Im Mittelalter vollzieht sich innerhalb der Kreuzigungsdarstellungen ein Aufbrechen der ikonographischen Schemata. Verschiedenen Einflüsse und Auswirkungen dieser Veränderungen sollen in dieser Arbeit, anhand einiger ausgewählter Werke, chronologisch knapp dargestellt werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung
2. 1450: Die Meister von St. Leonard – Kreuzigung
3. 1505: Lukas Cranach der Ältere – Kreuzigung (München)
4. 1509 – 1516: Albrecht Altdorfer, Sebastiansaltar
5. 1510: Kopie nach Grünewald - Magdalenenklage
6. 1951: Salvador Dalí – Christus des heiligen Johannes
7. Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Arbeit untersucht das chronologische Aufbrechen starrer ikonographischer Schemata in der künstlerischen Darstellung der Kreuzigung, von mittelalterlichen Werken bis hin zur Moderne, um die sich wandelnde Bedeutungsperspektive und emotionale Inszenierung des Themas aufzuzeigen.
- Historische Entwicklung der Kreuzigungsdarstellung vom Mittelalter bis zum 20. Jahrhundert.
- Analyse der Bedeutungsperspektive und räumlichen Komposition in ausgewählten Gemälden.
- Einfluss von Passionsspielen auf die bildliche Gestaltung und Bühnenhaftigkeit.
- Kontrastierung von traditioneller Darstellung (Schmerz und Hässlichkeit) und modernen, transzendenten Ansätzen.
- Die Rolle der digitalen Revolution für die zukünftige künstlerische Interpretation des Leidens Christi.
Auszug aus dem Buch
1951: Salvador Dalí – Christus des heiligen Johannes
Dalí hebt im 20. Jahrhundert mehrere bedeutende Kreuzigungsschemata auf: So schwebt sein Kreuz nicht nur, es sind auch keinerlei Blut, Nägel oder Schmerzen zu sehen. Dali folgt damit einem Traum, den er hatte, nachdem er die Skizzen einer Kreuzigungsszene vom heiligen Johannes vom Kreuze gesehen hatte. Dalí war überzeugt, dass Johannes diese Skizze in einer Art Ekstase gezeichnet haben muss. Er hatte daraufhin einen Traum, in dem ihm der Entwurf zu dieser Kreuzigungsdarstellung erschien. Später habe er Stimmen gehört, die ihm sagten, er solle endlich seinem Traum folgen und das Gesehene malen, was er dann auch tat.
Bedeutenden Einfluss übte dabei die Kreuzigungsszene des Isenheimer Altars von Matthias Grünewald auf ihn aus. Dalí empörte sich darüber, dass Grünewald versuche, starke Emotionen durch Hässlichkeit und Schmerz hervorzurufen. Er hingegen wollte starke Emotionen durch positive Eigenschaften erzeugen. Dalí wollte die schönste und freudigste Christusfigur schaffen, die jemals gemalt wurde. Um die Figur möglichst ästhetisch auszuarbeiten, hat Dalí Skizzen von einem Hollywood Stuntman angefertigt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung: Diese Einleitung skizziert das Vorhaben, die ikonographischen Veränderungen bei Kreuzigungsdarstellungen anhand ausgewählter Werke chronologisch nachzuzeichnen.
2. 1450: Die Meister von St. Leonard – Kreuzigung: Das Kapitel erläutert die klassische Bedeutungsperspektive und die flache Komposition, bei der Heilige gegenüber anderen Figuren räumlich und größenmäßig bevorzugt werden.
3. 1505: Lukas Cranach der Ältere – Kreuzigung (München): Hier wird das Aufbrechen der Frontalität und die Fokussierung auf die Compassio, das Mitleid der Betrachter, durch neue Blickwinkel analysiert.
4. 1509 – 1516: Albrecht Altdorfer, Sebastiansaltar: Dieser Abschnitt beschreibt die Integration zeitgenössischer Elemente und die bühnenhafte Inszenierung, die von Passionsspielen inspiriert wirkt.
5. 1510: Kopie nach Grünewald - Magdalenenklage: Es wird die radikale Abwendung Christi vom Betrachter thematisiert, die das Leid primär durch die Mimik der Nebenfiguren transportiert.
6. 1951: Salvador Dalí – Christus des heiligen Johannes: Das Kapitel untersucht die moderne, transzendente Darstellung Dalís, die bewusst auf Schmerzsymbole verzichtet und Ästhetik in den Vordergrund stellt.
7. Fazit: Das Fazit stellt fest, dass die Entwicklung der Kreuzigungsdarstellung offen ist und in einer digital geprägten Zukunft durch neue Medien fortgesetzt werden wird.
Schlüsselwörter
Kreuzigungsdarstellung, Ikonographie, Bedeutungsperspektive, Kunstgeschichte, Mittelalter, Donauschule, Matthias Grünewald, Lukas Cranach, Albrecht Altdorfer, Salvador Dalí, Passionsspiele, Christus, Compassio, Bildkomposition, digitale Revolution.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert, wie sich die künstlerische Darstellung der Kreuzigung Christi von einer starren, schematischen Form im Mittelalter hin zu freien, modernen Interpretationen gewandelt hat.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zentrale Themen sind die visuelle Entwicklung der Bedeutungsperspektive, die Veränderung des Betrachterfokus sowie die Beeinflussung der Malerei durch zeitgenössische kulturelle Phänomene wie Passionsspiele.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, anhand chronologisch gewählter Beispiele aufzuzeigen, wie Künstler ikonographische Schemata aufbrechen, um das Leiden Christi oder dessen Erhabenheit neu zu interpretieren.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Autorin verwendet eine kunsthistorische Analyse, bei der ausgewählte Werke chronologisch nach ihren stilistischen und inhaltlichen Neuerungen hin untersucht und miteinander verglichen werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil widmet sich der detaillierten Betrachtung spezifischer Gemälde, angefangen bei den Meistern von St. Leonard über Altdorfer und Grünewald bis hin zu Salvador Dalí.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich am besten mit Begriffen wie Ikonographie, Kreuzigungsdarstellung, Bedeutungsperspektive und dem Wandel der künstlerischen Bildsprache charakterisieren.
Warum spielt die Bedeutungsperspektive in den frühen Werken eine so große Rolle?
Im Mittelalter diente die Bedeutungsperspektive dazu, die soziale und spirituelle Hierarchie innerhalb des Bildes darzustellen; wichtige Personen wurden größer dargestellt als weniger bedeutende.
Was unterscheidet Dalís Darstellung der Kreuzigung von traditionellen Ansätzen?
Im Gegensatz zu traditionellen Darstellungen, die oft Schmerz und Hässlichkeit betonen, schafft Dalí eine ästhetisch idealisierte, transzendente Figur ohne sichtbare Verletzungen, die durch positive Emotionen wirken soll.
- Quote paper
- Johanna Labo (Author), 2012, Aufbrechen ikonographischer Schemata in Kreuzigungsdarstellungen, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/201728