Der Pensionsantritt bringt viele Veränderungen mit sich. Auf der einen Seite verändert sich die finanzielle Situation der betroffenen Personen, andererseits ändert sich ihr Zeitmanagement und der Freundes- und Bekanntenkreis. Die meisten Veränderungen werden positiv empfunden. Mehr Zeit für Freundinnen und Freunde oder die Familie zu haben oder häufiger zu verreisen sind Vorteile, die die Pensionierung mit sich bringen kann. Auf manche Personen wirkt sich die neue finanzielle Situation allerdings negativ aus, da sie nun weniger Geld zu Verfügung haben. Oder sie haben nun so viel Zeit, dass sie gar nicht wissen was sie tun sollen, da sie nicht ausreichend sinnstiftende Freizeitaktivitäten haben.
Der Pensionsantritt kann also in eine Krise führen. Um dies zu vermeiden sollten sich die betroffenen Personen auf die Pensionierung vorbereiten. Befinden sich die Personen allerdings schon in einer Krise so ist die klinische Soziale Arbeit gefragt um hier entgegen zu steuern und die Betroffenen aus der Krise wieder herauszuholen.
In dieser Arbeit wird die Frage behandelt, ob und unter welchen Umständen die Pensionierung in eine Krise führt und wie sich die psychosoziale Versorgung für kürzlich pensionierte Menschen in Wien darstellt.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Problemstellung
3 Das Alter
3.1 Ganzheitlicher Ansatz – Das Bio-Psycho-Soziale Modell
3.2 Sozialisation im Lebenslauf
3.3 Das biologische Alter
3.4 Das psychologische Alter
3.4.1 Kognitive Entwicklung im Erwachsenenalter
3.4.2 Phasen der psychosozialen Entwicklung nach Erikson
3.5 Das soziale Alter
3.6 Lebenserwartung
4 Alterstheorien
4.1 Alterstheorien und –modelle
4.2 Defizitmodell
4.3 Aktivitätstheorie
4.4 Disengagementtheorie
4.5 Etikettierungsansatz
4.6 Kontinuitätstheorie
4.7 Kompetenzmodell
4.8 SOK-Modell
5 Übergang in die Pension
5.1 Phasenmodell nach Atchley
5.1.1 Entfernte Phase
5.1.2 Nähephase
5.1.3 Euphoriephase
5.1.4 Ernüchterungsphase
5.1.5 Reorientierungsphase
5.1.6 Stabilitätsphase
5.1.7 Endphase
6 Pensionsantritt als Krise
6.1 Krisen
6.1.1 Traumatische Krise
6.1.2 Veränderungskrise
6.1.3 Depression und Suizidalität im Alter
6.2 Faktoren für erfolgreiches Altern
6.3 Veränderungen zum Pensionsantritt
6.3.1 Soziale Unterstützung
6.3.2 Familie
6.3.3 Zeit und Aktivität
6.3.4 Finanzielle Veränderungen
7 Klinische Soziale Arbeit
7.1 Unterstützungsarbeit im Rahmen der klinischen Sozialen Arbeit
7.1.1 Case Management
7.1.2 Netzwerkarbeit
7.1.3 Krisenintervention
7.2 Auswege aus der Krise
7.2.1 SeniorInnenbildung
7.2.2 Mehr-Generationen-Wohnen
7.2.3 Ehrenamtliches Engagement
7.3 Vorbereitungsmaßnahmen auf die Pensionierung
8 Forschungsdesign
8.1 Die Forschungsmethode und Methodenkritik
8.1.1 Pretest
8.2 Der Fragebogen
8.3 Die Stichprobe
8.3.1 Geschlecht
8.3.2 Alter
8.3.3 Jahr der Pensionierung
8.3.4 Familienstand
8.3.5 Schulbildung
8.3.6 Letzte Anstellung
8.3.7 Finanzielles
8.3.8 Überblick über das allgemeine Antwortverhalten
9 Auswertung der quantitativen Befragung
9.1 Fragestellung und Hypothesen
9.2 Veränderungen und Belastungen
9.2.1 Größte Veränderungen, die mit der Pensionierung einher gingen
9.2.2 Veränderung, die als größte Belastung empfunden wurde
9.3 Soziale Kontakte
9.4 Gesundheit
9.4.1 Psychische Gesundheit
9.5 Der „Senior/Seniorin“-Begriff
9.6 Pensionsvorbereitung
9.6.1 Hatten Sie eine Pensionsvorbereitung?
9.6.2 Hätten Sie sich eine Pensionsvorbereitung gewünscht?
9.6.3 Inhalte für Pensionsvorbereitungsmaßnahmen
10 Zusammenfassung und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Master-Thesis untersucht, ob der Übergang in die Pension für Menschen in Wien eine ersehnte positive Lebensveränderung darstellt oder in eine psychosoziale Krise führt, und bewertet die Rolle der klinischen Sozialarbeit in diesem Prozess.
- Analyse von Alterstheorien und dem Phasenmodell nach Atchley
- Untersuchung von Veränderungskrisen bei Pensionsantritt
- Evaluierung der psychosozialen Versorgungssituation in Wien
- Quantitative Befragung von Pensionierten zu Lebensqualität, Belastungen und sozialen Kontakten
- Ableitung von Handlungsmöglichkeiten für die klinische Sozialarbeit und Vorbereitungsmaßnahmen
Auszug aus dem Buch
6.3.3.1 Tagesablauf
Arbeitstätige Menschen haben einen geregelten Tagesablauf, der in erster Linie von der Berufstätigkeit bestimmt wird, in zweiter Linie erst von der Familie und später kommen erst Freizeitbeschäftigungen. Mit dem Pensionsantritt verliert der Mensch jedoch diesen Tagesablauf.
Direkt nach dem Berufsaustritt beginnt die Euphoriephase (siehe Kapitel 5.1). Die ersten Tage der Pensionierung werden wie Urlaub empfunden und auch dementsprechend gestaltet. Nach kurzer Zeit jedoch müssen die Personen feststellen, dass die viele freie Zeit keine tatsächliche Freizeit ist, und brauchen neue Alltagsstrukturen. Von einer gelungenen Bewältigung kann in dieser Phase gesprochen werden, wenn sich der Alltag nach und nach ritualisiert und zur Normalität wird (vgl. Schroeter/Prahl, 1999, S. 99).
Ab dem Pensionsantritt müssen sich die Personen nicht mehr mit ihrer Zeitplanung beschäftigen. Dies kann als Belastung empfunden werden, da sich die Personen, die gerade in Pension gegangen sind, keine Gedanken mehr über ihre Zeiteinteilung und –planung machen müssen.
Personen, die sich besser auf einen neuen Tagesablauf einstellen können und diesen aktiv gestalten, sind zufriedener.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Stellt die Problemstellung dar, beleuchtet die Bedeutung von Arbeit in der Leistungsgesellschaft und gibt einen Überblick über den Aufbau der Arbeit.
2 Problemstellung: Beschreibt die demografische Situation in Wien und führt in die Fragestellung ein, was Älterwerden und Pensionierung für den Einzelnen bedeuten.
3 Das Alter: Definiert Alter und Altern aus biologischer, psychologischer und soziologischer Sicht unter Einbeziehung des Bio-Psycho-Sozialen Modells.
4 Alterstheorien: Erläutert verschiedene psychologische und kognitive Modelle, um Alter und Altern in der Gesellschaft theoretisch einzuordnen.
5 Übergang in die Pension: Analysiert den Übergang in den Ruhestand anhand des bekannten Phasenmodells von Robert C. Atchley.
6 Pensionsantritt als Krise: Thematisiert Ursachen von Krisen bei Pensionierung, beleuchtet Depressionen und Suizidalität und untersucht Faktoren für erfolgreiches Altern.
7 Klinische Soziale Arbeit: Stellt Unterstützungs- und Interventionsmethoden vor, die bei der Krisenbewältigung und zur Prävention hilfreich sind.
8 Forschungsdesign: Legt die quantitative Methodik, den Fragebogen und die Stichprobenauswahl der empirischen Untersuchung dar.
9 Auswertung der quantitativen Befragung: Präsentiert die Ergebnisse der Befragung hinsichtlich Zufriedenheit, Belastungsfaktoren und dem Wunsch nach Pensionsvorbereitung.
10 Zusammenfassung und Ausblick: Führt die Ergebnisse zusammen und leitet Empfehlungen für die zukünftige Gestaltung von Pensionsvorbereitung ab.
Schlüsselwörter
klinische Sozialarbeit, Soziale Arbeit, Altern, Pension, Pensionsantritt, Pensionsschock, Krise, Veränderungskrise, Lebensqualität, Tagesablauf, soziale Unterstützung, psychische Gesundheit, Suizidalität, Senioren, Altersmodelle
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den Übergang vom Erwerbsleben in die Pension und analysiert, ob dieser Schritt für die betroffenen Personen eine positive Veränderung darstellt oder zu einer existenziellen Krise führt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Definition von Alter, verschiedenen Alterstheorien, dem psychologischen Übergang in den Ruhestand, der Rolle der klinischen Sozialarbeit und der empirischen Untersuchung von Lebenszufriedenheit und Belastungen bei Pensionierten.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es zu klären, unter welchen Umständen der Pensionsantritt in eine Krise führt, und Handlungsmöglichkeiten für die klinische Sozialarbeit aufzuzeigen, um betroffene Personen präventiv oder interventionell zu unterstützen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine quantitative Forschungsarbeit, bei der ein standardisierter Fragebogen eingesetzt wurde, um Daten von kürzlich pensionierten Personen in Wien zu erheben und auszuwerten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich theoretisch mit dem Altern und dem Pensionsübergang sowie praktisch mit der Auswertung einer quantitativen Befragung, die Belastungsfaktoren wie finanzielle Einbußen, Tagesstrukturverlust und soziale Veränderungen analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wesentlichen Begriffe sind klinische Sozialarbeit, Pensionsantritt, Veränderungskrise, Altersmodelle, Lebensqualität und soziale Netzwerke.
Wie unterscheidet die Arbeit zwischen verschiedenen Krisenarten?
Es wird strikt zwischen traumatischen Krisen, die durch plötzliche Schicksalsschläge ausgelöst werden, und Veränderungskrisen unterschieden, wobei der Pensionsantritt als klassisches Beispiel für eine Lebensveränderungskrise betrachtet wird.
Welchen Einfluss hat die finanzielle Situation auf das Wohlbefinden?
Die Analyse zeigt, dass eine signifikante Abnahme der finanziellen Mittel nach der Pensionierung oft als Belastung empfunden wird und eine Korrelation zwischen der Zufriedenheit mit der finanziellen Lage und der allgemeinen Lebenszufriedenheit besteht.
Welche Rolle spielt die soziale Einbindung?
Soziale Kontakte und die Einbindung in Netzwerke sind entscheidend für die psychische Stabilität; die Arbeit stellt fest, dass insbesondere das Ausbleiben beruflicher Kontakte durch andere soziale Beziehungen kompensiert werden muss.
- Quote paper
- Lea Riedl (Author), 2012, Der Ruhestand als Krise: Ursachen des seelischen Ungleichgewichts und Möglichkeiten der psychosozialen Versorgung, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/199881