Krisen und Katastrophen haben seit jeher die Frage nach ihren Ursachen aufgeworfen. Auch die derzeitige globale Umweltkrise stellt uns nicht nur vor neue Herausforderungen, sondern wirft auch die Frage nach ihren Ursachen auf. Mitten in den Zeitgeist der 60er/70er Jahre, der vom Beginn der ökologischen Bewegung geprägt war, stellte der renommierte Historiker Lynn Townsend White die These auf, dass die Umweltzerstörung auf die jüdisch-christliche Religion zurückzuführen sei. Whites provokante These verhallte nicht, sondern fand weltweit zahlreiche Vertreter wie Carl Amery und Eugen Drewermann allein in Deutschland. Als geistiger Vater dieser Schuld¬zuweisung an das Christentum wurde White der Vorwurf gemacht, die Kirche in Misskredit gebracht zu haben, zumal seine Thesen heute als widerlegt gelten. Dass White trotz seines massiven Vorwurfs zugleich aber ein entscheidender Förderer christlicher Theologie gewesen ist und die scharfe Kritik gegen ihn letztlich unberechtigt ist, soll im Folgenden aufgezeigt werden.
Inhaltsverzeichnis der Arbeit
1. Einleitung
2. Hauptteil: Analyse der Thesen von Lynn T. White
2.1 Technikgeschichte und das christliche Naturverständnis
2.2 Exegetische und religionswissenschaftliche Kritik
2.3 Historische und soziologische Gegenargumente
3. Würdigung der Impulse für die ökologische Theologie
4. Fazit und Zusammenfassung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die von Lynn T. White aufgestellte These, dass die jüdisch-christliche Religion die maßgebliche Ursache für die globale Umweltkrise darstellt. Dabei wird kritisch hinterfragt, inwieweit das Christentum für eine destruktive Haltung gegenüber der Natur verantwortlich gemacht werden kann oder ob diese Zuschreibung einer komplexeren historischen und exegetischen Betrachtung nicht standhält.
- Kritische Analyse der historischen Verbindung von christlichem Glauben und technologischer Entwicklung.
- Exegetische Auseinandersetzung mit dem Schöpfungsauftrag in der Genesis (Gen 1,28).
- Untersuchung von Gegenhypothesen, die ökonomische und säkulare Faktoren in den Vordergrund rücken.
- Würdigung von Whites Beitrag als Anstoß für eine ökologisch reflektierte Theologie.
- Diskussion über das konstruktive Potenzial des Christentums für den Naturschutz.
Auszug aus dem Buch
Die globale Umweltkrise als Folge des Christentums?
Krisen und Katastrophen haben seit jeher die Frage nach ihren Ursachen aufgeworfen. Auch die derzeitige globale Umweltkrise stellt uns nicht nur vor neue Herausforderungen, sondern wirft auch die Frage nach ihren Ursachen auf. Mitten in den Zeitgeist der 60er/70er Jahre, der vom Beginn der ökologischen Bewegung geprägt war, stellte der renommierte Historiker Lynn Townsend White die These auf, dass die Umweltzerstörung auf die jüdisch-christliche Religion zurückzuführen sei. Whites provokante These verhallte nicht, sondern fand weltweit zahlreiche Vertreter wie Carl Amery und Eugen Drewermann allein in Deutschland. Als geistiger Vater dieser Schuldzuweisung an das Christentum wurde White der Vorwurf gemacht, die Kirche in Misskredit gebracht zu haben, zumal seine Thesen heute als widerlegt gelten. Dass White trotz seines massiven Vorwurfs zugleich aber ein entscheidender Förderer christlicher Theologie gewesen ist und die scharfe Kritik gegen ihn letztlich unberechtigt ist, soll im Folgenden aufgezeigt werden.
Als Historiker befasste sich White als erster mit der Technikgeschichte des Mittelalters, wobei er insbesondere das Verhältnis zwischen christlichem Glauben und technologischer Entwicklung untersuchte. Im Zentrum seiner Betrachtung stand die These: „Die ökologischen Beziehungen des Menschen werden größtenteils von seinen Glaubensvorstellungen über die Natur und das Schicksal bestimmt – also von der Religion.“ White verweist darauf, dass im 7. Jh. der Hakenpflug eingeführt wurde, der den Boden in bislang unbekannten Maße nutzbar machen konnte. Es sei kein Zufall, dass diese Innovation, die einen derart großen Einfluss auf die Ausbeutung der Natur besaß, ausgerechnet in Europa eingeführt wurde. Denn auch das geistige Verhältnis zur Natur sei im Frühmittelalter einer Wende unterzogen worden. Zuvor geschah die Darstellung von Monaten auf Kalendern als passive Personifizierungen. Ab dem Spätmittelalter wurden die Kalender mit Bildern von Kultivierungsmaßnahmen illustriert. Der Wandel im Verhältnis des Menschen zur Natur ist gemäß White auf die Aussagen in der biblischen Schöpfungsgeschichte zurückzuführen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die provokante These von Lynn T. White über die christliche Mitverantwortung an der Umweltkrise und Erläuterung der Zielsetzung der Arbeit.
2. Hauptteil: Analyse der Thesen von Lynn T. White: Eingehende Untersuchung der historischen, exegetischen und wissenschaftlichen Argumente Whites sowie die kritische Gegenüberstellung mit alternativen Erklärungsmodellen.
3. Würdigung der Impulse für die ökologische Theologie: Beleuchtung des positiven Beitrags Whites, der durch seine These unfreiwillig eine notwendige theologische Reflexion über Naturschutz und Schöpfungsverantwortung anstieß.
4. Fazit und Zusammenfassung: Abschließende Bewertung der Widerlegung der monokausalen Schuldzuweisung und Einordnung der Bedeutung des Christentums für eine ökologische Ethik.
Schlüsselwörter
Lynn T. White, Umweltkrise, Christentum, ökologische Theologie, Schöpfungsgeschichte, Technikgeschichte, Naturverständnis, Genesis, Dominium terrae, ökologische Ethik, Mittelalter, Säkularisation, Verantwortung, Schöpfung, Religion.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der historisch einflussreichen, aber umstrittenen These des Historikers Lynn T. White, der die jüdisch-christliche Religion als Hauptursache für die moderne ökologische Umweltkrise identifiziert hat.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zu den zentralen Themen gehören das Verhältnis von Technikgeschichte und Religion, die biblische Exegese des Schöpfungsauftrags sowie die sozio-ökonomischen Faktoren der Umweltzerstörung.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist eine kritische Würdigung der Thesen Whites unter Berücksichtigung exegetischer, historischer und religionswissenschaftlicher Erkenntnisse, um zu prüfen, ob die Schuldzuweisung an das Christentum haltbar ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit nutzt eine historisch-systematische und theologische Analyse, indem sie die Thesen Whites mit neueren Forschungsergebnissen und Gegenhypothesen konfrontiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert die historischen Argumente Whites zur Technikgeschichte, hinterfragt die exegetische Basis seiner Vorwürfe und diskutiert Gegenentwürfe, die etwa Kapitalismus oder Säkularisierung als Ursachen benennen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Schlüsselbegriffe sind unter anderem ökologische Theologie, Schöpfungsverantwortung, Naturverständnis, Dominium terrae und die historische Rolle des Christentums.
Wie bewertet der Autor Whites These zur Rolle des Hakenpflugs?
Der Autor ordnet diese Beobachtung in Whites Argumentation ein, hinterfragt jedoch die Schlussfolgerung, dass allein ein christlich motiviertes Verständnis für die technologische Ausbeutung der Natur verantwortlich sei.
Welche Bedeutung kommt Franz von Assisi in dieser Arbeit zu?
Franz von Assisi wird als das von White selbst vorgeschlagene konstruktive Gegenmodell genannt, um eine respektvolle Beziehung zwischen Mensch und Schöpfung zu etablieren.
- Quote paper
- Johann Mair (Author), 2008, Die globale Umweltkrise als Folge des Christentums?, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/197765