0. Vorwort
Im Jahr 1880 verwendete der französische Geograph Onésime Reclus erstmals in seiner Studie „France, Algérie et colonies“ die Sprache als ein neues Kriterium zur Klassifizierung der von ihm untersuchten Völker. So bezeichnete er „[j]ene Völker oder Ethnien, die das Französische verwenden [...] [als] francophone [und] die Gesamtheit der französisch-sprechenden Menschen und die Gebiete, in denen sie leben, francophonie.“ (Pöll 1998, S. 5)
Die vorliegende Arbeit soll sich mit einem Teil der francophonie, der kanadischen Provinz Québec und dem dort gesprochenen Französisch beschäftigen und darstellen inwieweit sich das français québécois von dem français de France unterscheidet.
Das erste Kapitel dieser Arbeit wird dabei einen Überblick zur Geschichte des Französischen in Québec geben sowie die heutige sprachliche Situation Québecs schildern. Dieses Kapitel bildet die Grundlage für die darauffolgende Darstellung der Besonderheiten des français québécois im Vergleich zum français de France. Es wird hierbei auf die Besonderheiten in den Bereichen der Phonetik/Phonologie, der Morphologie und des Syntax sowie der Lexik eingegangen. Die verschiedenen Besonderheiten sollen beschrieben sowie mit Hilfe passender Beispiele erläutert werden. Soweit möglich soll auch der Ursprung dieser Besonderheiten geklärt werden. Die Beschreibung der Besonderheiten des français québécois mündet sodann in der Analyse eines oralen Dokuments, anhand dessen das vorher Dargestellte veranschaulicht und belegt werden soll.
Ein Resümee wird abschließend die wichtigsten Erkenntnisse dieser Arbeit nochmals aufgreifen und zusammenfassen.
Inhaltsverzeichnis
0. Vorwort
1. Die Geschichte des Französischen in Québec – Ein Überblick
2. Die Besonderheiten des français parlé in Québec
2.1 Besonderheiten in Phonetik/Phonologie
2.2 Besonderheiten in Morphologie und Syntax
2.3 Besonderheiten in der Lexik
3. Analyse eines oralen Textdokuments
4. Resümee
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Diese Arbeit untersucht das in der kanadischen Provinz Québec gesprochene Französisch (français québécois) im Vergleich zum europäischen Standardfranzösisch (français de France). Ziel ist es, die historischen, sozialen und sprachlichen Ursachen für die spezifischen Eigenheiten in Phonetik, Morphologie, Syntax und Lexik aufzuzeigen und diese durch die Analyse eines aktuellen oralen Dokuments praktisch zu belegen.
- Historische Entwicklung des Französischen in Québec seit der Kolonialzeit.
- Phonetische Besonderheiten wie Assibilierung und Diphtongierung.
- Morpho-syntaktische Abweichungen und Bewahrung älterer Sprachzustände.
- Lexikalische Einflüsse durch Indigenen-Sprachen, Anglizismen und Neologismen.
- Analyse der Sprachpraxis anhand eines Podcast-Ausschnitts.
Auszug aus dem Buch
2.1 Besonderheiten in Phonetik/Phonologie
Nach dem Frieden von Paris 1763 erreichten normative, das Französische betreffende Entscheidungen „Kanada zwar über Schulgrammatiken aus Frankreich, die dem Unterricht der geschriebenen Sprache nach wie vor zugrunde[lagen], aber diese [enthielten] [...] keine Kapitel zur Aussprache. So [wurde] dann folgerichtig vor allem in der gesprochenen Sprache älterer französischer Sprachstand [...] bewahrt.“ (Wolf 1987, S. 18)
Zu solch einer Bewahrung älteren französischen Sprachstandes zählt die Aussprache der Vokalverbindung oi. Im Gegensatz zum Standardfranzösisch, in dem die Aussprache [wɑ] üblich ist, wird in Québec oi [wɛ] bzw. [ɛ] ausgesprochen. So hört man in Québec anstelle von [mwɑ] (moi), [twɑ] (toi), [fwɑ] (foi), [swɑʀ] (soir), [tiʀwaʀ] (tiroir), [fʀwad] (froide), [etʀwat] (étroite) und [kʀwaʀ] (croire) sehr häufig [mwɛ], [twɛ], [fwɛ], [swɛʀ], [tiʀwɛʀ], [fʀɛt], [etʀɛt] und [kʀɛt]. Diese besondere Aussprache der Vokalverbindung oi galt in Frankreich bis zur Französischen Revolution als Standardaussprache. Heute ist diese Aussprache auch regional im Nordwesten und Westen Frankreichs sowie im Centre und in der Ile-de-France bodenständig (vgl. Wolf 1987, S. 19) Sie gilt als ein Hauptcharakteristikum des Québecer Französisch und zählt zu den Phänomenen „les mieux enracinés dans le parler des couches populaires québécois“ (zit. n. Wolf 1987, S.19).
Zusammenfassung der Kapitel
0. Vorwort: Einführung in die Thematik der Francophonie und die spezifische Situation des Französischen in Québec als Gegenstand der Untersuchung.
1. Die Geschichte des Französischen in Québec – Ein Überblick: Darstellung der historischen Entwicklung von der Besiedlung durch französische Siedler bis hin zur heutigen sprachpolitischen Situation in der Provinz.
2. Die Besonderheiten des français parlé in Québec: Analyse der sprachlichen Unterschiede zwischen dem Québecer Französisch und dem Standardfranzösisch in den Bereichen Phonetik, Morphologie, Syntax und Lexik.
2.1 Besonderheiten in Phonetik/Phonologie: Untersuchung spezifischer Aussprachemerkmale wie der Assibilierung von Konsonanten und der Diphtongierung von Vokalen.
2.2 Besonderheiten in Morphologie und Syntax: Erläuterung grammatikalischer Eigenheiten, die oft auf die Bewahrung älterer Sprachstufen oder Analogiebildungen zurückzuführen sind.
2.3 Besonderheiten in der Lexik: Differenzierung des Wortschatzes in Archaismen, Dialektalismen, Amerindianismen, Anglizismen und Neologismen.
3. Analyse eines oralen Textdokuments: Praktische Anwendung der theoretischen Erkenntnisse durch die phonetische und lexikalische Untersuchung eines Podcast-Ausschnitts.
4. Resümee: Zusammenfassung der wesentlichen Faktoren für die Entstehung der Sprachbesonderheiten und Reflexion über das Sprachbewusstsein der Bevölkerung von Québec.
Schlüsselwörter
Französisch in Québec, français québécois, Phonetik, Phonologie, Morphologie, Syntax, Lexik, Sprachgeschichte, Assibilierung, Diphtongierung, Anglizismen, Sprachwandel, Révolution tranquille, Sprachplanung, Sprachidentität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt das gesprochene Französisch in der kanadischen Provinz Québec und untersucht, wie sich dieses vom europäischen Standardfranzösisch unterscheidet und welche historischen oder sozialen Gründe dazu geführt haben.
Welche sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Felder sind die phonetischen Besonderheiten (Aussprache), morphologische und syntaktische Abweichungen im Satzbau sowie die lexikalische Zusammensetzung des Wortschatzes inklusive Lehnwörtern.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Eigenheiten des français québécois systematisch zu beschreiben und durch die Analyse einer aktuellen Sprachaufnahme zu veranschaulichen, um zu zeigen, wie sich die Sprache seit der Kolonialzeit entwickelt hat.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Untersuchung verwendet?
Es wird eine deskriptive linguistische Analyse durchgeführt, die theoretische Grundlagen (Sprachgeschichte, Soziolinguistik) mit einer praktischen Analyse eines oralen Textdokuments kombiniert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Einordnung, eine detaillierte sprachwissenschaftliche Beschreibung der phonetischen und grammatikalischen Unterschiede sowie eine Klassifizierung des Wortschatzes (z.B. Archaismen und Anglizismen).
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Schlüsselbegriffe sind unter anderem français québécois, Sprachwandel, Assibilierung, Diphtongierung, sprachliche Identität und die Abgrenzung zum français de France.
Welche Rolle spielt der Einfluss der indigenen Sprachen auf das Québecer Französisch?
Indigene Sprachen (wie Algonkin und Irokesisch) haben vor allem das Vokabular im Bereich der Flora und Fauna sowie zahlreiche geografische Bezeichnungen und Toponyme in Québec nachhaltig geprägt.
Warum ist die „Révolution tranquille“ für das Sprachverständnis wichtig?
Die „Révolution tranquille“ der 1960er und 1970er Jahre war ein gesellschaftlicher Wendepunkt, der zu einem gestärkten Selbstbewusstsein der Québécois führte und Initiativen zum Schutz der französischen Sprache sowie die Gründung entsprechender Institutionen forcierte.
Wie zeigt sich die Assibilierung in der Praxis?
Die Assibilierung tritt bei den Konsonanten [t] und [d] vor vorderen Vokalen oder Halbkonsonanten auf, was zu einer weicheren, zischenden Aussprache führt, die für Sprecher aus Frankreich oft ungewohnt klingt.
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- Susan Dähmlow (Author), 2009, Das français parlé in Québec, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/198683