In dieser Ausarbeitung soll der Fähigkeitenansatz (auch Capabilities approach) entwickelt von Amartya Sen und darüber hinaus von Martha Nussbaum behandelt werden.
Amartya Sen entwickelte eine Theorie, die den Lebensstandart eines Individuums nicht über den ökonomischen Besitz erhöht, sondern durch die individuellen Fähigkeiten eines Menschen, die erkannt und gefördert werden sollen. „Nussbaum beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit der ethischen Grundlagendiskussion.“
Nach der Vorstellung von Martha Nussbaum und des Capabilities approach wird auf die Umsetzung dieser Theorie anhand des Gesundheitssystems eingegangen.
In dieser Ausarbeitung werden zwei Schwerpunkte gebildet, zum einen wird die Theorie des Capabilities approach und zum anderen soll dies an einem konkreten Beispiel übertragen werden. Das Gesundheitssystem soll unter dem Aspekt des Fähigkeitenansatzes beleuchtet werden umso auch die Pflichten des Staates aufzuzeigen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Martha Nussbaum
3. Die Entstehung des Fähigkeitenansatzes
4. Was ist soziale Gerechtigkeit?
5. Die starke vage Theorie des Guten
6. Die drei systematischen Ebenen nach Nussbaum
7. Befähigung zum guten Leben als pol. Aufgabe
8. Gesundheit als Teil eines guten Lebens
8.1 Das Recht auf Gesundheit
8.2 Systemfrage
8.3 Beteiligungsfrage
8.4 Verteilungsfrage
9. Schluss
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit befasst sich mit dem Fähigkeitenansatz (Capabilities approach) nach Amartya Sen und Martha Nussbaum. Das primäre Ziel ist es, diese Theorie als alternative Grundlage für soziale Gerechtigkeit darzustellen und ihre praktische Anwendung und Notwendigkeit anhand des deutschen Gesundheitssystems zu analysieren.
- Entwicklung und philosophische Grundlagen des Capabilities approach
- Bedeutung von Humanität und menschlichen Grundfähigkeiten
- Die Rolle des Staates bei der Gewährleistung eines menschenwürdigen Minimums
- Gesundheit als wesentlicher Bestandteil eines gelingenden Lebens
- Analyse staatlicher Verantwortung und öffentlicher Gesundheitsfürsorge
Auszug aus dem Buch
4. Was ist soziale Gerechtigkeit?
Auf die Frage nach sozialer Gerechtigkeit ist ein breites Spektrum von Antworten möglich. Deswegen wird diese Diskussion wahrscheinlich auch nie mit einem ausnahmslos befriedigenden Ergebnis enden. Dabei sollte doch einfach jeder das bekommen was ihm zusteht. Aber hier gibt es enorme Unterschiede in der herrschenden Meinung.
Jeder Mensch will gerecht behandelt werden zudem hat jedes Individuum das Bedürfnis nach einer sozialen und finanziellen Sicherheit. Demnach sollte jeder Mensch die gleichen Vorraussetzungen haben um sich diese Bedürfnisse zu erfüllen, das bedeutet, dass ethische oder soziale Herkunft keine Rolle spielen dürfen. Ein Kind aus Afrika sollte die gleichen Chancen auf Schulbildung und ähnliches haben wie ein ebenso intelligentes Kind aus Deutschland. Diese Gleichberechtigung wird in Deutschland über das Grundgesetz eingehalten (vgl. hierzu: Grundgesetz §3: „(3) Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.“6).
Bedauerlicherweise wird das Grundgesetz selbst in Deutschland nicht immer eingehalten. Vergleicht man zum Beispiel die Abiturienten eines Jahrgangs hinsichtlich des Bildungsstandards sowie der finanziellen Mittel ihrer Eltern fällt auf, dass die Mehrheit aus finanziell abgesichertem und gebildetem Elternhaus kommen. Allerdings wäre ein Vergleich zu den Afrikanischen Abiturienten noch verheerender. Jedoch sind die Standards, die ein gutes und befriedigendes Leben ausmachen national unterschiedlich. Manchen Europäern ist es unvorstellbar wie ein Asiat aus der gleichen Lebensschicht zu leben obwohl dieser sein Leben als glücklich und vollkommen bezeichnen würde. Selbst innerhalb einer Nation ist die Vorstellung von einem perfekten Leben unterschiedlich. Allein innerhalb eines Lebens ändern sich die Prämissen an das perfekte Leben (von der endlosen Party zur sesshaften Familie).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in den Fähigkeitenansatz von Sen und Nussbaum sowie die Zielsetzung der Untersuchung im Kontext des Gesundheitssystems.
2. Martha Nussbaum: Biografische Eckdaten und die Entwicklung ihrer Konzeption des Guten als Gegenentwurf zu rein ökonomischen Bewertungsmaßstäben.
3. Die Entstehung des Fähigkeitenansatzes: Historische Einordnung der Theorie im Kontext entwicklungspolitischer Studien für die UNO.
4. Was ist soziale Gerechtigkeit?: Erörterung der Schwierigkeit einer normativen Definition von Gerechtigkeit bei gleichzeitig notwendiger Individualität.
5. Die starke vage Theorie des Guten: Darstellung der Theorie Nussbaums, die universelle menschliche Grundfähigkeiten als Kriterien sozialer Gerechtigkeit definiert.
6. Die drei systematischen Ebenen nach Nussbaum: Erläuterung des Aufbaus aus anthropologischen Annahmen, Grundfähigkeiten und politischen Aufgaben.
7. Befähigung zum guten Leben als pol. Aufgabe: Analyse der staatlichen Verantwortung, Rahmenbedingungen für ein glückliches Leben zu schaffen, ohne die Bürger zu bevormunden.
8. Gesundheit als Teil eines guten Lebens: Untersuchung des Rechts auf Gesundheit und der Bedeutung staatlicher Gesundheitsversorgung innerhalb des Capabilities approach.
9. Schluss: Zusammenfassende Bewertung der Theorien als humane Alternative zu traditionellen Konzepten und Betonung der staatlichen Rolle bei der Existenzsicherung.
Schlüsselwörter
Capabilities approach, Martha Nussbaum, Amartya Sen, Soziale Gerechtigkeit, Fähigkeitenansatz, Grundfähigkeiten, Gesundheitssystem, Ethik, Menschenrechte, Staatliche Pflichten, Humanität, Lebensstandard, Sozialstaat, Lebensentwurf, Gerechtigkeitstheorie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt den sogenannten Fähigkeitenansatz (Capabilities approach) und dessen theoretische Fundierung durch Martha Nussbaum sowie die praktische Anwendung dieser Philosophie auf das Gesundheitssystem.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die Schwerpunkte liegen auf der Definition sozialer Gerechtigkeit, der Bestimmung universeller menschlicher Grundfähigkeiten und der daraus abgeleiteten staatlichen Verpflichtung zur Daseinsvorsorge.
Welches primäre Ziel verfolgt die Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie die Theorie des Capabilities approach genutzt werden kann, um staatliche Gesundheitsleistungen zu begründen und soziale Gerechtigkeit über den reinen ökonomischen Besitz hinaus zu definieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine theoretisch-analytische Methode, indem sie philosophische Konzepte (Nussbaum, Sen, Rawls) auf konkrete institutionelle Rahmenbedingungen (das deutsche Gesundheitssystem) überträgt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit detailliert behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Systematik des Fähigkeitenansatzes, definiert menschliche Grundfähigkeiten in einer tabellarischen Übersicht und diskutiert Fragen der Systemorganisation, Patientenrechte sowie der Verteilung von Gesundheitsressourcen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Capabilities approach, soziale Gerechtigkeit, Grundfähigkeiten, staatliche Gesundheitsversorgung und Humanität charakterisiert.
Warum ist das Grundgesetz für die Argumentation wichtig?
Es dient als praktisches Beispiel dafür, wie Gleichberechtigung und der Schutz der Würde in einem modernen Staat rechtlich verankert sind, was die theoretischen Ausführungen Nussbaums in einen realpolitischen Kontext setzt.
Wie unterscheidet sich der Ansatz von rein marktwirtschaftlichen Modellen?
Während marktwirtschaftliche Modelle primär auf Einkommen oder ökonomischen Besitz fokussieren, stellt der Fähigkeitenansatz die tatsächliche Befähigung des Individuums zu einem gelingenden Leben in den Mittelpunkt.
Welche Bedeutung kommt der "starken vagen Theorie des Guten" zu?
Sie ermöglicht einen inhaltlich konkreten Entwurf für ein gelingendes Leben ("stark"), lässt aber gleichzeitig Raum für individuelle Freiheit und kulturelle Unterschiede ("vage"), um Bevormundung zu vermeiden.
- Quote paper
- Kristina Lüffe (Author), 2009, Capabilities approach - Ein menschenwürdiges Minimum für alle, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/200730