Kompetenz, Interkulturelles Bewusstsein, Fremdsprachendidaktik, Sprachzertifizierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der theoretischen und praktischen Beschreibung von Kompetenz-Stufen bei Fremdsprachenlernenden, insbesondere im Kontext von Sprachstand und interkultureller Kompetenz.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Die zentralen Themen sind der Gemeinsame europäische Referenzrahmen (GER), standardisierte Sprachtests, die Analyse von Sprachstandsbeschreibungen sowie Modelle der interkulturellen Handlungskompetenz.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist ein Überblick darüber, wie Fremdsprachenkenntnisse und interkulturelle Fähigkeiten wissenschaftlich erfasst und in Niveaustufen eingeordnet werden können.
Welche wissenschaftlichen Methoden finden Anwendung?
Die Arbeit nutzt eine literaturbasierte Analyse theoretischer Konzepte sowie die Betrachtung empirischer Beispiele, wie etwa die Untersuchung von Martina Liedke zu „Eindruck und Diskurs“.
Welche Inhalte stehen im Hauptteil im Fokus?
Im Hauptteil werden der GER, das europäische Sprachenportfolio, „Profile Deutsch“, gängige Tests wie DSH und TestDaF sowie diverse Definitions- und Entwicklungsmodelle interkultureller Kompetenz detailliert analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Publikation?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Sprachstandsbeschreibung, Kompetenz-Stufen, GER, interkulturelle Handlungskompetenz und Fremdsprachendidaktik charakterisiert.
Wie unterscheidet sich die DSH-Prüfung vom TestDaF?
Die DSH ist eine interne Hochschulprüfung, während der TestDaF ein standardisiertes, weltweit angebotenes Prüfungsverfahren darstellt, das auf den GER-Niveaus B2 bis C1 aufbaut.
Warum spielt das Konzept der „Kann-Beschreibungen“ eine zentrale Rolle?
„Kann-Beschreibungen“ dienen als objektive Kriterien, um Leistungen von Lernenden vergleichbar zu machen und den Lernfortschritt transparent zu dokumentieren, statt nur Defizite aufzuzeigen.
- Quote paper
- Sarah Merrett (Author), 2011, Kompetenz-Stufen bei Fremdsprachen-SprecherInnen, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/202434