Kaiser Friedrich I. Barbarossa gilt als einer der bedeutendsten Herrscher des Mittelalters und ist im allgemeinen Geschichtsbewusstsein verankert. Während der ersten knapp 25 Jahre seiner 38 Jahre währenden Regierung war sein Hauptziel die Wiederherstellung der Herrschaft des deutschen Königs und Kaisers in Italien. Trotz zwischenzeitlicher Erfolge konnte der Staufer die oberitalienischen Städte nicht bezwingen. Bis 1158 arbeitete Friedrich vor allem an der Konsolidierung seiner Herrschaft im deutschen Reichsgebiet. Ab dann intensivierte er seine Italienpolitik.
Fokus dieser Arbeit ist die Auslegung der Beschlüsse vom September und November 1158. Im Januar 1159 kam es darüber zum Konflikt zwischen Barbarossa und Mailand. Wie kam es zu diesem Konflikt? Was war der Inhalt dieser Vereinbarungen? Wie verstand sie der Kaiser und wie interpretierten sie die Mailänder? Was sagen die Quellen dazu? Das sind die Hauptfragen der Untersuchung, deren Grundlage die zwei wichtigsten Quellen dazu sind: die ´Gesta Federici´ des Bischof Otto von Freising und seines Schreibers Rahewin2 sowie die
´Narratio de Longobardie obpressione´ eines unbekannten Mailänder Bürgers.
In einem ersten Schritt wird dazu der Ablauf der Geschehnisse dargestellt und es wird versucht, diese in den historischen Kontext einzuordnen. Danach wird auf die Quellen, ihre Perspektiven und Bedeutung eingegangen. Den Hauptteil bildet die Auseinandersetzung mit den Quellen zu den Geschehnissen. Die Ergebnisse werden
in einem Fazit festgehalten.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
I. Historischer Kontext
1.1 Die Ereignisse
1.2 Die Quellen
II. Die Darstellung in den Quellen
III. Fazit
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht und vergleicht die unterschiedlichen Darstellungen des Konflikts zwischen Kaiser Friedrich I. Barbarossa und der Stadt Mailand im Zeitraum von September 1158 bis Januar 1159, basierend auf der Analyse zweier zeitgenössischer Quellen.
- Historischer Rahmen der Italienpolitik Barbarossas im 12. Jahrhundert
- Gegenüberstellung der kaiserlich orientierten "Gesta Federici" und der Mailänder "Narratio de Longobardie obpressione"
- Analyse der widersprüchlichen Interpretationen der Abkommen und Ereignisse zwischen den Konfliktparteien
- Untersuchung der historiographischen Absichten und der tendenziösen Berichterstattung beider Quellenautoren
Auszug aus dem Buch
II. Die Darstellung in den Quellen
Begonnen wird mit der Darstellung des Vertrages zwischen Friedrich Barbarossa und Mailand vom 1. September 1158. Zuvor wurde Mailand belagert, aber nicht eingenommen. Rahewin sieht die Mißerfolge in den zahlreichen Scharmützeln als Hauptursache: „Schon waren die Mailänder durch die vielen Mißerfolge mürbe geworden“. Der Mailänder Anonymus geht auf die Kampfhandlungen kaum ein und stellt die angebliche moralische Überlegenheit der Mailänder in den Vordergrund. Weiter berichtet der Anonymus nicht, dass Mailand vom Umland abgeschnitten war und unter Versorgungsproblemen litt. Dieser Umstand gab wohl den Ausschlag zur Kapitulation. Schließlich ergaben sich die Mailänder und versuchten sich durch eine Geldzahlung frei zu kaufen. Barbarossa forderte aber noch weitere Verpflichtungen der Mailänder ein, machte aber auch Zugeständnisse. Es fällt auf, dass Rahewin von einem „Friedensschluß“ aufgrund einer „Bitte um Frieden“ durch die Mailänder spricht und dadurch die Überlegenheit des Kaisers herausstellt. Der Anonymus spricht nicht von Unterwerfung, sondern von „Übereinkunft“, lateinisch „concordia“. Der Anonymus stellt die Friedensbedingungen außerdem verfälscht dar. Sein Ziel ist es, die Kommune als vertragstreu darzustellen, den Kaiser aber nicht.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Arbeit führt in die Person Friedrich Barbarossas ein und definiert die zentrale Fragestellung bezüglich der gegensätzlichen Quellenauslegung der Konflikte mit Mailand.
I. Historischer Kontext: Dieses Kapitel erläutert die Ursprünge des Konflikts zwischen der aufstrebenden Kommune Mailand und den kaiserlichen Herrschaftsansprüchen sowie die Charakterisierung der herangezogenen Quellenschriften.
II. Die Darstellung in den Quellen: Dies ist der Hauptteil der Arbeit, der detailliert aufzeigt, wie die beiden Quellen die Vertragsverhandlungen und kriegerischen Ereignisse für ihre jeweiligen parteiischen Zwecke instrumentalisieren.
III. Fazit: Die Arbeit resümiert, dass beide Quellen hochgradig tendenziös sind und jeweils versuchen, die Schuld am Konflikt der Gegenseite zuzuschreiben, um die eigene Rechts- oder Moralposition zu stützen.
Schlüsselwörter
Friedrich Barbarossa, Mailand, Mittelalter, Italienpolitik, Quellenauslegung, Historische Analyse, Rahewin, Otto von Freising, Kommune, Reichstag, Rechtsansprüche, Geschichtsschreibung, Konfliktanalyse, Concorda, Konsuln
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie zwei historisch konträre Quellen die Ereignisse und Verhandlungen zwischen Kaiser Friedrich Barbarossa und der Stadt Mailand im späten 12. Jahrhundert interpretieren.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Italienpolitik des Kaisers, dem Selbstverständnis der mailändischen Kommune und der Art und Weise, wie mittelalterliche Geschichtsschreibung zur Rechtfertigung politischer Ansprüche genutzt wurde.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist ein kritischer Vergleich der "Gesta Federici" und der "Narratio de Longobardie obpressione", um aufzuzeigen, wie beide Texte die Geschichte für ihre jeweilige Seite "umschreiben".
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit nutzt die Methode der quellenkritischen Analyse und den direkten Vergleich von Narrativen, um Intentionen und Verzerrungen der jeweiligen Autoren herauszuarbeiten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil widmet sich der konkreten Gegenüberstellung der Schilderungen zu den Ereignissen zwischen September 1158 und Januar 1159, insbesondere den Vertragsinhalten und den kriegerischen Auseinandersetzungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich am besten mit Begriffen wie Barbarossas Italienpolitik, mittelalterliche Quellengeschichte, Kommunale Selbstbestimmung und politische Legitimationsstrategien zusammenfassen.
Warum bewertet der Autor die Quellen als tendenziös?
Der Autor stellt fest, dass beide Seiten bewusst Informationen auslassen oder verfälschen, um ihre eigene Partei als vertragstreu und die Gegenseite als wortbrüchig oder machtbesessen darzustellen.
Welche Rolle spielt die "Hofnähe" von Otto von Freising für die Arbeit?
Die Nähe zum Kaiserhaus dient als Erklärung für die kaisertreue Perspektive in der "Gesta Federici", die den Kaiser als legitimen und gemäßigten Herrscher in den Vordergrund stellt.
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- Steffen Rudolph (Author), 2011, Friedrich Barbarossa und Mailand, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/197370