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Gottfrieds Leserlenkung im Tristan

Das Gottesurteil der Isolde als Höhepunkt von Täuschung und Sympathie

Title: Gottfrieds Leserlenkung im Tristan

Term Paper , 2012 , 14 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Franziska Müller (Author)

German Studies - Older German Literature, Medieval Studies

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Summary Excerpt Details

1. Einleitung
(...) Nachdem Isoldes Ehemann, König Marke, sie und Tristan bereits des Öfteren verdächtigt hat Ehebruch zu begehen und nun der gesamte Hof über ein Verhältnis der beiden spricht, soll Isolde ihre Unschuld unter Beweis stellen. Geschickt fädelt Isolde eine List ein, so dass ihr Schwur vor Gott so mehrdeutig ausgelegt werden kann, dass er für sie selbst eine andere Wahrheit enthält als für Marke und die anderen Anwesenden (vgl. V.15711 - V.15720). Ist der Textstelle des Gottesurteils in der mittelalterlichen Forschung schon viel Aufmerksamkeit gewidmet worden, insbesondere Gottfrieds Kommentar über den „vil tugenthafte[n] Krist“ (V.15739), so blieb doch ein Aspekt bisher nahezu unberücksichtigt: Wie kommt es, dass eine - der Ausdruck scheint an dieser Stelle angebracht - Betrügerin wie Isolde, die die Ehe gebrochen hat, und nun vor der hohen Instanz Gottes einen „vergifteten Eid“ leistet, nicht nur ungeschoren davonkommt, sondern damit beim Leserpublikum durchaus auch auf Wohlwollen stößt?
Um diese Frage zu beantworten, soll im Folgenden der Einfluss des Erzählers auf den Leser genauer untersucht werden. Insbesondere soll geprüft werden, ob gezielt Leserlenkung betrieben wird. Dazu sollen neben dem eigentlichen Gottesurteil auch die Entwicklungen der Handlung kurz vor demselben berücksichtigt werden, so dass sich die Untersuchung auf die Verse 15271-15768 konzentriert.
Um die Hintergründe des Gottesurteils in der Mittelalterlichen Rechtsprechung zu verstehen und damit einen besseren Zugang zu den Erzählerkommentaren zu schaffen, soll zunächst ein kurzer Überblick über die Gottesurteile im Mittelalter erfolgen, wobei der Schwerpunkt auf der Probe mit dem glühenden Eisen liegt, während die weiteren Ordalien lediglich der Vollständigkeit halber Erwähnung finden.
Das Hauptaugenmerk wird danach auf der Untersuchung der Rolle des Erzählers liegen, wobei diese hier nicht nur nicht nur explizite Erzählerkommentare, sondern auch direkte Figurenrede umfassen soll. Die zu untersuchende Textstelle wird dazu in drei Abschnitte eingeteilt: Zunächst die Verse 15271-15553, in denen Isolde von dem Rat dazu verurteilt wird, sich der Probe mit dem glühenden Eisen zu stellen. Danach folgt eine Untersuchung der Erzählerrolle während Isoldes List mit dem angeblichen Wallfahrer (V.15554-15646). Der Schwerpunkt wird abschließend auf dem eigentlichen Gottesurteil liegen (V.15647-15768).

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Rechtsfindung im Mittelalter

2.1. Die gängigsten Methoden zur Rechtsfindung

2.2. Gottesurteile

3. V. 15271-15553: Isolde vor dem Rat und Beschluss des Gottesurteils

4. V . 15554-15646: Überfahrt und Isoldes List

5. V. 15647-15768: Die Probe mit dem glühenden Eisen

6. Zusammenfassung und Schlussfolgerung

Zielsetzung und Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht, durch welche narrativen Mittel der Erzähler in Gottfried von Straßburgs „Tristan“ eine gezielte Leserlenkung betreibt, um trotz Isoldes eindeutigem Ehebruch Sympathie und Wohlwollen für ihre Figur zu erzeugen. Dabei wird analysiert, wie die Darstellung von Isolde als Opfer und die negative Kontrastierung von König Marke die moralische Wahrnehmung der Rezipienten beeinflusst.

  • Analyse der narrativen Leserlenkung bei Gottfried von Straßburg.
  • Die Inszenierung der Figur Isolde als vermeintliches Opfer.
  • Die rhetorische Abwertung von König Marke.
  • Die Funktion der Erzählerkommentare und Figurenrede zur emotionalen Steuerung.
  • Rechtsgeschichtliche Hintergründe des Gottesurteils als literarisches Motiv.

Auszug aus dem Buch

V. 15647-15768: Die Probe mit dem glühenden Eisen

Gleich zu Beginn der Textstelle betont der Erzähler wieder den guten Charakter Isoldes, ihre vorbildliche Gesinnung und ihre Büßerkleidung. So ist die Rede von der „guote[n] künigîn Îsolt“ (V.15647); „diu wîse, diu guote, / ir andâht diu was gotelîch“ (V.15658f). Insgesamt zieht sich die Beschreibung Isoldes rund 40 (!) Verse hin (V.15647–15684), während das eigentliche Gottesurteil nur am Rande erwähnt wird. Der Fokus des Erzählers, seine Intention, liegt also erneut darin, Mitleid und Sympathie beim Leser hervorzurufen.

Wenn man Gottfrieds Schilderung mit einem kirchlichen Ritual vergleicht, so fällt einem als erstes auf, wie knapp seine Erzählung ist. Ihn interessiert die Königin: ihr Aussehen und Benehmen, ihre Angst und ihre List. Die ganze lange Liturgie, der sie beiwohnen musste, und die einen Schuldbewussten einfach durch ihr Nieaufhören in die größere Gespanntheit und Aufregung versetzen musste, erwähnt Gottfried in zwei auseinandergelegten Zeilen. [...] Man sieht, mit welcher Häufung plastischer Darstellungsformen Gottfried die Gestalt Isoldes in den Vordergrund stellt.

Isolde, so wird betont, habe „êre unde leben / vil verre ûf gotes güete ergeben“ (V.15677f); „hant unde herze beide / ergap si gotes segene / ze bewarne und ze pflegene“(V.15682–15684). Sodann kontrastiert der Erzähler dieses positive Bild der büßenden Isoldes mit dem der andern Anwesenden, indem er beschreibt, wie diese Isolde durch den Wortlaut ihres Eides schaden wollen (vgl. V.15685–15693). Einmal mehr wird Isolde damit von der Täterrolle in die Opferrolle gedrängt und erwirbt sich dadurch die Empathie und das Mitleid der Leserschaft.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik der Leserlenkung in Gottfrieds „Tristan“ ein und stellt die Forschungsfrage, wie Isolde trotz Ehebruchs beim Leser Sympathie gewinnt.

2. Rechtsfindung im Mittelalter: Dieses Kapitel erläutert die historischen Methoden der Rechtsfindung und ordnet das Gottesurteil, insbesondere die Eisenprobe, als rechtshistorisches Phänomen ein.

3. V. 15271-15553: Isolde vor dem Rat und Beschluss des Gottesurteils: Die Analyse zeigt, wie König Marke durch eine egoistische Darstellung abgewertet wird, um Isolde in die Opferrolle zu drängen.

4. V . 15554-15646: Überfahrt und Isoldes List: Dieses Kapitel untersucht die Planung der List durch Isolde und wie der Erzähler diesen bewussten Betrug durch seine Darstellung als positiven Akt rechtfertigt.

5. V. 15647-15768: Die Probe mit dem glühenden Eisen: Der Fokus liegt auf der emotionalen Vorbereitung des Publikums auf das Gottesurteil, bei dem Isolde erneut als vorbildlich und gottergeben inszeniert wird.

6. Zusammenfassung und Schlussfolgerung: Das Fazit bestätigt, dass die Leserlenkung durch den bewussten Einsatz von Kontrasten und die emotionale Identifikation mit Isolde gezielt durch den Erzähler gesteuert wird.

Schlüsselwörter

Tristan, Gottfried von Straßburg, Isolde, Gottesurteil, Leserlenkung, Erzählerrolle, Mittelalter, Rechtsgeschichte, Eisenprobe, Ehebruch, Sympathie, Täuschung, König Marke, Literaturanalyse, Figurenrede.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?

Die Arbeit analysiert die erzählerischen Strategien in Gottfried von Straßburgs „Tristan“, mit denen der Autor die Sympathie der Rezipienten für die Figur der Isolde trotz ihres Ehebruchs gewinnt.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Zentrale Felder sind die literarische Leserlenkung, die mediale Darstellung von Schuld und Unschuld sowie die rechtshistorische Einordnung von Gottesurteilen im Kontext höfischer Dichtung.

Was ist die primäre Forschungsfrage?

Es wird untersucht, warum und mit welchen Mitteln der Erzähler eine „Betrügerin“ wie Isolde so darstellt, dass sie beim Leser trotz ihrer Verfehlungen Mitleid und Wohlwollen hervorruft.

Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?

Die Untersuchung basiert auf einer textnahen Analyse der Verse 15271–15768 unter Einbeziehung relevanter wissenschaftlicher Forschungsliteratur zur mittelalterlichen Rechtsgeschichte und Literaturwissenschaft.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in drei Abschnitte: die Verurteilung zum Gottesurteil, die List der Isolde vor der Überfahrt und die Durchführung der Eisenprobe selbst.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Leserlenkung, Gottesurteil, Tristan, Isolde, Betrug, Empathie und Erzählerkommentar.

Wie stellt der Erzähler König Marke im Vergleich zu Isolde dar?

König Marke wird als egoistisch, feige und unsympathisch gezeichnet, während Isolde durchgehend mit positiven Attributen belegt und als Opfer von Intrigen inszeniert wird.

Welche Bedeutung kommt dem Gottesurteil im Werk zu?

Das Gottesurteil dient als dramatischer Höhepunkt, der durch Isoldes listige Eidesformulierung und ihre inszenierte Frömmigkeit dazu genutzt wird, ihre „Unschuld“ vor Gott und den Augen des Hofes zu beweisen.

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Details

Title
Gottfrieds Leserlenkung im Tristan
Subtitle
Das Gottesurteil der Isolde als Höhepunkt von Täuschung und Sympathie
College
University of Heidelberg  (Germanistisches Seminar)
Grade
1,0
Author
Franziska Müller (Author)
Publication Year
2012
Pages
14
Catalog Number
V197344
ISBN (eBook)
9783656235286
ISBN (Book)
9783656236931
Language
German
Tags
gottfrieds leserlenkung tristan gottesurteil isolde höhepunkt täuschung sympathie
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Franziska Müller (Author), 2012, Gottfrieds Leserlenkung im Tristan, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/197344
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