Wenn man bedenkt, dass gerade erst das neuartige Druckverfahren die rasante Verbreitung der Renaissance länderübergreifend möglich machte ist der Beitrag der deutschen Auswanderer beachtlich und vergleichbar mit dem Niederländischen Realismus Jan van Eycks der sich bis nach Italien verbreitete und dort den Idealtypus ablöste.
In meiner Arbeit über das Thema der Frühdrucker in Rom werde ich stark auf die neueren Forschungsergebnisse von Arnold Esch zurückgreifen, da dieser viele grundlegende Thesen der älteren Forschung Haeblers an Hand intensiver Quellenstudien widerlegen konnte. Das Thema ist im Allgemeinen recht gut erforscht, jedoch bereits bei der Frage nach den persönlichen Beweggründen der deutschen Drucker, die sich in Italien niederließen, stößt die Forschung an ihre Grenzen, selbst Esch muss eingestehen, dass er darüber nur Mutmaßungen anstellen kann, jedoch keinerlei Belege hat, da bisher keinerlei Quellen in Form von Briefen, Viten oder ähnlichem gefunden wurden.
Die Frage danach, ob Italien, in diesem Fall spezifisch Rom, für die Auswanderer nur als „Karrieresprungbrett“ dienen sollte, lässt sich ebenso schwer eindeutig klären, da sich nicht eindeutig nachweisen lässt, ob die Anwärterschaft auf Pfründen tatsächlich ihr oberstes Ziel darstellte. Letztlich ließe sich wohl nur ein gewisser Trend durch den Vergleich aller in Rom ansässigen Drucker mit den Päpstlichen Registen der Zeit herausarbeiten, wie es Esch bereits in Einzelfällen bei Ulrich Han (Ulricus Han)oder Konrad Sweynheym(Conradus Sweinheym)belegte.
Mein Hauptaugenmerk werde ich daher darauf richten, was Italien, und im speziellen Rom, aus berufstechnischer Sicht in dieser Zeit attraktiv machte, wo aber auch die möglichen Nachteile eines Berufsstarts liegen konnten. Hierzu werde ich neben den Päpstlichen Registen für statistische Erhebungen den Gesamtkatalog der Wiegendrucke heranziehen. Zudem erscheint es mir fruchtbar die über die Schlüsselfigur des Kardinals Johannes Turrecremata (Torquemada) eng miteinander verwobenen Drucker Ulrich Han und Konrad Sweynheym, sowie dessen Kollegen Arnold Pannartz näher zu beleuchten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der Frühdruck in Deutschland
3. Die deutschen Prototypographen Konrad Sweynheym, Arnold Pannartz und Ulrich Han
3.1 Konrad Sweynheym und sein Partner Arnold Pannartz
3.2 Ulrich Han
4. Rom als Anziehungspunkt der deutschen Frühdrucker
5. Hohe Konkurrenz und frühe Absatzkrise – auch die Weltstadt Rom bleibt nicht verschont
6. Schlussfolgerungen
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Beweggründe und beruflichen Rahmenbedingungen deutscher Frühdrucker, die im 15. Jahrhundert nach Rom auswanderten. Dabei wird insbesondere der Einfluss politischer Instabilitäten in den deutschen Heimatstädten sowie die wirtschaftliche Attraktivität der Kuriennähe in Rom analysiert, um zu klären, ob die Migration primär der beruflichen Etablierung oder der Suche nach Pfründen diente.
- Politische Fluchtursachen deutscher Drucker aus Mainz und Wien
- Die Rolle der Kurie und kirchlicher Protektoren als Förderer der Druckkunst
- Wirtschaftliche Analyse des römischen Buchmarktes und des Exportpotenzials
- Vergleich der Druckleistungen und der Konkurrenzsituation in europäischen Städten
- Die Entstehung frühzeitiger Absatzkrisen durch Marktübersättigung
Auszug aus dem Buch
3. Die deutschen Prototypographen Konrad Sweynheym, Arnold Pannartz und Ulrich Han
Betrachtet man die fragmentarischen biographischen Belege, die man über diese Frühdrucker vorfindet, lässt sich bei allen ein direkter Bezug zu Kardinal Johannes Turrecremata finden. Bei Sweynheym und seinem Kollegen Pannartz über den Ort ihrer ersten Offizin in Subiaco, die Benediktiner-Abtei, welche Turrecremata als Kommende seit 1439 unterstand, bei Ulrich Han über die in Rom gedruckten Schriften Turrecrematas. Für Sweynheym und Pannartz lässt sich interessanter weise kein einziger Druck einer Schrift Turrecrematas, weder in Subiaco, noch später in Rom nachweisen.
Bei Konrad Sweynheym und Arnold Pannartz ist sich die Forschung heute sicher, dass diese ihr Handwerk im nahen Umkreis der von Peter (Petrus) Schöffer geleiteten Offizin Gutenbergs (seit 1455 die Offizin Fusts) in Mainz erlernt haben, vermutlich sogar als direkte Schüler. Nachdem Mainz durch die Truppen des von Papst und Kaiser favorisierten Adolf von Nassau am 28. Oktober 1462 gewaltsam eingenommen wurde, mussten die Drucker aus der Stadt fliehen, da Fust und Schöffer Günstlinge des nun abgesetzten Erzbischofs Diether von Isenburg waren und für diesen Flugschriften gedruckt hatten, waren sie in Lebensgefahr.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Verbreitung des Buchdrucks nach Gutenbergs Tod und thematisiert die Fluktuation deutscher Drucker nach Italien als Widerlegung einer einseitigen Wissensübertragung.
2. Der Frühdruck in Deutschland: Dieses Kapitel beschreibt die frühe Ausbreitung der Drucktechnik in Deutschland und hinterfragt die Gründe, weshalb Drucker bereits früh den Weg in das europäische Ausland suchten.
3. Die deutschen Prototypographen Konrad Sweynheym, Arnold Pannartz und Ulrich Han: Der Fokus liegt auf der Biografie und dem direkten Bezug zum Kardinal Turrecremata sowie den Fluchtgründen der genannten Drucker aus ihren deutschen Heimatstädten.
4. Rom als Anziehungspunkt der deutschen Frühdrucker: Das Kapitel analysiert Rom als Zentrum für Handwerker und Geistliche und untersucht die Rolle der Kurie als wirtschaftlicher Motor für die Ansiedlung deutscher Offizinen.
5. Hohe Konkurrenz und frühe Absatzkrise – auch die Weltstadt Rom bleibt nicht verschont: Hier wird der enorme Wettbewerbsdruck unter den Druckereien und der darauf folgende massive Preisverfall sowie die Überproduktion von Büchern analysiert.
6. Schlussfolgerungen: Die Arbeit fasst zusammen, dass politische Instabilitäten in der Heimat und die Anziehungskraft der Kurie die wesentlichen Motoren für die Migration der Frühdrucker nach Rom waren.
Schlüsselwörter
Frühdruck, Inkunabeln, Rom, Konrad Sweynheym, Arnold Pannartz, Ulrich Han, Buchdruck, Johannes Turrecremata, Kurie, Renaissance, Absatzkrise, Mainz, Buchgeschichte, Pfründe, Migration.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Geschichte deutscher Frühdrucker, die im 15. Jahrhundert nach Rom auswanderten und dort maßgeblich zur Etablierung des Buchdrucks beitrugen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Lebenswege der ersten Druckergeneration in Italien, die politischen Ursachen ihrer Migration aus Deutschland und die ökonomischen Bedingungen des damaligen römischen Buchmarktes.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Untersuchung zielt darauf ab, die Beweggründe für die Ansiedlung der Drucker in Rom zu klären und zu analysieren, inwiefern dies eine bewusste berufliche Entscheidung oder eine Fluchtreaktion auf politische Umbrüche war.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich primär auf die Auswertung von Quellen wie Päpstlichen Registen, Suppliken und den Gesamtkatalogen der Wiegendrucke, ergänzt durch neuere Forschungsergebnisse zur Wirtschaftsgeschichte.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Biografien von Sweynheym, Pannartz und Han, die Rolle von Protektoren wie Kardinal Turrecremata sowie die zunehmende Marktübersättigung und wirtschaftliche Krise im römischen Druckwesen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Frühdruck, Inkunabeln, Rom, Renaissance, Migration und Buchwirtschaft geprägt.
Welche Rolle spielte der Kardinal Turrecremata für die Drucker?
Er fungierte als wichtiger Protektor, der sowohl die Ansiedlung in Subiaco förderte als auch durch Aufträge in Rom eine geschäftliche Absicherung der Drucker ermöglichte.
Warum kam es in den 1470er Jahren zur Absatzkrise?
Die Krise entstand durch eine Marktübersättigung, da zu viele neue Druckereien gegründet wurden und das Angebot an Büchern die Nachfrage überstieg, was zu einem massiven Preisverfall führte.
Wurde Rom ausschließlich wegen des Druckerhandwerks gewählt?
Nein, es gab Hinweise darauf, dass neben dem Handwerk auch die Aussicht auf kirchliche Pfründen und die Sicherung durch päpstliche Protektion eine entscheidende Rolle für die Zuwanderer spielten.
- Quote paper
- Dennis Heydegger (Author), 2011, Deutsche Frühdrucker in Rom, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/200803