Gerechtigkeit und freie Entfaltung sind Schlüsselbegriffe im demokratischen Werteverständnis. Jeder Bürger fordert Gerechtigkeit an sich selbst ein und alle Menschen begehren nach freier Entfaltung. Um den Einzelnen in der menschlichen Gemeinschaft vor Missbrauch und Unterdrückung zu schützen wird im deutschen Grundgesetz klar dargestellt, dass die Gleichberechtigung zu den unveräußerlichen Menschenrechten in der Welt zählt und sich jeder Mensch frei entfalten darf. Untermauert werden diese Gedanken dadurch, dass die Freiheit als unantastbar gilt und nur aufgrund von Gesetzen eingeschränkt werden darf gemäß Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland Art. 1 Abs. 2 und Art. 2 Abs. 1. Die deutsche Verfassung basiert bereits teilweise in ihrem Grundkonzept auf dem klassisch-antiken römischen Recht, jedoch Philosophen wie René Descartes, Thomas Hobbes, John Locke und Jean-Jacques Rousseau sind als Ideenväter und Vordenker des heutigen Demokratieverständnisses und dem Regelwerk des gemeinschaftlichen, gesetzlich überwachten Staatsapparats zu betrachten. Aus ihren Überlegungen heraus prägt sich unser Wertesystem und ihre Thesen prägen auch die Praxis bei der Urteilsfindung in der sozialen Arbeit. Diese Arbeit soll unter Einbringung der philosophischen Denkansätze der Aufklärungszeit darstellen, wie frei der Einzelne in der Neuzeit sein kann. Des Weiteren soll untersucht werden, wie Gerechtigkeit im sozialen Kontext gesellschaftlich umgesetzt werden kann. Dazu wird im ersten Teil Descartes‘ Idee von freiem Denken dargelegt. Anschließend wird im zweiten Abschnitt dieser Arbeit Hobbes‘ Ansatz der Volksvereinigung per Vertrag betrachtet. Das dritte Kapitel dieser Arbeit stellt Lockes Gewaltenteilungsmodell vor, gefolgt von Rousseaus Thesen zur Abschaffung der Herrschaft von Menschen über Menschen im vierten Abschnitt. Die Arbeit ist analytisch aufgebaut unter Einbeziehung von Primär- und Sekundärliteratur zur Herleitung der Theorien und hinführend zur Kernfrage: Wie gerecht ist man in der Praxis der sozialen Arbeit und geht soziale Arbeit ohne Beschneidung der freien Handlungsräume und Entmündigung der betreuten Person einher.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Descartes: Ein Wissenschaftler ruft zum Zweifeln auf
2. Hobbes: Pakt der Wölfe
3. Locke: Ein Volk erlangt mehr Macht
4. Rousseau: Die Befreiung des angeketteten Menschen
5. Umsetzung der philosophischen Denkansätze in der Praxis der sozialen Arbeit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Diese Arbeit untersucht die philosophischen Grundlagen von Gerechtigkeit und Freiheit, um deren Bedeutung für die praktische Urteilsfindung und das Handeln in der Sozialen Arbeit kritisch zu hinterfragen und die Gefahr einer Entmündigung durch institutionelle Prozesse aufzuzeigen.
- Philosophische Entwicklung der Begriffe Freiheit und Gerechtigkeit von der Aufklärung bis heute.
- Analyse der Staatstheorien von Descartes, Hobbes, Locke und Rousseau im Kontext der modernen Demokratie.
- Transfer der theoretischen Konzepte auf die Soziale Arbeit als Vollzugsorgan der Sozialstaatlichkeit.
- Kritische Reflexion soziologischer Aspekte wie Subjektivität und Etikettierung in der Hilfeplanung.
- Identifikation der Rolle von Sozialarbeitenden zwischen Hilfeleistung und potenzieller Ausübung von Macht.
Auszug aus dem Buch
1. Descartes: Ein Wissenschaftler ruft zum Zweifeln auf
Der Anspruch sich frei entwickeln zu können beinhaltet gleichsam den Anspruch den Geist frei entfalten zu dürfen und Dinge zu hinterfragen bzw. Sachverhalte in Frage zu stellen. René Descartes (1596-1650) ist einer der bedeutendsten Vertreter der Renaissance und ist einzuordnen in die Riege der Rationalisten, welche den Gedanken des Seins und die Deutung der Dinge bzw. Welt nach Platons Grundidee vornehmen. Descartes‘ Grundgedanke ist die moderne Wissenschaft. Er sagt, die Vernunft sei die einzig sichere Quelle der Erkenntnis, weil Sinne den Menschen täuschen können. Die Grundlage der Erkenntnistheorie sind nicht die Sinne, die zu neuen Denken führen, allerdings das Denken über die Sinne führt zur Erkenntnis.
Descartes sucht den Ausgangspunkt des Denkens und greift zurück auf die Idee von Gott als „Beweger“. Er geht davon aus, dass es etwas oder jemanden gibt, der oder das das Denken bewogen hat und baut somit eine Parallele zu Thomas von Aquins Theorie vom „ersten Beweger“, welcher bereits meinte, dass es jemanden geben muss, der die Welt bewegt, da sich die Welt verändert. Somit ist René Descartes einzuordnen als Vorreiter für das heutige Denken vom Prinzip der Kausalität und Ideengeber des axiomatisch, deduktiven Denkens.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Es wird die Bedeutung von Gerechtigkeit und Freiheit im demokratischen Werteverständnis erörtert und die Zielsetzung dargelegt, diese philosophischen Ansätze für die Praxis der Sozialen Arbeit zu analysieren.
1. Descartes: Ein Wissenschaftler ruft zum Zweifeln auf: Das Kapitel erläutert Descartes‘ rationalistisches Denken und seinen methodischen Zweifel als Grundlage für das Hinterfragen von Sachverhalten und wissenschaftliche Erkenntnis.
2. Hobbes: Pakt der Wölfe: Hier wird Hobbes‘ Theorie des Leviathans besprochen, in der Menschen ihre Freiheit zugunsten einer zentralen staatlichen Macht zur Sicherung des Überlebens aufgeben.
3. Locke: Ein Volk erlangt mehr Macht: Dieses Kapitel stellt Lockes Naturrechtslehre vor, die den Fokus auf unveräußerliche Rechte und die Begrenzung staatlicher Macht durch Gewaltenteilung legt.
4. Rousseau: Die Befreiung des angeketteten Menschen: Es werden Rousseaus Thesen zum Gesellschaftsvertrag und zur Volkssouveränität diskutiert, die darauf abzielen, die Herrschaft von Menschen über Menschen zu beenden.
5. Umsetzung der philosophischen Denkansätze in der Praxis der sozialen Arbeit: Das Kapitel verknüpft die theoretischen Grundlagen mit soziologischen Ansätzen, um die Gefahren von Subjektivität und Labeling in der professionellen Hilfeplanung kritisch zu beleuchten.
Schlüsselwörter
Gerechtigkeit, Freiheit, Soziale Arbeit, Aufklärung, Descartes, Hobbes, Locke, Rousseau, Demokratie, Staatstheorie, Subjektivität, Labeling approach, Sozialstaatlichkeit, Menschenrechte, Philosophie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit untersucht das Verhältnis von rechtsstaatlichen Prinzipien der Gerechtigkeit und Freiheit sowie deren philosophische Fundierung im Hinblick auf die Anwendung in der Sozialen Arbeit.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Staatstheorien der Aufklärung, die Rolle des Individuums gegenüber der Staatsgewalt und die ethischen Herausforderungen bei der professionellen Interaktion zwischen Sozialarbeitenden und Klienten.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die Beantwortung der Frage, wie gerecht die Praxis der Sozialen Arbeit agieren kann, ohne die freien Handlungsräume der betreuten Personen durch Entmündigung einzuschränken.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer analytischen Aufarbeitung primär- und sekundärphilosophischer Literatur sowie der Einbeziehung soziologischer Erkenntnisse zur Reflexion professionellen Handelns.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Denkanstösse von Descartes, Hobbes, Locke und Rousseau und transferiert diese auf die heutige Praxis der Sozialen Arbeit und deren institutionelle Strukturen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Gerechtigkeit, Freiheit, Sozialstaatlichkeit, Labeling, Staatstheorie und philosophische Anthropologie.
Wie bewertet der Autor die Rolle der Sozialarbeitenden?
Der Autor warnt davor, dass Sozialarbeitende durch subjektive Deutungen und einseitige Fallbeschreibungen in eine machtvolle Position geraten können, in der sie ungewollt zur Einschränkung der Freiheit ihrer Klienten beitragen.
Welche Rolle spielt der Begriff des „Labelings“ in der Schlussbetrachtung?
Der „labeling approach“ wird verwendet, um die Gefahr der Stigmatisierung durch professionelle Dokumentation zu verdeutlichen, da Akten oft subjektive Interpretationen statt objektiver Fakten darstellen.
- Quote paper
- B.A. Marek Peters (Author), 2009, Rechtsstaatliche Prinzipien der Gerechtigkeit und Freiheit unter dem Aspekt der philosophischen Anthropologie und der Sozialen Arbeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/200130