Eine genaue Definition des Begriffes ‚Fraud‘ gestaltet sich äußert schwierig. In
der Literatur wird vielfältig die vom IDW etablierte Definition verwendet, von
welcher hier allerdings Abstand genommen wird, da diese davon ausgeht,
„dass sich Fraud immer in der Rechnungslegung niederschlägt“. Ein simplerer
Ansatz, eine geeignete Definition zu finden, bildet die Übersetzung in die
deutsche Sprache. Aus dem Englischen übersetzt bedeutet ‚Fraud‘ ‚Betrug‘
oder ‚Täuschung‘. Dementsprechend wird der Ausdruck in der folgenden Arbeit
allgemein als jedwede bewusste, betrügerische (dolose) Handlung aufgefasst,
die einem Unternehmen vorsätzlich Schaden zufügt. Durch diese allgemeinere
Definition ergibt sich ein weites Spektrum an betrügerischen Handlungen, die
die ACFE in drei Hauptkategorien unterteilt [...].
Gerade der Bereich der Vermögensschädigung wird in dieser Arbeit eine
wesentliche Beachtung finden, da im weiteren Verlauf eine genauere Analyse
des Teilprozesses ‚Absatz‘ erfolgen wird. In diesem Bereich befinden sich
sowohl Waren und Dienstleistungen (unbar) als auch Geld (bar) im
unmittelbaren Umfeld und somit können hier fraudulente Handlungen einfacher
vollzogen werden, als in anderen Teilen des Geschäftsprozesses. Weiterhin
werden unbare Vermögensschädigungen in Diebstahl und Missbrauch
unterteilt. Gegenstand dieser Taten können neben Vorräten und sonstigen
Vermögenswerten auch Dienstleistungen sein. Auf der Seite der baren
Vermögensschädigung finden sich neben der realen Entwendung von liquiden
Mitteln auch zwei Kategorien der Manipulation. Zum einen die Fingierung von
Ausgaben und zum anderen die Abzweigung von Verkäufen (Umsätze),
Außenstände (Forderungen) und Erstattungen.[...]
Inhaltsverzeichnis
A. Einführung in die Fraud-Problematik
1. Begriffsklärung und Fraud-Tree
2. Täter, Schäden und Einflussfaktoren
B. Fraud-Gefahren im Bereich Verkauf
1. Der Prozess im Überblick
2. Fraud-Risiken und -Indikatoren
3. Fraud-Delikte und ihre Operationalisierung
3.1 Diebstahl von liquiden Mitteln
3.2 Diebstahl von Waren/ Gütern
3.3 betrügerische Auszahlungen
3.4 Abschöpfung
3.5 Korruption
C. Fazit
Zielsetzung und Themenbereiche
Die vorliegende Arbeit untersucht die Problematik wirtschaftskrimineller Handlungen (Fraud) im Bereich des Absatzes. Ziel ist es, typische Fraud-Gefahren in diesem Geschäftsbereich zu identifizieren, deren Risiken darzustellen und Möglichkeiten aufzuzeigen, wie diese durch den Einsatz spezifischer Fraud-Indikatoren operationalisiert und kontrolliert werden können.
- Theoretische Fundierung des Fraud-Begriffs und des Fraud-Trees
- Analyse von Täterprofilen und begünstigenden Einflussfaktoren
- Strukturelle Betrachtung der Subprozesse im Absatz
- Operationalisierung von Fraud-Delikten mittels Kennzahlen
- Ableitung präventiver Maßnahmen zur Fraud-Bekämpfung
Auszug aus dem Buch
A. Einführung in die Fraud-Problematik
Eine genaue Definition des Begriffes ‚Fraud‘ gestaltet sich äußert schwierig. In der Literatur wird vielfältig die vom IDW etablierte Definition verwendet, von welcher hier allerdings Abstand genommen wird, da diese davon ausgeht, „dass sich Fraud immer in der Rechnungslegung niederschlägt“. Ein simplerer Ansatz, eine geeignete Definition zu finden, bildet die Übersetzung in die deutsche Sprache. Aus dem Englischen übersetzt bedeutet ‚Fraud‘ ‚Betrug‘ oder ‚Täuschung‘. Dementsprechend wird der Ausdruck in der folgenden Arbeit allgemein als jedwede bewusste, betrügerische (dolose) Handlung aufgefasst, die einem Unternehmen vorsätzlich Schaden zufügt. Durch diese allgemeinere Definition ergibt sich ein weites Spektrum an betrügerischen Handlungen, die die ACFE in drei Hauptkategorien unterteilt (siehe Abbildung 1).
Gerade der Bereich der Vermögensschädigung wird in dieser Arbeit eine wesentliche Beachtung finden, da im weiteren Verlauf eine genauere Analyse des Teilprozesses ‚Absatz‘ erfolgen wird. In diesem Bereich befinden sich sowohl Waren und Dienstleistungen (unbar) als auch Geld (bar) im unmittelbaren Umfeld und somit können hier fraudulente Handlungen einfacher vollzogen werden, als in anderen Teilen des Geschäftsprozesses. Weiterhin werden unbare Vermögensschädigungen in Diebstahl und Missbrauch unterteilt. Gegenstand dieser Taten können neben Vorräten und sonstigen Vermögenswerten auch Dienstleistungen sein. Auf der Seite der baren Vermögensschädigung finden sich neben der realen Entwendung von liquiden Mitteln auch zwei Kategorien der Manipulation. Zum einen die Fingierung von Ausgaben und zum anderen die Abzweigung von Verkäufen (Umsätze), Außenstände (Forderungen) und Erstattungen.
Zusammenfassung der Kapitel
A. Einführung in die Fraud-Problematik: Dieses Kapitel definiert den Begriff Fraud als vorsätzliche, schädigende Handlung und führt den Fraud-Tree sowie das Fraud-Triangle als theoretische Basis ein.
B. Fraud-Gefahren im Bereich Verkauf: Hier werden die spezifischen Prozessrisiken im Vertrieb untersucht und verschiedene Deliktsformen wie Diebstahl und Korruption anhand von Indikatoren operationalisiert.
C. Fazit: Das Fazit fasst die Notwendigkeit präventiver Maßnahmen zusammen und betont, dass trotz der Schwierigkeit einer vollständigen Vermeidung, eine aktive Fraud-Awareness und gezielte Kennzahlenkontrolle essenziell sind.
Schlüsselwörter
Fraud, Wirtschaftskriminalität, Absatzprozess, Fraud-Triangle, Fraud-Tree, interne Revision, Risiko-Controlling, Fraud-Indikatoren, Vermögensschädigung, Korruption, Abschöpfung, Inventurdifferenz, Compliance, präventive Maßnahmen, dolose Handlungen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Identifikation und Bewältigung von wirtschaftskriminellen Handlungen (Fraud), die speziell im Bereich des Absatzes von Unternehmen auftreten können.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Im Zentrum stehen die Kategorisierung von Betrugsdelikten, die Analyse von Täterprofilen und die Entwicklung von Indikatoren zur Früherkennung in den Subprozessen des Verkaufs.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, Methoden aufzuzeigen, wie durch eine Operationalisierung von Fraud-Risiken – etwa über spezifische Kennzahlen – die Kontrolle im Vertrieb verbessert und das Management unterstützt werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit nutzt eine theoretische Aufarbeitung des Fraud-Modells (Fraud-Tree/Fraud-Triangle) und verbindet diese mit einer praxisorientierten Analyse betriebswirtschaftlicher Prozessrisiken und Kennzahlen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert den Absatzprozess, identifiziert spezifische Risikozonen und beschreibt konkrete Delikte wie den Diebstahl liquider Mittel, Warenverluste, betrügerische Auszahlungen sowie Korruption.
Welche Schlagworte charakterisieren diese Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Fraud-Prävention, interne Kontrollsysteme, Absatzprozess, Täterprofile und betriebswirtschaftliche Risikokennzahlen.
Warum ist das Fraud-Triangle für die Argumentation des Autors wichtig?
Das Fraud-Triangle dient als theoretisches Erklärungsmodell für die Faktoren Gelegenheit, Motivation und Rechtfertigung, die laut Autor entscheidend für das Entstehen doloser Handlungen sind.
Welche Rolle spielen Kennzahlen bei der Aufdeckung von Betrug?
Kennzahlen dienen als Frühwarnsignale, um Anomalien in betrieblichen Daten zu identifizieren, wobei der Autor stets betont, dass diese immer im Kontext und mit Vorsicht interpretiert werden müssen.
Wie bewertet der Autor die Rolle von Compliance-Programmen?
Der Autor steht der Wirkung von reinen Leitbildern bei Korruptionsprävention skeptisch gegenüber und plädiert stattdessen für eine sorgfältige Personalauswahl und eine wachsame Unternehmenskultur.
- Quote paper
- André Matthes (Author), 2011, Typische Fraud-Gefahren im Bereich "Verkauf" und ihre Operationalisierung anhand von Fraud-Indikatoren, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/200741