Richard Strauss und Max Reger waren Zeitgenossen. Sie lebten und wirkten in einer Epoche, die von Neuerungen in der Liedkomposition bestimmt war. Sie waren beide Neuerer und doch mit der Tradition vergangener Komponisten verwurzelt. Durch diese Bindung wagten nicht sie den Sprung zur Atonalität, besonders aber Reger bereitete ihn vor. In ihrem Liedschaffen haben sich beide Komponisten auch Texten zeitgenössischer Dichter zugewandt. Einer davon war der Jugendstil-Dichter Felix Dahn. Aus seinem Zyklus Schlichte Weisen haben sie das Gedicht Du meines Herzens Krönelein vertont. In dem Lied lassen sich Unterschiede und Gemeinsamkeiten der beiden Komponisten demonstrieren.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Das Kunstlied und seine Bedeutung im 19. Jahrhundert
Der Begriff Kunstlied
Die Entwicklung des Kunstliedes von Schubert bis Reger
Vergleich des Kunstliedes „Du meines Herzens Krönelein“ in den Vertonungen von Richard Strauss und Max Reger
Das Gedicht von Felix Dahn
Die Vertonung von Richard Strauss
Die Vertonung von Max Reger
Zusammenfassender Vergleich
Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die kompositorischen Ansätze von Richard Strauss und Max Reger anhand ihrer jeweiligen Vertonung des Gedichts „Du meines Herzens Krönelein“ von Felix Dahn. Ziel ist es, Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Liedgestaltung der beiden Zeitgenossen aufzuzeigen und ihre musikhistorische Bedeutung im Übergang vom 19. zum 20. Jahrhundert einzuordnen.
- Entwicklung und Bedeutung des Kunstliedes im 19. Jahrhundert
- Analyse der Lyrik von Felix Dahn
- Vergleichende musikalische Werkanalyse von Strauss und Reger
- Harmonische und strukturelle Gegenüberstellung der Kompositionen
- Historische Einordnung der Komponisten als Neuerer und Traditionsbewusste
Auszug aus dem Buch
Die Vertonung von Richard Strauss
Richard Strauss hat das Gedicht vertont und 1889/1890 herausgebracht. Beim ersten Hören wirkt Strauss´ Lied sehr unschuldig und ruhig, da es kaum reibende Klänge gibt und sich die Melodie im steten Fluss der ruhigen Sechzehntelbegleitung befindet. Das Klavier formt und stützt die Harmonie ohne sich dabei über die Stimme zu erheben. Im ganzen Lied bleibt die Stimmung erhalten.
Die Gestaltung verleitet durch Intervalle, Pausen und weiche Vorhalte zur Theatralik (s. T. 15/16). Das deutet darauf hin, dass Strauss in seinen Liedern auf seine Opern hingearbeitet hat. Auch die Melodie ist deklamierend wie ein Rezitativ, was durch die sinngemäße Wahl der Silbenverteilung und Pausen unterstützt wird.
Strauss hat sein Lied in Ges-Dur komponiert und verwendet einen Zweivierteltakt. In Takt 22 rückt er zu D-Dur und kehrt in Takt 25 wieder zur Originaltonika zurück. Damit hebt er die Worte „wert an allen Orten“ hervor. Am Schluss des Stückes wechselt Strauss in einen Dreivierteltakt. Das gesamte Stück umfasst einen Umfang von Des´ bis Ges´´. Der höchste Ton erklingt, wenn es um die Geliebte geht. Sie wird durch die Melodie erhöht (Takt2-4). Jeder Vers wird mit einem absteigenden Ges-Dur-Dreiklang eingeleitet. Zentrale Worte werden jeweils durch Melismen besonders hervorgehoben („holde“; „Herzens“; „Augenkunst“). Die Verzierungen verleihen dem Stück Kantabilität und Leichtigkeit. Der tiefste Ton des Stückes taucht in Takt 25 auf, in dem das lyrische Ich von der Rose im Wald spricht und verleiht ihr einen geheimnisvollen Ausdruck. Strauss arbeitet überwiegend mit Dur-Akkorden, darum fällt Takt 9-12 besonders heraus, wo ausschließlich sanfte Moll-Akkorde erklingen.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Vorstellung der Komponisten Richard Strauss und Max Reger als Zeitgenossen und deren Bedeutung für das Kunstlied im Übergang zur Moderne.
Das Kunstlied und seine Bedeutung im 19. Jahrhundert: Erläuterung des Begriffs Kunstlied und Darstellung der stilistischen Entwicklung von Franz Schubert bis zu den Werken von Reger.
Vergleich des Kunstliedes „Du meines Herzens Krönelein“ in den Vertonungen von Richard Strauss und Max Reger: Detaillierte Analyse der Gedichtvorlage und Gegenüberstellung der kompositorischen Umsetzungen durch Strauss und Reger hinsichtlich Harmonie, Melodik und Klavierbegleitung.
Schlussbetrachtung: Synthese der Ergebnisse, die Strauss als Fortführer der Tradition und Reger als Wegbereiter neuer harmonischer Perspektiven charakterisiert.
Schlüsselwörter
Kunstlied, Richard Strauss, Max Reger, Felix Dahn, Schlichte Weisen, Liedanalyse, Harmonik, Musikgeschichte, 19. Jahrhundert, Lyrik, Komposition, Klavierbegleitung, Deklamation, Romantik, Musikästhetik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die unterschiedlichen Vertonungsstile von Richard Strauss und Max Reger anhand eines spezifischen Gedichts von Felix Dahn.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Themenfelder umfassen die Geschichte des Kunstliedes, die Textdeklamation in der Musik sowie die harmonische Analyse von Kompositionen am Ende des 19. Jahrhunderts.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist die Demonstration von Gemeinsamkeiten und Unterschieden zwischen Strauss und Reger in der Gestaltung eines identischen poetischen Textes.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine vergleichende Werkanalyse angewandt, die musikalische Parameter wie Takt, Harmonik und melodische Führung gegenüberstellt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Analyse der Vertonung von Felix Dahns „Du meines Herzens Krönelein“ durch beide Komponisten sowie einem zusammenfassenden Vergleich.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Kunstlied, Harmonik, Strauss, Reger und Musikgeschichte charakterisiert.
Worin unterscheidet sich die Klavierbegleitung bei Strauss und Reger?
Während Strauss eine eher stützende und fließende Klavierbegleitung bevorzugt, ist Regers Begleitung akkordisch komplexer, polyphoner und rhythmisch eigenständiger.
Wie bewertet die Arbeit die Rolle von Max Reger?
Reger wird als Komponist des Übergangs und Umbruchs verstanden, der sich von traditionellen Vorstellungen distanzierte und den Weg zur Moderne ebnete.
Warum wählten beide Komponisten das Gedicht von Felix Dahn?
Das Gedicht stammt aus dem Zyklus „Schlichte Weisen“, welcher bei beiden Komponisten das Interesse an einer musikalischen Umsetzung des Textes weckte.
Inwieweit lässt sich ein Plagiatsvorwurf entkräften?
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass trotz inhaltlicher Übereinstimmungen die kompositorischen Mittel und Ansätze derart divergent sind, dass eine eigenständige künstlerische Leistung beider vorliegt.
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- Anonym (Author), 2012, Vergleich des Kunstliedes "Du meines Herzens Krönelein" in der Vertonung von Richard Strauss und Max Reger, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/201296