Seit Einführung der neuen Maschinenrichtlinie im Jahre 2006 sehen sich viele Unternehmen der Maschinenbaubranche zwangsläufig mit erhöhtem Übersetzungsbedarf konfrontiert. Der Gesetzgeber macht in dieser Richtlinie erweiterte Vorgaben in Bezug auf Übersetzungen von Betriebsanleitungen von Maschinen, die durch den Hersteller bzw. den Inverkehrbringer der Maschinen umzusetzen sind. Viele Unternehmen sind bemüht die Vorgaben der Maschinenrichtlinie und anderer Gesetze und Verordnungen bezüglich der Betriebsanleitungen umzusetzen und dabei die Kosten für die Übersetzung möglichst gering zu halten. Dies ist auch der Grund für die Erstellung dieser Arbeit bei dem UnternehmenSynventive Molding Solutions. Hier wurde in den vergangenen jahren der Bereich der Technischen Dokumentation zentralisiert und die Erstellung eines Benutzerhandbuches umgesetzt. Im Bereich Übersetzung sind im Unternehmen noch keine Regeln für den Ablauf festgelegt. Es ist unklar wie man am besten bei der Erstellung von Übersetzungen in weitere Sprachen vorgehen soll und wo man Einsparungen bei Übersetzungen erzielen kann. Für diese Fragen versucht die vorliegende Arbeit Antworten zu liefern. Gedankenansätze des Unternehmens liegen z.B. darin, vorhandenes Personal mit der Übersetzung von Texten zu beauftragen. Dies könnten etwa Technische Redakteure, Ingenieure mit Fremdsprachenkenntnissen oder fachkundige Muttersprachler sein. Es stellt sich jedoch die Frage, ob dies der optimale Weg ist oder es vielleicht sinnvoller ist, die Übersetzungen bei einem externen Übersetzungsdienstleister in Auftrag zu geben.Wenn man von Übersetzungsdienstleistungen schreibt, so ist die Norm EN 15038:2006 ein wichtiges Referenzdokument, dass deshalb ebenfalls in dieser Arbeit behandelt wird. Professionelle Übersetzungswerkzeuge wie ein Translation-Memory-System (TMS) waren im Unternehmen bis dato nicht bekannt. Die Verwendungsmöglichkeiten und Vorteile solcher Programme aufzuzeigen, hat sich als ein wichtiger Aspekt dieser Arbeit herausgestellt. Deshalb werden diese Punkte beispielhaft an der Software Across erläutert. Die Qualität einer Übersetzung lässt sich bereits bei der Erstellung des Ausgangstextes nachhaltig beeinflussen, dieser Tatsache wird ebenfalls durch Behandlung des Themas Übersetzungsgerechte Texterstellung Rechnung getragen. Des Weiteren werden verschiedene Ablaufmöglichkeiten von Übersetzungen verglichen, die zur Umsetzung der Übersetzungen in weitere Sprachen in Frage kommen könnten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Themen des Übersetzungsmanagements
2.1 Übersetzung und das Produktsicherheitsrecht
2.1.1 EG-Konformitätserklärung
2.1.2 Die EU Maschinenrichtlinie 2006/42/EG
2.1.3 Produkthaftung
2.1.4 Strafrechtliche Verfolgung
2.2 Übersetzungsgerechtes Schreiben und Formatieren
2.2.1 Satzbau
2.2.2 Sprachstil
2.2.3 Terminologie
2.2.4 Formatierung
2.2.5 Redaktionsleitfaden
2.3 Hilfsmittel für die Texterstellung
2.3.1 Authoring-Memory-Systeme
2.3.2 Controlled-Language-Checkers
2.3.3 Content-Management-Systeme
2.4 Terminologiearbeit
2.4.1 Grundlegendes
2.4.2 Vorgehen
2.5 Qualitätsmanagement bei Übersetzungsdienstleistungen
2.5.1 EN 15038:2006 - Norm für Übersetzungsdienstleistungen
2.5.2 Relevante Inhalte der Norm
2.6 Translation-Memory-Systeme
2.6.1 Übersetzungsspeicher
2.6.2 Terminologiekomponente
2.6.3 Benutzeroberfläche
2.6.4 Workflow-Tool
2.6.5 Alignment
2.6.6 Server
2.7 Maschinelle Übersetzung
3. Das Unternehmen Synventive Molding Solutions
3.1 Entwicklung
3.2 Produkte
4. Ist-Situation des Übersetzungsablaufs bei Synventive
4.1 Übersetzungsbedarf
4.2 Vorhandene Terminologie
4.3 Aktueller Übersetzungsablauf
4.3.1 Intern durchgeführte Übersetzungen
4.3.2 Erfahrungen mit externen Übersetzern
4.4 Verbesserungsbedarf beim Übersetzungsablauf
4.4.1 Ausgangstexte
4.4.2 Übersetzung
4.4.3 Korrekturlesen
5. Optimierung des Übersetzungsablaufs bei Synventive
5.1 Übersetzungsgerechte Texterstellung
5.2 Terminologieverwaltung
5.3 Qualitätssicherung
5.4 Autorenunterstützung
5.5 Verwendung eines TMS am Beispiel Across
5.5.1 Wiederverwendung übersetzter Segmente
5.5.2 Automatische Terminologievorschläge
5.5.3 Reportfunktion
5.5.4 Server
5.5.5 Einsparungspotential durch ein TMS
6. Weitere Sprachen: Interne Übersetzung und Outsourcing
6.1 Auswahl eines Übersetzungsdienstleisters
6.2 Möglichkeiten des Übersetzungsablaufs
6.2.1 A) Übersetzungen werden durch einen Übersetzungsdienstleister durchgeführt
6.2.2 B) Übersetzungen werden durch die Firmensitze durchgeführt
6.2.3 C) Übersetzungen werden durch die Firmensitze mithilfe eines TMS durchgeführt
6.3 Gegenüberstellung der Übersetzungsabläufe
7. Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Arbeit besteht darin, das derzeit ineffiziente und ungeregelte Übersetzungsmanagement bei Synventive Molding Solutions zu analysieren und zu optimieren. Die zentrale Forschungsfrage untersucht, welcher Prozess – ob interne Abwicklung, Outsourcing oder die Implementierung eines Translation-Memory-Systems (TMS) – die kosteneffizienteste und qualitativ hochwertigste Lösung für das Unternehmen darstellt.
- Rechtliche Anforderungen der EU-Maschinenrichtlinie an technische Dokumentationen.
- Grundlagen der übersetzungsgerechten Texterstellung und Terminologieverwaltung.
- Bewertung von Translation-Memory-Systemen (TMS) als Werkzeug zur Kosten- und Zeitoptimierung.
- Analyse aktueller Ist-Zustände bei Synventive und Identifikation von Optimierungspotenzialen.
- Vergleich verschiedener Übersetzungsmodelle inklusive Outsourcing-Szenarien.
Auszug aus dem Buch
2.6 Translation-Memory-Systeme
Ein TMS ist eine Software die dazu konzipiert ist, den Übersetzer bei seiner Arbeit zu unterstützen. Man spricht in diesem Zusammenhang auch von CAT-Systemen (CAT = Computer Assisted Translation). Die zentrale Funktion eines TMS ist, bereits übersetzte Segmente wieder zu verwenden. Daneben enthalten viele der heutigen Systeme eine Terminologiekomponente, die Terminologievorschläge aus der internen Terminologiedatenbank zu Verfügung stellt. Zur Übersetzung wird der Ausgangstext in das TMS importiert. Dazu wird ein Projekt angelegt und dieses Projekt wird einem Kunden zugeordnet. Es lassen sich je nach Software weitere Einstellungen vornehmen. Nach der Übersetzung wird der Text exportiert. Moderne TMS können das Layout und die Formatvorlagen wie Zeichen-, Format- und Absatzvorlagen des Ausgangstextes nach der Übersetzung beim Export in den Zieltext übernehmen. Dies gilt auch für die Dokumentstruktur und Querverweise im Text. Hierbei ist i.d.R. eine Nachkontrolle nötig, jedoch beschränkt sich das Maß der Nachformatierung auf ein Minimum im Vergleich zur Übersetzung ohne ein TMS. Gängige TMS bieten nach dem Import eines zu übersetzenden Textes die Möglichkeit vor der Übersetzung eine Analyse zu erstellen, wie viele Segmente ggf. bereits in früheren Texten übersetzt wurden und wie viele Wiederholungen im Text vorkommen. Diese Funktion wird z.B. von Übersetzungsdienstleistern verwendet, um Angebote für Übersetzungen zu erstellen. TMS können auch weitere Features enthalten wie Qualitätsprüfungsfunktion, eine Server-Schnittstelle usw. Im Folgenden werden die gängigen Bestandteile eines TMS aufgeführt und erläutert.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Beschreibt die Herausforderungen durch die Maschinenrichtlinie 2006/42/EG und begründet die Notwendigkeit, das Übersetzungsmanagement bei Synventive zu professionalisieren.
2. Themen des Übersetzungsmanagements: Bietet einen theoretischen Überblick über rechtliche Rahmenbedingungen, Methoden der übersetzungsgerechten Texterstellung sowie die Funktionsweise von Translation-Memory-Systemen.
3. Das Unternehmen Synventive Molding Solutions: Stellt das Firmenprofil, die Unternehmensentwicklung und das Produktportfolio des Herstellers von Heißkanalsystemen vor.
4. Ist-Situation des Übersetzungsablaufs bei Synventive: Analysiert den aktuellen, manuellen Übersetzungsprozess bei Synventive und identifiziert Schwachstellen sowie den konkreten Verbesserungsbedarf.
5. Optimierung des Übersetzungsablaufs bei Synventive: Erläutert konkrete Lösungsansätze wie die Einführung eines Redaktionsleitfadens, systematischer Terminologiearbeit und den Einsatz von Across zur Kostenersparnis.
6. Weitere Sprachen: Interne Übersetzung und Outsourcing: Vergleicht drei verschiedene Szenarien für die zukünftige Abwicklung mehrsprachiger Projekte, um eine Entscheidungshilfe für das Management zu bieten.
7. Fazit und Ausblick: Fasst die Ergebnisse zusammen und empfiehlt eine vorausschauende Planungsstrategie für das Übersetzungsmanagement.
Schlüsselwörter
Übersetzungsmanagement, Technische Dokumentation, Synventive, Maschinenrichtlinie, Translation-Memory-System, TMS, Terminologiearbeit, Across, Qualitätssicherung, Produktsicherheit, Outsourcing, Übersetzungsprozess, Kosteneinsparung, Redaktionsleitfaden, Fachübersetzung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert das Übersetzungsmanagement innerhalb des Maschinenbauunternehmens Synventive Molding Solutions und entwickelt Strategien, um Übersetzungsabläufe effizienter und kostengünstiger zu gestalten.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Arbeit behandelt rechtliche Aspekte der Maschinenrichtlinie, Methoden der übersetzungsgerechten Texterstellung, die Einführung von Translation-Memory-Systemen und den Vergleich verschiedener Outsourcing-Modelle.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Hauptziel ist die Identifikation eines optimierten Übersetzungsprozesses, der bei hoher Qualität und Termintreue eine maximale Kosteneinsparung für das Unternehmen ermöglicht.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewendet?
Neben einer theoretischen Literaturanalyse nutzt die Arbeit eine Bestandsaufnahme der Ist-Situation, eine Marktanalyse durch Anfrage bei verschiedenen Dienstleistern sowie eine praktische Erprobung der Software Across.
Welche inhaltlichen Schwerpunkte bilden den Hauptteil?
Der Hauptteil konzentriert sich auf die Analyse der aktuellen Arbeitsprozesse, die Potenziale einer systemgestützten Übersetzung und den detaillierten Vergleich zwischen interner Abwicklung und externer Vergabe.
Welche Schlüsselwörter beschreiben die Arbeit am besten?
Die zentralen Schlagworte sind Übersetzungsmanagement, Translation-Memory-Systeme, Terminologiearbeit, Qualitätssicherung und Technische Dokumentation.
Warum ist die Maschinenrichtlinie 2006/42/EG so relevant für die Arbeit?
Sie erzwingt erweiterte Vorgaben zur Übersetzung von Betriebsanleitungen, was das Unternehmen Synventive dazu bewegt, seine bisher ungeregelten Prozesse zu professionalisieren, um Haftungsrisiken zu vermeiden.
Welchen Nutzen bringt laut der Arbeit der Einsatz eines TMS?
Ein TMS reduziert durch die Wiederverwendung bereits übersetzter Textsegmente („Matches“) sowohl die Übersetzungszeit als auch die Kosten signifikant und sorgt für eine konsistentere Terminologie.
Was ist das Ergebnis des Vergleichs der Übersetzungsabläufe?
Die Arbeit zeigt, dass eine Standardisierung durch ein TMS bei interner Abwicklung oder eine gezielte Vergabe an Dienstleister bei gleichzeitiger Prozessoptimierung die besten Perspektiven für das Unternehmen bietet.
- Arbeit zitieren
- Andreas Schobner (Autor:in), 2012, Optimierung des Übersetzungsmanagements eines Großunternehmens, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/196822