... Erst mit der systemändernden Rentenreform 2001 wurde ein massiver Einschnitt in das bisherige umlagefinanzierte Rentensystem Deutschlands vorgenommen und die Rot-Grüne Koalition musste das Reformbündel gegen die Stimmen der Opposition beschlie-ßen. Als zentrales Element wurde unter dem Credo der Generationengerechtigkeit zum Einen das Rentenniveau deutlich gesenkt, um aktuelle und zukünftige Beitragszahler zu entlasten. Zum Anderen wurde die Gesetzliche Rentenversicherung durch einen privat finanzierten, öffentlich geförderten und privatwirtschaftlich organisierten Zweig er-gänzt, der den Prinzipien des Kapitaldeckungsverfahrens folgt. Dieser Zweig ist unter dem Schlagwort „Riester-Rente“ bekannt geworden und sollte eine Kompensation der Rentensenkung ermöglichen.
Dieser Zweig entspricht der letzten Säule des Drei-Säulen-Modells aus gesetzlicher Vorsorge im Umlageverfahren, der betrieblichen Vorsorge und eben der privaten Vor-sorge. Die Abkehr vom rein gesetzlich organisierten System wurde vielerorts zu Recht als Paradigmenwechsel bezeichnet und führte zu kontroversen Diskussionen, in denen oft bezweifelt wurde, dass die private Altersvorsorge in der Lage ist, die Senkung des Rentenniveaus zu kompensieren.
Grundlegende Voraussetzung für die Kompensation der Rentenniveausenkungen durch die private Altersvorsorge ist deren Verbreitung unter dem gesamten von den Senkun-gen betroffenen Personenkreis. Die Verbreitung der „Riester-Renten“ soll im Zentrum dieser Arbeit stehen und der These folgen, dass bis Ende 2009 – also acht Jahre nach der Reform und der Einführung der Förderung privater Altersvorsorge – deren Verbrei-tung bei weitem noch nicht so weit voran geschritten ist, die Niveausenkungen der GRV zu kompensieren.
Nach dieser thematischen Einführung soll in Kapitel 2 eine Darstellung der Rentenre-form 2001 gelingen, gefolgt von der Darstellung und Analyse der Verbreitung der „Riester-Renten“ differenziert nach Alter und Bildung sowie nach Einkommen. Darüber hinaus wird in Kapitel 3 auf neueste Entwicklungen durch die Finanz- und Wirtschafts-krise 2008/2009 eingegangen; Kapitel 4 bildet mit einem zusammenfassenden Fazit den Abschluss.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Rentenreform 2001
2.1 Sozio-ökonomische Rahmenbedingungen
2.2 Grundsätze und Ziele
2.3 Maßnahmen
2.3.1 Niveaureduzierung der Rentenbezüge
2.3.2 Einführung der „Riester-Rente“
3. Verbreitung
3.1 Verbreitung Übersicht
3.2 Verbreitung differenziert nach Alter und Bildungsgrad
3.3 Verbreitung differenziert nach Einkommen
3.4 Verbreitung unter dem Einfluss der Finanzmarktkrise
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Verbreitung der Riester-Rente in Deutschland, um zu beurteilen, inwieweit diese als private Altersvorsorge die durch die Rentenreform 2001 verursachte Absenkung des gesetzlichen Rentenniveaus wirksam kompensieren kann. Die Analyse konzentriert sich dabei insbesondere auf die sozio-ökonomischen Faktoren der Verbreitung bis zum Jahr 2009.
- Die Rentenreform 2001 als struktureller Paradigmenwechsel
- Mechanismen und Förderkriterien der Riester-Rente
- Statistische Analyse der Verbreitung nach Alter, Bildung und Einkommen
- Einfluss der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/2009 auf die Abschlussraten
- Evaluation der Kompensationsfähigkeit privater Altersvorsorge
Auszug aus dem Buch
2.3.1 Niveaureduzierung der Rentenbezüge
Das am 1. Januar 2002 in Kraft getretene Rentenreformgesetz reduziert das Rentenniveau durch eine Anpassung in der Rentenformel – beziehungsweise der Einführung einer neuen Rentenformel – deutlich. Als Beispiel dient das Niveau des Eckrentners, dessen Rente sich von 70,1% auf 67,9% des zuletzt erzielten Nettoeinkommens verringert. Gleichzeitig findet eine schrittweise Beitragssatzerhöhung von 19,1% aktuell, maximal 20% in 2020 und maximal 22% in 2030 statt.
Bemessungsgrundlage für das Eckrentnerniveau sind nun wie bereits 1957 bis 1992 die Bruttoeinkommen der Arbeitnehmer und nicht deren Nettoeinkommen, wie dies seit 1992 der Fall war. Allerdings gibt es deutliche Unterschiede der aktuellen Rentenformel zu der zwischen 1957 und 1992: Die „modifizierte Bruttoanpassung“ sieht vor, dass Veränderungen bei der Lohn- und Einkommenssteuer oder eine Senkung der Sozialversicherungsbeiträge nicht an die Rentner weitergegeben werden. Darüber hinaus wirkt sich leistungsmindernd aus, dass von möglichen positiven Rentenanpassungen 0,6% pro Jahr abgezogen wurden, ein Wert, der den steuerlich geförderten Beitragssatz zur zusätzlichen privaten Altersvorsorge repräsentiert.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung erläutert den Reformdruck auf das deutsche Rentensystem durch den demographischen Wandel und stellt die Rentenreform 2001 sowie das Ziel der Riester-Rente als Kompensation für sinkende Rentenniveaus vor.
2. Die Rentenreform 2001: Dieses Kapitel analysiert die Rahmenbedingungen, Ziele und konkreten Maßnahmen der Rentenreform, wobei insbesondere die Niveausenkung und das Fördersystem für private Rentenversicherungen im Fokus stehen.
3. Verbreitung: Hier wird der Fortschritt bei der Einführung der Riester-Rente anhand statistischer Daten untersucht, wobei Differenzierungen nach demografischen, bildungs- und einkommensspezifischen Aspekten sowie der Einfluss der Finanzmarktkrise betrachtet werden.
4. Fazit: Das Fazit stellt fest, dass die Verbreitung der Riester-Rente das Ziel einer umfassenden Kompensation der Rentensenkung bis Ende 2009 noch nicht erreicht hat und die Stagnation als Sondereffekt der Finanzkrise interpretiert werden kann.
Schlüsselwörter
Riester-Rente, Rentenreform 2001, Rentenniveau, private Altersvorsorge, Kapitaldeckungsverfahren, Demographischer Wandel, Altersarmut, Finanzmarktkrise, Altersvermögensgesetz, Förderung, Beitragsstabilisierung, Sozio-ökonomisches Panel, Sozialversicherung, Verbreitung, Kompensation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit der Wirksamkeit der Riester-Rente als Instrument zur Kompensation der durch die Rentenreform 2001 gesenkten gesetzlichen Rentenbezüge.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die gesetzlichen Grundlagen der Rentenreform 2001, die Struktur der Riester-Förderung und die empirische Analyse der Verbreitung in verschiedenen Bevölkerungsgruppen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Prüfung der These, ob die Riester-Rente acht Jahre nach ihrer Einführung bereits eine ausreichende Verbreitung erreicht hat, um das sinkende Rentenniveau für eine breite Masse zu kompensieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine deskriptive Auswertung von Sekundärdaten, insbesondere aus dem Sozio-ökonomischen Panel (SOEP) und der SAVE Studie, um Tendenzen und Verteilungsmuster zu identifizieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Rentenreform 2001, stellt die Verbreitungsstatistiken nach demografischen Kriterien und Einkommensklassen dar und beleuchtet die Auswirkungen der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/2009.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich primär über Begriffe wie Rentenreform, Riester-Rente, Altersvorsorge, Rentenniveau, Kompensation und Verbreitungsanalyse definieren.
Welchen Einfluss hatte die Finanzkrise auf die Riester-Rente?
Die Analyse deutet auf eine Stagnation der Verbreitungsraten ab 2008 hin, was die Autoren auf krisenbedingte Sondereffekte und nicht auf eine Sättigung des Marktes zurückführen.
Wer schließt bevorzugt Riester-Verträge ab?
Die Daten zeigen, dass Frauen häufiger Riester-Verträge abschließen als Männer und dass die Wahrscheinlichkeit eines Abschlusses bei Personen mit höherer Bildung tendenziell ansteigt.
- Quote paper
- Nils Binder (Author), 2010, Verbreitung der Riester-Rente, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/197711