Die Hausarbeit setzt sich mit der Inszenierung eines Täuschungsaktes am Beispiel von Stephan Hermlins "Abendlicht" auseinander. Das Werk wird zunächst gattungstheoretisch eingeordnet und die Folgen der Einordnung des Buches als Autobiographie für das Werk an sich, für den Autor und für die Öffentlichkeit untersucht. Es wird schließlich herausgestellt, dass Hermlin mit "Abendlicht" einen Täuschungsakt begangen hat, da er in dem Buch nachweislich falsche Aussagen tätigte, obwohl es eine Autobiographie darstellt.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Die Rezeption von Abendlicht
3 Gattungstheoretische Einordnung von Abendlicht
3.1 Definition des Begriffes „Autobiographie“
3.2 Die Identität von Autor und Erzähler
3.3 Namensidentität in Abendlicht
3.4 Der autobiographische Pakt in Abendlicht
3.5 Der autobiographische Raum
4 Folgen der Anwendung des autobiographischen Paktes auf Abendlicht
4.1 Folgen für Abendlicht
4.2 Folgen für den Autor
4.3 Folgen für die Öffentlichkeit
5 Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den Wahrheitsgehalt und die gattungstheoretische Einordnung des Werkes Abendlicht von Stephan Hermlin unter Berücksichtigung von Philippe Lejeunes Theorie des autobiographischen Paktes, um zu klären, ob es sich um eine Autobiographie oder eine literarische Fiktion handelt.
- Analyse des Wahrheitsanspruchs von Lebensbeschreibungen
- Anwendung der Theorie des autobiographischen Paktes auf Abendlicht
- Untersuchung der Identität von Autor, Erzähler und Protagonist
- Evaluation des Fälschungsvorwurfs von Karl Corino
- Reflektion über die Rolle der Öffentlichkeit bei der Wahrnehmung autobiographischer Texte
Auszug aus dem Buch
Die Identität von Autor und Erzähler
Die Gleichheit zwischen dem Sender einer Äußerung und der Mitteilung kann entweder mittelbar oder unmittelbar hergestellt werden (S. 20). Die unmittelbare Identität wird durch die Referenz auf den Sprecher im Äußerungsakt selbst erzeugt, was vor allen Dingen im direkten Gespräch von Angesicht zu Angesicht geschieht. Mittelbare Konformität wird durch Anzeigen der Übereinstimmung zwischen dem Subjekt der Äußerung und dem Subjekt der Aussage durch den Sender gebildet, also beispielsweise die Unterschrift unter einem Brief (ebd.). Problematisch ist hierbei, dass die Identität nicht durch sprachliche Variablen hergestellt wird (S. 21).
Lejeune sieht das „Ich“ nicht als einen Begriff, sondern als eine Funktion an, die auf einen Namen, nämlich die lexikalische Kategorie des Eigennamens, verweist (S. 22). In einer Autobiographie beziehen sich die Aussagen der Ich-Person folglich auf den Namen, der sich auf dem Umschlag des Buches befindet. In diesem Namen ist die Existenz des Literaten enthalten:
Er ist im Text die einzige unzweifelhaft außertextuelle Markierung, die auf eine tatsächliche Person verweist, die [...] verlangt, man möge ihr [...] die Verantwortung für die Äußerung des gesamten geschriebenen Textes zuweisen. (S. 23)
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung thematisiert den Fälschungsvorwurf gegen Stephan Hermlins Werk Abendlicht und skizziert das Ziel der Arbeit, diesen Vorwurf gattungstheoretisch zu untersuchen.
2 Die Rezeption von Abendlicht: Dieses Kapitel behandelt die öffentliche und literaturkritische Debatte über den Wahrheitsgehalt von Hermlins Text und die Unterstellung einer Täuschungsabsicht durch Karl Corino.
3 Gattungstheoretische Einordnung von Abendlicht: Hier wird das Werk anhand von Lejeunes Theorie analysiert, um durch die Definition von Autobiographie, Identität und autobiographischem Pakt eine Gattungsbestimmung vorzunehmen.
4 Folgen der Anwendung des autobiographischen Paktes auf Abendlicht: Das Kapitel erörtert die Konsequenzen der Klassifizierung als Autobiographie für das Werk selbst, den Autor und die öffentliche Wahrnehmung.
5 Zusammenfassung: Die Arbeit schließt mit einer Bilanz, die feststellt, dass Abendlicht als literarischer Täuschungsakt zu werten ist, da der Autor bewusst unwahre biographische Angaben macht.
Schlüsselwörter
Stephan Hermlin, Abendlicht, Autobiographie, autobiographischer Pakt, Philippe Lejeune, Karl Corino, Fälschungsvorwurf, Gattungstheorie, literarische Fiktion, Identität, Erzähler, Wahrheit, Täuschungsabsicht, Rezeption, Literaturwissenschaft.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert kritisch, ob Stephan Hermlins Buch Abendlicht als Autobiographie oder als fiktionales Werk einzuordnen ist und ob Vorwürfe der biographischen Fälschung berechtigt sind.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Zentrum stehen die Gattungstheorie der Autobiographie, das Verhältnis zwischen Autor und Erzähler sowie die ethische Frage nach dem Wahrheitsanspruch in literarischen Lebensbeschreibungen.
Was ist die primäre Forschungsfrage des Autors?
Die zentrale Forschungsfrage ist, ob Abendlicht unter Berücksichtigung von Philippe Lejeunes Theorie des autobiographischen Paktes die Kriterien einer Autobiographie erfüllt und wie der Autor mit dem Wahrheitsanspruch dieses Genres umgeht.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Analyse verwendet?
Die Untersuchung basiert auf einer gattungstheoretischen Analyse unter Anwendung des Modells des autobiographischen Paktes nach Philippe Lejeune sowie einer vergleichenden Betrachtung biographischer Daten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Begriffsbestimmung, die Analyse der Identitätskonstanten von Autor und Erzähler sowie die Untersuchung der Folgen, die sich aus der Einstufung als Autobiographie ergeben.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die vorliegende Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Autobiographie, autobiographischer Pakt, literarische Täuschung, Identität und das Werk Abendlicht von Stephan Hermlin charakterisieren.
Wie bewertet die Arbeit den Vorwurf von Karl Corino gegen Hermlin?
Die Arbeit stützt die Argumentation, dass Hermlin bewusst biographische Fakten verfälscht hat und somit einen literarischen Täuschungsakt beging, indem er eine vermeintliche Autobiographie mit fiktionalen Elementen mischte.
Welche Rolle spielt die „Namensidentität“ für die Argumentation?
Die Namensidentität zwischen Autor und Erzähler ist laut Lejeune ein zentrales Kriterium für den autobiographischen Pakt; das Fehlen einer eindeutigen Identität in Abendlicht erschwert die gattungsreine Einordnung erheblich.
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- Bachelor of Arts Julia Hans (Author), 2012, Gefälschtes Abendlicht?, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/197611