Zu keiner Zeit stand körperliche Attraktivität wohl im Mittelpunkt der Medien wie heute (Stahr 2000, S. 82). Und tatsächlich ordnen sich heute in erschreckenden Dimensionen Frauen – jeden Alters – einem Schönheitsideal unter, das unter ´normalen´ und gesunden Umständen nur selten zu erreichen ist. Bette (1993, S. 41) zufolge scheint der Körper „ ... als beobachtbare Größe ... die Instanz zu sein, um die eigene Individualität zu markieren und sozial wirkungsvoll vorzuführen“. Der menschliche Körper als Symbol für Ansehen und Attraktivität – eine solche Haltung äußert sich beim weiblichen Geschlecht mehr und mehr in den Essstörungen Anorexie und Bulimie (Waldrich 2004, S. 63), denn vor allem Frauen sehen sich dem Diktat des Schlankheitsideals unserer heutigen Gesellschaft untergeordnet. Mit dem folgenden Zitat von Marya Hornbacher (2003, S. 18) scheint sich der enorme Einfluss der Industriegesellschaften auf Essstörungen zu bestätigen:
„Auch mir standen andere Methoden der Selbstzerstörung zur Verfügung, unzählige Ventile, die ich für meinen Perfektionismus, meinen Ehrgeiz, meine übertriebene Intensität hätte suchen können. Es hätte unzählige andere Möglichkeiten gegeben, mich mit der von mir als höchst problematisch empfundenen Gesellschaft auseinanderzusetzen. Aber ich wählte die Essstörung. Deshalb glaube ich, dass ich mir andere Mittel gesucht hätte, um von der Gesellschaft anerkannt zu werden, wenn ich in einer Gesellschaft aufgewachsen wäre, die Schlankheit nicht zu einem hohen Gut erklärt.“
Hierzulande bestimmen, im Gegensatz zu den Jahrzehnten davor, Körper und Aussehen das Lebensgefühl (Seyfahrt 2000, S. 17) – der Markt hat die Oberhand über unser Essverhalten gewonnen. Ein schlanker und fitter Frauenkörper verspricht nach allgemeiner Ansicht Erfolg, so dass frau dem Schönheitsideal um jeden Preis entsprechen will (Waldrich 2004, S. 63). Die Autoren Stahr et al. interpretieren die Entwicklung der ´Modellierung´ folgendermaßen:
„Frauen [haben] im Laufe der Geschichte in immer perfekterer Weise gelernt, diese zu Stereotypen herangereiften Bilder einer idealen Weiblichkeit zu verinnerlichen und ihren Körper dementsprechend zu modellieren. … Die Bildung ihrer Identität richtet sich nach ihrer Wirkung nach außen und spiegelt sich in ihrer körperlichen Modellierung“ (ebd. 1998, S. 17).
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Das Schlankheitsideal aus historischer und aktueller Sicht
2.1 Das weibliche Körperbild in den verschiedenen Epochen
2.2 Wandel der medizinischen Maßstäbe
2.3 Wandel des Idealbildes
2.4 ´90‐60‐90´ – Pathologie der ´Idealmaße´
3. Schönheitskult und Schlankheitswahn
3.1 Der Körper als Statussymbol
3.1.1 ´Dünnsein´ als Schlüssel zum Erfolg
3.1.2 ´Dicksein´ als sozialer Makel
3.1.3 Kulturkomparatistische Perspektiven: Andere Völker – andere Sitten
3.1.4 Der besondere Druck für das weibliche Geschlecht
3.2 Körperbild und Attraktivität
3.2.1 Die wachsende Bedeutung von Attraktivität in Industriegesellschaften
3.2.2 Exemplarisches Statement: Ansichten einer ´öffentlichen Person´
3.3 Unsere Konsumkultur – Die Bedeutung der kommerziellen Zwänge
3.4 Der Stellenwert von Sport und Fitness in unserer Gesellschaft
3.5 Models – ´Vorbilder ohne Maß´
3.6 Frauenzeitschriften – Das Bild der Frau
3.6.1 Die ´falsche Realität´ in den Zeitschriften
3.6.2 Das Thema ´Abnehmen´ als Kassenschlager
3.6.3 Ideal und Realität – das Dilemma der Selbstakzeptanz
3.6.4 Stars und ihr Kampf um die Traumfigur
4. Diäten als ´Einstiegsdroge´
4.1 Verbreitung von Diäten
4.2 Die Diätfalle – Im Teufelskreis der Abmagerungskuren
4.3 Ein Experiment zu Auswirkungen auf das Ernährungsverhalten
4.4 Körperliche Risiken bei Diäten
5. Essstörungen – Ein allgemeiner Überblick über Anorexie und Bulimie
5.1 Anorexia nervosa (Magersucht)
5.1.1 Entwicklungsgeschichte
5.1.2 Bezeichnung und Definition
5.1.3 Diagnosekriterien
5.1.4 Körperschemastörung und Körpergefühl
5.1.5 Krankheitsbedingte Folgeerscheinungen
5.1.6 Magersüchtige und ihre Beziehung zum Essen
5.1.7 Häufigkeit und Verbreitung: Die Pubertät als kritische Zeit
5.1.8 Heilungschancen
5.1.9 Sterblichkeitsrate
5.2 Die Thematisierung von Essstörungen in der Öffentlichkeit
5.2.1 Provokation – der richtige Weg zur Aufklärung?
5.2.2 Untergewicht – verbreitet wie verharmlost
5.3 Bulimia nervosa (Ess‐Brechsucht)
5.3.1 Entwicklungsgeschichte
5.3.2 Bezeichnung und Definition
5.3.3 Diagnosekriterien
5.3.4 Krankheitsbedingte Folgeerscheinungen
5.3.5 Ess‐Brech‐Süchtige und ihre Beziehung zum Essen
5.3.6 Häufigkeit und Verbreitung
5.3.7 Heilungschancen
5.4 Ein gestörtes Essverhalten
6. Gesellschaftlich bedingte Einflussfaktoren auf Essstörungen
6.1 Das Körperideal unserer Gesellschaft
6.2 Die Wirksamkeit der Medien
6.3 Die Frau im Rollen‐Spagat
6.4 Essstörungen als Lifestyle: Die Pro‐Ana‐Szene
7. Eine sportbezogene Essstörung: Die Anorexia athletica
7.1 Untersuchungen (zwischen Sportlern und Nicht‐Sportlern)
7.2 Bezeichnung und Definition der Anorexia athletica
7.3 Unterschiede zur Anorexia nervosa
7.4 Zusammenhänge zwischen Essstörungen und Sport
7.5 Übergang von exzessivem Sporttreiben zur Anorexia nervosa
7.6 Gemeinsamkeiten mit der Anorexia nervosa
7.7 Symptomatik bei der Anorexia athletica
7.7.1 Erste körperliche Veränderungen
7.7.2 Verhaltensauffälligkeiten und ‐veränderungen
7.8 Sportförderung im Jugendalter
7.8.1 Körperliche Entwicklung und Leistungssport
7.8.2 Belastungen für die psychische Gesundheit von Leistungssportlern
7.9 Der Stellenwert einer ausgewogenen Ernährung im Sport
7.9.1 Bedeutung und Konsequenzen einer Mangelernährung für Sportler
7.9.2 Ein gesundes Verhältnis zwischen Belastung und Energiebedarf
7.10 Körperliche Komplikationen und mögliche Folgeschäden
7.10.1 Auswirkungen auf den Hormonhaushalt
7.10.2 Auswirkungen auf die Menstruation
7.10.3 Auswirkungen auf den Knochenstoffwechsel (mit Fallbeispiel)
7.11 Prävention einer Anorexia athletica
8. Entstehungsfaktoren einer Anorexia athletica
8.1 Anforderungsprofile im Hochleistungssport
8.2 Gewichtsreduktion als sportartspezifische Notwendigkeit
8.3 Prävalenz der Essstörungen in den ästhetischen Sportarten
8.4 Die Rolle des Trainers (mit Fallbeispielen)
8.5 Die überzogene Kultivierung des Schlankheitsideals im Sport
8.6 Druckaufbau seitens der Medien
9. Thematisierung von Anorexia athletica in der Öffentlichkeit
9.1 Problematisierung eines heiklen Themas im Leistungssport
9.2 Änderungen der Wettkampfbedingungen als Vorbeugung?
10. Schlussbetrachtung: Der leichtfertige Umgang mit einer ernst zu nehmenden Bedrohung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert den heutigen Schlankheitswahn, dessen soziokulturelle Einflussfaktoren auf Frauen sowie die daraus resultierenden Essstörungen, mit besonderem Fokus auf die umstrittene Anorexia athletica im Leistungssport.
- Historischer und aktueller Wandel von Körperidealen
- Die Rolle der Medien bei der Vermittlung von Schlankheitsnormen
- Kommerzialisierung und der Druck der Konsumgesellschaft
- Zusammenhang zwischen Essstörungen und sportlicher Aktivität
- Ursachen und Präventionsansätze für Anorexia athletica
Auszug aus dem Buch
1. Einleitung
Zu keiner Zeit stand körperliche Attraktivität wohl im Mittelpunkt der Medien wie heute (Stahr 2000, S. 82). Und tatsächlich ordnen sich heute in erschreckenden Dimensionen Frauen – jeden Alters – einem Schönheitsideal unter, das unter ´normalen´ und gesunden Umständen nur selten zu erreichen ist. Bette (1993, S. 41) zufolge scheint der Körper „ ... als beobachtbare Größe ... die Instanz zu sein, um die eigene Individualität zu markieren und sozial wirkungsvoll vorzuführen“.
Der menschliche Körper als Symbol für Ansehen und Attraktivität – eine solche Haltung äußert sich beim weiblichen Geschlecht mehr und mehr in den Essstörungen Anorexie und Bulimie (Waldrich 2004, S. 63), denn vor allem Frauen sehen sich dem Diktat des Schlankheitsideals unserer heutigen Gesellschaft untergeordnet. Mit dem folgenden Zitat von Marya Hornbacher (2003, S. 18) scheint sich der enorme Einfluss der Industriegesellschaften auf Essstörungen zu bestätigen: „Auch mir standen andere Methoden der Selbstzerstörung zur Verfügung, unzählige Ventile, die ich für meinen Perfektionismus, meinen Ehrgeiz, meine übertriebene Intensität hätte suchen können. Es hätte unzählige andere Möglichkeiten gegeben, mich mit der von mir als höchst problematisch empfundenen Gesellschaft auseinanderzusetzen. Aber ich wählte die Essstörung. Deshalb glaube ich, dass ich mir andere Mittel gesucht hätte, um von der Gesellschaft anerkannt zu werden, wenn ich in einer Gesellschaft aufgewachsen wäre, die Schlankheit nicht zu einem hohen Gut erklärt.“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung beleuchtet den gesellschaftlichen Druck durch moderne Schlankheitsideale und führt in die Thematik der Essstörungen bei Frauen und Athletinnen ein.
2. Das Schlankheitsideal aus historischer und aktueller Sicht: Ein historischer Abriss zeigt den Wandel von früheren Schönheitsidealen zum heutigen Schlankheitswahn, der stark durch medizinische Richtlinien und Modetrends geprägt wurde.
3. Schönheitskult und Schlankheitswahn: Dieses Kapitel erörtert, wie der Körper in der westlichen Gesellschaft zum Statussymbol und Leistungsinstrument wurde, wobei Medien und Zeitschriften eine zentrale Rolle bei der Vermittlung unrealistischer Körperbilder spielen.
4. Diäten als ´Einstiegsdroge´: Es wird dargelegt, wie scheinbar harmlose Diäten in eine gesundheitsschädigende Abwärtsspirale führen können, die oft den Beginn einer Essstörung markiert.
5. Essstörungen – Ein allgemeiner Überblick über Anorexie und Bulimie: Ein systematischer Überblick über Definitionen, Diagnosekriterien und gesundheitliche Folgen von Magersucht und Bulimie.
6. Gesellschaftlich bedingte Einflussfaktoren auf Essstörungen: Hier stehen die soziokulturellen Faktoren im Fokus, inklusive der Rolle der Medien und dem Rollenkonflikt, in dem sich Frauen heute befinden.
7. Eine sportbezogene Essstörung: Die Anorexia athletica: Untersuchung der spezifischen Problematik im Leistungssport, inklusive der Risikofaktoren, Symptomatik und der gesundheitlichen Komplikationen bei Athletinnen.
8. Entstehungsfaktoren einer Anorexia athletica: Analyse von sportartspezifischen Auslösern wie Anforderungsprofilen im Leistungssport, dem Einfluss von Trainern und dem permanenten Mediendruck.
9. Thematisierung von Anorexia athletica in der Öffentlichkeit: Diskurs über die Problematisierung der Essstörung im Hochleistungssport und Ansätze zur Änderung von Wettkampfbedingungen als Präventionsmaßnahme.
10. Schlussbetrachtung: Der leichtfertige Umgang mit einer ernst zu nehmenden Bedrohung: Das Fazit fasst die Erkenntnisse zusammen und betont die Dringlichkeit von Aufklärungsarbeit zum Schutz der Athleten.
Schlüsselwörter
Schlankheitswahn, Anorexia nervosa, Bulimia nervosa, Anorexia athletica, Körperbild, Medieneinfluss, Leistungssport, Diäten, Essstörungen, Selbstwertgefühl, Schönheitsideal, Unterernährung, Prävention, Körperkult, Frauensport.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den gesellschaftlichen, medialen und sportartspezifischen Ursachen für Essstörungen bei Frauen und Sportlerinnen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Schwerpunkte liegen auf der Entwicklung des Schlankheitsideals, der Rolle der Medien, der Mechanismen von Diät-Spiralen und den speziellen gesundheitlichen Risiken für Athletinnen (Anorexia athletica).
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, den Schlankheitswahn zu durchleuchten, die Zusammenhänge zwischen gesellschaftlichen Einflüssen und dem Hungern oder Erbrechen aufzuzeigen und die Sportstörung Anorexia athletica näher zu beleuchten.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Autorin stützt sich auf eine fundierte Literaturrecherche, die Einbeziehung psychologischer Studien sowie die Analyse von Fallbeispielen und Medienberichten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Analyse, die Untersuchung von Einflussfaktoren (Medien, Gesellschaft, Sport), die Beschreibung klinischer Krankheitsbilder (Anorexie, Bulimie) sowie eine tiefgehende Auseinandersetzung mit der Anorexia athletica.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Typische Begriffe sind Schlankheitswahn, Magersucht, Bulimie, Körperbild, Medienwirksamkeit und sportbezogene Essstörungen.
Warum ist Sport bei der Entwicklung einer Anorexia athletica ein kritischer Faktor?
Sport fördert zwar die Gesundheit, führt im Leistungssport jedoch oft zu einem extremen Fokus auf das Körpergewicht, um sportartspezifische Vorteile zu erreichen, was bei entsprechender Veranlagung in eine klinische Störung münden kann.
Wie beeinflussen Trainer die Entstehung von Essstörungen im Sport?
Trainer fungieren oft als Mentoren; ihre Anweisungen zur Gewichtsreduktion oder die indirekte Vermittlung, dass Dünnsein der Schlüssel zum Erfolg ist, können bei jungen Sportlerinnen einen massiven Leidensdruck und Fehlverhalten auslösen.
- Arbeit zitieren
- Veronika Rauchensteiner (Autor:in), 2011, Essstörungen im Sport, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/196826