Einer der häufig thematisierten Aspekte in der gegenwärtigen, wie auch vergangenen Lucan-Forschung ist dessen ablehnende Haltung gegenüber den damaligen Machthabern. Besonders auffällig ist hierbei die Gegenüberstellung der Hauptakteure seiner Pharsalia Caesar, Cato und Pompeius. Bei genauerem Hinsehen und anhand antiker Vergleichstexte über den Bürgerkrieg wird deutlich, dass Lucan keinesfalls darauf aus ist, die Heldentaten der Imperatoren möglichst wirklichkeitsgetreu für die Nachwelt festzuhalten. Der Leser gewinnt eher den Eindruck, Lucan nutze die Figuren zur wechselseitig negativen Darstellung ihrer selbst. Ein weiterer Kritikpunkt ist die unverhältnismäßige Gewichtung der Textstellen; so schildert Lucan scheinbare Nichtigkeiten äußert detailliert, während er anderswo ausführlich Geschildertes unter den Tisch fallen lässt oder nur nebensächlich erwähnt.
Ein Paradeexempel dieser Handhabung in Verknüpfung mit seiner humorvollen Darstellung sind die Verse 504 bis 678 des fünften Buches der Pharsalia, in welchen Lucan Caesar regelrecht vorführt.
Eben auf der Darstellung dieses Feldherrn soll in der nachfolgenden Untersuchung der Schwerpunkt liegen: eine Analyse der oben erwähnten Passage, wie auch ein Vergleich mit anderen antiken Ausführungen des Bürgerkriegs – nicht zuletzt Caesars eigener in seinem Bellum civile – sollen zeigen, wie der Autor darauf hinarbeitet, die Frage des modernen Lesers nach dem Heldenstatus des Feldherren zu beantworten.
Inhaltsverzeichnis
EINORDNUNG DES TEXTAUSSCHNITTS
V, 508-559
TEXTSICHERUNG
ÜBERSETZUNGEN
INTERPRETATION DER TEXTSTELLE
LUCANS CAESARBILD
VERGLEICH MIT CAESARS BELLUM CIVILE
VERGLEICHSTEXTE
CAESAR, BELLUM CIVILE
PARALLELSZENEN
SCHLUSS
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Caesar-Bild in Lucans Epos Pharsalia, insbesondere anhand der Überfahrtsszene im fünften Buch. Ziel ist es, durch eine detaillierte Analyse der Passage und den Vergleich mit anderen antiken Quellen sowie Caesars eigenem Bellum civile aufzuzeigen, wie Lucan den Heldenstatus des Feldherrn durch ironische Darstellung und die Hervorhebung negativer Charaktereigenschaften wie Hochmut und Machtgier kritisch hinterfragt.
- Analyse der Überfahrtsszene (V, 508–559) als Paradebeispiel für Lucans Caesar-Kritik.
- Untersuchung der Differenz zwischen historischer Darstellung und Lucans rhetorischer Überzeichnung.
- Vergleichende Analyse mit Caesars eigenem Bellum civile.
- Einordnung in den Kontext der antiken Rezeptionsgeschichte von Julius Caesar.
Auszug aus dem Buch
V, 508-559
Caesar sollicito per vasta silentia gressu
vix famulis audenda parat, cunctisque relictis
sola placet Fortuna comes. Tentoria postquam 510
egressus vigilum somno cedentia membra
transiluit, questus tacite quod fallere posset,
litora curva legit, primisque invenit in undis
rupibus exesis haerentem fune carinam.
[...]
Diesen Fischer will Caesar daraufhin dazu bewegen, ihn überzusetzen, doch der erwidert:
„Multa quidem prohibent nocturno credere ponto. 540
Nam sol non rutilas deduxit in aequora nubes
concordesque tulit radios: Noton altera Phoebi,
altera pars Borean diducta luce vocabat.
Orbe quoque exhaustus medio languensque recessit
spectantis oculos infirmo lumine passus. 545
[...]
Er setzt seine Bedenken weiter fort, bietet Caesar jedoch letztlich Folgendes an:
Sed, si magnarum poscunt discrimina rerum,
haud dubitem praebere manus: vel litora tangam
iussa, vel hoc potius pelagus flatusque negabunt.“ 559
Zusammenfassung der Kapitel
EINORDNUNG DES TEXTAUSSCHNITTS: Dieses Kapitel verortet das fünfte Buch der Pharsalia im Gesamtwerk und erläutert die Bedeutung der ausgewählten Passage innerhalb der ersten Kriegsphase.
TEXTSICHERUNG: Hier werden philologische Anmerkungen zu den verwendeten Handschriften und spezifischen Textstellen (Phaenomena 1-4) vorgenommen, um die verlässliche Grundlage der Interpretation zu sichern.
ÜBERSETZUNGEN: Dieser Abschnitt liefert eine präzise deutsche Übersetzung der untersuchten Verse zur Nachvollziehbarkeit des Inhalts.
INTERPRETATION DER TEXTSTELLE: Es wird analysiert, wie Lucan durch die Darstellung von Caesars Arroganz gegenüber dem Fischer Amyclas dessen Charakter als machtbesessenen Tyrannen zeichnet.
LUCANS CAESARBILD: Dieses Kapitel fasst das negative, von Dämonisierung und Ironie geprägte Bild Caesars bei Lucan zusammen, welches einen starken Kontrast zu einer glorifizierenden Darstellung bildet.
VERGLEICH MIT CAESARS BELLUM CIVILE: Hier werden die unterschiedlichen Perspektiven von Lucan und Caesar selbst beleuchtet, wobei Caesar sich in seinem eigenen Werk deutlich positiver darstellt.
VERGLEICHSTEXTE: Dieser Teil betrachtet alternative Überlieferungen der Überfahrtsszene bei Autoren wie Cassius Dio, Plutarch und Appian, um die Einzigartigkeit der lucanischen Dramatik hervorzuheben.
SCHLUSS: Zusammenfassend wird festgehalten, dass Lucan durch rhetorische Mittel ein bewusst negatives Caesarbild konstruiert, das eine Abkehr von der traditionell bewundernden Sichtweise darstellt.
Schlüsselwörter
Lucan, Pharsalia, Julius Caesar, Bellum civile, Amyclas, Fortuna, Caesar-Bild, Antike Epik, Überfahrtsszene, Rhetorik, Historische Kritik, Machtgier, Bürgerkrieg, Philologie, Antike Vergleichstexte
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Bild Julius Caesars im Epos Pharsalia von Lucan anhand einer spezifischen Passage (Buch V, Verse 508-559).
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themen umfassen die kritische Darstellung politischer Machtträger, die literarische Konstruktion von Heldenbildern und den Einfluss antiker Rezeptionsgeschichte auf die Geschichtsschreibung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, dass Lucan Caesar bewusst durch Ironie und rhetorische Mittel als einen negativen, machthungrigen Antagonisten zeichnet, statt ihn historisch neutral oder glorifizierend abzubilden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine philologisch-analytische Methode angewandt, die den lateinischen Originaltext sichert, übersetzt und interpretativ in den Kontext vergleichender antiker Quellen stellt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine textkritische Sicherung, eine tiefgehende Interpretation der ausgewählten Verse und den vergleichenden Kontrast zu Caesars eigenem Bellum civile und weiteren antiken Quellen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Lucan, Pharsalia, Caesar-Bild, Fortuna und die spezifische Auseinandersetzung mit der antiken Bürgerkriegsthematik.
Warum spielt die Figur des Fischers Amyclas in der Analyse eine so große Rolle?
Amyclas dient als Kontrastfigur zu Caesar; seine realistische Einschätzung der Gefahr hebt Caesars Überheblichkeit und dessen ignoriertem Fachwissen hervor, was Lucans Kritik an Caesars Charakter unterstreicht.
Wie unterscheidet sich Lucans Darstellung von der Caesars in dessen eigenem Werk?
Während Caesar in seinem Bellum civile die eigene clementia (Milde) betont, um sein Handeln zu rechtfertigen, entlarvt Lucan dies in der Pharsalia als kalkulierte Rhetorik eines grausamen Herrschers.
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- Katharina Los (Autor:in), 2010, Caesar in Lucans "Pharsalia", München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/198404