Das Thema der Hausarbeit über Eleonore von Aquitanien ergibt sich nicht ohne weiteres aus dem Themenkomplex des von mir besuchten Hauptseminars. Die Geschichte Eleonores von Aquitanien streift die Geschichte Burgunds aber insoweit peripher, als auch Englands Historie beispielhaft mit der Burgunds verquickt ist. Die Heiratspolitik der englischen und französischen Könige und die Position der Königin Eleonore haben mich in meinem Referat bereits neugierig gemacht. Insofern war es logisch, diese besonders schillernde Figur des hohen Mittelalters genauer zu betrachten. Über Eleonore von Aquitanien wurde schon zu ihren Lebzeiten von verschiedenen Chronisten berichtet und in späteren Jahrhunderten bis in unsere heutige Zeit über sie geschrieben. Gerüchte und Sagen wurden gestreut und ungeprüft weiter gegeben,Geschichten daraus entwickelt, die ihren Ruf als rebellische und verschlagene „femme fatale“ des Mittelalters begründeten. Dies hat sich bis in unsere Zeit ungebrochen weitertradiert. Inzwischen sind ihr sogar mehrere Filme (z.B. zwei Versionen von „Der Löwe im Winter“) gewidmet worden. Doch werden ihr diese „Geschichten“ gerecht? Wer war diese Frau, die Königin zweier mächtiger europäischer Dynastien? Findet sich eine „Wahrheit“ jenseits der teilweise sehr rufschädigenden „Sagen“?
Einen Teilbereich, der ihren schlechten Ruf nicht unerheblich mit begründete, möchte ich in dieser Hausarbeit genauer anhand vorliegender Quellen aus dem 12. und 13. Jahrhundert betrachten. Vielleicht lassen sich Tatsachen finden, die das Bild Eleonores wahrheitsgetreuer wiedergeben. Es wird der Versuch einer kriminologischen Spurensuche nach Beweisen und Motiven der Beteiligung Eleonores an der Rebellion Ihrer Söhne gegen ihren Vater Henry II. sein.
Inhaltsverzeichnis
1 Intention und Fragestellungen
2 Historischer Hintergrund und Ereignisse (1169-1173)
2.1 Die Ereignisse zwischen 1169 und 1173
2.2 Ursache und Beginn der Rebellion 1173
3 Die Quellen: Aussagen über Eleonore und andere wichtige beteiligte Akteure
3.1 William of Newburgh: The History of English Affairs. Book II. Chapter Twenty-Senven
3.1.1 Interpretation
3.1.2 Der Autor William von Newburgh (W.v.N.) und seine Intention
3.2 Master Ralph de Diceto: The Historical Works. Vol. I.
3.2.1 Der Quellenausschnitt
3.2.2 Interpretation
3.3 Peter of Blois (1173): Letter 154 to Queen Eleonor
3.3.1 Die Quelle
3.3.2 Interpretation
4 Zusammenfassung und Fazit
Anhang 1
Anhang 2: Chronologie der Ereignisse 1173
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht kritisch die historische Beteiligung Eleonores von Aquitanien an der Rebellion ihrer Söhne gegen König Henry II. im Jahr 1173. Ziel ist es, durch eine kriminologische Spurensuche in zeitgenössischen Quellen festzustellen, ob Eleonore eine aktive Drahtzieherin war oder lediglich Opfer einseitiger, politisch motivierter Geschichtsschreibung wurde.
- Analyse der Rolle Eleonores von Aquitanien im Kontext der Rebellion von 1173
- Kritische Quellenarbeit mit Chroniken und Briefen des 12. und 13. Jahrhunderts
- Untersuchung der Machtverhältnisse und Heiratspläne im Angevinischen Reich
- Hinterfragung von Motiven und Abhängigkeiten der zeitgenössischen Chronisten
Auszug aus dem Buch
3.1 William of Newburgh: The History of English Affairs. Book II. Chapter Twenty-Senven.
[1] In the year 1173 after the Virgin bore her Child, the twentieth year of king Henry II’s reign, after the king had returned from Ireland to England and a little later had crossed from England to Normandy, there occurred a detestable and unseemly breach between his son Henry III and himself. As was mentioned earlier, two years before he had him solemnly consecrated king. Now that the son had grown up and become a young man, he wished to possess with the oat of allegiance and the title the reality of that oath and title, and at least to share the kingship with his father; for, as certain persons whispered in his ear, he should by rights be sole ruler on the grounds that when he was crowned, his father’s kingship had come to an end. He was especially angry that the outlays which had to be expended by himself as king were too skimpily bestowed on him by his father. So he seethed and growled against his father, and secretly took refuge with his father-in-law the king of France, intending to cause his fathers annoyance.
[2] He was quite cordially received by Louis, not so much because he was his son-in-law as because he had defected from his father, and he bowed to Louis’ advice in all matters. So he was fired and incited against his father most poisonous words of encouragement from the French, and was not deterred by the example of the most wicked Absalom from transgressing nature’s law. When his father heard of his son’s defection and discovered where he had take refuge, he sent distinguished men to the king of France with words of peace, demanding back his son by his right as father, and promising that he would speedily put in train on Louis’ advice whatever change seemed necessary with regard to his son.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Intention und Fragestellungen: Die Einleitung definiert das Ziel der Arbeit, anhand wissenschaftlicher Quellen eine objektivere Sicht auf die Rolle Eleonores bei der Rebellion ihrer Söhne zu gewinnen.
2 Historischer Hintergrund und Ereignisse (1169-1173): Dieses Kapitel beleuchtet die politischen Spannungen im Angevinischen Reich, die Heiratspläne Henrys II. und die zunehmende Entfremdung zwischen dem König und seiner Familie.
3 Die Quellen: Aussagen über Eleonore und andere wichtige beteiligte Akteure: Hier werden ausgewählte zeitgenössische Quellen, insbesondere Berichte von William von Newburgh, Ralph de Diceto und ein Brief von Peter Blois, im Hinblick auf Eleonores mögliche Mitschuld untersucht.
4 Zusammenfassung und Fazit: Das Fazit stellt fest, dass stichhaltige Beweise für eine Führungsrolle Eleonores fehlen und sie möglicherweise als Sündenbock für die dynastischen Konflikte instrumentalisiert wurde.
Schlüsselwörter
Eleonore von Aquitanien, Henry II., Rebellion 1173, Angevinisches Reich, Mittelalterliche Geschichte, Quellenanalyse, Henry der Jüngere, Richard Löwenherz, Ludwig VII., Peter Blois, William von Newburgh, Chroniken, Machtpolitik, Geschichtsschreibung, Sündenbock.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Rolle der Königin Eleonore von Aquitanien bei der Rebellion ihrer Söhne gegen ihren Ehemann, König Henry II. von England, im Jahr 1173.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Zentrum stehen die Machtkämpfe im Angevinischen Reich, die dynastischen Ambitionen der Söhne Henrys II. sowie die Frage, wie zeitgenössische Quellen Eleonores Verhalten bewerteten und interpretierten.
Was ist die primäre Forschungsfrage des Autors?
Die Arbeit untersucht, ob es historische Beweise für eine aktive Beteiligung oder gar eine Führungsrolle Eleonores bei dem Komplott ihrer Söhne gibt, oder ob ihr schlechter Ruf auf einseitiger Geschichtsschreibung beruht.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Autorin nutzt eine kriminologische Spurensuche, bei der zentrale Chroniken und Briefe aus dem 12. und 13. Jahrhundert auf ihre Intention, Abhängigkeiten der Autoren und ihren Wahrheitsgehalt hin analysiert werden.
Was wird im Hauptteil der Untersuchung behandelt?
Der Hauptteil analysiert spezifische Quellenausschnitte, darunter Texte von William von Newburgh, Ralph de Diceto und Peter Blois, und hinterfragt dabei die Glaubwürdigkeit und Motivation der jeweiligen Verfasser.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit am besten?
Die zentralen Schlagworte sind Eleonore von Aquitanien, Rebellion 1173, Henry II., Quellenkritik, Angevinisches Reich, Machtpolitik und dynastischer Konflikt.
Warum spielt der Brief von Peter Blois eine besondere Rolle?
Peter Blois schreibt als einziger, der in dieser Krisenzeit als „Augenzeuge“ gilt, einen direkten Brief an Eleonore, in dem er ihr die Hauptschuld an der Rebellion unterstellt, was ihn zu einer zentralen Quelle für das Bild des „Sündenbocks“ macht.
Wie lautet die abschließende Schlussfolgerung der Autorin?
Die Autorin schließt, dass es keinen stichhaltigen Beweis für Eleonores Drahtzieher-Rolle gibt; sie wurde wahrscheinlich von der zeitgenössischen Geschichtsschreibung als Sündenbock benutzt, während andere Akteure wie Ludwig VII. straffrei ausgingen.
- Quote paper
- Angela Lorenz-Ridderbecks (Author), 2011, Eleonore von Aquitanien und ihre Beteiligung an der Rebellion ihrer Söhne gegen Henry II anhand von Quellen, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/202260